Zurück zu den Wurzeln

Wie die Cleveland Cavaliers präsentieren immer mehr NBA-Teams einen Trikotsponsor. Ein guter Anlass, vor Beginn der Saison vergessene Anfänge in Erinnerung zu rufen und die Vorgängerliga NBL zu würdigen.

Bekanntlich dürfen NBA-Teams zu Saisonbeginn erstmals einen Sponsoren-Aufnäher auf ihren Game Jerseys tragen. (Diese werden vorerst übrigens „fanfreundlich“ im überlokalen Handel ohne Werbepatch verkauft.) Fünf Franchises – die Sixers, Kings, Celtics, Nets und Jazz – hatten Anfang des Jahres bereits einen Trikotsponsor präsentiert. Wenig überraschend sind ihnen in dem Bestreben, all ihre Präsenzen zu monetisieren, seither weitere Teams nachgefolgt.

Entsprechend warten bis dato 16 Klubs der Vorzeigeliga mit einem Werbepatch auf: die Wolves (Fitbit), Magic (Disney), Raptors (Sun Life), Pistons (Flagstar), Nuggets (Western Union), Bucks (Harley-Davidson), Hawks (Sharecare), Lakers (Wish) und Heat (Ultimate Software). Hinzu kommen neben den Champs aus dem „Golden State“ (Rakuten) auch die Vizemeister aus „The Land“. Sie tragen nunmehr das Wingfoot-Logo von Goodyear (mit Firmensitz in Akron, Ohio) auf ihrer Spielkleidung.

Wie die Cavs versuchen viele NBA-Franchises dabei Werbepartnerschaften einzugehen, die möglichst eine örtliche Färbung und damit ein nachhaltiges Identifikationspotenzial bergen. „Jedes Kind in Akron wächst mit den Wingfoot-Luftschiffen am Himmel auf und empfindet Stolz für unsere Gemeinde“, ließ entsprechend der berühmteste Sohn der Stadt, LeBron James, werbewirksam verlauten.

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Zugleich gibt es einen zusätzlichen Grund, den Sponsoringdeal mit Goodyear hochzuhalten. Denn historisch gesehen ist der Konzern aus Nordost-Ohio dem Profibasketball verbunden. Zumal es im nächsten Jahr ein Jubiläum zu feiern gibt: Vor dann 80 Jahren gewannen die Akron Goodyear Wingfoots, mit dem Namen und Logo des Reifenherstellers auf dem Trikot, die erste Meisterschaft in der NBA-Vorgängerliga NBL.

Es bietet sich sonach ein guter Anlass, die weithin vergessene National Basketball League vor Saisonbeginn ein wenig zu würdigen. Auch weil die NBA ihre Gründung bis heute in geschichtsklitternder Weise auf die zweite Vorgängerliga der Basketball Association of America (1946 gegründet) zurückdatiert. Jedoch fusionierte diese erst 1949 zusammen mit der NBL zur NBA. Anders als bei der BAA, werden die Vorleistungen der NBL indes nicht offiziell anerkannt.

Throwback

Die NBL wurde 1937 auf Initiative der Unternehmen General Electric, Firestone und Goodyear hin gegründet. Sie war seinerzeit die erste stete Basketballprofiliga in den USA, die spielerisch die Basis für die NBA der 50er Jahre legte. Im Mittleren Westen beheimatet, kamen anfangs von Firmen gesponserte Teams wie die Goodyear Wingfoots und die konkurrierenden Akron Firestone Non-Skids, Fort Wayne General Electrics bzw. Zollner Pistons, Indianapolis Kautskys, Toledo Jim White Chevrolets und Anderson Duffey Packers in der stärksten Liga des Landes zusammen.

Das Leistungsniveau der regionalen NBL verdeutlicht der Fakt, dass ihre Werksmannschaften aus dem 1939 bis 1948 alljährlich ausgetragenen World Professional Basketball Tournament sieben Mal als Sieger hervorgingen. Selbiges war ein nationales Einladungsturnier, an dem die gemeinhin besten US-Profiteams teilnahmen und den „Weltmeistertitel“ ausspielten. Dreimal entschieden hierbei die frei operierenden afroamerikanischen Mannschaften der New York Rens, Harlem Globetrotters und Washington Bears das Turnier für sich.

Im Gegensatz zur kapitalstärkeren BAA, die schwarzen Spielern und Teams die Mitwirkung und damit den Zugang zu den großen Hallen der Ostküste verwehrte, liefen in der NBL bereits während des Zweiten Weltkrieges einige Afroamerikaner auf. Derweil die Rens 1948/49 als erstes schwarzes Team in die weithin weiße Profiliga aufgenommen wurden, der nicht nur in puncto Integration eine Vorreiterrolle zukommt.

Schließlich wies die NBL eine kooperative Organisationsstruktur auf, die weniger streng hierarchisch anmutete, als die der rivalisierenden BAA. Diese setzte auf Eignermacht und Gewinnmaximierung. So besagt auch der NBA-Gründungsmythos, der nicht zufällig die BAA zentriert, die finanzstarken Eigner seien seit jeher der Erfolgsmotor der NBA.

Überdies gelang es der älteren Liga, trotz vornehmlich kleiner wie mittlerer Städte und Märkte, ihren loyalen Zuschauern auch die befähigteren Spieler zu präsentieren. So konnte die NBL mit George Mikan etwa den ersten echten Basketballstar für sich gewinnen. Mit der naszierenden Dynastie der Minneapolis Lakers (dem grundlegenden „Superteam“ der NBA) gewann der dominante Center-Spieler in der Liga 1948 seine erste Meisterschaft.

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Gewiss, letztlich kam es 1949 zum wirtschaftlich sinnvollen Zusammenschluss mit der Konkurrenzliga aus dem Nordosten. Doch das spielerische Talent und die Leistungsstärke der NBL schienen auch in der neuen Liga auf. Die spielbestimmenden NBA-Akteure kamen vorwiegend aus der NBL, während die ersten sechs Meistertitel allesamt an vormalige NBL-Teams gingen. Zudem haben fünf der heutigen NBA-Franchises ihre Wurzeln in der NBL: Neben den Lakers sind dies die (Fort Wayne Zollner) Pistons, die (Tri-Cities Black-) Hawks, Kings (Rochester Royals) und Sixers (Syracuse Nationals).

Lediglich drei NBA-Gründerteams, die Celtics, Knicks und Warriors, gehörten hingegen originär der BAA an. 1949 zählte die NBA zunächst 17 Franchises – dabei waren nur sechs von ihnen ursprünglich Teil der BAA. Von 1953 bis 1966 umfasste die NBA alsdann acht, neun Mannschaften, wobei (die besagten) fünf von ihnen aus der NBL herrühren.

Diese Genealogie und die Vorarbeit der NBL sollten sich alle geschichtsbewussten NBA-Aficionados einprägen und der Geschichtsklitterung der Liga entgegnen.