BBL Power Ranking: zauberhaft

Tuomas Iisalo verließ die Merlins und nahm den Erfolg mit nach Bonn – doch der Erfolg blieb auch in Crailsheim. Im BBL Power Ranking klettert zudem der Aufsteiger Heidelberg, Oldenburg stürzt ab.

Länderspielpausen stellen immer eine kleine Zäsur dar: Der Spielbetrieb der Clubs, wenn es sich nicht gerade um EuroLeage-Teams handelt, wird unterbrochen. Das hilft manchen Teams, anderen schadet diese Pause. Es ist Zeit, die eigene Leistung zu hinterfragen, das System zu justieren oder Neuzugänge zu verpflichten. Nachdem das erste Viertel der BBL-Saison absolviert ist, bietet die Länderspielpause auch die Gelegenheit, von außen die Teams zu evaluieren – und ein Power Ranking zu erstellen.

Vor Saisonstart hatten wir in einem Preseason-Power-Ranking die 18 Clubs in mehrere Leistungsebenen unterteilt – von Meisterschaftskandidaten, über sichere Playoff-Teams und Playoff-Kandidaten zu Teams im Niemandsland und Klassenerhaltskämpfern. Dabei stellten wir pro Team auch eine Frage – wir glauben, dies ganz gut getroffen zu haben.

Nun aber zurück in die Gegenwart, und zum aktuellen Power Ranking. Dieses will den aktuellen Leistungsstand der Teams nach sieben bis neun Partien bewerten. Die Tabellenpositionen sind nach so wenig absolvieren Spielen nicht so aussagekräftig, da es schnell viele Ränge nach oben oder unten gehen kann. Das Net-Rating eines Teams mag nach einer kleinen Stichprobe natürlich auch stark schwankend sein, ist aber ein besserer Gradmesser. So gibt es im Folgenden zu jedem Team selbst erhobene Net- sowie Offensiv- und Defensiv-Ratings.

1. FC Bayern München

Off-Rtg: 113,6 (4.) / Def-Rtg: 101,1 (3.) / Net-Rtg: +12,6 (1.)

Gefühlt ist der FC Bayern München etwas holprig in die Saison gestartet. „Gefühlt“ ist aber eh ein post-faktisches Unwort und sollte gerade im mit Statistiken evaluierbaren Basketballsport nicht benutzt werden. Also zu den Fakten: Die Bayern sind das einzige Team, das sowohl beim Offensiv- als auch Defensiv-Rating zu den besten vier Teams gehört. Defensiv überzeugen sie mit guter Rebound-Arbeit (Def-Reb%: 3.) und Druck (gegnerische TO%: 5.). Wie schon in der vergangenen Saison beweist die Trinchieri-Truppe, dass ihr in der BBL oftmals allein ein dominantes Viertel zum Sieg reicht. Der Offensivstil kommt derweil etwas moderner daher als in Trinchieris erstem Jahr (u.a. mit mehr Flare-Screens wie noch zu Bamberger Zeiten).

Den Spagat zwischen EuroLeague und BBL werden die Münchener wohl weiterhin gehen, was den einen oder anderen Ausrutscher im nationalen Ligabetrieb zur Folge haben dürfte. Nichtsdestotrotz sind die Bayern durch ihre individuelle Qualität, ihre breite Ballhandler-Riege und ihre starke – wenn durch Leon Radosevics Ausfall auch kleinere – Big-Men-Rotation das bislang stärkste (und tiefste) Team der BBL.

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2. ALBA BERLIN

Off-Rtg: 109,6 (11.) / Def-Rtg: 98,3 (1.) / Net-Rtg: +11,3 (2.)

