Turnierbeobachtungen mit Ulmer Echo

Warum überzeugt ratiopharm ulm? Wie inspirieren Berlin und Vechta andere Teams? Wer sind die besten Eins-gegen-Eins-Scorer? Und wie sieht das derzeitige All-Tournament Team aus? Diese und weitere Fragen zum BBL-Final-Turnier beantwortet die Analyse nach der Vorrunde.

Ein BBL-Final-Turnier, das bislang zwar einige Blowouts bereitgehalten, aber Erwartungen ob der sportlichen Qualität übertroffen hat. Deutsche Nachwuchsspieler, die nicht nur Rotationsminuten erhalten, sondern auch ihren Beitrag leisten. Eine Basketball-WG, die mehr an Schullandheim erinnert als zum Lagerkoller zu führen scheint. Und eine angenehme Atmosphäre am Bildschirm, welche trotz leerer Zuschauerränge wenig vom Basketball-Genuss vermissen lässt. Wird das BBL-Final-Turnier am Ende zu einem richtigen Erfolg?

Ulm als Two-Way-Team

Wahrscheinlich wird Vladimir Lucic auch nicht gedacht haben, dass ratiopharm ulm als ungeschlagener Tabellenführer der Gruppe A in die Playoff-Phase gehen würde. Doch das Team von Jaka Lakovic klickte sofort, überraschte den amtierenden Meister aus München mit einem 95:85-Erfolg und überzeugt bisher als „two-way“-Team.

Mit einem Defensiv-Rating von 95,4 Punkten pro 100 Ballbesitzen stellten die Ulmer die effizienteste Verteidigung der Vorrunde. Auf Grund der kleinen Stichprobe und den unterschiedlich starken Gegnern darf dies nicht überinterpretiert werden, doch gerade in der Verteidigung müssen sich Automatismen einstellen, müssen Spieler Rotationen verinnerlichen und miteinander kommunizieren (lernen). Wenn es gerade in der Defensive stimmt, wird eine Mannschaft im Turnierverlauf davon profitieren können.

Auf Grund der guten Teamverteidigung, durch Rotationen und Deflections, forcieren die Ulmer 20,3 Ballverluste pro Partie – in der BBL-Hauptrunde waren es nur 14,1 Ballverluste. Daraus sowie dank ihrer starken Arbeit am Brett (Def-Reb-Rate: 73,3%; zweitbester Wert hinter Oldenburg) generieren die Ulmer um Fastbreak-Flitzer Archie Goodwin zahlreiche einfache Punkte in Transition und weisen die höchste Pace aller Turnierteams auf (77,4).

Doch auch im Halbfeld weiß Lakovics Team zu überzeugen. Nach dem Abgang des potentiellen NBA-Lottery-Picks Killian Hayes schultert der gesamte Backcourt kollektiv die Spielmacheraufgaben. Tyler Harvey, Per Günther, Andi Obst und Thomas Klepeisz sorgen in einem egalitären System dafür, dass das Team auch offensiv recht effizient auftritt: Abschlüsse in der Zone, wenig Ballverluste (12,3 TpG, zweitbester Wert hinter Ludwigsburg), viele Freiwürfe (28,3 FTA, absoluter Top-Wert), nur der Dreier könnte noch etwas besser fallen.

Schon mit Hayes als primären Ballhandler hatte Lakovic Spielzüge mit einigen Dribble Hand-Offs in sein Playbook implementiert. Doch wo letztlich oft Hayes den Ausstieg aus einem Spielzug forcierte, als selbstverständlich exzellenter Pick-and-Roll-Spieler, dort attackieren nun zahlreiche Ulmer:

Immer wieder geht Lakovic darin über, gleich drei Guards zusammen auf das Parkett zu schicken. Da Patrick Heckmann in der Rolle des Smallball-Vierers mehr zu überzeugen weiß als noch in der Hauptrunde als Backup-Dreier, präsentieren sich solch kleine Lineups enorm stark: In 20:56 Minuten mit einer Drei-Guard-Lineup auf dem Hartholz stehen die Ulmer bei einem „Plus/Minus“-Wert von +22 (mit Heckmann auf der Vier: +16 in 12:55 Minuten)!

„Wir können damit das Feld weit machen – als Shooting-Team. Uns gibt es Sicherheit beim Ballhandling. Mit solchen Lineups werfen wir einfach besser und gehen sicherer mit dem Ball um“, erklärt Lakovic auf Frage von basketball.de, was er an solchen Formationen schätzt.

