Franchise Fives: Boston Celtics

In einer lose fortlaufenden History-Serie stellen wir auf basketball.de die herausragenden Starting Fives aller 30 NBA-Franchises zusammen und zur Diskussion.

Neben den Startern werden im Hinblick auf 70 Jahre NBA (inklusive ABA) zudem ihre Backups sowie insgesamt 30 Head Coaches benannt.

Die „Auserwählten“ müssen mindestens vier Jahre für das jeweilige Team erfolgreich gespielt/gearbeitet haben. Dabei stehen ihre Leistungen für die betreffende Mannschaft und nicht die Gesamtkarrieren im Fokus. Auch müssen die Profis auf der Position zum Einsatz kommen, auf der sie für das jeweilige Team aufgelaufen sind.

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Neben den Los Angeles Lakers sind die Boston Celtics die ruhm- und erfolgreichste Franchise der NBA (17 Meistertitel, 54 Playoffteilnahmen). Zugleich sind die Grünen eines von acht aktiven Gründerteams und neben den New York Knicks (die ebenfalls nie den Standort gewechselt haben) der „Traditionsklub“ der nordamerikanischen Profiliga.


Point Guard: Bob Cousy

Teamzugehörigkeit: 1950-1963 | Kernstats: 18,5 PpG, 7,6 ApG, 5,2 RpG

Während seiner 13 Spielzeiten in Boston wurde Bob Cousy 13-mal in die All-Star- und zwölfmal in die All-NBA-Auswahl berufen. Beides Franchise-Bestwerte. Zudem krönte der Liga-MVP des Jahres 1957 seine Hall-of-Fame-Karriere mit sechs Meistertiteln, die den Grundstein für die Celtics-Dynastie legten.

Cousy diente der frühen NBA dabei als Aushängeschild, da der „Houdini of the Hardwood“ Fans und Fachleute mit seinen atemberaubenden Passen verzauberte. So war der Celtics-Playmaker einer der ersten herausragenden Point Guards der Liga, der selbige achtmal in Folge (1953-1960) bei den Assists mit Abstand anführte (übrigens ein Rekord, den John Stockton erst 1996 durchbrach).

1959/60 legte „Cooz“ etwa 9,5 Vorlagen pro Abend auf – seinerzeit ein Ausnahmewert. Hinzu kamen seine patentierten No-Look-Pässe und Dribblings hinter dem Rücken, die er als epochemachender Innovator in der Association einführte und parkettfähig machte.

Zugleich brillierte Cousy nicht allein als spielstarker und beidhändiger Ballverteiler, sondern auch als effektiver Scorer, der siebenmal unter den zehn besten Korbjägern rangierte (1954 und 1955 gar auf Platz zwei).

Nebenbei trat der gebürtige New Yorker, der 2018 seinen 90. Ehrentag feierte, für die Anliegen und Rechte der Profis ein. Als Gründervater und erster Präsident der Spielergewerkschaft (NBPA) leistete Cousy beachtenswerte Pionierarbeit.

Backup: Jo Jo White (1969-1979: 18,4 PpG, 5,1 ApG, 4,3 RpG, 7x All-Star, Finals-MVP 1976)


Shooting Guard: John Havlicek

Teamzugehörigkeit: 1962-1978 | Kernstats: 20,8 PpG, 6,3 RpG, 4,8 ApG

Kaum ein zweiter NBA-Akteur war über eine so lange Zeit hinweg so erfolgreich wie Celtics-„Lifer“ John Havlicek. Denn als einer der spielerisch langlebigsten Profis gewann „Hondo“ in 16 Jahren als Verbindungsglied zweier Kelten-Ären acht Meisterschaften: seine erste 1963 als 22-jähriger Rookie, seine finale 1976 als 36-jähriger Veteran (nur Kareem Abdul-Jabbar und Tim Duncan gelang als „Starspielern“ Ähnliches).

Außerdem war der Finals-MVP von 1974 wie Cousy 13-mal in Serie ein All-Star. Elfmal stand Havlicek in der All-NBA-Auswahl, achtmal in Folge im seit 1969 berufenen All-Defensive-Team.

Als „Hondo“ seine Hall-of-Fame-Karriere 1978 im Alter von 38 Jahren beendete, war er der NBA-Führende in puncto Karrierespiele, während er bei den absolvierten Minuten, generierten Punkten und Assists auf den Plätzen zwei, drei und fünf rangierte.