Wie die Bayern mit Vladimir Lucic hat auch ALBA BERLIN erfahren, welche Auswirkungen der Ausfall eines Schlüsselspielers hat: Ohne den Edelwerfer Marcus Eriksson war die Offensive Berlins eine deutlich harmlosere, was sich (Vorsicht, aktuell noch geringe Stichprobe) in der nur elftbesten Offensive niederschlägt. Durch den Wechsel von Aíto zu Israel Gonzalez scheint sich eine Veränderung zu manifestieren: Die Berliner suchen mehr das Pick-and-Roll, haben dort mit Oscar da Silva ja auch einen individuell starken Abroller hinzugewonnen (der mit Maodo Lo als Ballhandler harmoniert).

Was sich von Aíto zu Gonzalez fortgesetzt hat? Eine enorm effiziente Verteidigung. Hier haben die Berliner in Yovel Zoosman und Louis Olinde ein starkes Komplementärduo auf der Drei zur Verfügung. Apropos Zoosman: Dabei ist bei der Integration der Neuzugänge immer noch Luft nach oben, wobei Zoosman hierbei noch der beste Neu-Berliner ist.

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3. HAKRO Merlins Crailsheim

Off-Rtg: 119,1 (1.) / Def-Rtg: 108,0 (8.) / Net-Rtg: +11,1 (3.)

Ein Play mit einem Iverson-Cut zum Einstieg. Fabian Bleck slippt, Bogdan Radosavljevic poppt oder rollt kurz ab, und ein kleiner Wirbelwind zieht nach einem Re-Screen zum Korb. Es finden sich durchaus Parallelen zwischen der Merlins-Offense aus der vergangenen und dieser Saison – trotz neuem Coach, trotz neuem Point Guard. T.J. Shorts ist insofern in die Fußstapfen von Trae Bell-Haynes getreten, weil er offensiv extrem dominieren kann und das Offensivsystem des Teams verkörpert.

Die Merlins befinden sich derzeit auf Kurs einer „50 / 40 / 80“-Saison, was kollektiv so etwas wie der „50 / 40 / 90“-Clubs für effiziente Spieler ist. So stellen die Merlins die derzeit stärkste Offense der Liga. Respekt an Sebastian Gleim, das Team nach Iisalos Abgang so auf Kurs gehalten zu haben, und das mit der Doppelbelastung im Zuge ihrer internationalen Premiere. Hierbei ist natürlich auch die Frage, wie lange Shorts – ohne etatmäßigen Einser als Backup – das Team (derart effizient) tragen kann.

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4. Telekom Baskets Bonn

Off-Rtg: 114,4 (3.) / Def-Rtg: 108,0 (9.) / Net-Rtg: +6,4 (4.)

„Hat Tuomas Iisalo wieder einen Point-Guard-Trumpf gezogen?“, hatten wir in unserer Saisonvorschau gefragt. Die Antwort lautet eindeutig: ja. Parker Jackson-Cartwright wird es nach aktuellem Stand auf viele MVP-Zettel schaffen. Denn der Point Guard ist so wertvoll für das Bonner Offensivsystem um Ball-Screens, Ghost-Screens, Ball-Screens, „PJC“ tritt so dominant bei seinen Drives samt Kickout-Pässen auf, als dass er nicht eine der Entdeckungen der Saison wäre.

Das macht die Bonner natürlich auch abhängig, denn selbst ein Guard wie Skyler Bowlin hat deutlich weniger Ballhandler-Fähigkeiten (geht Bowlin doch zuerst… und als zweites auf den Pullup-Dreier). Die Bonner mögen so viele Pick-and-Rolls laufen, womit das Playbook Iisalos nicht so facettenreich daherkommt wie noch in der 2019/20er Merlins-Saison, doch gerade die daraus ergebenden Stakkato-Aktionen aus Kickout, Swing, Swing machen ihr Spiel attraktiv. Die Bonner agieren offensiv auch deswegen so effizient, weil sie das beste Rebound-Team nach eigenen Fehlwürfen sind. Defensiv agieren sie durchschnittlich – erzwingen aber die meisten Ballverluste beim Gegner (hier besticht auch „PJC“). Blickt man auf das Net-Rating, hat sich kein Team im Vergleich zum Hauptrundenende 2021 stärker verbessert als die Rheinländer!

