Franchise Fives: Washington Wizards

Ein Meistertitel, Finalniederlagen und Air Jordan, aber auch Namenswechsel, Waffenprobleme und Erfolglosigkeit. In der Franchise-Geschichte der Washington Wizards ist viel passiert. Wer hat es in die All-Time Starting Five des Hauptstadt-Clubs geschafft?

In einer lose fortlaufenden History-Serie stellen wir auf basketball.de die herausragenden Starting Fives aller 30 NBA-Franchises zusammen und zur Diskussion.

Neben den Startern werden im Hinblick auf 70 Jahre NBA (inklusive ABA) zudem ihre Backups sowie insgesamt 30 Head Coaches benannt.

Die „Auserwählten“ müssen mindestens vier Jahre für das jeweilige Team erfolgreich gespielt/gearbeitet haben. Dabei stehen ihre Leistungen für die betreffende Mannschaft und nicht die Gesamtkarrieren im Fokus. Auch müssen die Profis auf der Position zum Einsatz kommen, auf der sie für das jeweilige Team aufgelaufen sind.

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Heute als Washington Wizards bekannt, wurde die Franchise ursprünglich 1961 als erstes Expansion-Team in Chicago unter dem Namen „Packers“ gegründet. Nach nur einer Saison wurde die Mannschaft aufgrund von Beschwerden (Packers heißt ebenso der Erzrivale des Footballteams) jedoch in Zephyrs umbenannt.

Die Stars des Teams waren die jungen Draft-Picks Walt Bellamy und Terry Dischinger, die nacheinander den „Rookie of the Year“-Award in den Jahren 1962 und 1963 gewannen.

Nach nur zwei Jahren in Chicago zog das Team nach Baltimore um und wurde fortan als Bullets geführt. Ihre erste Saison in Maryland beendete die Franchise auf dem vorletzten Platz der Western Conference. Im darauffolgenden Sommer vollzogen die Bullets einen Blockbuster-Trade, der unter anderem Dischinger nach Detroit transferierte. Insgesamt waren sieben Spieler involviert, und Baltimore ging großes Risiko, was sich aber bezahlt machen sollte.

1965 zog Baltimore erstmals in die Playoffs ein und besiegte in der ersten Runde überraschend St. Louis. Schließlich mussten sich Bellamy & Co. den Lakers im Westfinale geschlagen geben.

Nach diesem Höhenflug (auch 1966 wurde die Endrunde erreicht) kam das Team aber relativ schnell wieder auf den Boden. So waren die beiden Folgejahre von zunehmenden Niederlagen geprägt.

Der positive Effekt: Die Bullets durften zweimal früh im Draft ziehen und trafen mit der Wahl von Earl Monroe und Wes Unseld kluge Entscheidungen. Von heute auf morgen verbesserte sich das Team beträchtlich und zog somit 1969 wieder in die Playoffs ein. 

Sowohl 1969 als auch 1970 zog die Franchise gegen die New York Knicks den Kürzeren. Doch gemäß dem Spruch, dass aller guten Dinge drei sind, bezwangen die Bullets 1971 schließlich die Knicks. So zog die Franchise erstmals in die NBA-Finals ein, in denen sie aber den übermächtigen Milwaukee Bucks in vier Spielen unterlag.

In den beiden Folgesaisons wiederholte sich die Situation, und das Team aus Maryland unterlag den New Yorkern in den Playoffs. 1973 zog die Franchise dann abermals um. Allerdings nur 50 Kilometer gen Süden nach Landover, einem Vorort von Washington D.C.

Das Team wurde in Capital Bullets umbenannt. Aber auch das half nicht gegen die Knicks, und man scheiterte zum dritten Mal in Serie am gleichen Gegner. Im Übrigen mit Monroe, der einen Trade gefordert hatte und Ende 1971 nach New York geschickt worden war.

Aus den Capital Bullets wurden zur Saison 1974/75 die Washington Bullets. Diese zogen sogleich in die NBA-Finals ein, die aber erneut mit null Siegen verloren gingen. Dieses Mal gegen die Warriors.

