Franchise Fives: Miami Heat

Die Miami Heat sind seit ihrer Gründung eine der erfolgreichsten Franchises der NBA. Bereits in drei verschiedenen Ären spielten die Floridianer um den Titel mit. Das Duo Dwyane Wade / LeBron James ist dabei nicht die einzige starke Combo gewesen.

In einer lose fortlaufenden History-Serie stellen wir auf basketball.de die herausragenden Starting Fives aller 30 NBA-Franchises zusammen und zur Diskussion.

Neben den Startern werden im Hinblick auf 70 Jahre NBA (inklusive ABA) zudem ihre Backups sowie insgesamt 30 Head Coaches benannt.

Die „Auserwählten“ müssen mindestens vier Jahre für das jeweilige Team erfolgreich gespielt/gearbeitet haben. Dabei stehen ihre Leistungen für die betreffende Mannschaft und nicht die Gesamtkarrieren im Fokus. Auch müssen die Profis auf der Position zum Einsatz kommen, auf der sie für das jeweilige Team aufgelaufen sind.

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Die Miami Heat spielten 1989/90 ihre erste Saison in der NBA und gehören seitdem mit drei Meisterschaften und zwei weiteren Finalteilnahmen zu den erfolgreichsten Franchises überhaupt. Vor allem im Vergleich mit den um 1990 gegründeten Teams wie Orlando, Minnesota und Charlotte sticht Miami heraus. Die Protagonisten dieser Erfolge dominieren auch den folgenden All-Time-Kader.


Point Guard: Tim Hardaway

Teamzugehörigkeit: 1996-2001 | Kernstats: 17,3 PpG, 7,8 ApG, 3,2 RpG, 1,5 SpG

Vor der Ära mit Dwyane Wade und Shaquille O‘Neal bzw. LeBron James und Chris Bosh stellten Alonzo Mourning und Tim Hardaway das erste Starduo der Heat-Historie dar. Hardaway gab dabei als Point Guard die Richtung vor. Während seiner Zeit in Miami erreichte das Team immer die Playoffs und holte viermal den Division-Titel. Dabei gewannen die Heat stets mehr als 60 Prozent der Partien.

Besonders erfolgreich war Hardaways erste komplette Saison am South Beach. Die Heat fuhren 61 Siege ein und erreichten die Conference Finals. Er selbst spielte mit 20,3 Punkten, 8,6 Assists und 1,9 Steals pro Begegnung seine beste Saison in Miami und wurde ins All-Star-Team und ins All-NBA-First-Team gewählt. Zudem gehörte er zu den Top-Anwärtern auf den MVP-Award, wobei er letztlich die viertmeisten Stimmen erhielt.

In der Saison darauf knüpfte „Tim Bug“ an seine Leistungen an und wurde erneut All-Star sowie dieses Mal ins All-NBA-Second-Team gewählt (wie auch 1999). In den Playoffs 1998 lieferte er stark ab (26,0 PpG, 6,6 ApG), doch scheiterten die Heat wie auch im Jahre darauf an den New York Knicks. Letzten Endes schaffte es Hardaway mit den Heat zwar nicht in die Finals, doch begeisterte das Team die Fans trotzdem.

Auch er selbst verzückte die Anhänger mit seinen Highlights, vor allem mit seinen „Killer-Crossovern“ und Dreiern aus dem Dribbling. In seiner „Prime“ war Hardaway von kaum einem Verteidiger aufzuhalten. Er kam nach Belieben zum Korb, konnte aus allen Lagen werfen und hatte eine sehr gute Übersicht für seine Mitspieler. Als Würdigung seiner Leistungen wurde seine Rückennummer zehn zurückgezogen und nicht mehr vergeben – ebenso wie die „33“ von Mitspieler Mourning.

Backup: Goran Dragic (2015- : 17,1 PpG, 5,4 ApG, 3,8 RpG, 46,7% FG, 1x All-Star)


Shooting Guard: Dwyane Wade

Teamzugehörigkeit: 2003-2016, 2018- | Kernstats: 22,9 PpG, 5,6 ApG, 4,7 RpG, 2,5 S/BpG

Wer an die Miami Heat denkt, der denkt zuallererst an Dwyane Wade. Sollte er zumindest. Denn „D-Wade“ ist (abgesehen von den kurzen Abstechern nach Chicago und Cleveland) seit 2003 das Gesicht der Heat und der wohl drittbeste Shooting Guard in der Geschichte der NBA.

