Franchise Fives: Philadelphia 76ers

Die Antwort, der große Dipper und der fliegende Doctor – die Philadelphia 76ers können gleich mit mehreren NBA-Ikonen aufwarten. Wer steht sonst noch im All-Time-Team der Franchise?

In einer lose fortlaufenden History-Serie stellen wir auf basketball.de die herausragenden Starting Fives aller 30 NBA-Franchises zusammen und zur Diskussion.

Neben den Startern werden im Hinblick auf 70 Jahre NBA (inklusive ABA) zudem ihre Backups sowie insgesamt 30 Head Coaches benannt.

Die „Auserwählten“ müssen mindestens vier Jahre für das jeweilige Team erfolgreich gespielt/gearbeitet haben. Dabei stehen ihre Leistungen für die betreffende Mannschaft und nicht die Gesamtkarrieren im Fokus. Auch müssen die Profis auf der Position zum Einsatz kommen, auf der sie für das jeweilige Team aufgelaufen sind.

🏀🏀🏀

Zunächst als Syracuse Nationals, und nach ihrem Umzug (1963) als Philadelphia 76ers bekannt, ist die Franchise ein Gründerteam der NBA. Dementsprechend viele Spielergrößen liefen in Upstate New York und für die „Stadt der brüderlichen Liebe“ auf.

Mit drei Championships (1955, 1967, 1983) waren die Nats und Sixers nie ein Abo-Meister, dominierten phasenweise aber dennoch die Liga. Vor allem das Team um Erfolgstrainer Billy Cunningham und Superstar Julius Erving legte eine beeindruckende Serie hin. So erreichte die Franchise von 1978 bis 1985 stets die Playoffs, sechsmal die Conference Finals und dabei dreimal die NBA-Finals.

Auch deswegen werden die Sixers um „Dr. J“ mit je zwei Starter- sowie Backup-Plätzen in unserer Franchise Five gewürdigt. Wer sonst noch im All-Time-Kader steht? Lest selbst:


Point Guard: Allen Iverson

Teamzugehörigkeit: 1996-2006, 2009/10 | Kernstats: 27,6 PpG, 3,9 RpG, 6,1 ApG, 2,3 SpG

Seine Signature-Sneaker-Reihen spiegeln Allen Iversons Karriere gut wieder. War er „The Answer“ oder eher „The Question“? Einerseits der megapopuläre Spieler, der in elf Jahren neunmal zum All-Star-Starter gewählt wurde? Oder andererseits ein „Egozocker“, mit dem man keine Titel gewinnt?

Trotz dieser Fragen ist eines klar: Kaum ein Spieler hat eine Franchise so stark geprägt, wie „AI“ die 76ers. Über eine Dekade füllte einer der beliebtesten Spieler aller Zeiten die Hallen. So hatte er nicht nur auf sein Team, sondern die gesamte NBA großen Einfluss. Iverson machte Hip-Hop in der NBA salonfähig. Er brachte den „Swag“ in die Liga. Cornrows, Tattoos, Football-Jerseys und Baggy-Pants. Nicht nur zu Sixers-Head-Coach Larry Brown, auch zu Commissioner David Stern schien „AI“ dabei eine interessante Beziehung zu haben. Beide haben ihm viel zu verdanken, beide griffen während seiner Hochzeit zu Alpecin – denn zu viel Stress verursacht bekanntlich Haarausfall. Alles dank Iversons unapologetischer „I don’t give a fuck“-Einstellung.

Was er zudem definitiv konnte, war Basketball spielen und auf dem Feld die passende Antwort geben. Der „pound for pound greatest“ Guard dominierte als Sixer 10,5 Jahre und erzielte knapp 20.000 Punkte für Philly. Sein Crossover war gefürchtet, sein unermüdlicher Einsatz bewundernswert. Iverson nahm den Leitsatz „Spiel jedes Spiel so, als wäre es dein letztes“ sehr ernst. Der Combo-Guard war einer der prägendsten Spieler, den die Franchise in Pennsylvania je hatte:

Da wären die Auszeichnung als Liga-MVP (2001), vier NBA-Scoring-Titel, zwei All-Star Game MVPs, die Ehrung als Neuling des Jahres 1997 (in einer der stärksten Rookie-Klassen aller Zeiten), sieben Nominierungen für eines der All-NBA-Teams (3x First Team) sowie insgesamt elf Berufungen in die All-Star-Auswahl. Iversons individuellen Auszeichnungen sind im Philly-Vergleich über einen so langen Zeitraum denen von Julius Erving ebenbürtig. Doch im Gegensatz zu „Dr. J“ blieb ihm der Teamerfolg weitgehend versagt. Der fehlende NBA-Titel und das „Practice“-Interview sind zwei Dinge, die einem der Besten aller Zeiten immer nachhängen werden. Leider.