Nach all den bitteren Niederlagen war es an der Zeit: Die Franchise holte sich 1978 nach einer enttäuschenden regulären Saison erst- und letztmalig den NBA-Titel. Nach sieben Spielen triumphierten die Bullets über die SuperSonics. Im folgenden Jahr verloren sie hingegen das Rematch gegen Seattle in den Finals deutlich.

Anschließend wurde es ruhiger um die Franchise. Sie erreichte zwar in den nächsten zehn Jahren siebenmal die Playoffs, aber bis auf eine Ausnahme war in der ersten Runde stets Endstation. Die große Durststrecke folgte indes erst noch.

Gehörten Playoff-Teilnahmen vorher in D.C. zur Selbstverständlichkeit, so erreichte die Franchise zwischen 1989 und 2004 nur einmal die Postseason. Zwischen den ganzen Misserfolgen wurde der Name des Teams wieder geändert, da gemäß dem langjährigen Eigner „Bullets“ einen negativen Beiklang habe.

Aus so einfallsreichen Vorschlägen wie „Sea Dogs“, „Dragons“, „Express“ oder „Stallion“ wurde schließlich Wizards ausgewählt. Ein Name, der in Washington kaum auf Jubelstürme stieß. Immerhin zog die Franchise 1997 nach Downtown D.C. um.

Wenig später wurde zudem Michael Jordan als Team-Präsident verpflichtet. Auch vollzog „Air“ im September 2001 sein zweites Comeback als Spieler. Doch selbst die Rückkehr von Jordan in einer Doppelrolle brachte wenig, und so wurde er 2003 gefeuert.

Mitte der Nullerjahre begann in D.C. die kurze Hochzeit von Gilbert Arenas. Um ihn, Antawn Jamison und Caron Butler formten die Wizards ein Playoff-Team, das aber Jahr für Jahr an den Cleveland Cavaliers um LeBron James scheiterte.

Zu Beginn der Saison 2008/09 unterschrieb Arenas einen Sechsjahresvertrag über 111 Millionen Dollar, der im Nachhinein betrachtet eine Katastrophe war. So konnte „Agent Zero“ verletzungsbedingt anschließend kaum spielen. Zudem wurde Ende 2009 öffentlich, dass er mehrere Waffen in seinem Spind aufbewahrte und er und ein Mitspieler sich gegenseitig bedrohten.

Im Anschluss daran rissen die Wizards ihr Team komplett ein und tradeten viele Spieler. Am Saisonende bekamen sie den ersten Draft-Pick, den sie für John Wall verwendeten und ihn zum neuen Gesicht der Franchise erklärten. 2012 folgte noch Bradley Beal, und die neuen Wizards mit ihrem hochtalentierten Backcourt waren geboren.

Das Team erreichte ab 2014 viermal die Playoffs, schaffte es aber nie in die Conference Finals. Derzeit steckt die Franchise wohl da fest, wo niemand sein möchte: im Niemandsland ohne große Chance auf Besserung. Teure Verträge, schwere Verletzungen und zu wenig Spielerentwicklung führen dazu, dass es eigentlich nur noch eine Frage der Zeit ist, bis der Reset-Knopf gedrückt wird.


Point Guard: John Wall

Teamzugehörigkeit: 2010- | Kernstats: 19,0 PpG, 9,2 ApG, 4,3 RpG, 1,7 SpG, 51,9% TS

Nachdem die Gilbert-Arenas-Ära ein jähes Ende gefunden hatte, wählten die Wizards mit dem ersten Pick im Draft 2010 einen pfeilschnellen Point Guard von der University of Kentucky aus.

John Wall wurde sofort zum neuen Gesicht der Franchise auserkoren, und er enttäuschte nicht. Bereits in seiner Premieren-Saison überzeugte er und legte im Schnitt etwas mehr als 16 Punkte und acht Assists pro Spiel auf. Wurfprobleme und zu viele Ballverluste verhinderten eine noch stärkere Saison, die aber trotzdem mit dem All-Rookie First Team und dem zweiten Platz bei der Wahl zum „Rookie of the Year“ zu gefallen wusste.