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5. MHP RIESEN Ludwigsburg

Off-Rtg: 109,6 (10.) / Def-Rtg: 105,0 (7.) / Net-Rtg: +4,5 (5.)

Der Saisonstart Ludwigsburgs verlief ein wenig holprig, der Abgang von MVP Jaleen Smith schien schwerwiegender gewesen zu sein als nach Jonah Radebaughs Playoff-Coming-Out vielleicht angenommen. Doch bei einem Team von John Patrick kann man auch sicher sein, dass es sich im Saisonverlauf – und nach den passenden Nachverpflichtungen – steigern wird. Auftritt Rawle Alkins, Bully-Ball-Vertreter, und Justin Simon, Kandidat für den besten Verteidiger des Jahres.

Der viel diskutierte Abgang von Oscar da Silva wird derweil kaum aufzuwiegen sein, weil mit ihm ein Spieler mit deutschem Pass gegangen ist – womit auch der Einbruch beim Offensiv-Rating im Vergleich zur Vorsaison zu erklären ist. Offensiv bleibt Ludwigsburg aber weiter stark, wenn es um die Ballsicherheit geht: Kein Team verliert prozentual seltener den Ball (12,5 TO%) – um defensiv die zweitmeisten zu forcieren. So wird das Ludwigsburger „Spiel der Wurfchancen“ nicht wirklich ästhetisch anmuten, aber Schritt für Schritt vielleicht erfolgversprechender.

6. Hamburg Towers

Off-Rtg: 104,0 (14.) / Def-Rtg: 99,9 (2.) / Net-Rtg: +4,1 (6.)

Dritter Platz beim Defensiv-Rating 2020/21, zweiter Platz beim Defensiv-Rating in dieser Saison: Die Handschrift von Pedro Calles ist weiter erkennbar. Mit Seth Hinrichs, der unter Calles in Vechta gespielt hat, bleibt das „Run-and-Jump“-Prinzip ein Überraschungsmoment. Die Towers erzwingen gewohnt viele Ballverluste und halten das eigene Brett unter allen Teams am saubersten (Def-Reb%: 71,6).

Offensiv hatte Calles zu Saisonbeginn wohl seinen Offensivmittelpunkt gesucht, und dürfte das auch weiterhin tun. Topscorer Caleb Homesley schaltet teilweise zu sehr in den Heroball-Modus (35,7% FG bei 14,0 FGA). Justus Hollatz hat mit seinem Auftritt in der Länderspielpause bestätigt, dass er mit seinen Drives und seinem Passspiel im Pick-and-Roll (10 Ast, 1 TO, 7 Stl) ein Juwel des deutschen Basketballs ist. Derweil sollte Maik Kotsar nach seiner kompletten Genesung noch mehr eingebunden werden, der Hüne machte zeitweise einen explosiveren Eindruck als in der Vorsaison.

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7. NINERS Chemnitz

Off-Rtg: 102,3 (16.) / Def-Rtg: 102,5 (5.) / Net-Rtg: -0,3 (10.)

Der Bandwagon der NINERS Chemnitz vor der Saison war so gut besetzt, es dürfte schwer gefallen sein, den derzeit gebührenden Abstand zu halten. Rodrigo Pastore hat in seinem ersten Jahr mit Chemnitz in der BBL einen so guten Job geleistet, dass die NINERS als Playoff-Kandidat in dieser Saison kein Hot Take gewesen sind. Offensiv ist das Playbook Pastores ansehnlich, was sich allerdings nicht in der Effizienz niederschlägt: Jede fünfte Possession endet in einem Ballverlust.

Gründe für die dennoch bisher gute Saison sind zum einen die Verteidigung, die sich unter Pastore variabel präsentiert (Switches, Zone), zum anderen die Crunchtime-Stärke. Sechs Pflichtspiele der Sachsen sind mit sechs oder weniger Punkten Differenz entschieden worden, fünf davon gewannen die Chemnitzer. Ein Problem: Aus der Länderspielpause gehen die Chemnitzer ohne Point Guard. Nelson Weidemann ist verletzt, Gerald Robinson ist nach Italien gewechselt. Zeigt sich das gute Recruiting der Offseason nun auch unter der Saison?