Im Frontcourt hat Lakovic Komplementärspieler zur Verfügung: Auf der Drei gibt Goodwin den athletischen Slasher, während Christoph Philipps ein starker Verteidiger mit Länge ist. Vor Heckmann als umsichtiger Akteur ballabseits spielt Derek Willis auf der Vier seine Athletik aus. Und auf der Fünf agiert Dylan Osetkowski enorm versiert (sogar als Ballhandler, siehe weiter unten), während sein Backup Gavin Schilling den athletischen Zonenbrecher gibt.

Diese Vielseitigkeit beschreibt Per Günther wie folgt: „Wir haben ein sehr gutes Spacing und mit Archie jemanden, der den Korb attackieren kann. Wir haben viele Werfer, und wir haben Jungs, die das Pick-and-Roll laufen können – eigentlich ist es schwierig, uns irgendwas wegzunehmen.“

Derweil mag einer der Guards herausstechen: Tyler Harvey. Dank seines Distanzwurfs und eines Floaters, den er mit beiden Händen trifft, ist Harvey bislang zu einem der effizientesten Isolation-Scorer des Turniers avanciert (Übersicht siehe weiter unten). Im Vergleich zur Hauptrunde trifft der Combo-Guard in der Zone viel besser. Selbst in einer egalitären Offensive ist es gut zu wissen, dass ein Akteur übernehmen kann …

Vor allem, wenn es nun in die Playoffs geht. Und vor allem, wenn dort Teams mit größerer Defensividentität auf die Ulmer warten. Denn hierbei lässt sich ein Unterschied zwischen den beiden Vorrundengruppen ausmachen. Im Viertelfinale bekommen es die Ulmer mit einem Frankfurter Team zu tun, das eindeutig defensiv geprägt ist und in Akeem Vargas, Quantez Robertson und Yorman Polas Bartolo auch starke Individualverteidiger in seinen Reihen hat.

Könnte es ein Nachteil sein, dass die Ulmer gegen solche „Defense first“-Teams noch nicht angetreten sind? „Schwierig zu sagen, ob Nachteil oder Vorteil. Aber es ist auf jeden Fall eine andere Voraussetzung, und es wird auch ein anderes Spiel“, antwortet Thomas Klepeisz auf die Frage von basketball.de. „Wenn du erfolgreich sein willst, darfst du nicht nur gegen Offensiv- und nicht nur gegen Defensivmannschaften gut aussehen – du musst alles spielen können. Und das müssen wir jetzt zeigen.“

Play: Ulms Big Men als Ballhandler

Jaka Lakovic hat beim Final-Turnier derweil eines der innovativsten Einwurf-Plays ausgepackt, die Zwangspause also kreativ genutzt. Bei folgendem Einwurfspielzug von der Baseline aus tritt ein Big Man als Ballhandler in Erscheinung!

Jener Big Man benötigt natürlich ein sicheres Ballhandling, um von Flügel aus den Korb zu attackieren. Wenn der Drive nicht möglich ist, lässt sich nach einem Switch aber ein Mismatch forcieren, dass der Big Man – wie Derek Willis – im Post-up ausnutzen kann. In der ersten Szene gegen Oldenburg wird derweil ersichtlich, wie offen der Big Man – hier Dylan Osetkowski – zum Korb kommen kann. Das liegt an den vertauschten Rollen der Verteidiger, müssen ein kleiner und ein großer Spieler einen Ball-Screen für gewöhnlich doch andersherum verteidigen.

Play: Berlins SLOB Hand-Off

Vom BBL-Final-Turnier ist schon häufig als „Basketball-WG“ gesprochen worden. Dabei hängen aber nicht nur Spieler miteinander ab, sondern treffen auch Coaches aufeinander – und könnten ihr Basketballwissen austauschen. Dass jeder Trainerstab selbst mit seiner Vorbereitung zu tun hat und zudem wenig von seinem System verraten will, ist klar. Aber es scheint, als beeinflusse man sich gegenseitig. 

Von ALBA BERLIN ist ein Spielzug von der Baseline aus bekannt, bei dem der Einwerfer den Ball zu einem Big Man passt, welcher per Hand-Off direkt wieder zum Einwerfer übergibt. Samt Wurfschirm wollen die Berliner daraus einen schnellen Eckendreier kreieren:

Die FRAPORT SKYLINERS mussten gegen Berlin gleich zweimal ansehen, wie Peyton Siva daraus einen Dreier versenkte … so ließ Sebastian Gleim den Spielzug im nächsten Frankfurter Spiel einfach selbst laufen. Gegen Ludwigsburg packten die Hessen den Spielzug in den Schlusssekunden aus, als Matt McQuaid zum potentiellen Gamewinner ansetzte … doch im Aus stand / gefoult wurde (nach Schrödingers Katze). Auch die BG Göttingen um Johan Roijakkers hat den Spielzug schon laufen lassen.