Der legendäre „Practice“-Rant ist dabei eines der größten Missverständnisse der NBA-Geschichte. Ein Paradebeispiel dafür, wie sehr vier Wörter aus dem Kontext gerissen und zum Running Gag geworden sind. Lustig war das Interview für Iverson hingegen nicht. Denn wenige Tage zuvor war einer seiner besten Freunde ermordet worden. Seit Monaten wurde „AI“s Name überdies mit potentiellen Trades in Verbindung gebracht. Zumal der Erfolg nach dem Erreichen der Finals 2001 ausblieb. Und dann kam jene verhängnisvolle Pressekonferenz. Hier die ganze Story.

Sinnbildlich für Iversons Spielweise ist sein berühmtestes Play: In seiner Rookie-Saison verlud der pfeilschnelle Guard den GOAT, Michael Jordan, im Eins-gegen-eins mit seinem patentierten Crossover, der seinerzeit nicht nur in den deutschen Jugendligen bei zahlreichen Imitationsversuchen „Schaufelalarm“ auslöste. So war der 1,80 Meter große Scoring-Guard im Iso-Modus nicht zu stoppen. Trotz seiner Größe zog „AI“ entschlossen zum Korb, suchte den Kontakt und verbrachte mehr Zeit an der Charity-Stripe (9,1 Freiwurfversuche pro Partie als Sixer) als Boris Becker bei der Steuerberatung.

Was Iverson indes häufig fehlte, war ein effektiver Co-Star. Namhafte Spieler wie Jerry Stackhouse, Chris Webber oder (in Denver) Carmelo Anthony standen ihm zur Seite, die Chemie stimmte jedoch nie. An dieser Tatsache hatte „AI“ eine nicht geringe Mitschuld. Denn seine Balldominanz und die vielen Wurfversuche führten dazu, dass „The Answer“ mehr hochkarätige Akteure schasste als Andrej Mangold Dates.

Sinnbildlich war Iversons erfolgreichste Saison (2000/01), als der beherzte Lead-Scorer von selbstlosen Arbeitern wie Dikembe Mutombo, Tyrone Hill, Aaron McKie und Eric Snow umgeben war. Mit diesem Supporting-Cast erreichte der Liga-MVP die NBA-Finals, wo sogar das erste Spiel gewonnen wurde. Doch waren die „ShaKobe“-Lakers letztlich zu dominant für die weniger talentierten Sixers.

Was nach solchen Achtungserfolgen und mindestens so vielen Missverständnissen bleibt, ist der gegenseitige Respekt von „AI“ und der Stadt Philadelphia, für die er sprichwörtlich „Blut, Schweiß und Tränen“ auf dem Parkett ließ. Auch deswegen wurde der unermüdliche Kämpfer 2016 in die Hall of Fame aufgenommen. Sein Trikot mit der ikonischen Nummer drei haben die Sixers bereits 2014 unter die Hallendecke gezogen.

Backup: Maurice Cheeks (1978-1989: 12,2 PpG, 3,0 RpG, 7,3 ApG, 2,3 SpG, 52,8% FG, 4x All-Star)


Shooting Guard: Hal Greer

Teamzugehörigkeit: 1958-1973 | Kernstats: 19,2 PpG, 5,0 RpG, 4,0 ApG

Jungen Basketballfans wird sein Name kaum geläufig sein. In Philly ist Hal Greer jedoch sehr bekannt. 1.122 Saisonspiele bestritt der Hall of Famer für die Nationals und Sixers. Genauso wie seine Teamzugehörigkeit von 15 Jahren ein Franchise-Rekord.