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8. ratiopharm ulm

Off-Rtg: 111,0 (6.) / Def-Rtg: 109,2 (11.) / Net-Rtg: +1,9 (9.)

In der vergangenen Saison warf sich ratiopharm ulm noch zu Rekorden, in dieser Spielzeit strahlen die Ulmer wenig Gefahr von außen aus: 30,3% 3FG (16.) bei 20,6 Versuchen (17.) sind eine deutliche Sprache. Ob bei den Ballhandlern, am Flügel oder auf Groß: Es fehlt die konstante Dreieroption mit hohem Volumen. Dass sich der Stil etwas ändern würde, konnte man nach der Verpflichtung von Cristiano Felicio erwarten: als physischer Center, der am Zonenrand operiert, aber auch ein weiches Handgelenk hat.

Es hat sich der Eindruck verfestigt, dass Jaka Lakovic es noch nicht ganz geschafft hat, diesem Kader in ein passendes Gewand zu kleiden. Dafür gibt es auf den ausländischen wie einheimischen Positionen genügend Qualität; vor allem bei Karim Jallow und Philipp Herkenhoff darf man genau hinsehen, wie sie den nächsten Karriereschnitt zu einem EuroCup-Team meistern. Ein Problem: Die Ulmer begehen prozentual mehr Ballverluste als sie forcieren – untypisch für ein Playoff-Team.

9. MLP Academics Heidelberg

Off-Rtg: 103,9 (15.) / Def-Rtg: 101,7 (4.) / Net-Rtg: +2,2 (8.)

Mittlerweile scheint es gar nichts mehr besonderes zu sein, wenn Aufsteiger direkt einschlagen: Göttingen 2014/15, Würzburg 2015/16, Gießen 2015/16, Jena 2016/17, Vechta 2018/19 und Chemnitz 2020/21 haben alle (phasenweise) an die Playoff-Tür geklopft oder sind durchgetreten. Da reihen sich die MLP Academics Heidelberg ein, obwohl das Team von Frenkie Ignjatovic nur mit einer Sieben- bis Acht-Mann-Rotation operiert. Trotz dieses kleinen Kaders überzeugt der Aufsteiger vor allem defensiv (Def-Reb%: 4.; TO% des Gegners: 4.; FG% des Gegners: 5.).

Offensiv mögen die Heidelberger nicht effizient agieren, dafür hat Ignjatovic den ein oder anderen besonderen Spielzug im Playbook und lässt Inverted Pick-and-Rolls laufen. Erwähnenswert ist auch, wie bisherige ProA-Spieler den Schritt in die Erstklassigkeit gemeistert hat. Niklas Würzner als langer Einser ist sicherlich eine der Entdeckungen der BBL-Saison.

10. medi bayreuth

Off-Rtg: 112,9 (5.) / Def-Rtg: 109,7 (11.) / Net-Rtg: +3,2 (7.)

Da bleibt das neue Guard-Duo Marcus Thornton und Cameron Wells bislang hinter seinen Leistungen bei vorherigen BBL-Stationen zurück, da ist das Team von Verletzungen und Corona-Fällen gebeutelt, und dennoch weisen die Bayreuther hinter Crailsheim und Ludwigsburg die wettbewerbsübergreifend drittbeste Siegquote von BBL-Teams auf, die international spielen (der FIBA Europe Cup hat aber keine Auswirkungen auf dieses Power Ranking). Kudos an Coach Korner.