Mit ihm als Franchise Player gewann die Franchise drei Titel und stand zwei weitere Male in den Finals. Er selbst kann sich zudem Finals-MVP 2006, 13-maliger All-Star (2005-2016, 2019) und achtmaliger All-NBA-Teamer (2005-2007, 2009-2013) nennen. In der Saison 2008/09 avancierte er mit durchschnittlich 30,2 Punkten zum Topscorer der Liga. In sechs weiteren Jahren kam er auf mehr als 24 Zähler pro Partie. Darüber hinaus ist er All-Time-Leader der Franchise bei den Spielen, Punkten, Assists und Steals.

Wade war ein Slasher, der ständig den Korb attackierte und dank seiner Explosivität kaum – und wenn dann oft nur durch Fouls – zu stoppen war. Auch sein Spiel im Low-Post konnte sich sehen lassen. Das einzige Manko in seinem Offensivspiel war während seiner gesamten Karriere der wenig verlässliche Dreier, den er folglich nur selten nahm. Darüber hinaus war der fünfte Pick des 2003er Drafts jahrelang einer der besten Perimeter-Verteidiger der Liga. In seinen 13 kompletten Spielzeiten in Miami kam er zehnmal auf 1,5 Steals oder mehr sowie sechsmal auf 1,0 Blocks oder mehr. 2005, 2009 und 2010 wurde er ins All-Defensive-Second-Team gewählt. Besonders abliefern konnte Wade auch, wenn es darauf ankam: nämlich in den Playoffs, wo er einen Karriereschnitt von 22,6 Punkten, 5,3 Rebounds, 4,9 Assists sowie 2,6 Stocks (Steals + Blocks) aufweist.

Sein Einfluss auf die Geschichte der Franchise ist unbestritten. Ohne ihn hätte Miami 2006 keine Chance auf den Titel gehabt (in den Finals gegen Dallas erzielte er 35 Punkte pro Partie). Ohne ihn wären LeBron James und Chris Bosh wohl nie zu den Heat gewechselt. Dabei blieb „Flash“ trotz des Gastspiels des „Königs“ der größte Liebling der Fans. Und auch wenn Wade seine Karriere bei den Heat noch nicht beendet hat, steht eines bereits fest: Er wird als bester Spieler der Franchise in die Geschichte eingehen, und dies vermutlich für eine lange Zeit – wenn nicht gar für immer – auch bleiben.

Backup: Eddie Jones (2000-2005, 2007: 16,0 PpG, 4,5 RpG, 3,0 ApG, 38,1% FG)


Small Forward: LeBron James

Teamzugehörigkeit: 2010-2014 | Kernstats: 26,9 PpG, 7,6 RpG, 6,7 ApG, 54,3% FG

Es ist nicht selbstverständlich, dass es ein Spieler in die All-Time-Starting-Five einer Franchise schafft, obwohl er nur vier Jahre dort verbracht hat. Bei LeBron James gelten jedoch andere Regeln. Auch wenn Dwyane Wade der Franchise Player der Heat war, bleibt James dennoch der beste Spieler der Teamhistorie.

Mit ihm als Anführer gewannen die Heat zwei Titel und standen zwei weitere Male in den Finals. Miami gewann in jedem Jahr mehr als zwei Drittel der regulären Saisonspiele, und der „King“ heimste neben zwei Finals-MVP-Trophäen in denselben Jahren auch seine dritte und vierte MVP-Auszeichnung ein (2012, 2013). Selbstredend, dass er immer zum All-Star- und All-NBA-First-Team gehörte und darüber hinaus auch jeweils zu einem der All-Defensive-Teams. Um es kurz zu machen: LeBron war der beste Spieler der Welt im dominantesten Team der NBA.