Gesamtheitlich lief es für Washington allerdings nicht besser. Entprechend beendeten die Wizards die Saison mit gerade einmal 23 Siegen (26 zuvor).

In seiner zweiten Saison steigerte sich Wall individuell nicht. Seine Quoten blieben gleich, kollektiv gewann das Team weniger Spiele als in der Vorsaison.

Nachdem die Wizards aber im damals anstehenden Draft Bradley Beal auswählten, sollte es für Franchise und ihren Playmaker relativ schnell bergauf gehen.

Etwas mehr als ein Drittel der kommenden Saison verpasste Wall mit einer Knieverletzung. Doch nach seiner Rückkehr und mit einem geeigneten Backcourt-Partner machte Wall einen Sprung: Er traf aus der kurzen Distanz besser, leistete sich weniger Ballverluste und verteidigte engagiert. Washington gewann mehr Spiele als zuvor, aber für die Playoffs reichte es immer noch nicht.

Diese sollten in der Saison 2013/14 folgen. Wall blieb fit, bestätigte seine Leistungssteigerung aus dem Vorjahr und führte sein Team zu 44 Siegen und auf den fünften Platz im Osten. In der ersten Playoff-Runde besiegten die Wizards die Bulls ohne Probleme, mussten sich aber anschließend den Pacers in sechs Spielen geschlagen geben. Individuell durfte er sich über seine erste All-Star-Nominierung und den Gewinn des Slam-Dunk-Contests freuen.

Von da an war Wall Stammgast beim All-Star Game. Den größeren Erwartungen wurde er im fünften Jahr auch am defensiven Ende gerecht. Der 1,93 Meter große Athlet rief sein riesiges Potential konstanter ab und wurde zu einem effektiven Guard-Verteidiger. Die Wahl ins All-Defensive Second Team war die Belohnung.

Offensiv änderte sich derweil nicht allzu viel, und Washington scheiterte 2015 abermals in der zweiten Runde der Playoffs. Dieses Mal an Atlanta.

Das kommende Jahr verlief enttäuschend. Wall spielte seinen Stiefel runter und assistierte viel. Aber das Team kam schlussendlich nur auf eine Siegesquote von 50 Prozent und verpasste die Endrunde.

2016/17 wurde Walls bisher beste Saison. Er attackierte den Korb wieder viel aggressiver, zog überdurchschnittlich viele Freiwürfe und konnte damit zum ersten Mal ein Offensivrating von über 110 erreichen. 23,1 Punkte und 10,7 Assists pro Partie bedeuteten zudem ebenfalls persönliche Bestwerte.

Washington gewann dabei 49 Spiele (die höchste Ausbeute der Franchise seit 1979) und musste sich den Celtics erst im siebten Spiel der Semifnals geschlagen geben. Wall wurde wieder All-Star, kam erstmals ins All-NBA Third Team und unterschrieb Ende Juli 2017 als einer der ersten Spieler einen Supermax-Vertrag.

Fortan unter noch größerem Druck, wurden die letzten beiden Jahre zu einer Katastrophe. Der Mann aus North Carolina absolvierte nur 73 von maximal möglichen 162 Spielen und fällt mit einem Achillessehnenriss auch noch einige Zeit aus. Inzwischen wird sein 2017 unterschriebener Vertrag als einer der „schlechtesten“ der Liga angesehen.

Sportlich konnten die Wizards den Ausfall ihres Franchise-Spielers nicht verkraften. Washington rutschte wieder ins untere Mittelmaß. Wann und wie der 28-Jährige zurückkehrt, bleibt abzuwarten.