Der Bayreuther Head Coach hat (in seinem letzten Jahr in Bayreuth?) sein Team erneut offensiv gut in Schwung bekommen. Die Ausgeglichenheit zeigt sich im nationalen Ligabetrieb, wo zehn Spieler zwischen 6,0 und 12,9 Punkte auflegen. Dabei darf Flügelspieler Kevin Wohlrath zu einer der positiven Überraschungen der Saison zählen, die Rotation derart erweitert zu haben. Offensiv hat Bayreuth eine gute Inside-Outside-Balance. Defensiv forcieren die Franken zu wenig Ballverluste, und generell ist das Team recht schwach beim Rebounding (Off-Reb%: 17.; Def-Reb%: 15.).

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11. Brose Bamberg

Off-Rtg: 109,7 (9.) / Def-Rtg: 114,0 (14.) / Net-Rtg: -4,3 (12.)

Als Halbzeit-Füller hat Magenta Sport in dieser Saison das Basketballlexikon eingeführt. Wenn die BBL-Profis beim Buchstaben „R“ angelangt sind, was könnte Patrick Heckmann da antworten … Reset-Knopf, zum xten: Brose Bamberg hat für die erste Trainerentlassung gesorgt und sich von Johan Roijakkers getrennt. Abseits des Parketts machte der Coach in seiner Bamberger Zeit nicht immer eine gute Figur, auf dem Parkett führte Geschäftsführer Philipp Galewski an, dass man „in den letzten Wochen vor allem defensiv keine Fortschritte erkennen“ konnte.

50,6 Prozent aus dem Feld gestatten die Oberfranken ihren Gegnern, hinter dem MBC der zweitschlechteste Wert der Liga. Zudem holt sich kein Team prozentual weniger Defensiv-Rebounds. Doch auch offensiv agieren die Bamberger schwächer als in der vergangenen Saison. Ein Lichtblick: Christian Sengfelder, der aktuell die Scorer-Liste anführt – was in der modernen BBL-Historie nicht vielen deutschen Spielern gelungen ist.

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12. BG Göttingen

Off-Rtg: 100,2 (17.) / Def-Rtg: 104,2 (6.) / Net-Rtg: -4,0 (11.)

So eine Länderspielpause sollte eigentlich Gelegenheit bieten, den Status Quo zu analysieren und Justierungen vorzunehmen. Aber gleich zwei Abgänge zu verkraften? Denn James Dickey und Zack Bryant haben die Veilchen verlassen. Dabei rekrutierten die Verantwortlichen um Head Coach Roel Moors in der Offseason doch so gut. Da sticht natürlich Kamar Baldwin als potentieller Liga-Topscorer heraus. Jedoch ist der Flügelspieler offensiv sehr auf sich gestellt – zwischen ihm und dem zweitbesten Scorer des Teams Stephen Brown liegen ganze 7,4 Punkte, bei keinem anderen Team ist die Diskrepanz so groß.

Trotz Baldwins individueller Stärke sind die Göttinger ein kollektiv schwaches Offensivteam – bestechen dafür aber defensiv: Kein Team zwingt seinen Gegnern zu einer geringeren Feldwurfquote (42,3% FG), mitunter packt Moors das „Run and Jump“-Prinzip aus. Punktuell hat Göttingen zwei neue Spieler zu finden – und danach zu integrieren. Weshalb es im Power Ranking ein, zwei Plätze nach unten geht als es der Leistungsstand eigentlich aussagt.

Die BG ist derweil ein Beispiel, wie man die Zahlen auf Grund des frühen Saisonzeitpunkts noch mit Vorsicht genießen muss: Rechnet man die 46:83-Blowout-Niederlage heraus, weisen sie nicht das elft-, sondern das siebtbeste Net-Rating der Liga auf.

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13. s.Oliver Würzburg

Off-Rtg: 110,7 (7.) / Def-Rtg: 115,7 (15.) / Net-Rtg: -4,9 (13.)

Eigentlich sind Mannschaften von Denis Wucherer immer ein Kandidat für den League-Pass-Liebling. In dieser Saison zeigt sich dies bislang auch an den Zahlen: Vom letzten Platz in der vergangenen Saison ging es für die Franken beim Offensiv-Rating aktuell auf den siebten Platz – trotz Verletzungssorgen auf den so wichtigen Positionen Eins und Fünf. Für die Flexibilität steht unter anderem Desi Rodriguez, der auf drei Positionen eingesetzt wird. Überhaupt kommt konstant Input von den drei Rollen der Ballhandler, Flügelspieler und Big Men.

