Was tun, wenn’s brennt?

Ausgerechnet Basketballspieler*innen haben den Diskurs rund um den Umsturzversuch in Washington D.C. mitbestimmt. Was fordern sie? Und welche Rolle können professionelle Basketballspieler*innen in der jetzigen Zeit spielen?

Der 6. Januar 2021 wird in den USA für längere Zeit in Erinnerung bleiben. Nicht weil man die friedliche Machtübergabe ein Stück weiterbrachte, sondern weil sich ein Mob aus Rechtsterrorist*innen Zugang zum Capitol in der US-Hauptstadt verschaffte.

Es geht hier um weit mehr als Basketball, es geht um die Verhinderung eines zweiten faschistischen Zeitalters und die Absicherung der liberalen Demokratie. Doch ausgerechnet Basketballspieler*innen haben in den vergangenen Stunden den Diskurs rund um den Umsturzversuch in Washington D.C. mitbestimmt.

Was fordern sie und welche Rolle können professionelle Basketballspieler*innen in der jetzigen Zeit spielen?

Faschismus als „weißes Privileg“

Die Äußerungen, die Jaylen Brown wie auch Draymond Green gegenüber der Presse äußerten, besaßen die gleiche Grundaussage: Es sei erschreckend zu sehen, wie unterschiedlich Menschengruppen von der Polizei behandelt werden.

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Der bildliche Vergleich zwischen den Black Lives Matter-Protesten und dem gestrigen Umsturzversuch bestätigt genau das. Anstelle einer Hochsicherheitsstrategie hat die Polizei monatelange Tendenzen ignoriert.

Wenn Jaylen Brown von zwei unterschiedlichen USA spricht, dann meint er damit die andauernde Ungleichbehandlung und Benachteiligung von people of colour. Er verbindet die Proteste des letzten Jahres, um darauf aufmerksam zu machen, dass diese Gegenüberstellung nur verdeutlicht, wie ungerecht und unfair die Behandlung der Bürger*innen durch den Staat ist. Es geht um strukturellen Rassismus, der in den USA eben eine so große Rolle spielt, dass auch wir bereits zu den Boykotten in der Bubble eine Einschätzung veröffentlicht haben.

Doch dieses Mal könnten solche Einschätzungen nicht reichen. Wenn der bürgerliche Verfassungsstaat so dermaßen angreifbar ist und die Rede von faschistischer Tendenz so greifbar wird, sollte die Öffentlichkeit nicht dabei stehenbleiben, über weiße Privilegien zu reden und nur über Vergleiche zu Black Lives Matter-Demonstrationen zu reden. Es ist kein weißes Privileg, es ist das Privileg des Faschismus, das hier sichtbar wird.

Um was geht es den Spieler*innen?

Twitter als Plattform ist in solchen Ausnahmemomenten nützlich, denn es erlaubt den Spieler*innen auf einer Plattform, ihre Meinung so schnell wie möglich mitzuteilen. Sie können so noch mehr Einfluss auf die aktuellen Geschehnisse nehmen.

Wer glaubt, Spieler*innen sollten nur dribblen und danach nachhause fahren und still sein, hat nicht verstanden, welches Sprachrohr sie mittlerweile sind. Allein einem LeBron James folgen rund 49 Millionen Menschen auf Twitter. Die Massen, die den NBA-Spielern folgen, können es in der Zahl fast mit dem noch amtierenden US-Präsidenten aufnehmen. Und aus dieser Zahl heraus resultiert eine diskursive Macht. Denn wem von vielen Menschen zugehört wird, auf den hören potenziell auch mehr Menschen.

Wenn sich also die Einschätzungen aus der NBA um die strukturelle Ungleichheit und den Rassismus drehen, dann werden auch mehr Menschen über diese Themenverknüpfung reden. Ob es Sinn macht oder nicht.

Denn die Verknüpfung eines versuchten Umsturzes mit der fehlenden Absicherung des Sicherheitsapparats auf ein „weißes Privileg“ zurückzuführen, mag Sinn ergeben. Aber es ist keineswegs das Ende der Analyse. Wir sind an einem Punkt angekommen, wo sich faschistische Gruppen in den letzten vier Jahren so sehr in Sicherheit wiegen konnten, dass sie nicht nur Protestierende in Charlottesville umbringen, sondern auch gegen unliebsame Aktivist*innen aus dem Sport vorgehen. Das Beispiel dafür lieferte Donald Trump selbst mit seiner berühmten Aussage, dass alle NFL-Spieler, die knien, gefeuert werden sollen. In diesem Kontext bewegen sich die Athlet*innen des Basketballs.

NBA als Plattform

Welche Rolle werden die Spieler*innen nun spielen? Und was wird die NBA nun als Organisatorin tun, um den protestierenden Spielern zu helfen?

Momentan lässt es sich nur erahnen, aber es scheint zu einer Rückkehr zu den bekannten Protestformen zu kommen. Die Heat- und Celtics-Spieler haben vor ihrem Spiel heute Nacht gemeinsam, während der Hymne, gekniet. Und die NBA hat sich noch nicht ausführlich zu den Vorkomnissen geäußert.

Doch trotzdem hat die Entwicklung seit dem gestrigen Tag eines gezeigt: die Spieler*innen haben eine enorme diskursive Macht. Sie können die Inhalte einer Debatte maßgeblich ändern und auf bestimmte Punkte aufmerksam machen. Diese Macht kann ihnen in den nächsten Tagen helfen, eine Aufarbeitung von gestern voranzubringen. Mögliches Gerede von Unachtsamkeiten einzelner Polizist*innen zu kritisieren und strukturellen Rassismus mit Faschismus zu verknüpfen.

Noch nie war es so wichtig wie heute, dass sich Menschen, die mehrheitlich aus Minderheiten kommen, so stark in eine politische Debatte einschalten.