Spielerisch besticht ein fitter John Wall mit seiner enormen Geschwindigkeit und einem tollen Passspiel. Es ist für ihn ein leichtes, zum Korb zu ziehen und die Defense kollabieren zu lassen. Zu kritisieren ist sicherlich seine Wurfauswahl und die ungenügende Entwicklung beim Distanzwurf, was es ihm fast unmöglich macht, abseits des Balles zu spielen. Hinzu kommt die inkonstante Defense des fünfmaligen All-Stars.

Backup: Gilbert Arenas (2003-2010: 25,0 PpG, 5,7 ApG, 4,2 RpG, 1,8 SpG; 55,3% TS, 3x All-Star, 3x All-NBA)


Shooting Guard: Jeff Malone

Teamzugehörigkeit: 1983-1990 | Kernstats: 20,2 PpG, 2,7 RpG, 2,8 ApG, 32,8 MpG, 52,7% TS

Die Position des Shooting Guards ist die wohl am tiefsten besetzte in der Historie der Franchise. Mit Bradley Beal, Jeff Malone, Phil Chenier und Earl Monroe gab es vier Kandidaten, die es zweifellos verdient gehabt hätten, hier zu stehen. Aber schlussendlich kann es nur einen geben, und das ist Punktegarant Jeffrey Nigel Malone.

1983 von den damaligen Bullets an zehnter Position gezogen, entwickelte er sich relativ schnell zu einem wichtigen Bestandteil des Teams. Zwar kam Malone in seiner ersten Saison als Sechster Mann nur auf 24,4 Minuten pro Spiel und lediglich zwei Start-Einsätze, doch waren seine Leistungen als Scorer überzeugend genug, dass er ins All-Rookie Team gewählt wurde.

In den Folgejahren spielte sich der Mann aus dem Süden der USA in die Anfangsformation der Hauptstädter fest. So steigerte er in seinem zweiten Jahr seinen Punkteschnitt von 12,1 auf 18,9 Zähler und traf sehr gute 49,9 Prozent aus dem Feld. Die Spielzeiten 1985/1986 und 1986/1987 sind rückblickend wohl die beiden prägendsten Jahre seiner Washingtoner Zeit. Denn Malone verbesserte sich nochmals (22,2 PpG) und wurde als Verdienst zu den All-Star-Feierlichkeiten in Dallas respektive Seattle eingeladen.

Der Absolvent der Mississippi State Universität blieb auch in seinen letzten drei Jahren bei den Bullets ein verlässlicher 20-Punkte-Scorer (48,3% FG, 87,7% FT) und legte 1989/90 mit 24,3 Punkten pro Spiel gar einen Karrierebestwert auf.

Trotz dieser guten bis teils sehr guten Statistiken war der Teamerfolg in Washington zu jener Zeit eher rar gesäht. So erreichten die Bullets in Malones sieben Jahren zwar fünfmal die Playoffs, doch war dort stets in der ersten Runde Endstation.

Vor Beginn der Saison 1990/91 wurde der Shooting Guard nach Utah getradet, wo er an der Seite von „Stockalone“ über dreieinhalb Jahre als effizienter Komplementär-Scorer ablieferte (18,5 PpG bei 50,2% FG) und mit den Jazz 1992 immerhin das Westfinale erreichte. Später wurde er im Tausch für Jeff Hornacek nach Philly geschickt.

Spielerisch, für heutige Verhältnisse fast undenkbar, nahm Malone kaum Distanzwürfe. 74 Dreierversuche in seiner Debütsaison stellten die Höchstmarke in seiner Karriere dar. Er verstand es aber auf eine andere Art und Weise, überaus zuverlässig zu punkten.

Abseits des Balles bewegte sich Malone ungemein geschmeidig, verstand es dabei Picks und Screens seiner Mitspieler zu nutzen, um dann per Sprungwurf abzuschließen. Dabei lief der agile 1,93-Meter-Mann oftmals heiß und erzielte nicht selten 15 Punkte oder mehr pro Viertel.

Zudem kam der smoothe Sprungwerfer zu seiner Blütezeit auch an die Freiwurflinie, wo er mit einer Karrierequote von 87,1 Prozent aufwarten kann.

