Würzburg verschärft Braunschweigs Krise

s.Oliver Würzburg hat sich in der easyCredit BBL mit dem zweiten Heimsieg innerhalb einer Woche in die dreiwöchige „Winterpause“ verabschiedet. Nach dem High-Scoring-Spiel gegen Bonn (100:93) überzeugte die Offense der Unterfranken auch beim 97:83-Erfolg gegen die Basketball Löwen Braunschweig.

Würzburgs Bank dreht das Spiel

Dabei erwischten die Gäste aus Niedersachsen den besseren Start in die Partie und setzten sich nach ein paar Minuten auf neun Punkte ab (8:17). „Das Energielevel war heute bei zwei oder drei Spielern der ersten Fünf nicht so, wie es sein müsste“, erkannte Würzburgs Head Coach Denis Wucherer nach dem Spiel. Doch die zweite Fünf der Würzburger drehte den Rückstand bis zum Ende des ersten Viertels in einen 28:25-Vorsprung um. Von den 28 Zählern gingen deren 23 auf das Konto der Bankspieler Luke Fischer (9), Florian Koch (8) und Jordan Hulls (6). Im zweiten Viertel setzten sich die Gastgeber dank eines 12:1-Laufs ab (45:33). Die Gäste aus Braunschweig, bis dahin äußerst treffsicher, blieben in dieser Phase ohne Korberfolg aus dem Feld. Bis zum Ende der Halbzeit baute Würzburg die Führung sogar noch weiter aus, sodass es mit 54:40 in die Kabine ging.

„Wir sind gut in das Spiel gestartet und haben am Anfang viel von dem umgesetzt, was wir im Training geübt haben“, resümierte Braunschweigs Coach Pete Strobl. „Danach hatten wir aber eine Phase, in der wir als Mannschaft sehr schlecht verteidigt haben. Einige Spieler waren leider nicht bereit, hundert Prozent zu geben. Dadurch hat sich Würzburg den Vorsprung erspielt.“

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Im dritten Viertel reagierte der Löwen-Coach auf die hohen Wurfquoten der Würzburger in den ersten 20 Minuten. Mit einer Zonenverteidigung wollten die Gäste die Offense des Gegners eindämmen, was jedoch nicht funktionierte. Skyler Bowlin (Top-Scorer mit 20 Punkten) nutzte den Platz für zwei erfolgreiche Dreipunktewürfe und auch in der Zone kamen die Gastgeber, die den Ball gut bewegten, zu freien Korblegern. Beim Stand von 66:45 nahm Strobl die nächste Auszeit. Anschließend kehrten die Niedersachsen zu einer Mann-Mann-Verteidigung zurück, wodurch sich die Defense wieder etwas stabilisierte. Hinzu kam, dass Würzburg im Angriff nicht mehr so zielstrebig agierte wie in der ersten Halbzeit. Dennoch reichte es für die Unterfranken am Ende zu einem souveränen Sieg, auch dank der hohen Trefferquote aus der Distanz (12/21 3FG). „Wir haben die Angriffe gut zu Ende gespielt und unsere Würfe getroffen“, freute sich Cameron Wells.

Gäste-Trainer Strobl fand dagegen harte Worte für seine Schützlinge: „Am Ende haben wir sehr hart gekämpft, aber das war zu wenig und zu spät, wie es uns schon öfter passiert ist. Ein paar unserer Spieler müssen lernen, wirklich immer hundert Prozent zu geben. Sonst haben wir keine Chance, Spiele zu gewinnen.“ Wirklich überzeugen konnte auf Braunschweiger Seite lediglich Point Guard Thomas Klepeisz, der 19 Punkte erzielte, sechs Dreier traf und vier Assists verteilte.