Durch kaum eine andere Mannschaft weht so viel internationales Flair wie durch Würzburg – wobei der chilenische Nationalspieler Nicolas Carvacho in dieser Saison nicht mehr auflaufen können wird, und wobei Uruguays Nationalspieler Luciano Parodi erst ein komplettes Pflichtspiel absolviert hat (dort aber bewies, dass er individuell ein League-Pass-Einschaltgarant ist).

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14. EWE Baskets Oldenburg

Off-Rtg: 109,8 (8.) / Def-Rtg: 115,9 (16.) / Net-Rtg: -6,1 (15.)

Ohne Zweifel: Die EWE Baskets Oldenburg sind bislang die Enttäuschung der Saison. Der Umbruch im Sommer hat mehr Spuren hinterlassen als die Verantwortlichen vermuten haben dürften. Die Vier war (und ist immer noch) eine Problem-Position, es finden sich mehr ähnliche Spielertypen als Komplementärspieler im Kader, was auch die Flexibilität erschwert: Martin Breuning und Tai Odiase sorgen beispielsweise offensiv nicht für gutes Spacing, Bennet Hundt und Phil Pressey wären gemeinsam im Backcourt defensiv sehr angreifbar, und Max Heidegger und Michal Michalak brauchen am Flügel beide den Ball.

Immerhin agiert die Oldenburger Offensive etwas über dem Ligadurchschnitt (108,6 Punkte / 100 Possessions), wobei offensiv im Vergleich zur Saison sogar ein größerer Rückschritt auszumachen ist als defensiv. In der Vergangenheit war die Oldenburger Identität die einer erfahrenen Truppe um einen Post-Offensivmittelpunkt Rasid Mahalbasic. Kann Head Coach Mladen Drijencic im Saisonverlauf zeigen, dass er auch mit einem anderen System und einer unerfahreneren Truppe zurechtkommt?

15. JobStairs GIESSEN 46ers

Off-Rtg: 104,9 (13.) / Def-Rtg: 110,1 (12.) / Net-Rtg: -5,2 (14.)

Es ist ein ungewohntes Bild in der Sporthalle Gießen-Ost: Die Heimmannschaft verteidigt ganz passabel. Mit Pete Strobl hat sich der Fokus etwas mehr Richtung Verteidigung verschoben, im Vergleich zur Vorsaison haben sich die 46ers um satte 14,0 Punkte pro 100 Possessions verbessert (nur Chemnitz steigerte sich defensiv noch mehr). So ist es den Hessen gelungen, einen Auswärtssieg aus Oldenburg (wenn die auch enttäuschen) zu entführen und sich in München in eine Verlängerung zu retten.

Mit dem Fokus auf Defense hat sich auch die Rolle von John Bryant verringert: 16,0 Minuten erhält der Center pro Spiel (2020/21: 25,9 MpG) – noch nie in seiner elfjährigen BBL-Karriere stand Bryant weniger auf dem Parkett. Von der deutschen Rotation erhält Strobl offensiv wenig Input: Nur 16,6 Punkte pro Spiel markieren die sechs eingesetzten Spieler mit deutschem Pass.

16. Basketball Löwen Braunschweig

Off-Rtg: 108,3 (12.) / Def-Rtg: 112,6 (17.) / Net-Rtg: -7,9 (17.)

„Wie schwer wiegt der Abgang des deutschen Kerns?“, war eine andere Frage unserer Saisonvorschau, und schon damals war die Antwort klar. Und dennoch haben es die Löwen geschafft, dass man hinsichtlich der deutsche Akteure (mit Upside) und deren Einsatzzeiten weiterhin gerne nach Braunschweig blickt. Vor allem die Nationalspieler Robin Amaize und David Krämer machen mit größerer Rolle und dementsprechend Selbstvertrauen Spaß. Die Braunschweiger generieren ligaweit die meisten Possessions (79,6), was den Fastbreak-Stil anschneidet – welcher Jesus Ramirez‘ Team gut zu Gesicht steht.