In Zeiten absurder statistischer Rekorde (Spoiler-Alert: Wilt Chamberlain wird später vorgestellt) überzeugte Greer vor allem mit Konstanz. Als einer der Umzugshelfer, der den Städtewechsel aus Syracuse nach Philadelphia miterlebte, legte Greer über elf Jahre 21,7 Punkte, 5,5 Rebounds und 4,4 Assists auf. Zehnmal in Folge (1961-1970) war der Mann aus West Virginia dabei ein fester Bestandteil des All-Star Games, aus dem er 1968 als MVP hervorging. Im Jahr davor führte er die Sixers gemeinsam mit Wilt Chamberlain zu 68 Saisonsiegen und zum Titel. In den Playoffs brillierte Greer als Topscorer (27,7 PpG) – und trug so dazu bei, das Philly die überdominanten Abomeister aus Boston mit 4-1 nach Hause schickte. Wohlgemerkt hatten die Russell-Celtics zuletzt 1958 eine Playoff-Serie verloren.

Als Allrounder wäre Greer heutzutage ein klassischer Combo-Guard. Der 1,88 Meter große Außenspieler hatte im Angriff kaum Schwächen. Dabei war vor allem sein Wurf aus dem Dribbling eine Waffe. So war Greer auch dafür bekannt, selbst seine Freiwürfe als Sprungwürfe zu verwandeln. Und wer über seine Karriere 80 Prozent seiner „Freebies“ einnetzt, darf das natürlich auch. Denn wer trifft, hat bekanntlich Recht!

Greer war als effektiver Scorer dabei ein Schlüssel zum Erfolg der Sixers, mit denen er viermal in Folge im Ostfinale stand (1965-1968). Neben Wilt Chamberlain war der Guard der Punktegarant, der nicht nur dann zum Zug kam, wenn der „Big Dipper“ von mehreren Gegenspielern in die Mangel genommen wurde.

Zugleich war Greer mehr als ein vielseitiger Scorer und ausgewiesener Shooter, welcher am Ring, aus dem Dribbling und dem Stand zu punkten verstand. Nämlich ein kompletter Spieler, der als fähiger Passgeber Akzente setzte und trotz seiner Leichtbaustatur beachtlich an den Brettern arbeitete. Auch agierte Greer abseits des Balles als gewiefter Blocksteller, der seinen Mitspielern Wurfgelegenheiten verschaffte sowie am defensiven Ende des Feldes voranschritt.

Ligaweit war der siebenfache All-Teamer ein sehr respektierter Spieler, der nicht nur auf, sondern auch neben dem Feld den Sport nach vorne brachte. Schließlich war Greer einer der ersten afroamerikanischen Starspieler der NBA, der den Weg für nachfolgende Generationen bereitete. Dementsprechend respektiert ist Phillys Nummer 15 auch in der „Stadt der brüderlichen Liebe“.

Greers Jersey war das 1976 erste, welches die Franchise unter die Hallendecke zog. 2017 erhielt er am „76ers Legends Walk“ (an Phillys Trainingszentrum) als erster Ehemaliger eine Ehrenstatue. Der Hall of Famer (1982) führt die Franchise zudem bei den generierten Punkten (mehr als 21.000) und gespielten Minuten (nahezu 40.000) an. Kein Spieler hat für die Nats / Sixers über eine so lange Zeit hinweg konstant so viel abgeliefert.

1996 wurde Greer zu einem der 50 besten NBA-Spieler aller Zeiten gewählt. Als er Mitte April 2018 im Alter von 81 Jahren verstarb, trugen die Sixers für die restlichen Playoffs einen Trauerflor mit seiner Trikotnummer 15. Eine Würdigung, die sich der „Lifer“, der seine 15-jährige NBA-Karriere bei derselben Franchise verbrachte, mehr als verdient hatte.

Backup: Hersey Hawkins (1988-1993: 19,0 PpG, 3,6 RpG, 3,4 ApG, 1,8 SpG, 40,6% 3FG, 1x All-Star)


Small Forward: Julius Erving

Teamzugehörigkeit: 1976-1987 | Kernstats: 22,0 PpG, 6,7 RpG, 3,9 ApG, 3,3 S/BpG, 50,7% FG

Der Jordan vor Jordan. Der fliegende Doctor ist Legende. Die Galionsfigur der innovativen ABA. Der aufragende Afro, Kult. Julius Erving ist einer der aufsehenerregendsten und einflussreichsten Spieler der Basketball-Geschichte. Um wenige Ausnahmekönner ranken sich mehr Legenden. Dunks von der Freiwurflinie einfliegen. Als Publikumsmagnet ganz Harlem im Rucker Park versammeln … Wo der „Dr. J“ war, war auch der Funk und ordentlich was los.