Play: Brad Stevens‘ „Winner“

RASTA Vechta unter Pedro Calles mag seine Identität in der Verteidigung haben, konnte auf Grund des kleinsten Kaders des Turniers aber die Intensität meist nicht über 40 Minuten auf das Parkett bringen. Bei einem Blick in Calles‘ Playbook wird aber auch ersichtlich, dass sich der junge Coach enorm versiert bei Einwurf-Spielzügen zeigt. Dabei hat Calles auch ein Play übernommen, das Brad Stevens bei den Boston Celtics laufen lässt (und das in Fachkreisen als „Winner“-Play bezeichnet wird). Dieses Play für die (vermeintlich) starken Schützen Trevis Simpson und Josh Young packte Calles auch beim Turnier aus:

Fun Fact: Klaus Perwas sprach von einem „funny play“, als er in einer Auszeit sein Frankfurter Team auf Vechtas Spielzug vorbereitete – ehe Calles genau jenen Spielzug laufen ließ. Auch die HAKRO Merlins Crailsheim um Coach Tuomas Iisalo und die BG Göttingen um Roijakkers haben dieses Play in ihr Offensivsystem integriert.

Johan Roijakkers: Real Talk

Johan Roijakkers darf bei der BG Göttingen seit jeher als einer der offensiv versiertesten Coaches gelten. Was man bei den Veilchen relativ häufig findet: Aktionen, bei denen Guards als Blocksteller auftreten.

Überhaupt Screens: Immer wieder werden die Göttinger Distanzwerfer durch zusätzliche Off-Ball-Screens freigeblockt. Spieler täuschen an, einen Block zu stellen – um jedoch selbst einen zu erhalten. Und Abroller nutzen Back-Screens, um nach Lob-Anspielen am Ring zu finishen.

Da Kyan Anderson nicht am Turnier teilgenommen hat, Alex Ruoff in fittem Zustand bislang nur ein Spiel absolviert hat und die Turnierzugänge ihre Stärken mehr in der Verteidigung als im Angriff haben, avancierten die Göttinger zum offensivschwächsten Team der Vorrunde (Off-Rtg: 93,2) – trotz der Bennet-Hundt-Show zum Turnier-Auftakt.

In dem Zusammenhang zeigte Roijakkers auch, warum er zu einem der sympathischsten Coaches gehört: weil er, in seinem Signature-Denglisch, ganz offen sagt, was er denkt. Beispiele gefällig?

„He has big balls. Es ist ihm egal, gegen wen er spielt. He’s just pretty cocky on the court – off the court ist er ein kleiner Teddybär“, beschrieb Roijakkers seinen Point Guard Hundt nach dessen Auftritt gegen Crailsheim. Doch ein Alleinunterhalter ist Hundt nicht:

„Bennet Hundt ist nicht unser Go-to-Guy. Our go-to-guy is the open man.“ Auch wenn die BG im Viertelfinale gegen Berlin unter allen Playoff-Teams die am stärksten unterlegene sein dürfte, gut anzuschauen ist eine  Roijakkers-Offensive allemal.

Wenige Isolationen – bis auf eine Ausnahme

Apropos Go-to-Guy: Vor dem Turnierstart wurde bei manchen Basketballbeobachtern, auch dem Autor, die Erwartung oder Befürchtung geweckt, es könnte ein Turnier der Zocker werden: wenig Vorbereitungszeit, häufig Kaderveränderungen, demnach kaum Eingespieltheit, also viel Eins-gegen-Eins. Doch dem war nicht so:

Nach Auswertung aller 3.378 Possessions in der Gruppenphase schlossen neun Teams in 7,5 Prozent ihrer Angriffe aus dem Eins-gegen-Eins ab – kein sehr hoher Wert. Die Ausnahme bilden die MHP RIESEN Ludwigsburg: Bei den Schwaben entfielen ganze 18,8 Prozent der Offensivaktionen auf Isolationen!

John Patrick hat mit seinem Defensivsystem samt Full-Court-Press den „Guard-Terror“ in die Liga gebracht. Dabei kann man diesen Terror mittlerweile auch durchaus in der Offensive verorten: In der Hauptrunde schickte Patrick in seinen Closing-Lineups gerne vier Guards auf das Parkett: neben Marcos Knight, Jaleen Smith und Nick-Weiler Babb auch Khadeen Carrington, welcher aber nicht für das Turnier zurückkehrte.

