Franchise Fives: New York Knicks

In einer lose fortlaufenden History-Serie stellen wir auf basketball.de die herausragenden Starting Fives aller 30 NBA-Franchises zusammen und zur Diskussion.

Neben den Startern werden im Hinblick auf 70 Jahre NBA (inklusive ABA) zudem ihre Backups sowie insgesamt 30 Head Coaches benannt.

Die „Auserwählten“ müssen mindestens vier Jahre für das jeweilige Team erfolgreich gespielt/gearbeitet haben. Dabei stehen ihre Leistungen für die betreffende Mannschaft und nicht die Gesamtkarrieren im Fokus. Auch müssen die Profis auf der Position zum Einsatz kommen, auf der sie für das jeweilige Team aufgelaufen sind.

🏀🏀🏀

Wer Fan der New York Knicks ist, muss vor allem einen Hang zur Nostalgie mitbringen. So sind seit dem letzten erfolgreichen Playoff-Run der Traditionsfranchise beinahe 20 Jahre vergangen. Aktuell lässt allein Kristaps Porziņģis die Hoffnung aufkeimen, dass den Knicks zukünftig wieder erfolgreichere Jahre bevorstehen könnten. Dabei kann man in New York City durchaus auf eine erfolgreiche Vergangenheit voller Heldengeschichten zurückblicken, die angesichts der anhaltenden Misere nur allzu schnell in den Hintergrund rückt.

Als Gründungsmitglied der NBA haben die Knickerbockers ihre Heimspiele seit jeher im Madison Square Garden (III und IV), dem Mekka des Basketballs ausgetragen. Anfang der Fünfzigerjahre erreichten sie dreimal hintereinander die NBA-Finals, unterlagen dort aber den Rochester Royals und Minneapolis Lakers. Nach etlichen Spielzeiten ohne Playoff-Basketball, gelang es Head Coach Red Holzman Ende der Sechzigerjahre, die New Yorker zurück in die Erfolgsspur zu bringen. Angeführt von Walt Frazier und Willis Reed erreichten sie dreimal die NBA-Finals und holten dabei zwei Meisterschaften (1970, 1973) an den Hudson River.

In den späten Achtzigern und frühen Neunzigern scheiterten die Knicks um Star-Center Patrick Ewing regelmäßig an den übermächtig erscheinenden Chicago Bulls. Erst nachdem Michael Jordan seinen ersten Rücktritt vollzogen hatte, gelang es der von Pat Riley betreuten Mannschaft, 1994 bis in die Finals vorzudringen. Dort mussten sich jedoch nach sieben Spielen den Houston Rockets um Hakeem Olajuwon knapp geschlagen geben.

In der Ära Ewing glückte den Knicks ein weiterer Achtungserfolg, als sie 1999 als achtplatziertes Ost-Team sensationell bis in die Finals vorrückten. Doch die „Twin Towers“ der San Antonio Spurs, David Robinson und Tim Duncan, dominierten die Endspielserie und beendeten die Cinderella-Story.

Seither gab es mehrere erfolglose Versuche, die Franchise wieder konkurrenzfähig zu machen. Doch haarsträubende Managementfehler, unglückliche Entscheidungen bei der Draft und eine Reihe fragwürdiger Trades haben bisher dafür gesorgt, dass die Knicks bestenfalls im Mittelfeld der Liga mitmischen konnten. So haben sie nach dem Jahr 2000 bei gerade einmal fünf Playoff-Teilnahmen nur eine einzige Serie (2013) für sich entschieden. Auch deshalb stehen in der Franchise Five überwiegend Spieler aus vergangenen Zeiten.


Point Guard: Walt Frazier

Teamzugehörigkeit: 1967-1977 | Kernstats: 19,3 PpG, 6,3 ApG, 6,1 RpG, 2,0 SpG, 49,2% FG

Wer heutzutage in den Madison Square Garden kommt, muss eigentlich nur nach einem älteren Herrn in auffallendem Anzug Ausschau halten, um Knicks-Legende Walt Frazier finden zu können. Vielen jungen Fans ist der stets extravagant gekleidete Hall of Famer vorwiegend als Kult-Kommentator bekannt. Doch die älteren Semester im Publikum schnalzen noch heute mit der Zunge, wenn der Name Walt „Clyde“ Frazier genannt wird. Denn als Denker und Lenker der beiden Meisterschaftsmannschaften (1970, 1973) ist er der vierfache All-NBA First Teamer der mit Abstand beste und wichtigste Aufbauspieler in der Geschichte der Knicks.