Doch tief ist der aktuelle deutsche Kern nicht, wie überhaupt der Löwen-Kader samt vier ausländischer Akteure (bei denen sich Martin Peterka verbessert hat, der Big Man läuft sogar um ballferne Blöcke wie ein Flügelspieler). Die teilweise Unerfahrenheit spiegelt sich in der verbesserungswürdigen Verteidigung wider. Die Löwen könnten nachbesseren – doch inwieweit lässt dies der finanzielle Rahmen zu?

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17. SYNTAINICS MBC

Off-Rtg: 116,3 (2.) / Def-Rtg: 123,4 (18.) / Net-Rtg: -7,2 (16.)

Der „Jekyll & Hyde“-Award des ersten Saisonviertels geht an den SYNTAINICS MBC: Zum einen haben die Wölfe die zweistärkste Offensive, zum anderen die schlechteste Defensive. Das Positive zuerst: Offensiv hat Igor Jovovic sechs zweistellige Scorer zur Verfügung (wobei damit auch ein großes Gefälle zu den wenigen deutschen Rotationsspielern folgt, hier soll Kostja Mushidi Abhilfe schaffen) – und damit Variabilität. Goran Huskic ist sicherlich kein zweiter Rasid Mahalbasic, doch für die Vielfalt einer Liga tut es gut, dass nach dem Abgang von „Mr. Triple-Double“ nun ein anderer offensiv versierter Big Man am Zonenrand operiert.

Nun zur schlechten Nachricht: Der MBC verteidigt bislang so schlecht, ihr Abstand zum zweitschlechtesten Defensiv-Team Braunschweig ist in etwa so groß wie zwischen jenem 17. Braunschweig zum Zehnten Ludwigsburg. Woran das liegt? Der MBC forciert die wenigsten Ballverluste pro 100 Possessions, stellt die drittschlechteste Defensiv-Rebound-Quote, es fehlt der individuelle Stopper, und häufig kollektiv die Help-Rotationen.

18. FRAPORT SKYLINERS

Off-Rtg: 95,3 (18.) / Def-Rtg: 110,7 (13.) / Net-Rtg: -15,4 (18.)

Die Frankfurter mögen am Ende dieses Power Rankings stehen, doch nicht nur deshalb geht ihr Blick zwangsläufig nach oben. Die Nachverpflichtungen von Brancou Badio und Will Cherry haben den Hessen gut getan, vor allem offensiv. Das gleiche wird man sich bei Jamel McLean erhoffen. Denn wer in diesem Team punkten soll, diese Frage bestand lange Zeit – und besteht eigentlich auch weiterhin. Das Team von Diego Ocampo weist deswegen das schwächste Offensiv-Rating auf, weil hinter dem Guard-Duo und nach Tez Robertsons (ob er über eine ganze Saison wirklich über 40 Prozent seiner Dreier verwandelt, ist fraglich) Verletzung zu wenig vom Frontcourt kommt. Kein Team nimmt weniger Freiwürfe pro Spiel, keine Mannschaft verliert auf 100 Possessions gerechnet häufiger den Ball.

Die Verletzungen und Formschwankungen bei den deutschen Spielern tun ihr Übriges hinzu (wobei Lorenz Brenneke als Abgänger der Berliner Schule eine spannende Personalie ist). Die (punktuell) sportliche Talfahrt und die (mittelfristigen) Ambitionen um eine neue Multifunktionshalle passen nicht zueinander. Doch beim nächsten Power Ranking könnte Frankfurt schon weiter oben stehen.

Alle Erweiterten Statistiken von Manuel Baraniak; Stand der Daten: 2.12.2021 (BBL-Pokal-Spiele nicht berücksichtigt)