Dementsprechend groß war der Hype um Erving, als er 1976 nach dem Ende der ABA in die NBA zu den Sixers wechselte. Wohlgemerkt als dreifacher Liga-MVP und zweifacher Champ mit den New York Nets. Kaum ein Spieler musste daher so hohe Erwartungen wie Erving erfüllen. Und das wurden sie auch in der NBA zumeist: elf All-Star- und fünf First-Team-Nominierungen in Folge, ein MVP-Award (1981), zwei All-Star MVPs und vor allem die Meisterschaft im Jahr 1983.

Und wer angesichts dieser imposanten Liste jetzt denkt: Aber hier geht es doch „nur“ um die Leistungen im Jersey der 76ers, dem sei gesagt: Wenngleich seine Frisur wechselte, operierte der Doctor während seiner NBA-Zeit ausschließlich in Philadelphia. Neben Allen Iverson, Hal Greer und Dolph Schayes (gleich mehr zu ihm) war Erving damit einer der prägendsten Akteure in der Geschichte der Franchise.

Zudem fungierte er als Vorreiter eines Spektakels, was sich Slam Dunk Contest nennt: Noch vor Jordan dunkte „Dr. J“ von der Freiwurflinie. In seinen ersten Jahren als Sixer zeigte er gemeinsam mit seinen Teamkollegen Darryl „Chocolate Thunder“ Dawkins und World B. Free etwas, das die Basketball Association so noch nicht gesehen hatte. Nämlich Poster-Dunks am Fließband.

Abseits der großartigen Show konnte der ultimative Teamerfolg jedoch zunächst nicht gefeiert werden. Dieser kam nach drei Finalniederlagen erst 1983. Zusammen mit Moses Malone und Maurice Cheeks gab Philadelphia in den Playoffs nur ein Spiel ab. Sogar die „Showtime“ Lakers konnten Erving & Co. nichts in den Weg stellen und wurden per Sweep vom Feld gefegt.

Auf dem Parkett war der hyperathletische Doctor seinerzeit in der Transition nicht zu stoppen. Einmal in Fahrt, konnte er mit seiner Größe und Beweglichkeit überall hinkommen, wo er wollte. Dabei war er mit seinen unfassbar langen Armen, dem guten Touch in Korbnähe und seiner Sprungkraft ein wandelndes Mismatch. So lag Ervings ausgeprägte Stärke im schnellen Spiel und beim Zug zum Korb. Denn ein großartiger Sprungwerfer war er nie. Umso erstaunlicher waren seine letzten All-Star Nominierungen, die er als Mittdreißiger abräumte – der noch immer effektiv mehr als 18 Punkte pro Spiel beitrug. Schließlich lagen Ervings athletische Fähigkeiten auch im fortgeschrittenen Alter weit über dem NBA-Durchschnitt.

Trotz all der großen Spieler in der Geschichte der Nats und Sixers, war die Nominierung von „Dr. J“ in unserer Franchise Five neben „AI“ der einzige absolute No-Brainer.

Backup: Billy Cunningham (1965-1972, 1974-1976: 20,8 PpG, 10,1 RpG, 4,0 ApG 1,2 SpG, 4x All-Star, 4x All-NBA)


Power Forward: Dolph Schayes

Teamzugehörigkeit: 1949-1964 | Kernstats: 18,5 PpG, 12,1 RpG, 3,1 ApG, 84,9% FT

Wer war Dolph Schayes? Aufmerksame NBA 2K-Zocker werde den einstigen Scoring Leader der NBA durch die Retro-Teams kennen. Oder eben die wirklichen Oldschool-Fans. Denn Schayes betrat die NBA-Bühne bereits 1949 zur Gründung der Liga.

Mit seinen 203 Zentimetern Körperlänge dominierte der New Yorker als Power Forward 15 Jahre lang die Bretter. Bereits als Zweitjahresprofi avancierte er 1950/51 zum Rebounding-Champion der NBA (16,4 RpG). Über zwölf Saisons legte er im Schnitt 19,7 Punkte und 12,8 Boards auf. Dabei wurde er in jenen Jahren (1951-1962) stets in die All-Star-Auswahl und in eines der beiden All-NBA-Teams berufen (6x ins First Team).

Schayes hatte dabei einen starken Wurf von außen im Repertoire, was seine Freiwurf-Karrierequote von knapp 85 Prozent unterstreicht. So führte der Big Man die Liga dreimal als sicherster Schütze von der Linie an. Zweimal traf über eine Saison gar mehr als 90 Prozent seiner Freiwürfe. Und dies bei hohem Volumen (7,9 Versuche im Karriere-Schnitt).