Das Spiel des 1,93 Meter großen Spielmachers zeichnete eine Mischung aus knallharter Defense und mannschaftsdienlichem Offensivspiel aus. Frazier war kein herausragender Passer, doch er hatte ein ausgezeichnetes Gespür dafür, wann es den freien Mitspieler zu bedienen oder selbst den Abschluss zu suchen galt. Den Spitznamen „Clyde“ verdient er sich, weil er Ende der Sechzigerjahre den gleichen Fedora-Hut trug wie kurze Zeit später Warren Beatty in der Hollywood-Verfilmung von „Bonnie and Clyde“. Dabei hätte auch sein Spiel gut für den Spitznamen herhalten können. Denn Fraziers große Spezialität war der Steal. Dabei schlug der passionierte Balldieb am liebsten dann zu, wenn sich sein Gegenspieler in Sicherheit wog. Nicht zufällig stand der hartnäckige Verteidiger siebenmal in Folge im All-Defensive First Team (1969-1975).

Unvergessen bleibt Fraziers legendärer Auftritt im entscheidenden Spiel sieben der NBA-Finals 1970. In der wichtigsten Partie seiner Karriere liefert er eine beispiellose Clutch-Performance ab und gewinnt für die Knicks beinahe im Alleingang die Partie. Am Ende des Spiels stehen sagenhafte 36 Punkte, 19 Assists, sieben Rebounds, etliche (damals noch nicht statistisch erfasste) Steals – und die erste Meisterschaft der Franchise.

Noch zwei weitere Male führt der Abo-All-Star (7x) die Knicks in eine Endspielserie. Dabei gelingt 1973 der erneute Titelgewinn. Wiederum gegen die L.A. Lakers.

Seit dem 15. Dezember 1979 hängt Fraziers Jersey mit der Nummer zehn unter dem Hallendach des Madison Square Gardens; und seither scheitern potenzielle Nachfolger im großen Schatten der Aufbaulegende. Der wohl vielversprechendste Kandidat für Fraziers Nachfolge stand Ende der Siebzigerjahre bereits im New Yorker Kader.

Mit dem vierten Pick in der 1978er Draft wählen die Knicks Micheal Ray Richardson und geben dem talentierten Einser damit sogar den Vorzug vor dem an Nummer sechs gezogenen Larry Bird. Der 1,96 Meter große Guard legt ein sensationelles zweites Profijahr hin und führt die Liga am Ende der Saison 1979/80 bei den Steals und Assists an. Doch durch mehrere Drogenskandale vermiest sich „Sugar Ray“ Richardson die Laufbahn und wird 1986 sogar lebenslang von der NBA gesperrt. Zu diesem Zeitpunkt haben die Knicks längst die Reißleine gezogen und den einstigen Hoffnungsträger via Trade für einen gewissen Bernard King eingetauscht, der auch Teil unserer Franchise Five ist.

Backup: Micheal Ray Richardson (1978-1982: 14,2 PpG, 7,1 ApG, 6,0 RpG, 2,6 SpG, 3x All-Star)


Shooting Guard: Richie Guerin

Teamzugehörigkeit: 1956-1963 | Kernstats: 20,1 PpG, 6,4 RpG, 5,3 ApG

In den Fünfziger- und frühen Sechzigerjahren wurde die NBA vor allem von großen Spielern dominiert, die den Großteil ihrer Punkte in unmittelbarer Korbnähe erzielten. Während man sich viele Topspieler aus den Anfangsjahren der Liga kaum in der heutigen NBA vorstellen kann, wirkt das Allround-Spiel von Richie Guerin auffallend modern. Zwar hatte der gebürtige New Yorker er als einer der letzten NBA-Profis noch so klassische Würfe wie den beidhändigen Set-Shot im Repertoire – doch klingen Guerins starkes Ballhandling, der schnelle erste Schritt zum Korb und der sichere Wurf aus der Distanz nach besten Zutaten für einen modernen Basketballer.

Der 1,93 Meter große Shooting Guard lief zwischen 1956 und 1963 für die Knickerbockers auf und avancierte innerhalb kürzester Zeit zum absoluten Publikumsliebling. Die Zuschauer im Madison Square Garden identifizierten sich mit dem stets furchtlos agierenden Kämpfer, der das Basketballspielen auf den Freiplätzen der Bronx gelernt und vor seinem NBA-Debüt zwei Jahre im Dienst der US-Marine gestanden hatte.

