Trotz Sieg: Wucherer wird zum Partycrasher

Trotz des 91:79-Heimerfolgs gegen den SYNTAINICS MBC überwog bei s.Oliver Würzburg-Head Coach Denis Wucherer die Verärgerung über die schwache zweite Halbzeit seiner Mannschaft.

Nach dem Heimerfolg nahmen die Feierlichkeiten bei s.Oliver Würzburg ihren Lauf, so wie sie immer nach einem Heimerfolg ihren Lauf nehmen: Zunächst jubelten die Spieler auf dem Court, anschließend mit den Fans – inklusive „Humba“, versteht sich. Was die siegreichen Würzburger da noch nicht wussten – und sicher auch nicht erwarteten – war die Tatsache, dass in der Kabine ein reichlich verärgerter Trainer auf sie wartete. „Ich weiß nicht, ob die Spieler es auch so gesehen haben wie wir Coaches, denn eben in der Kabine war zunächst sehr gute Stimmung. Dann war ich der Partycrasher“, erklärte Würzburgs Head Coach Denis Wucherer den ebenso überraschten Pressevertretern. „Ich glaube, die Nachricht eben in der Kabine kam an“, fügte der 46-Jährige hinzu, der zuvor, so lassen die Aussagen vermuten, deutliche Worte an seine Mannschaft gerichtet hatte.

Grund für die Verärgerung war die „nicht zu akzeptierende“ zweite Halbzeit seine Schützlinge, die eine 17-Punkte-Halbzeitführung gegen den SYNTAINICS MBC beinahe noch verspielt hätten. Wucherer wurde sogar noch deutlicher, indem er von der „wahrscheinlich schlechtesten Halbzeit“ seiner Guards während seiner Amtszeit in Würzburg sprach. Gemeint war damit das Trio Jordan Hulls (21 Pkt), Cameron Wells (16 Pkt, 5 Ast) und Skyler Bowlin (9 Pkt). Tatsächlich war zu beobachten, dass die Unterfranken nach der Pause im Angriff mit viel weniger Tempo und Ballbewegung agierten und die Gäste aus Weißenfels zurück in die Partie kommen ließen. Drei Minuten vor Schluss war die komfortable Führung auf vier Punkte geschmolzen (81:77), allen voran dank MBC-Forward Strahinja Micovic, der alleine im dritten Viertel 13 Punkte erzielte und die Partie mit 26 Zählern (11/14 FG) auch als Top-Scorer beendete. Am Ende waren es Wells und Victor Rudd, die mit acht Punkten in Folge den Heimsieg der Würzburger eintüteten.

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Doch logischerweise war nicht alles schlecht auf Würzburger Seite. Im ersten Viertel erzielten die Hausherren 32 Punkte (13/18 FG, 6 verwandelte Dreier). Nach der ersten Halbzeit stand das Team bei 16 Assists und nur einem Turnover. Alle zehn eingesetzten Spieler hatten zu dem Zeitpunkt bereits gescort. Zugleich hielten die Hausherren den bis dato drittbesten Angriff der BBL bei einer Wurfquote von nur 38 Prozent aus dem Feld. Das Resultat war ein deutliches 53:36 nach den ersten 20 Minuten. „Es war in der ersten Halbzeit, und vor allem im ersten Viertel, sehr schwer für uns, das Tempo rauszunehmen. Das war unser Plan, aber wir haben keinen guten Job gemacht“, erklärte MBC-Interimstrainer Aleksandar Scepanovic, der anschließend ob der Aufholjagd den Charakter seiner Spieler lobte.

Bei Wucherer überwog dennoch der Eindruck der zweiten Halbzeit. Nach der Ursachenforschung des Leistungseinbruchs erwartet die Baskets-Profis nun eine harte Trainingswoche, um demnächst auch über 40 Minuten konstant die Leistung abrufen zu können. Dies sei laut des Übungsleiters unabdingbar, um in den kommenden Spielen bei ratiopharm ulm und zu Hause gegen die FRAPORT SKYLINERS eine Chance zu haben. Ob dann auch der dringend benötigte Ersatz für den langzeitverletzten Power Forward Brekkott Chapman mit von der Partie sein wird, ist nach wie vor ungewiss. Wunschspieler von Wucherer ist weiterhin der Kongolese Junior Etou, der derzeit noch beim französischen Erstligisten Cholet Basket unter Vertrag steht, dort aber nicht glücklich ist. Der Transfer erweist sich allerdings als Hängepartie.