Der „Eisenmann“ aus Ohio darf sonach als einer der komplettesten Flügelspieler der NBA-Geschichte gelten. So war Havlicek ein laufstarker Allrounder, der unermüdlich mit Herz und Hingabe zu Werke ging und wieder und wieder zuverlässig ablieferte: per Sprungwurf aus der Mitteldistanz, mit dem Zug zum Korb, von der Freiwurflinie, als fähiger Passgeber und starker Rebounder sowie generell als hartnäckiger Verteidiger.

Selbst mit 38 Jahren ging der Vorzeigeprofi, der während seiner Erfolgskarriere häufig von der Bank kam, noch energisch und einsatzvoll voran:

Backup: Sam Jones (1957-1969: 17,7 PpG, 4,9 RpG, 2,5 ApG, 5x All-Star, 3x All-NBA)


Small Forward: Larry Bird

Teamzugehörigkeit: 1979-1992 | Kernstats: 24,3 PpG, 10,0 RpG, 6,3 ApG, 2,5 S/BpG, 56,4% TS

Larry Joe Bird, über eine Dekade hinweg das Gesicht der Boston Celtics, ist und bleibt für viele die Franchise-Ikone der Grünen. Schließlich avancierte der je dreifache MVP und NBA-Champ in den Achtzigerjahren zu „Larry Legend“. Im Zuge dessen etablierte sich der Abo-First-Teamer als einer der zehn besten Spieler der Liga-Historie.

Dabei darf der 2,06 Meter große Forward als einer der vielseitigsten, spiel-, wurf- und nervenstärksten Profis angesehen werden. Denn Bird war ein großartiger Scorer, der sich besonders abseits des Balles als Schütze herausragend bewegte und als abgezockter Shotmaker brillierte.

Zugleich bestach „The Hick from French Lick“ (Indiana) als überragender Passgeber, der ob seiner ausgeprägten Spielübersicht und Antizipation seine Mitspieler jederzeit ballsicher zu bedienen vermochte (gerne per Touch-Pass). Zumal die häufig übersehene Laufstärke und der aggressive Angriffsstil des berüchtigten Trashtalkers herauszustellen sind.

Am defensiven Ende des Feldes zeigte sich Bird als smarter Teamverteidiger und starker Rebounder. So stand er in der Verteidigung durchaus seinen Mann (3x All-Defensive) und überzeugte zu Beginn seiner durch Verletzungen beeinträchtigen Karriere auch als fähiger Ringbeschützer und verlässlicher Help-Defender.

Nicht zuletzt trug „Larry Legend“ nicht unwesentlich dazu bei, dass die NBA im Verlauf der Achtziger zu einer populären und prosperierenden Profiliga erwuchs. Eine Vorzeigeliga, die heute ihresgleichen sucht.

Backup: Paul Pierce (1998-2013: 21,8 PpG, 6,0 RpG, 3,9 ApG, 10x All-Star, Finals-MVP 2008)


Power Forward: Kevin McHale

Teamzugehörigkeit: 1980-1993 | Kernstats: 17,9 PpG, 7,3 RpG, 1,7 BpG, 55,4% FG

Neben Bird konnten die Kelten seinerzeit im Frontcourt auf einen breitschultrigen und langarmigen Big Man aus Minnesota vertrauen: Kevin McHale, der von 1985 bis 1989 als Starter auflief.

In 13 Spielzeiten verhalf der zweimalige „Sixth Man of the Year“ (1984, 1985) Boston zu fünf Finalteilnahmen und besagten drei Titelgewinnen. Überschattet von „Larry Legends“ überlebensgroßer Präsenz waren McHales Leistungen für den Teamerfolg gleichwohl fundamental.

Besonders ob seiner offensiven Befähigung, sowohl im Lowpost als auch aus der Mitteldistanz hochprozentig zu punkten, gepaart mit seiner defensiven Länge und Einflussnahme (6x All-D), war der siebenfache All-Star in „Beantown“ ein unverzichtbarer Akteur.

Im Angriff agierte und imponierte McHale zuvorderst als „Post-Master“. Dank seiner exzellenten Fußarbeit, der überraschenden Beweglichkeit und einem Arsenal an nicht zu verteidigenden Finten und Würfen ließ der 2,08-Meter-Mann seine Gegenspieler regelmäßig stehen und alt aussehen. Ob Faceup-Jumper, Fadeways, Hookshots, Scoopshots und Spinmoves – McHale hatte am Zonenrand alle Moves im Repertoire.

Am defensiven Ende trat der Big Man vor allem als elitärer Ringbeschützer mit starker Blockrate und guter Reboundarbeit in Erscheinung. Derweil war McHale dank seiner Länge und Fußarbeit ein kompetenter Außenverteidiger, der wiederholt auch gegnerische Flügelspieler übernahm und diese einzuschränken vermochte.

