Franchise Fives: Chicago Bulls

Kaum eine Franchise ist so eng mit dem Namen und Erfolg eines Spielers verbunden, wie die Chicago Bulls mit Michael Jordan. Doch wer steht neben „His Airness“ in der All-Time Lineup des Teams aus der „Windy City“? Unter anderem einer der besten Two-Way-Player sowie der jüngste MVP der NBA-Geschichte.

In einer lose fortlaufenden History-Serie stellen wir auf basketball.de die herausragenden Starting Fives aller 30 NBA-Franchises zusammen und zur Diskussion.

Neben den Startern werden im Hinblick auf 70 Jahre NBA (inklusive ABA) zudem ihre Backups sowie insgesamt 30 Head Coaches benannt.

Die „Auserwählten“ müssen mindestens vier Jahre für das jeweilige Team erfolgreich gespielt/gearbeitet haben. Dabei stehen ihre Leistungen für die betreffende Mannschaft und nicht die Gesamtkarrieren im Fokus. Auch müssen die Profis auf der Position zum Einsatz kommen, auf der sie für das jeweilige Team aufgelaufen sind.

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In der Historie der Basketball Association gehören die Chicago Bulls zu den erfolgreichsten Franchises. Allein die Boston Celtics und Los Angeles Lakers haben mehr Meisterschaften gefeiert. Nur vier weitere NBA-Gründerteams sowie die San Antonio Spurs konnten bisher öfter an den Playoffs teilnehmen.

Hervorsticht die Ära von Michael Jordan, als Chicago von 1985 bis 1998 stets in die Endrunde und achtmal in die Conference Finals einzog. Mit sechs Championships in acht Jahren dominierten die dynastischen Jordan-Bulls die NBA der Neunzigerjahre.

Dabei mussten MJ, Scottie Pippen & Co. bei ihren sechs überlegenen geführten Finaleinzügen lediglich zweimal über sieben Spiele gehen (1992, 1998). Neunmal erzielten sie in ihren sechs Meisterschaftsjahren einen Sweep; nicht einmal wurden die Favoriten in den Finals in ein siebtes Spiel gezwungen.

Ihre erste Erfolgsphase erlebte die 1966 gegründete Franchise bereits in den Siebzigern. Unter Trainerlegende Dick Motta gewann die verteidigungsstarke Herde viermal in Folge mehr als 50 Partien und erreichte sechsmal in Serie die Postseason. Hierbei stand das Team um das Forward-Duo Chet Walker / Bob Love wiederholt in den Conference Finals (1974, 1975).

Ihr vorerst letztes Hoch verzeichneten die Bulls Anfang der laufenden Dekade, als in der „Windy City“ unter Coach Tom Thibodeau (2010-2015) pausenlos Playoff-Basketball gespielt wurde. 2011 führte Lokalmatador Derrick Rose die exzellente Defensivmannschaft bis ins Ostfinale.


Point Guard: Derrick Rose

Teamzugehörigkeit: 2008-2016 | Kernstats: 19,7 PpG, 6,2 ApG, 3,7 RpG

Derrick Rose, der in Chicago geboren und aufgewachsen ist, kann auf großartige Anfangsjahre in der NBA zurückblicken. 2008 als Nummer-eins-Pick von den Bulls verpflichtet, avancierte er mit 16,8 Punkten, 6,3 Assists und 3,9 Rebounds prompt zum Rookie des Jahres 2009. Obendrein legte Rose bei seinem Playoff-Debüt sogleich 36 Punkte auf (NBA-Rekord) und trotzte den Champs der Celtics mit seinem Team sieben Spiele ab.

Im Folgejahr machte der 1,90 Meter große Athlet weitere Schritte nach vorn und wurde mit 21 Jahren erstmals zum All-Star gewählt (zwei Nominierungen folgten). 2010/11 avancierte der dynamische Scoring Guard schließlich zum jüngsten MVP der Liga-Geschichte. 25,0 Zähler, 7,7 Vorlagen und 4,1 Abpraller markierte Rose in diesem Karrierejahr, als er die Bulls zunächst zu 62 Saisonsiegen und dann bis ins Ostfinale führte. Seine Paraderolle war hierbei die des balldominanten Dribblers, der jeden Verteidiger schlagen konnte und in Korbnähe formidabel finishte.

