Franchise Fives: Atlanta Hawks

In einer lose fortlaufenden History-Serie stellen wir auf basketball.de die herausragenden Starting Fives aller 30 NBA-Franchises zusammen und zur Diskussion.

Neben den Startern werden im Hinblick auf 70 Jahre NBA (inklusive ABA) zudem ihre Backups sowie insgesamt 30 Head Coaches benannt.

Die „Auserwählten“ müssen mindestens vier Jahre für das jeweilige Team erfolgreich gespielt/gearbeitet haben. Dabei stehen ihre Leistungen für die betreffende Mannschaft und nicht die Gesamtkarrieren im Fokus. Auch müssen die Profis auf der Position zum Einsatz kommen, auf der sie für das jeweilige Team aufgelaufen sind.

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Die Atlanta Hawks sind eines der Gründerteams der NBA, das anfangs als Tri-Cities Blackhawks (1949-1951) in der Liga antrat. Alsdann siedelte die Franchise 1951 nach Milwaukee um, zumal der Teamname auf Hawks verkürzt wurde. 1955 erfolgte ein erneuter Umzug – nach St. Louis, wo sie 1958 ihre einzige Meisterschaft gewannen und drei weitere Male an den NBA-Finals teilnahmen. Seit 1968 sind die Hawks in Atlanta, Georgia, beheimatet.


Point Guard: Mookie Blaylock

Teamzugehörigkeit: 1992-1999 | Kernstats: 14,9 PpG, 7,3 ApG, 4,6 RpG, 2,6 SpG

In den Neunzigerjahren war Atlantas Aufbau-Dynamo einer der Elite-Verteidiger der NBA. Während seiner siebenjährigen Hochzeit bei den Hawks wurde Mookie Blaylock sechsmal in die All-Defensive-Auswahl der Liga berufen. (Nur zwei Guards, Michael Jordan und Gary Payton, wurde diese Ehre in der Dekade öfter zuteil.)

Dabei bestach der „Lockdown Defender“ durch seine druckvolle Verteidigungsarbeit am Ball und auf dem Flügel. Besonders trat der agile 1,83-Meter-Mann aus Texas dank flinker Hände und exzellenter Antizipation als einer der besten Balldiebe der NBA-Geschichte hervor. Zweimal führte Blaylock die Liga bei den Steals an (1997, 1998).

Indes war der einmalige All-Star (1994) mehr als einsatzvoller und reboundstarker „Ball-Hawk“. Nämlich zugleich ein solider Scorer und smarter Playmaker, der Atlanta siebenmal in Folge in Playoffs lotste.

So setzte Blaylock auch offensiv Impulse. Zuvorderst als spielstarker und ballsicherer Passgeber sowie als wurffreudiger, wenn auch unterdurchschnittlicher Distanzschütze. Schließlich ließ Blaylock zur Zeit der verkürzten Dreierlinie (1994-1997) pro Partie bereits 7,5 lange Bälle fliegen (die Hälfte seiner Wurfversuche), welche er passabel einnetzte (36,5% 3FG).

Nicht zufällig ist der „3-and-D“-Einser in puncto versuchter und verwandelter Dreier der führende Hawk. Der beste Balldieb und beste Passgeber der Team-Historie ist Blaylock ohnehin.

Backup: Lenny Wilkens (1960-1968: 15,5 PpG, 5,5 ApG, 4,9 RpG, 5x All-Star)


Shooting Guard: Lou Hudson

Teamzugehörigkeit: 1966-1977 | Kernstats: 22,0 PpG, 4,9 RpG, 2,9 ApG, 1,7 SpG

„Sweet Lou“ Hudson war einer der verlässlichsten Scorer seiner Ära. Während sechs aufeinanderfolgender All-Star-Jahre (1969-1974) legte der All-NBA-Spieler (1970) im Schnitt 25,2 Zähler auf, wobei er 50 Prozent seiner Feldwürfe und 80 Prozent seiner Freiwürfe traf.

In Atlanta fungierte Hudson als erstes Gesicht und steter Topscorer der Hawks, mit denen er siebenmal in Serie an den Playoffs teilnahm. Nicht umsonst ist seine „23“ eine von nur fünf Trikotnummern, welche die Franchise aus dem Spielbetrieb und unter das Hallendach gezogen hat.