Backup: Phil Chenier (1971-1979: 17,9 PpG, 3,7 RpG, 3,1 ApG, 1,7 SpG, 48,8% TS, 3x All-Star, 1x All-NBA)


Small Forward: Bernard King

Teamzugehörigkeit: 1987-1991 | Kernstats: 22,0 PpG, 4,7 RpG, 3,9 ApG, 32,7 MpG, 53,8% TS

Im Gegensatz zur qualitativ hochklassigen und tiefbesetzten Shooting-Guard-Position musste auf der Drei genauer gesicht werden. Schlussendlich war wohl Bernard King der beste Spieler der Franchise auf dieser Flügelposition. Auch da Co-Hall-of-Famer Gus Johnson hier als Power Forward gesehen wird (siehe Backup auf der Vier).

Nachdem King die komplette Saison 1985/86 aufgrund eines Kreuzbandrisses aussetzen musste sowie in der darauffolgenden Saison auch nur sechs Spiele bestritt und von den New York Knicks entlassen wurde, schloss er sich am 16. Oktober 1987 als Free Agent den Washington Bullets an.

Zur damaligen Zeit kam solch eine Verletzung meist dem Karriereende gleich. Doch der gebürtige New Yorker kämpfte sich wieder heran und legte in seinem ersten Jahr in der Hauptstadt in 69 Spielen bereits wieder 17,2 Punkte bei über 50 Prozent aus dem Feld auf und verhalf dem Team, seine Playoff-Serie fortzusetzen.

Die nächsten Jahre wurde der vormalige Scoring-Champ (1984/85: 32,9 PpG) mehr und mehr der Alte. Kontinuierlich steigerte King seinen Punkteschnitt bis auf 28,4 Zähler in seiner letzten Saison in Washington. So wurde er mit 34 Jahren seinerzeit nochmals zum All-Star Game eingeladen.

Trotz dieser individuellen Verbesserung wurde das Team von Jahr zu Jahr schlechter und verpasste die Playoffs, teilweise sogar klar. Kings Zeit in der Hauptstadt endete 1991, seine NBA-Karriere wenig später.

Zu seiner Blütezeit war der Zwei-Meter-Mann aus Brooklyn als explosiver Scorer bekannt, der gerne in den Post ging, um von da mit blitzschnellen Spins sich freie Turnaround-Jumper zu erarbeiten. Nach der schlimmen Verletzung inmitten seiner besten Jahren musste King seinen Spielstil aufgrund schwindender Athletik etwas umstellen, aber auch das schaffte er im Trikot der Bullets ohne größere Probleme.

Zwar ist Bernard King den meisten Basketballfans als All-Timer der New York Knicks in Erinnerung, aber auch in Washington hatte er vier produktive Jahre, die besonders in Anbetracht seiner Verletzung nicht in Vergessenheit geraten sollten.

Backup: Greg Ballard (1977-1985: 13,5 PpG, 6,4 RpG, 2,4 ApG, 1,2 SpG, 51,2% TS, NBA-Champ 1978)


Power Forward: Elvin Hayes

Teamzugehörigkeit: 1972-1981 | Kernstats: 21,3 PpG, 12,7 RpG, 2,4 BpG, 1,1 SpG, 49,7% TS

Trotz vorheriger Playoff-Auftritte und sogar einer Final-Teilnahme waren diese Errungenschaften nicht genug für die Bullets. Deshalb tradeten sie zu Beginn des Sommer 1972 für Abo-All-Star Elvin Hayes.

Diese Transaktion sollte aus Sicht der Franchise mit einem NBA-Titel, zwei weiteren Final-Teilnahmen und einem kongenialen Froncourt-Duo belohnt werden, aber alles der Reihe nach.

Mit Hayes sowie Wes Unseld boten die Bullets zwei spätere Hall of Famer auf, die vor allem beim Rebounding und in der Defensive eine Klasse für sich waren.