2012 verbuchte Chicago erneute die beste Bilanz der NBA; doch zog sich Rose im ersten Playoff-Spiel gegen die Philadelphia 76ers im linken Knie einen Kreuzbandriss zu. Daraufhin setzte er die gesamte Saison 2012/13 aus.

Es folgten weitere Knieverletzungen und immer wiederkehrende Knieprobleme, die den Mittzwanziger nicht zu Konstanz und alter Dominanz finden ließen. Im Sommer 2016 wurde Rose (dessen Vertrag auslief) letzten Endes zu den New York Knicks getradet.

Aufgrund der Verletzungsmisere konnte der heute 30-Jährige in seinen ersten zehn NBA-Jahren lediglich 60 Prozent aller möglichen Saisonspiele absolvieren. 2018/19 hat Rose im Trikot der Minnesota Timberwolves als Reservist eine kleine Renaissance erlebt. Gleichwohl bleibt die notorische Was-wäre-wenn-Frage bestehen.

Die Backup-Rolle bekleidet derweil „Stormin‘ Norman“ Van Lier. Ein zuverlässiger und verteidigungsstarker Einser, der in den Siebzigern achtmal ins All-Defensive Team berufen wurde.

Backup: Norm Van Lier (1971-1978: 12,2 PpG, 6,9 ApG, 4,7 RpG, 1,9 SpG, 3x All-Star)


Shooting Guard: Michael Jordan

Teamzugehörigkeit: 1984-1993, 1995-1998 | Kernstats: 31,5 PpG, 6,3 RpG, 5,4 ApG, 3,4 S/BpG, 58,0% TS

Für viele „der beste Basketballer aller Zeiten“, ist und bleibt Michael Jeffrey Jordan der unangefochtene Topspieler der Chicago Bulls.

Sechs Meistertitel in zwei dominant vorgetragenen Threepeats, die der sechsfache Finals-MVP maßgeblich möglich machte, repräsentieren den Goldstandard der modernen NBA. Dabei beherrschte Jordan die Liga über eine Dekade hinweg als der herausragende Scorer: In jeder seiner elf vollen Spielzeiten als Bull führte er die Association bei den Gesamtpunkten an. Zehnmal avancierte „His Airness“ zum Scoring-Champ. Der NBA All-Time Leader in Sachen Punkte pro Spiel ist der beste Shooting Guard der Basketball-Geschichte ohnehin.

Während er am offensiven Ende unnachahmlich auftrumpfte, war MJ zu seiner Blütezeit zudem ein unnachgiebiger Verteidiger. Nicht zufällig wurde er 1988 als Defensive Player of the Year ausgezeichnet (u.a. 4,8 Stocks). Neunmal stand der fünffache Liga-MVP im All-Defensive Team; dreimal verbuchte der starke Balldieb ligaweit die meisten Steals pro Partie. 

Dass Jordan 1985 zum Rookie des Jahres gewählte wurde, er dreimal der MVP des All-Star-Spiels war, er als Bull zwölf Mal am alljährlichen Bestentreffen teilnahm und elf Mal in der All-NBA-Auswahl stand, mag kaum verwundern. Vielmehr untermauern all diese Ehrungen sowie back-to-back Titel als Slam Dunk Champion (1987, 1988) die überlebensgroße Präsenz der globalen Ikone des Ballsports.

So war MJ seinerzeit der erste weltweite Basketballstar – ja sogar der alles überstrahlende Sportsuperstar sowie der bekannteste US-Amerikaner. Ein Ausnahmestatus, der in der Basketballkultur weiterhin kollektiv nachwirkt. Denn die Popularisierung des Sports – wie wir ihn heute erleben, ausüben und konsumieren – ist mit dem charismatischen und siegbesessenen Überflieger untrennbar verbunden.

Backup: Jerry Sloan (1966-1976: 14,7 PpG, 7,7 RpG, 2,6 ApG, 2,2 SpG, 2x All-Star)


Small Forward: Scottie Pippen

Teamzugehörigkeit: 1987-1998, 2003/04 | Kernstats: 17,7 PpG, 6,7 RpG, 5,3 ApG, 3,0 S/BpG

Hall of Famer Scottie Pippen war bekanntlich viel mehr als Jordans perfekter Sidekick. Nämlich einer der herausragenden und vielseitigsten Flügelspieler der NBA-Geschichte.