Coaches und Mitspieler schätzten neben Guerins hoher Einsatzbereitschaft vor allem seine spielerische Vielseitigkeit: Zu Collegezeiten in Iona (New Rochelle, NY) war Guerin noch als Center und Forward aufgelaufen und konnte daher auf dem Parkett fast alle Positionen spielen.

In der New Yorker Offense ist der sechsmalige All-Star Dreh- und Angelpunkt und führt die Knicks in vier aufeinanderfolgenden Jahren bei den Punkten und Assists an. Mit 21 Assists in einem Spiel (1958) und 57 Punkten in einer Partie (1959) stellte er zwei Franchiserekorde auf, die über Jahrzehnte Bestand haben sollten. Seine in der Saison 1961/62 durchschnittlich erzielten 29,5 Punkte stellen den bis heute zweithöchsten Punkteschnitt dar, den je ein Knickerbocker über die Saison generieren konnte.

Trotz individuell herausragender Leistungen spielte Guerin in einer von Erfolglosigkeit geprägten Ära für die Knicks. In seinen sieben New Yorker Jahren verpasst das Team sechsmal den Einzug in die Playoffs und geht beim einzigen Auftritt in der Postseason (1959) sieglos unter. Ob hierin wohl der Hauptgrund dafür liegt, dass die Franchise Guerins Nummer neun bis zum heutigen Tag nicht unter das Hallendach des Madison Square Gardens gehängt hat? Immerhin ist der Mann aus der Bronx 2013 in die Basketball Hall of Fame aufgenommen worden.

In der langen Geschichte der Knicks gab es einige prägende Charaktere, die auf der Position des Shooting Guards aufgelaufen sind. Berücksichtigt man aber die Faktoren Erfolg und Teamzugehörigkeit, bleiben hinter Richie Guerin zwei große Namen stehen: Earl „The Pearl“ Monroe und Allan Houston.

Monroe hat zusammen mit Walt Frazier einige Jahre den wohl besten Backcourt der NBA gebildet und großen Anteil am Gewinn der zweiten Meisterschaft 1973 gehabt. Houston war einer der Schlüsselspieler der Mannschaft, die 1999 als achtplatziertes Ost-Team bis in die Finals marschiert ist. Beide haben neun Jahre im Big Apple gespielt. Hall of Famer Monroe hat mit dem Titel den größeren Mannschaftserfolg vorzuweisen. Houstons Zahlen lesen sich hingegen individuell etwas besser und er belegt Platz vier der All-Time Scoring Liste der Knicks. Es gibt also gute Argumente für beide Spieler. Letztlich entscheidet wohl die persönliche Präferenz.

Backup(s): Earl Monroe (1971-1980: 16,2 PpG, 2,6 RpG, 3,5 ApG, 47,8% FG, 3x All-Star)

Allan Houston (1996-2005: 18,5 PpG, 3,1 RpG, 2,5 ApG, 39,9% 3FG, 2x All-Star)


Small Forward: Bernard King

Teamzugehörigkeit: 1982-1987 | Kernstats: 26,5 PpG, 5,2 RpG, 2,8 ApG, 1,2 SpG, 54,3% FG

Es gab eine Zeit in den Achtzigerjahren, in der Bernard King der gefährlichste Scorer der NBA war. Seine explosive Athletik, kombiniert mit dem sicheren, schnellen Jumpshot, machte den Small Forward zum Matchup-Albtraum für jeden Gegenspieler in der Liga.

Als Kind hatte King noch seinen Vorbildern Walt Frazier und Willis Reed auf den Freiplätzen in Brooklyn nachgeifert. Seine Karriere als Starspieler schien dabei spätestens nach famosen Auftritten in Highschool und College bereits vorskizziert zu sein. Doch diverse Alkoholexzesse, die ihm schon zu Unizeiten nachgesagt wurden, sorgten dafür, dass King trotz seines Ausnahmetalents in der NBA zunächst nicht heimisch wurde.