Auch war der agile Forward im Fastbreak schwer zu stoppen, da er mit links und rechts gleichermaßen gut zum Korb ziehen konnte. Außer seinem Stand- bzw. Sprungwurf beherrschte Schayes, der auch als Passgeber seine Nebenmänner einband, alle Facetten des Spiels beidhändig. Gewissermaßen war er vor Tim Duncan „Mr. Fundamental“.

1955 trug er die Syracuse Nationals als Topscorer und -rebounder in die NBA-Finals, wo das Team aus Upstate New York die Fort Wayne Pistons in Spiel sieben (nach 2-3 Serienrückstand) denkbar knapp bezwang. Es war die erste Meisterschaft der Franchise-Historie und zugleich eine Genugtuung. Denn 1954 und 1950 hatten die Nats die Finalserie gegen die Minneapolis Lakers um George Mikan wiederholt verloren. Und auch wenn Schayes kein weiterer Titelgewinn gelang, wurden in den rekordsetzenden 15 Jahren, die er für die Franchise auflief, pausenlos die Playoffs erreicht.

Als die Nationals 1963 vor seiner letzten Saison nach Philadelphia umzogen, übernahm der Big Man das Team als Spielertrainer und coachte die Sixers nach seinem Karriereende sodann bis 1966 in Vollzeit. Nowitzki-like wechselte Schayes als Aktiver also nie die Franchise. Erst Anfang der 70er betreute er kurzzeitig die Buffalo Braves als Cheftrainer.

Bereits 1973 wurde der „Lifer“ in die Basketball Hall of Fame aufgenommen. Schließlich war er einer der ersten wirklichen Stars der NBA, streifte sich fünfzehn Jahre in Folge für dieselbe Franchise das Trikot über, brillierte spielerisch als Allrounder und half den Sixers beim Umzug sogar als Übungsleiter weiter. Deswegen fällt die Wahl des Power Forwards am Ende doch klar und deutlich auf Schayes und nicht auf Charles Barkley; der den Sixers nicht so lange treu blieb und keinen großen Teamerfolg in Philly feiern konnte.

Nach wie vor steht Schayes in den Rekordbüchern der Franchise bei den verbuchten Rebounds an erster Stelle. Bei den absolvierten Partien und erzielten Punkten reiht er sich auf Platz zwei bzw. drei ein.

Backup: Charles Barkley (1984-1992: 23,3 PpG, 11,6 RpG, 3,7 ApG, 2,7 S/BpG, 64,0% TS, 6x All-Star, 7x All-NBA)


Center: Wilt Chamberlain

Teamzugehörigkeit: 1965-1968 | Kernstats: 27,6 PpG, 23,9 RpG, 6,8 ApG, 46,3 MpG, 58,3% FG

Vorweg: Wilt Chamberlain spielte in Philadelphia für zwei NBA-Teams. Leicht zu verwechseln sind dabei seine Rekordsaisons im Trikot der Philadelphia / San Francisco Warriors (seit 1962 beheimatet im „Golden State“) und seine vier Spielzeiten bei den Sixers.

Im Januar 1965 war der beste Big Man der Liga während der All-Star-Spiels zurück in seine Heimatstadt getradet worden. Dabei handelte es sich um einen reichlich unausgewogenen Talentaustausch, der seinerzeit als fragwürdigstes Tauschgeschäft des Profisports galt. Denn für den „Big Dipper“ – der an die 76ers ging, die nach ihrer Übersiedlung aus Syracuse (1963) eine Identifikationsfigur und einen Zuschauermagnet suchten – wurden Connie Dierking, Paul Neumann, Lee Shaffer und ein Koffer Cash gen San Francisco verschifft. Zur Info: Wilt generierte mehr Punkte und Rebounds als alle drei zusammen.

Der Transfer war dabei finanziell motiviert und von persönlichen Animositäten innerhalb der Franchise der Warriors getrieben. So wurde ein irritierter Chamberlain zunächst nicht über den Wechsel informiert …

Doch es sollte sich für den Heimkehrer zum Guten wenden: 1967 feierte er in Philly den ersehnten Titelgewinn. Mit dem 68-Siege-„Superteam“ um Hal Greer, Chet Walker, Billy Cunningham, Wali Jones und Luke Jackson durchbrach Wilt die Vorherrschaft der Celtics und triumphierte im Finale … gegen die Warriors. Zugleich war dies die erste Championship der 76ers. (Ihren ersten Titel holte die Franchise 1955 in Syracuse.)