Dabei verfügte der 2,03-Meter-Mann aus Hamburg (Arkansas) über lange Arme, große Hände, schnelle Füße und generell eine imposante Athletik. Beispielhafte Voraussetzungen, die ihn zum Ausnahme-Verteidiger prädestinierten. Und genau das war Pippen, der achtmal in Folge im All-Defensive First Team stand (insgesamt zehn Nominierungen). Insbesondere brillierte er als Balldieb, der die Liga 1994/95 bei den Steals anführte (2,9 SpG) und sich zudem blockstark zeigte.

Hinzu kamen seine „zerebralen“ Qualitäten: ein ausgeprägtes Spielverständnis und seine Übersicht, die der Allrounder auch im Angriff gewinnend einbrachte. So bestach „Pip“ als Point Forward, der nicht selten als primärer Playmaker agierte und Jordan damit nachhaltig entlastete. Zumal der je siebenfache All-Star und All-Teamer ein fähiger Scorer und passabler Schütze war (32,7% 3FG). In sechs Spielzeiten legte Pippen mehr als 19 Punkte pro Partie auf.

Der heute 53-Jährige, der 1987 als fünfter Pick am Draft-Abend via Trade aus Seattle nach Chicago kam, war demnach ein kompletter Spieler und ein geschätzter Teamkollege. In seiner Erfolgs-Vita stehen neben den sechs Meisterschaften mit den Bulls die Auszeichnung als MVP des All-Star-Spiels (1994) sowie zwei Goldmedaillengewinne mit Team USA bei Olympia (1992, 1996).

Prominent vertreten ist Pippen auch in den Rekordbüchern der Bulls: Bei den absolvierten Partien, erzielten Punkten, Assists und Ballgewinnen steht er hinter MJ auf Rang zwei. Bei den Gesamtrebounds und geblockten Würfen auf den Plätzen drei bzw. vier.

Mit Hall of Famer Chet Walker, 1967 NBA-Champ als Sixer, steht ein erstklassiger Ersatzmann und effizienter 20-Punkte-Scorer parat.

Backup: Chet Walker (1969-1975: 20,6 PpG, 6,1 RpG, 2,3 ApG, 55,9% TS, 4x All-Star)


Power Forward: Bob Love

Teamzugehörigkeit: 1968-1976 | Kernstats: 21,3 PpG, 6,7 RpG, 1,7 ApG

Der 33. Pick der 1965er Draft kam 1968 via Trade aus Milwaukee nach Chicago. Als Bull feierte Bob Love bereits im Folgejahr seinen Durchbruch, als er zum Starter beförderte wurde und seinen Punkteschnitt von 5,1 auf 21,0 Zähler steigern konnte. 1970/71 spielte der 2,03-Meter-Mann aus Louisiana mit 25,2 Punkten sowie 8,5 Rebounds seine statistisch beste Saison und avancierte zum Topscorer der Bulls. Eine Hauptrolle, die „Butterbean“ über sechs Saisons bis 1976 innehatte.

Dabei bildete er mit Chet Walker ein formidables Forward-Duo, das Chicago als Mannschaft trug und sechsmal in Serie in die Playoffs führte. 1974 und 1975 stand die defensivstarke Herde wiederholt in den Western Conference Finals (1980 wechselte die Franchise in den Osten). 1975 unterlagen die Bulls den späteren Champs der Golden State Warriors erst in einem siebten Spiel.

Love brillierte seinerzeit als beidhändiger, wurfstarker Scorer, der auch am eigenen Ende des Feldes effektiv beitrug und daher dreimal ins All-Defensive Second Team berufen wurde. Zugleich gehörte der dreifache All-Star Anfang der Siebziger zweimal der All-NBA-Auswahl an.

1976 endete seine Spielerzeit in Chicago, als der dritterfolgreichste Korbjäger der Franchise-Historie zu den New York Nets getradet wurde. Ein Jahr später erhielt er 34-Jährige, der unter Rückenproblemen litt, in der Liga keinen neuen Vertrag mehr.

In den Neunzigern kehrte Love, der abseits des Parketts unter anderem sein schweres Stottern überwand, als Community-Botschafter zu den Bulls zurück. Sein Trikot mit der Nummer zehn zog die Franchise 1994 feierlich unters Hallendach. Eine Ehre, die sonst nur drei Bulls-Profis zuteilwurde: Jordan, Pippen und 1978 zuerst Jerry Sloan.