Von den New Jersey Nets, die ihn 1977 an siebter Stelle gedraftet hatten, wurde er nach Utah getradet; dann zu den Golden State Warriors weitergereicht und schließlich 1982 von den Knicks verpflichtet. In seiner Heimatstadt angekommen, gelang es dem 2,01 großen Forward, sich auf Basketball zu konzentrieren und weiteren Eskapaden zu vermeiden. Die Knicks-Fans schlossen King sofort ins Herz und setzten große Hoffnungen in die Scoring-Maschine. Denn an guten Tagen war der heutige Hall of Famer ligaweit von keiner Verteidigung aufzuhalten, und punktete nach Belieben.

Nachdem King bereits Anfang 1984 in aufeinanderfolgenden Spielen über 50 Punkte erzielt hatte, sollte sein ganz großer Auftritt in den NBA-Playoffs 1984 folgen. Gegen die von Isiah Thomas angeführten Detroit Pistons gelingt King eine der herausragendsten Leistungen, die jemals in einer Playoff-Serie gezeigt wurden. Der damals 27-Jährige legt in der ersten Runde durchschnittlich 42,6 Punkte auf und führt die Knicks beinahe im Alleingang in die Semifinals. Auch die Boston Celtics beißen sich am „König“ zunächst die Zähne aus, können dann aber dank Larry Bird das siebte Spiel der Serie doch noch für sich entscheiden.

Am 25. Dezember 1984 sollte sich King endgültig unsterblich machen. Beim alljährlichen Christmas Game gelingen dem Forward 60 Punkte. Damit stellt er nicht nur einen neuen Franchise-Rekord auf; denn auch noch nie hatte ein Spieler im Madison Square Garden so viele Punkte in einem Spiel erzielt. Doch wenige Wochen nach dem legendären Auftritt beendet eine schwere Knieverletzung beinahe Kings Karriere. Die durchschnittlich 32,9 Punkte, die er bis dahin in 55 Partien aufgelegt hatte, lassen vermuten, wo die Reise für ihn und die Knicks hätte hingehen können.

Bis der zweifache All-NBA First Teamer sein Comeback feiern kann, vergehen über zwei Jahre. Dem Management der Knicks fehlt der Glauben daran, dass King jemals wieder zu alter Stärke zurückkehren kann. Folglich wird der einstige Starspieler nach ein paar Spielen 1987 nicht weiterverpflichtet. Also geht er als Free Agent nach Washington. Für die Bullets legt King weiterhin gute Stats auf und ist auch im Herbst seiner Karriere für sehr ansehnliche 28,4 Punkte gut (1990/91).

Wie unvergessen sein 60-Punkte-Spiel bleibt, beweist ausgerechnet der 24. Januar 2014. Als an jenem Tag Carmelo Anthony den Rekord mit 62 Zählern durchbricht, sind aus dem New Yorker Publikum einzelne Buhrufe zu hören. Einige werden Melo auch als Starter in der Franchise Five der Knicks vermutet haben. Doch für Bernard King spricht neben der deutlich besseren Trefferquote (54,3% FG vs. 44,3%) noch der Fakt, dass er auch in schwierigen Phasen das Spiel an sich reißen und seine Mannschaft tragen konnte.

Backup: Carmelo Anthony (2011-2017: 24,7 PpG, 7,0 RpG, 3,2 ApG, 6x All-Star, 2x All-NBA)


Power Forward: Willis Reed

Teamzugehörigkeit: 1964-1974 | Kernstats: 18,7 PpG, 12,9 RpG, 1,8 ApG

Von 1964 bis 1974 dominierte Willis Reed das Inside-Spiel der New York Knicks. Der 2,06 Meter große Big Man hatte es unter den Körben meistens mit längeren Gegenspielern zu tun. Doch Reed schreckte vor keinem Kontrahenten zurück und ließ sein physisches Spiel für sich sprechen. Schon in seiner Rookie-Saison legt „The Captain“ in einem Spiel gegen die L.A. Lakers imposante 46 Punkte auf und wird als Neuling für das All-Star Spiel nominiert. Aber trotz des kraftvollen Duos, das Reed im New Yorker Frontcourt zusammen mit Walt Bellamy bildet, gelingt es den Knicks erst mit der Verpflichtung von Head Coach Red Holzman, ihr Talent in Siege umzumünzen.

1970 ist das große Jahr von Willis Reed. Angeführt vom damals 27-Jährigen gewinnen die Knicks erstmals 60 Spiele in einer Saison, und bleiben zwischenzeitlich 18 Spiele am Stück ungeschlagen. Auch die bedeutendsten individuellen Auszeichnungen gehen allesamt an Reed. Als erster Spieler in der NBA-Geschichte gelingt es ihm, in einer Saison als All-Star Game MVP, MVP der regulären Saison und MVP der Finalserie ausgezeichnet zu werden. Die Nominierungen für das All-NBA-First- und All-Defensive-First-Team folgen selbstredend.