„The Big E“ war dabei der Spieler, der auch noch offensiv ein verlässlicher Scorer war und somit seinem Team an beiden Enden des Feldes enorm half. Nachdem Hayes bereits bei seiner ersten NBA-Station für die Rockets überragende Zahlen auflegte (1968-1972: 27,4 PpG, 16,3 RpG), machte der vormalige Nummer-eins-Pick bei den Bullets direkt weiter.

Sein patentierter Turnaround-Jumper gab ihm einerseits die Chance, diese Bewegung immer einzusetzen, wenn er genötigt, war sichere Punkte zu erzielen. Andererseits eröffnete sie ihm viele weitere Möglichkeiten, weil sein Gegenspieler immer damit rechnen musste, dass er den Wurf wieder auspackt. 

Rund um Hayes und Unseld gewann das Team fünfmal nacheinander die Central Division, wobei Hayes nur in den letzten drei Spielzeiten dabei war. 1975 gelang Washington mit 60 Siegen zudem nicht nur ein bis heute gültiger Franchise-Rekord, sondern auch der Einzug in die NBA-Finals. Jedoch gingen diese für die hohen Favoriten gegen die Golden State Warriors mit 0-4 überraschend verloren.

Nach zwei weiteren Enttäuschungen war es 1978 endlich soweit, und die Bullets konnten den Titel gewinnen. Mit 21,8 Punkten, 13,3 Rebounds und 4,0 Stocks im Schnitt war der ehemalige Houston Cougar in den Playoffs eine Klasse für sich und ein Garant für die Meisterschaft.

Drei weitere Jahre hielt es Hayes noch in der Hauptstadt, ehe er 1981 wieder nach Houston zurückkehrte, wo er seine Karriere 1984 im Alter von 38 Jahren beendete.

In seinen neun Spielzeiten bei den Bullets war „The Big E“ achtmal ein All-Star, sechsmal stand er in einem All-NBA Team, zweimal im All-Defensive Second Team. Noch heute ist Hayes der Franchise-Führende bei den erzielten Punkten und geblockten Würfen. Seine Trikotnummer elf wird selbstverständlich nicht mehr vergeben.

Die Bullets haben mit dem damaligen Trade also alles richtig gemacht.

Backup: Gus Johnson (1963-1972: 17,5 PpG, 12,9 RpG, 2,7 ApG, 47,7% TS, 5x All-Star, 4x All-NBA)


Center: Wes Unseld

Teamzugehörigkeit: 1968-1981 | Kernstats: 10,8 PpG, 14,0 RpG, 3,9 ApG, 1,1 SpG, 53,7% TS

Mit dem zweiten Pick ausgestattet, zogen die damaligen Baltimore Bullets den Top-Center der University of Louisville. Diese Selektion sollte sich sogleich bezahlt machen.

Schließlich glückte Wes Unseld in seinem Debütjahr ein rares Kunststück, das sonst nur Wilt Chamberlain gelang: So gewann er den Titel als „Rookie of the Year“ und zugleich die Auszeichnung als MVP der regulären Saison.

Mit seinen 13,8 Punkten und 18,2 Rebounds hatte Unseld großen Anteil an der ligaführenden Bilanz von 57-25 der Bullets, die im Vorjahr bei 36-46 standen. Dementsprechend waren auch seine Berufungen ins All-Star-, All-Rookie- und All-NBA First Team folgerichtig. 

Mit Unseld als defensivem Anker und ab 1972 mit Elvin Hayes wurden die Bullets zu Stammgästen in den Playoffs. In seinen 13 Jahren bei der Franchise verpasste das Team sonach nur in Unselds letzter Saison die Playoffs.

Bekannt vor allem für seine knallharte Defensive und seine herausragende Arbeit an den Brettern, die er trotz einer Größe von nur knapp über zwei Metern dominierte, hatte „The Wide U“ noch weitere Qualitäten in seinem Repertoire.