Die Backup-Rolle gebührt Horace Grant, der ein unterschätzter Leistungsträger der Meistermannschaften der frühen Neunziger war. Aber trotz seiner Beiträge zum ersten Chicagoer Threepeat verbrachte Grant weniger Zeit in der „Windy City“ als Love. Zumal „Butterbean“ mit durchschnittlich 24,7 Punkten und 7,2 Rebounds in seinen All-Star-Jahren individuell herausragte.

Backup: Horace Grant (1987-1994: 12,6 PpG, 8,6 RpG, 2,4 ApG, 2,2 S/BpG, 53,0% FG, 1x All-Star)


Center: Artis Gilmore

Teamzugehörigkeit: 1976-1982, 1987 | Kernstats: 19,3 PpG, 11,1 RpG, 2,5 ApG, 2,1 BpG, 63,1% TS

Nach der Auflösung der ABA schloss sich Artis Gilmore mit 27 Jahren den Bulls an. Individuell vermochte der vormalige MVP und Champion mit den Kentucky Colonels, in Chicago umgehend zu überzeugen. So war der 2,18-Meter-Hüne mit dem aufragenden Afro einer der herausragenden Two-Way-Player der NBA: Offensiv verfehlte er mit seinem Scoring-Touch in Korbnähe kaum Würfe, defensiv agierte er als Top-10-Rebounder und blockstarker Ringbeschützer. Nicht zufällig amtiert Gilmore nach wie vor als Franchise-Leader bei den verbuchten Rejections und der erzielten Feldwurfquote (58,7% FG).

Indes blieb „The A-Train“ der Teamerfolg in Illinois weitgehend versagt – was (abseits zu vieler Ballverluste) nicht an ihm lag. Schließlich lieferte er beständig effiziente 20/10-Spiele ab, während er sich in eher schwachen Mannschaften wiederfand. Daher wurden in seinen sechs Jahren in der „Windy City“ nur zweimal die Playoffs erreicht.

Hier erhält der Hall of Famer, der die Bulls viermal bei All-Star-Game vertrat, dennoch den Starterplatz. Denn seine Zähigkeit und Zahlen verdienen Anerkennung. Auch wenn mit Defensivanker und Point Center Joakim Noah ein würdiger Anwärter und wohl vielseitigerer Spieler parat steht.

Der Verteidiger des Jahres 2014 konnte als Scorer zwar kaum Akzente setzen – doch vermochte er im Gegensatz zu einem traditionellen Big Man wie Gilmore als spielstarker Passgeber die Offensive zu befeuern. Siebenmal in Folge stand der lauf- und einsatzfreudige Energizer mit den Bulls in den Playoffs. Wer Fan-Favorit Noah dem „A-Train“ vorzieht, macht also gewiss ebenso nichts „falsch“.

Backup: Joakim Noah (2007-2016: 9,3 PpG, 9,4 RpG, 3,0 ApG, 1,4 BpG, 2x All-Star, 1x All-NBA)


Head Coach: Phil Jackson

Wenig überraschend ist Phil Jackson der langjährigste und siegreichste Cheftrainer in der Geschichte der Bulls. Denn in neun Amtsjahren (1989-1998) am Lake Michigan verbuchte der „Zen Master“ aus North Dakota sechs Meistertitel.

Zweimal gelang Jackson mit der Franchise der rare Threepeat. Dieser ist in der NBA-Historie sonst nur den Lakers Anfang der Fünfziger, den Celtics in den Sechzigern sowie abermals den Lila-Goldenen zu Beginn der Nullerjahre (unter Jacksons Führung) gelungen.

Die Siegesquoten des vormaligen Trainers des Jahres – 73,8 Prozent in der regulären Saison, 73,0 in den Playoffs – kann einzig Golden States Meistermacher Steve Kerr überbieten, der als Teil der „Unbeatabulls“ mit Chicago drei Titel einheimste. Diese warteten nach Jordans Wiederkehr (1995) mit rekordsetzenden 72, 69 und 62 Saisonsiegen auf.

Berüchtigt als Motivationskünstler und Manager großer Egos, darf Jackson zugleich als „Herr der Ringe“ gelten. Schließlich gewann er in 20 Jahren als NBA-Head-Coach bei 13 Finalauftritten elf Championships. Eine Ausnahmeleistung, die gewiss viel mit dem Wirken von Michael Jordan, Shaquille O’Neal und Kobe Bryant zu tun hat.

Ungeachtet dessen ist und bleibt Jackson der erfolgreichste Trainer der Liga-Geschichte. Zudem holte er als Aktiver 1973 mit den Knickerbockers den Titel.

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