Beeindruckend waren nicht nur James‘ Werte bei Punkten, Rebounds und Assists, sondern auch seine Effizienz. In allen vier Jahren traf er mehr als die Hälfte seiner Würfe aus dem Feld, in den Spielzeiten 2012/13 und 2013/14 lag seine Feldwurfquote sogar bei 56,5 bzw. 56,7 Prozent. Auch von der Dreierlinie machte er große Fortschritte. So waren seine 40,6 bzw. 37,9 Prozent in diesen beiden Jahren die besten Wurfquoten von Downtown in seiner noch laufenden Karriere. Derweil agierte er in den Playoffs kaum weniger effizient (26,9 PpG, 8,4 RpG, 5,7 ApG, 50,3% FG, 34,9% 3FG).

In Miami wird der LeBron vielleicht nie die Anerkennung erhalten wie D-Wade, doch werden die Fans für immer dankbar sein, dass er vier Jahre lang das Heat-Jersey getragen hat. Natürlich müssen bei den ganzen Erfolgen auch die Schattenseiten erwähnt werden. Es begann bekannter Weise schon mit der fragwürdig inszenierten „Decision“, die nicht nur bei den Cavs-Fans, sondern in der gesamten Liga außerhalb von Miami schlecht aufgenommen wurde. Sein Abtauchen in den NBA-Finals 2011, begleitet von peinlichen Auftritten abseits des Parketts, ramponierte seinen Ruf zwischenzeitlich weiter. Doch LeBron antwortete auf die richtige Weise – nämlich indem er an seinen Schwächen arbeitete und mit beeindruckenden Leistungen auf dem Court sowie abseits davon als vorbildhafter Saubermann glänzt.

Backup: Glen Rice (1989-1995: 19,3 PpG, 4,9 RpG, 2,2 ApG, 38,6% 3FG)


Power Forward: Chris Bosh

Teamzugehörigkeit: 2010-2016 | Kernstats: 18,0 PpG, 7,3 RpG, 1,8 ApG, 49,6% FG

Mit LeBron James kam bekanntlich auch Chris Bosh nach Miami – nur dass dieser den Heat auch nach 2014 treu blieb und dort aufgrund wiederholter Blutgerinnungsprobleme nur zwei Jahre später seine Karriere beenden musste.

Bosh war ein wichtiger Bestandteil der „Big Three“ von 2010 bis 2014, wobei er in den Augen vieler „nur“ der dritte Mann hinter James und Wade war. Doch der Big Man trat im Interesse des Teamerfolgs gerne in den Hintergrund und konzentrierte sich auf das, was er besonders gut konnte: das Spielfeld weit machen, als dritte Scoring-Option bereitstehen, rebounden und verteidigen.

Vor allem ersteres war für die Heat-Offense entscheidend, da Bosh für Spacing sorgte und damit Freiräume für die Drives von James und Wade schaffte. Er gehörte zu dieser Zeit zu den wurfstärksten Big Men der Liga, allen voran auf der Center-Position, auf der Bosh vermehrt zum Einsatz kam. Seine Quoten aus dem Dreipunktebereich waren zwar nicht gut, dafür aber die aus der (langen) Mitteldistanz. Auch aus der Ecke traf Bosh solide genug, um vom Gegner respektiert werden zu müssen.

Nach dem Abgang von LeBron zurück nach Cleveland und mit dem aufgrund schwindender Athletik und Verletzungen nicht mehr so dominanten Wade zeigte Bosh, wie während seiner Zeit in Toronto, dass er einer der besten Bigs der Liga war. So schraubte er in seinen letzten beiden Saisons seine Statistiken wieder nach oben (20,0 PpG, 7,2 RpG, 2,3 ApG). Auch sein Dreipunktewurf war nun deutlich verbessert, was sich an einer Wurfquote von 36,9 Prozent bei immerhin vier Versuchen pro Partie zeigte.

Bosh beendete seine Laufbahn somit auf der Höhe seines Schaffens; und es kann nur spekuliert werden, wie die Heat mit dem elfmaligen All-Star nun dastehen würden – mit Sicherheit weiterhin als Stammgast in den Playoffs.