Offensiv verstand sich der kräftige Big Man als Teamspieler und setzte ein ums andere Mal knallharte Blöcke, um Mitspielern wie Phil Chenier entweder freie Würfe oder Platz in der Zone zu verschaffen. Ebenso waren Unselds Outlet-Pässe nach einem Rebound, Block oder Steal gefürchtet. So machte er das Spiel wiederholt schnell, um das gegnerische Team in seiner größtmöglichen Unordnung anzugreifen. Damit verhalf er den gestarteten Flügelspielern zu vielen einfachen Punkten.

Mit seiner Art des Spiels war Unseld das perfekte Gegenstück zu Mitspielern wie Hayes oder Chenier, die für das nötige Scoring sorgten. Auch stellte sich der Teamerfolg ein: In den 1970er Jahren erreichten die Bullets um den Mann aus Kentucky insgesamt viermal die NBA-Finals; 1978 gewannen sie in einer Sieben-Spiele-Serie gegen die Seattle SuperSonics den Titel. Unseld wurde dabei zum Finals-MVP gewählt (9,0 PpG, 11,7 RpG, 3,9 ApG).

Nach 13 Jahren und insgesamt 984 Saisonspielen für die Hauptstädter (beides Franchise-Rekorde) beendete der fünffache All-Star 1981 seine illustre Profi-Karriere. Seine Rückennummer 41 wird seither in D.C. nicht mehr vergeben.

1988 wurde Unseld in die Hall of Fame sowie 1996 zu einem der 50 besten Spieler der NBA-Geschichte gewählt. Seine Karriere als Cheftrainer und Manager der Franchise verlief derweil weitgehend erfolglos.

Backup: Walt Bellamy (1961-1965: 27,6 PpG, 16,6 RpG, 2,4 ApG, 55,8% TS, 4x All-Star, ROY 1961/62)


Head Coach: Dick Motta

Hier hätte genauso gut auch Gene Shue stehen können, der die Franchise insgesamt 13 Jahre und 1.082 Spiele lang coachte. Indes ist Qualität in so einer History-Serie vielleicht wichtiger als Quantität, und darum wird die Franchise Five von Dick Motta betreut.

Motta kam 1976 nach Washington, nachdem er zuvor die Chicago Bulls über acht Spielzeiten erfolgreich trainiert hatte. Die Bullets, die Dauergäste in den Playoffs und bereits zweimal in den NBA-Finals unterlegen waren (1971, 1975), wollten unbedingt den letzten Schritt gehen; und dafür war Motta, der den gefeuerten K.C. Jones ablöste, der richtige Mann.

Nachdem die Hauptstädter in seinem ersten Jahr früh in den Playoffs scheiterten und 1978 nur mit einer Bilanz von 44-38 in die Endrunde einzogen, rechnete keiner so richtig mit dem Team.

Doch wurde der berühmte Spruch „The opera ain’t over ‚til the fat lady sings“ zur Parole der Bullets, und sie kämpften sich bis in die Finals vor, die sie nach sieben hart umkämpften Spielen gegen die Seattle SuperSonics gewannen und damit den ersten professionellen Sporttitel seit 36 Jahren in die Hauptstadt brachten.

Als Titelverteidiger in die nächste Spielzeit gestartet, schloss Washington die reguläre Saison mit 54 Siegen wesentlich besser ab, verlor aber das Finals-Rematch des Vorjahres gegen Seattle in fünf Spielen.

In seinem letzten Jahr als Bullets-Head-Coach zog Mottas Team wieder in die Playoffs ein, musste sich jedoch den aufstrebenden Philadelphia 76ers geschlagen geben. Am 27. Mai 1980 trat der Mann aus Utah daraufhin zurück (wenig später heuerte er als erster Cheftrainer der neu gegründeten Dallas Mavericks an).

Bis heute liegt Dick Motta in der Rangliste aller Coaches der Franchise auf Platz zwei in Sachen Siegbilanz in der regulären Saison als auch den Playoffs. Zudem brachte er den lange herbeigesehnten Titel nach Washington.