Trotzdem droht die Krönung in Form des Meisterschaftsgewinns in letzter Sekunde noch zu scheitern. Im fünften Finalspiel gegen die Lakers zieht sich Reed einen Muskelriss im Oberschenkel zu, der die New Yorker Titelhoffnungen trotz 3-2-Serien-Führung schwinden lässt. Ohne den „Captain“ gehen die Knicks in Spiel sechs unter und müssen zusehen, wie Wilt Chamberlain mit 45 Punkten und 27 Rebounds die Zone dominiert und die Lila-Goldenen die Serie ausgleichen.

So kommt es zum märchenhaften Showdown im Madison Square Garden. Und mittendrin ist zur Überraschung aller der offensichtlich stark gehandicapte Reed. Spätestens als dem eigentlich Verletzten prompt die ersten beiden Feldkörbe für die Knicks gelingen, zündet der Funke bei Fans und Mitspielern. Getragen von der Euphorie um Reeds unermüdlichen Einsatz, legt Walt Frazier das wohl beste Spiel seiner Profilaufbahn hin. Und auch Reed gelingt es in seiner kurzen Einsatzzeit, Chamberlain an die Kette zu legen. Am Ende steht eine der schönsten Comeback-Geschichten der NBA-Historie – und für die Knicks ihre erste Meisterschaft.

Wie wichtig der hartnäckige Abo-All-Star (7x) für die Knicks ist, beweisen die Finals 1972, die ohne den verletzten Pivoten gegen die Lakers verloren gehen. Erst als Reed im Folgejahr wieder einsatzfähig ist, springt der zweite Titel für das Team aus dem Big Apple raus. Abermals gegen Los Angeles. Erneut wird der Mann aus Louisiana dabei zum Finals-MVP gewählt, obwohl seine Rolle im Lauf der Saison bereits kleiner geworden ist. Mit nur 31 Jahren hängt Reed die Sneaker 1974 an den Nagel. Verletzungen haben seine Karriere entschieden verkürzt, doch kann er auf zehn Profijahre zurückblicken, in denen er alles erreicht hat.

Reed in unserer Franchise Five als Power Forward gelistet zu sehen, mag manche verwundern. Denn eigentlich spielte er während der New Yorker Erfolgsjahre überwiegend als Center und sah sich selbst auch eindeutig auf dieser Position. Doch hat der heute 76-Jährige neben Walt Bellamy mehrere Jahre als Vierer agiert. Erst nachdem „Bells“ 1968 von den Knicks getradet wurde, konnte Reed nicht nur wieder auf die angestammte Centerposition rücken, sondern mit Dave DeBusschere ein weiterer Schlüsselspieler der späteren Meistermannschaft verpflichtet werden.

In seinen ersten Profijahren in Detroit hatte DeBusschere neben Basketball auch noch professionell Baseball gespielt. Die Pistons ernannten den smarten Forward als 24-Jährigen gar zum Spielertrainer. Erst mit seinem Wechsel nach New York konzentrierte sich „Big D“ (6x in Folge All-Defensiv First Teamer) vollends auf seine Karriere als Basketballer. DeBusscheres harter Spielstil ergänzte sich ideal mit Reeds physischem Spiel unter den Brettern und machte die beiden zu einem gefürchteten Frontcourt-Duo.

Backup: Dave DeBusschere (1968-1974: 16,0 PpG, 10,7 RpG, 3,1 ApG, 5x All-Star, 1x All-NBA)


Center: Patrick Ewing

Teamzugehörigkeit: 1985-2000 | Kernstats: 22,8 PpG, 10,4 RpG, 2,0 ApG, 2,7 BpG, 50,8% FG

Als die New York Knicks am 18. Juni 1985 den jungen Center Patrick Aloysius Ewing in der Draft mit dem ersten Pick wählen, steht für alle Fans und Experten fest, dass in New York eine neue Ära begonnen hat. So gilt Ewing, der mit Georgetown 1984 die NCAA-Meisterschaft gewonnen hatte, als zukünftiger NBA-Star. Denn er bringt er alle Voraussetzungen dafür mit, die Franchise zu neuen Erfolgen zu führen.