In seiner vielleicht besten Spielzeit legte der Dominator 24,1 Punkte, 24,2 Rebounds und 7,8 Assists auf, zumal er 68,3 Prozent seiner Feldwürfe einnetzte. Gegen die Russell-Celtics markierte er im Ostfinale gar ein Triple-Double im Schnitt (21,6 PpG, 32,0 RpG, 10,0 ApG). Mit 4-1 wurde der verhasste Abomeister, der zuletzt 1958 eine Playoffserie verloren hatte, seinerzeit nach Hause geschickt.

Solch großartige Leistungen haben am Ende auch dazu beigetragen, dass Chamberlain vor Moses Malone den Starterplatz erhalten hat. Denn der „Big Dipper“ war als Meisterschaftsgarant einfach noch dominanter als der „Chairman of the Boards“, der Philly 1983 als MVP ins gelobte Land führte.

Chamberlain hatte in seinen vorherigen Jahren bei den Warriors zwar die meisten seiner individuell unfassbaren Leistungen und Rekorde aufgestellt, doch blieb der große Teamerfolg dabei aus. Auch weil er erst im zweiten Anlauf in Philly vermehrt als Teamspieler agierte und seine Mannschaft unter Anleitung von Erfolgstrainer Alex Hannum zu tragen verstand. Folgerichtig bekam Wilt in seinen drei vollen Saisons bei den Sixers dreimal in Folge den MVP-Award verliehen. Wiederholt führte er die NBA bei den Rebounds und der Feldwurfquote an. 1967/68 verbuchte er als Center zudem ligaweit die meisten Assists (8,6 pro Partie).

Indes sei auch darauf hingewiesen, dass man die NBA-Spieler, die zu Chamberlains Zeiten über 2,05 Meter groß waren, fast an zwei Händen abzählen konnte. Wilts Erscheinung war sonach dermaßen überproportional, er hätte auch eines der „Monstars“ aus Space Jam sein können. Neben seinen 216 Zentimetern Köperlänge war der hyperathletische „Big Dipper“ der wohl kräftigste Spieler der NBA-Geschichte.

Drei MVP-Titel und sein Triumph über die Celtics im Jahr 1967 ließen den Sixers im Übrigen keine andere Wahl: Sein Trikot mit der Nummer 13 wird in Philadelphia seit 1991 nicht mehr vergeben.

An dieser Stelle könnte natürlich mehr über den überlebensgroßen Hall of Famer (1979) geschrieben werden, um den sich so viele Legenden ranken. Da hier jedoch vor allem die Sixers-Jahre einfließen, lest gerne im Warriors-Teil mehr oder schaut mal im informativen Wilt Chamberlain Archive vorbei.

Backup: Moses Malone (1982-1986, 1993/94: 21,0 PpG, 12,0 RpG, 1,3 BpG, 4x All-Star, 3x All-NBA, MVP 1983)


Head Coach: Billy Cunningham

The „Kangaroo Kid“ schaffte es als aktiver Spieler (siehe Video) zwar nicht in die Franchise Five, dafür wird er aber als Coach nominiert. Schließlich war Billy Cunningham während der Hochzeit der Sixers der verantwortliche Cheftrainer gewesen.

Wenige Monate nach der überraschenden Finalniederlage gegen die Portland Trail Blazers übernahm Cunningham nach enttäuschendem Saisonstart von Vorgänger Gene Shue im November 1977 das Kommando. Bis 1985 betreute der Mann aus Brooklyn die Sixers überaus erfolgreich. In jedem Jahr wurden die Playoffs erreicht, und bei drei Finalteilnahmen binnen vier Jahren 1983 der lange ersehnte Meistertitel eingefahren.

In der langen NBA-Geschichte können unter allen Coaches allein Steve Kerr und der „Herr der Ringe“, Phil Jackson, mit einer höheren Siegesquote als Cunningham (69,8 Prozent) aufwarten. Zudem ist der Hall-of-Fame-Spieler einer von nur wenigen NBA-Akteuren, die sowohl als Leistungsträger als auch als Head Coach eine Meisterschaft feiern konnten. Und da Cunningham gleich zweimal mit Philly die Korken knallen ließ (1967 als Aktiver), war seine Nominierung ein wirklicher No-Brainer. Denn gemessen an Championships und Finalauftritten, ist er der bis heute erfolgreichste Sixer (und Nat).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.