Getreu seinem Spitznamen präsentierte sich Hudson seinerzeit als geschmeidiger Basketballer, der vor allem als spielbestimmender Sprungwerfer brillierte. Denn der 1,96 Meter große Swingman war ein erstklassiger Distanzschütze. Einer, der nie still stand, sich abseits des Balles exzellent bewegte, gekonnt Blöcke umkurvte, zum Korb cuttete und ob seiner Abschlussstärke (mit schnellem, hohen Abwurf) überall auf dem Court Gefahr ausstrahlte.

Gleichzeitig war der Mann aus North Carolina nicht allein ein Edelscorer, sondern ein fähiger Allrounder. So reboundete er ordentlich und vermochte seine Nebenmänner einzusetzen. Am defensiven Ende des Feldes trat Hudson zudem als Balldieb in Erscheinung. Etwa markierte er in der Saison 1973/74, als Steals erstmals erfasst wurden, 2,5 Ballgewinne pro Partie.

Backup: Joe Johnson (2005-2012: 20,9 PpG, 5,2 ApG, 4,2 RpG, 6x All-Star)


Small Forward: Dominique Wilkins

Teamzugehörigkeit: 1982-1994 | Kernstats: 26,4 PpG, 6,9 RpG, 2,6 ApG, 2,1 S/BpG

Weithin bekannt für seine grandiosen Druckkorbleger war der zweifache Slam-Dunk-Champion (1985, 1990) viel mehr als ein Ausnahmeathlet. Zuvorderst nämlich einer der herausragenden Korbjäger der Achtziger und frühen Neunzigerjahre.

Über elfeinhalb Jahre, die Dominique Wilkins als Franchise Player in Atlanta verbrachte, markierte er in zehn konsekutiven Spielzeiten im Schnitt mehr als 25 Punkte. 1985/86 avancierte „The Human Highlight Film“ gar zum Topscorer der Liga (30,3 PpG). Siebenmal durfte er sich zudem All-NBA-Teamer nennen.

Und auch wenn dem Abo-All-Star (9x) der größere Playofferfolg im damals starken Osten verwehrt blieb, nahmen die Hawks während seiner Ära zumindest achtmal an der Postseason teil. (Allein viermal scheiterten Nique & Co. an den Celtics um Larry Bird).

Unangefochten hält der gemeinhin geläufigste Akteur der Hawks-Historie zahlreiche Franchise-Rekorde: So kann Wilkins unter anderem mit den meisten absolvierten Partien, gespielten Minuten und erzielten Punkten aufwarten. Höchstleistungen, die seinen Status als Hall of Famer untermauern.

Backup: Cliff Hagan (1956-1966: 18,0 PpG, 6,9 RpG, 3,0 ApG, 5x All-Star)


Power Forward: Bob Pettit

Teamzugehörigkeit: 1954-1965 | Kernstats: 26,4 PpG, 16,2 RpG, 3,0 ApG

‚The Bombardier from Baton Rouge“ (Louisiana) darf als erster Ausnahmespieler und zugleich als erfolgreichster Akteur der Hawks gelten. Schließlich führte Robert E. Lee Pettit Jr. die Franchise in St. Louis viermal in die NBA-Finals und 1958 zu ihrem einzigen Titelgewinn.

Die 1958er Hawks stellten im Übrigen die letzte ausschließlich weiße Meistermannschaft der Ligageschichte, bevor die Celtics um Bill Russell die Sechzigerjahre eindrucksvoll beherrschten. Auch waren Pettits Mannen das einzige Team, das die übermächtige „Green Machine“ in einer Finalserie ausbremste.

Dabei ragte der 2,06 Meter große Power Foward individuell heraus. Schon zum Auftakt seiner Hall-of-Fame-Karriere war er zum Rookie des Jahres (1955) gekürt worden. Als Aushängeschild der Franchise avancierte Pettit je zweimal zum MVP und Topscorer der Liga (1956, 1959). Überdies wurde der Hawks-„Lifer“ in jeder seiner elf Saisons in die All-Star- und die All-NBA-Auswahl berufen (zehn First-Team-Nominierungen in Serie).