„Gegen gute Gegner reicht das nicht“

Kritische Worte gab es aber auch von seinem Gegenüber Wucherer für die erneut schlampige Vorstellung seines Teams in der zweiten Hälfte. „Wir haben irgendwann den Schlüssel gefunden, die Braunschweiger Verteidigung zu knacken. Es ist natürlich gut, dass wir gewonnen haben. Wir müssen aber als Team cleverer sein und weniger Fehler machen. Es darf uns nicht passieren, dass wir einen 24-Punkte-Vorsprung im dritten Viertel auf zwölf schmelzen lassen“, haderte der 46-Jährige. „Wir haben uns einige Ballverluste im Pick-and-Roll geleistet. Da müssen wir schneller erkennen, wo die Lücke ist oder eben auch mal ein wenig geduldiger sein.“

Auch den Verweis auf den hohen Scoring-Output in beiden jüngsten Spielen ließ Wucherer nicht gelten: „Sowohl Bonn als auch Braunschweig haben in der Verteidigung im Moment große Probleme. Das darf kein Maßstab sein. Wenn du heute 115 Punkte machst und statt 18 Turnovers nur acht, dann ist da vielleicht eine Entwicklung zu erkennen, aber das sehe ich noch nicht. Wenn du gegen gute Mannschaften gewinnen willst, reicht weder die zweite Hälfte von heute noch von letztem Sonntag.“

Diese Kritik zeigt auch den Anspruch der Würzburger. Die Unterfranken wollen nicht nur in die Playoffs kommen, sondern dort auch ein ernstzunehmender Gegner sein.

„Cameron hat Probleme, andere besser zu machen“

Ein wichtiger Faktor, um dieses Ziel zu erreichen, ist selbstverständlich Cameron Wells. Der Point Guard legt bislang überragende Zahlen auf (17,3 PpG; 5,8 ApG; 56,5% FG; 52,8% 3FG; 92,3% FT) und wurde neulich in unserem BBL-Podcast als Early-MVP bzw. bester Offensivspieler ausgezeichnet. Für seinen Trainer fehlt Wells allerdings noch etwas zum MVP.

„Cameron macht seine Sache außerordentlich gut, wenn es darum geht, für sich selbst den Abschluss zu finden und in entscheidenden Phasen Verantwortung zu übernehmen und zu scoren“, so Wucherer. „Seine Statistiken sind sehr ordentlich, aber er hat noch zum Großteil Probleme, andere besser zu machen. Wenn du MVP werden willst, musst du nicht nur dein Team in die Playoffs führen, sondern dort auch ein ernstzunehmender Gegner sein. Da kommt es sehr auf die zweite Saisonhälfte an, ob er diesen Schritt macht.“

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Für den ehemaligen All-Star-Guard fehlt dem 31-Jährigen vor allem eine Eigenschaft: „Es geht um Kommunikation auf dem Feld. Um sich diese Auszeichnung zu verdienen, muss er mehr mit seinen Mitspielern reden. Als Aufbauspieler musst du auch mal Dinge sehen und das deinen Mitspielern anzeigen. Generell als jemand, der den Ball oft in der Hand hat, hat er noch Potenzial darin, Dinge auf dem Feld zu erkennen.“ Für den Spieler selber ist die MVP-Debatte ohnehin derzeit kein Thema: „Im Moment beschäftigt mich das nicht. Ich werde versuchen, eine starke zweite Saisonhälfte zu spielen und mit dem Team in die Playoffs zu kommen. Danach sehen wir weiter.“

Im Moment liegen die Würzburger mit ihrem Ziel Playoff-Qualifikation auf Kurs. Mit einer Bilanz von 9-6 liegen die Unterfranken in der aktuellen (nicht bereinigten) Tabelle auf Platz vier. Die Spieler bekommen nun erst einmal eine Woche Urlaub. Für die Braunschweiger liegt die Aufgabe darin, den Negativlauf von nur einem Sieg aus den letzten acht Partien zu stoppen. Die nächste Gelegenheit dazu bekommen die Niedersachsen beim Gastspiel in Bonn am kommenden Freitag.