Backup: Tom Heinsohn (1956-1965: 18,6 PPG, 8,8 RPG, 2,0 APG, 6x All-Star, 4x All-NBA)


Center: Bill Russell

Teamzugehörigkeit: 1956-1969 | Kernstats: 15,1 PpG, 22,5 RpG, 4,3 ApG, 42,3 MpG

Elf Meistertitel in 13 Profijahren, dabei acht Finalerfolge und zehn Finaleinzüge in Folge, fünf MVP-Auszeichnungen, zwölf All-Star- sowie elf All-NBA-Nominierungen – zu Recht darf Bill Russell als ultimativer Gewinner gelten.

Auch war Russell ein Dauerbrenner, der wenige Spiele verpasste und als ausgewiesener „Clutch Player“ in entscheidenden Partien eindrucksvoll ablieferte (18,0 PpG, 29,5 RpG und 10-0-Bilanz in siebten Playoffspielen). Nicht umsonst trägt der seit 1969 vergebene Finals-MVP-Award seinen Namen.

Als Defensivanker und Grundpfeiler der Celtics-Dynastie veränderte der agile 2,08-Meter-Athlet das Spiel nachhaltig. Durch seine defensive Meisterhaftigkeit trug der prototypische Teamspieler dazu bei, den Profibasketball zu einem schnelleren, attraktiven Sport zu machen.

So kontrollierte der mobile Ringbeschützer das Spiel zuvorderst durch seine physische (und psychologische) Präsenz. Insbesondere ging Russell wie kaum jemand vor ihm in die Luft und lotete die vertikalen Möglichkeiten auf ungekannte Weise aus: als herausragender Shotblocker und Rebounder, der den Ball im Spiel hielt sowie als Motor die grüne Fastbreak-Maschine antrieb und ins Laufen brachte.

Russells Angriffsspiel wird indes noch immer unterbewertet. Dabei er war so viel mehr als ein relativ schwacher Werfer (44,0% FG, 56,1% FT). Nämlich ein überaus spielintelligenter Offensivakteur, der als Passgeber – nahezu in jedem Jahr der zweitbeste Ballverteiler seines Teams – und Blocksteller beständig glänzte.

Überdies war Russell seinerzeit einer der ersten NBA-Profis, die den Dunk als primäre Offensivwaffe einzusetzen verstanden. Im Zuge von Lobanspielen, direkt verwerteten Abprallern und im Schnellangriff erhob der laufstarke und sprunggewaltige Celtic den Druckkorbleger sonach zur legitimen Option.

Gleichzeitig agierte Russell nicht nur in puncto Dunks als Autorität. Auch als Anführer wusste der Two-Way-Player zu überzeugen. Nicht zufällig ernannte Celtics-Macher Red Auerbach seinen Führungsspieler 1966 zu seinem Nachfolger als Head Coach.

Als Spielertrainer errang Russell in drei Jahren mit Boston zweimal den Titel. Im US-Profibasketball trat der erste schwarze NBA-Coach als Türöffner für Teilhabe und Gleichberechtigung ein.

Backup: Dave Cowens (1970-1980: 18,2 PpG, 14,0 RpG, 3,9 ApG, 8x All-Star, MVP 1973)


Head Coach: Red Auerbach

Der zweiterfolgreichste Cheftrainer der NBA-Geschichte betreute die Celtics über 16 Spielzeiten als Coach (1950-1966). Ausnahmslos nahmen sie unter Red Auerbachs Regie an den Playoffs teil und gingen aus diesen neunmal als Meister hervor (dabei acht Titel in Serie). Neunmal in Folge konnte Boston in diesem Zeitraum die beste Bilanz der Liga vorweisen.

1965, als seinerzeit rekordsetzende 62 Saisonsiege eingefahren wurden, erhielt der machtbewusste und meinungsstarke Architekt der Celtics-Dynastie die später nach ihm benannte Auszeichnung als Trainer des Jahres.

Im unter Auerbach kultivierten Kelten-Kollektiv wurden Kameradschaft und Kontinuität sowie Selbstlosigkeit und Hingabe groß geschrieben und erfolgreich ausbuchstabiert. Wechselseitige Wertschätzung, Vertrauen und Verbundenheit herrschten vor. Derweil brach die Celtics-Familie „Rassenschranken“ auf, lebte „Integration“ geräuschlos vor und übertrug schwarzen Spielern wie Russell beispielhaft Führungsverantwortung.

Als ausbalancierte Vorzeigemannschaft verkörperten Auerbachs Celtics die Sozialvision der harmonischen Zusammenarbeit grundverschiedener Menschen – die zudem überaus gewinnbringend Tempo- und Teambasketball zelebrierten.

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