Pettits Karrierewerte verdeutlichen seine Extraklasse anschaulich: Er war der erste NBA-Profi, der 20.000 Zähler generierte; weiterhin ist er der heute 86-Jährige der einzige Spieler der Liga-Historie, der in jeder seiner Saisons im Mittel mindestens 20 Punkte und zwölf Rebounds aufgelegt hat.

Spielerisch zeigte sich einer der ersten NBA-„Stars“ als unermüdlicher, lauffreudiger und reboundstarker Arbeiter, der Postmoves und Sprungwurf im Repertoire hatte und auch mit dem Ball umzugehen wusste. Pettit war sonach ein kompletter Spieler.

Die Backup-Rolle erhält Defensivarbeiter Bill Bridges knapp vor Langzeit-Hawk Kevin Willis (14,1 PpG, 9,7 RpG über elf Jahre) und Josh Smith, der neun Jahre im Dienste seiner Heimat-Franchise verbrachte.

Backup: Bill Bridges (1962-1971: 12,7 PpG, 12,7 RpG, 2,9 ApG, 3x All-Star)


Center: Al Horford

Teamzugehörigkeit: 2007-2016 | Kernstats: 14,3 PpG, 8,9 RpG, 2,7 ApG, 1,2 BpG, 57,0% TS

An dieser Stelle könnte Hall of Famer Dikembe Mutombo stehen, der in viereinhalb Jahren in Atlanta mehrfach All-Star und der Verteidiger des Jahres war. Doch Mutombos vergleichsweise flüchtige Präsenz sowie „nur“ drei Playoffteilnahmen sind hier nicht genug.

Immerhin: Die Backup-Rolle, die ob längerer Zugehörigkeit, des größeren Teamerfolgs und ebenfalls starker Stats (17,4 PpG, 11,2 RpG) auch Hall of Famer Zelmo Beaty zukommen könnte, geht an „Mt. Mutombo“.

Die Starterrolle erhält derweil Al Horford, der während seiner neun Jahre in Georgia viermal in der All-Star-Auswahl stand und einmal ins All-NBA Third Team gewählt wurde. Hinzu kommt der Fakt, dass die Hawks mit Horford ausnahmslos an der Postseason partizipierten. Dabei erspielten sie 2015 rekordsetzende 60 Saisonsiege und stießen bis ins Ostfinale vor.

Wie heuer für die Boston Celtics, fungierte der dominikanische Big Man in Atlanta als unterschätzter Team-MVP und wertvoller „Glue Guy“, der gerne zurücktrat und das Rampenlicht bereitwillig mit Joe Johnson, Paul Millsap und Josh Smith teilte.

Horfords Zahlen fielen daher nicht atemberaubend aus. Vielmehr waren es seine offensive Vielseitigkeit und seine defensive Befähigung, die er als Rückgrat sehr solider Teams wiederholt einbrachte. Nicht zuletzt manifestiert sich seine Erfolg bringende Einflussnahme anhand der fünftmeisten Win Shares der Franchise-Historie.

Backup: Dikembe Mutombo (1996-2001: 11,9 PpG, 12,6 RpG, 3,2 BpG, 4x All-Star)


Head Coach: Lenny Wilkens

Der langjährigste und erfahrenste Cheftrainer der NBA-Geschichte (32 Amtsjahre, 2.487 Saison- und 178 Playoffpartien) betreute die Hawks über sieben Spielzeiten bis zur Jahrtausendwende.

Dabei coachte Lenny Wilkens die Mannen um Mookie Blaylock zu drei 50-Siege-Saisons sowie sechs Playoffteilnahmen in Folge. 1994, als er Atlanta mit 57 Erfolgen auf Rang eins im Osten führte, erhielt der angesehene Übungsleiter die Auszeichnung als Trainer des Jahres.

Zudem kann der 80-jährige Doppel-Hall-of-Famer (als Spieler und Trainer) mit den drittmeisten Siegen aller Hawks-Coaches und einer respektablen Siegesquote von 57 Prozent aufwarten. Von 1960 bis 1968 lief Wilkins als All-Star-Point Guard für die seinerzeit in St. Louis beheimatete Franchise auf.

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