Backup: Udonis Haslem (2003- : 7,6 PpG, 6,7 RpG, 49,0% FG)


Center: Alonzo Mourning

Teamzugehörigkeit: 1995-2003, 2005-2008 | Kernstats: 16,0 PpG, 8,1 RpG, 2,7 BpG, 53,7% FG

Wie bereits erwähnt, waren Tim Hardaway und Alonzo Mourning das Topduo der Heat in den 1990er und frühen 2000er Jahren – wobei letztgenannter der wichtigste Spieler der Heat war. Denn in seinen ersten acht Jahren in Miami war Mourning das Herz und die Seele der Mannschaft. Stets ging er einsatzvoll und energisch zu Werke und trug damit über den Statistikbogen hinaus zum Erfolg bei. So brachte der Big Man die seltene Kombination aus Talent, Physis und mentaler Stärke mit, die ihn zu einem wertvollen Mitspieler machte.

In seiner Blütezeit – sprich ab seinem NBA-Debüt 1992 in Charlotte bis zum Jahr 2000 – war Mourning jemand, der konstant 20 Punkte und zehn Rebounds auflegte. Noch mehr stach der Center in der Verteidigung heraus. Von 1992 bis 2002 markierte er jede Saison mehr als zwei Blocks pro Partie. In den Spielzeiten 1998/99 und 1999/2000 führte er die Liga in dieser Kategorie mit 3,9 bzw. 3,7 Rejections pro Begegnung an. Dies waren auch die Jahre, in denen er wiederholt zum besten Verteidiger der NBA und ins All-Defensive-First-Team gewählt wurde.

Da Mourning auf beiden Seiten des Feldes brillierte, überrascht es nicht, dass er in seiner ersten Zeit bei den Heat sechsmal der All-Star-Auswahl angehörte und auch zweimal All-NBA-Ehren erlangte (1999 im First-, 2000 im Second-Team). Generell gehörte „Zo“ in den 90er-Jahren zu den besten Big Men der Liga.

Nicht nur individuell, auch mit dem Team war Mourning erfolgreich. Er erreichte während seiner ersten Phase in Miami mit den Heat sechsmal die Playoffs, viermal den Division-Titel und einmal die Conference Finals. Trotz starker Leistungen in der Postseason (18,9 PpG, 9,1 RpG, 2,6 BpG in 42 Playoffspielen zwischen 1996 und 2001) verloren die Heat immer im entscheidenden Moment. Der Angstgegner waren die New York Knicks, an denen Miami drei Jahre in Folge im entscheidenden Spiel der Serie scheiterte (1998-2000).

Die Meisterschaft gewann Mourning 2006 nach der Rückkehr nach Miami, wo er als Backup von Shaquille O‘Neal fungierte. Doch war er trotz seines Alters von 35 Jahren immer noch ein hilfreicher Rollenspieler. Im entscheidenden sechsten Spiel der Finalserie kam er in 14-minütiger Spielzeit auf sechs Rebounds und fünf Blocks, und trug damit maßgeblich zur Championship bei.

Backup: Shaquille O’Neal (2004-2008: 19,6 PpG, 9,1 RpG, 1,9 BpG, 59,6% FG, 3x All-Star, 2x All-NBA)


Head Coach: Pat Riley

Pat Riley befand sich im Spätherbst seiner langen und erfolgreichen Trainerkarriere, als er den ersten Titel in der Geschichte der Miami Heat und seine insgesamt fünfte Meisterschaft holte. 2005/06 löste er während der regulären Saison Stan Van Gundy ab und führte die Heat mit einer 41-20-Bilanz zunächst in die Playoffs und dann zur Championship. Zuvor hatte Riley bereits zwischen 1995 und 2003 auf der Trainerbank der Heat gesessen und war in seiner zweiten Amtszeit noch bis 2008 für das Team verantwortlich gewesen.

Dazwischen konzentrierte er sich auf seine Tätigkeit als General Manager und die Bildung eines Meisterschaftsteams. Es ist sein Verdienst, dass Dwyane Wade per Draft und Shaquille O‘Neal per Trade nach Miami kamen. Damit war Riley sozusagen doppelt für den Erfolg verantwortlich.

In den insgesamt elf Jahren als Heat-Coach gewann er 454 reguläre Saisonspiele und wurde erst in der Saison 2017/18 vom amtierenden Cheftrainer Erik Spoelstra als Spitzenreiter in dieser Kategorie abgelöst. Seine Siegesquote von 53,5 Prozent ist stark, wenn auch nicht top unter allen Head Coaches in Miami.

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