Als moderner Center hat der in Jamaika geborene 2,13-Meter-Hüne das komplette Repertoire am Start. Die schnelle Beinarbeit, verlässliche Bewegungen in Korbnähe, ein guter Mitteldistanzwurf und die großartige Antizipation bei Rebounds und Blocks machen Ewing zu einem der prägenden Center seiner Zeit.

Trotz individuell starker Statistiken dauert es jedoch einige Jahre, bis der Supporting Cast der Knicks stark genug ist, um mit Ewing erste Erfolge einzufahren. Doch egal wie gut die Bockers in der regulären Saison auch spielen, in den Playoffs scheitern die um „Big Pat“ aufgebauten Teams regelmäßig an den schier übermächtigen Chicago Bulls mit Michael Jordan. Erst nachdem MJ seinen ersten Rücktritt vollzieht, kämpfen sich die Knicks mit einem stark defensiv geprägten Basketball bis in die NBA-Finals vor (1994). Dort trifft Ewing mit Hakeem Olajuwon auf seinen alten Widersacher aus Collegetagen, der für die Houston Rockets auf Korbjagd geht.

In einer packenden Serie, die über die volle Distanz von sieben Spielen geht, verspielen die Knicks eine 3-2-Führung. Tragischerweise erwischt Ewing im sechsten Spiel offensiv einen rabenschwarzen Tag (6/20 FG), in dem Co-Star John Starks die New Yorker dennoch beinahe im Alleingang zur Meisterschaft schießt. In Spiel sieben kommte Ewing besser ins Spiel, muss aber mit ansehen, wie Starks eine legendär schwache Performance abliefert, da er nur zwei seiner 18 Wurfversuche verwandelt. Eine wirkliche zweite Chance auf den Titel soll „Big Pat“ nicht erhalten.

Auch wenn in seine Ära bei den Knicks der legendäre Final-Run als achtplatziertes Ost-Team fällt (1999), muss Ewing verletzungsbedingt zuschauen. Frustriert fordert der elfmalige All-Star im Spätherbst seiner Karriere einen Tapetenwechsel, der ihn im Jahr 2000 nach Seattle bringt. Nicht wenige Knicks-Fans sehen in diesem für alle Seiten sinnlosen Trade den Anfang der Misere der Franchise.

Ewing zuerst im grünen Sonics-Trikot und später im Blau der Orlando Magic zu sehen, schmerzt nicht wenige Fans. Zumal der Gegenwert, der für den siebenfachen All-Teamer am Hudson River ankommt, die Franchise kein bisschen voranbringt. Patrick Ewing, der in seinen 1.039 Saisonspielen für New York so ziemlich alle bedeutenden Franchise-Rekorde gebrochen hat, hätte sich ein würdigeres Ende seiner langen Karriere verdient.

Backup: Bill Cartwright (1979-1988: 16,8 PpG, 7,1 RpG, 1,5 ApG, 55,2% FG, 1x All-Star)


Head Coach: Red Holzman

Wer im Madison Square Garden die unter dem Hallendach hängenden Trikots durchgeht wird bei dem Jersey mit der Nummer 613 vielleicht stutzig werden. Gab es tatsächlich mal einen Spieler in Reihen der Knicks, der mit einer dreistelligen Nummer auflief?

Tatsächlich handelt es sich bei der #613 um die Anzahl von Saisonsiegen, die die New Yorker unter der sportlichen Leitung von Hall of Famer Red Holzman eingefahren haben. Der Meistertrainer von 1970 und 1973 stand insgesamt 14 Jahre lang hauptverantwortlich an der Seitenlinie der Knicks. Achtmal in Folge wurden dabei die Playoffs erreicht. Noch heute hält Phil Jackson, der in den Sechzigern und Siebzigern für die Bockers als Spieler auflief, Holzman für den „besten Trainer aller Zeiten“.

Ein großer Verdienst des Mannes aus Brooklyn war es, den Spielern in der Offense Selbstlosigkeit einzuimpfen und sie individuell stark zu verbessern. Auch Akteure, die in der Liga als schwierige Charaktere bekannt waren, avancierten unter Holzman zu mustergültigen Profis, die sich in den Dienst der Mannschaft stellten.

Als NBA-Point-Guard (1949-1954) hatte er 1951 mit den Rochester Royals die Meisterschaft gewonnen. Passenderweise gegen die New York Knicks.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.