„Wir sind klein, aber powerful: mit Nick Weiler-Babb, Jaleen Smith und Marcos Knight, die variabel sind und von der Eins bis zur Vier spielen können“, beschreibt Patrick seine Offensivstützen. „Thomas Wimbush mit seinem Vertical Jump und seiner Power spielt viel größer, als er eigentlich ist.“

Im Turnierverlauf hat Patrick noch gar nicht so häufig mit vier Guards und einen Big Man gespielt wie erwartet (27:27 Minuten, +9); schließlich machen die Center Cameron Jackson (der flinker auf den Beinen ist) und Jonas Wohlfarth-Bottermann (als Defensivanker) einen guten Job. Und somit braucht der Starting-Vierer Wimbush nicht auf die Fünf rücken. Doch mit Wimbush als Smallball-Center und vier Guards hätte Patrick eine komplette Lineup auf dem Parkett, die im Face-up-Game besticht.

„Spiel der Wurfchancen“, nennt es der Basketballanalyst Jens Leutenecker, wenn ein Team viele und frühe Würfe nimmt, sich durch Offensiv-Rebounds samt forcierten Ballverlusten aber einfach mehr Possessions als der Gegner generiert.

Wie ansehnlich ein solcher Offensiv-Basketball ist, darf jeder für sich entscheiden.

Im ersten Viertel gegen Bamberg spielten die Ludwigsburger in 17 Halbfeld-Angriffen durchschnittlich nur 1,7 Pässe pro Angriff. Doch der Erfolg – von der Hauptrunde bis zum Turnier – gibt Patrick durchaus Recht. Und der Coach weiß auch: Es hilft sehr, dass wir Spieler haben, die keine Angst haben.“ Auch keine Angst vor einem Fehlwurf nach einem Jumper.

Übrigens: Mit Teyvon Myers ist eine Turnier-Verpflichtung, der auch als physischer Guard attackieren kann, als siebter ausländischer Profi derzeit aus der Rotation gefallen. Myers hilft der Mannschaft aber weiterhin: als „Entertainment-Center“, so John Patrick. Da kann man schon mal als Kopfnicker auftreten …

Die Ludwigsburger versuchen sich zwar häufig aus dem Eins-gegen-Eins, sie agieren daraus aber nicht sehr effizient. Als Team haben sie in der Vorrunde daraus nur 0,77 Punkte pro Possession erzielt. Erstellt man eine Liste von Spielern, die mindestens achtmal direkt aus dem Eins-gegen-Eins abgeschlossen haben, finden sich dort zwar vier Ludwigsburger Spieler, aber effizienter treten einige andere auf.

Rasid rasiert …

… Gavin Schillings Kopf.

Falls es eine Neuauflage des And One Mixtapes geben sollte, würde sich Rasid Mahalbasic bewerben. Wirklich beabsichtigt war dieser Post-Move samt Head-Play wohl nicht, aber die Aktion passt so gut zur Gewitztheit des Oldenburger Centers.

Mahalbasic ist derweil individuell das, was die Ludwigsburger kollektiv sind: ein Spieler, der im Eins-gegen-Eins aufgeht. „Mr. Triple-Double“ tut dies eben nur mit dem Rücken zum Korb.

Aus sage und schreibe 30 Possessions hat Mahalbasic direkt nach einem Post-up abgeschlossen. Der Spieler mit den zweitmeisten Possessions, Landry Nnoko, hat nur halb so viele Post-Abschlüsse genommen! Mit seiner Kombination aus Finesse und Physis am Zonenrand ist Mabalbasic natürlich eine Waffe im Post, aber diese vielen Abschlüsse liegen womöglich auch an einer Agenda der Gegner: lieber Mahalbasic scoren lassen als dessen Passstärke hinnehmen und so seine Mitspieler mit offenen Würfen zum Rhythmus kommen lassen.

So erklärte Ulms Trainer Jaka Lakovic nach dem Sieg Ulms über Oldenburg: „Sie haben ein sehr starkes Inside-Spiel. Unser Ziel war es, sie dort so gut wie möglich zu verteidigen, aber ihnen nichts anderes zu geben. Uns war klar: Mahalbasic würde punkten – aber wir wollten nicht, dass er das Spiel mit sieben Assists beendet.“ Diesen Ansatz scheinen mehr Teams zu verfolgen: Denn nach 6,2 Assists in der Hauptrunde verbucht Mahalbasic im Turnier bislang nur 2,8 Assists pro Partie (bei 2,8 TpG) …

Dennoch: Blicken wir nur auf die Post-Scorer, gehört Mahalbasic weiterhin zur Crème de la Crème. Hervorzuheben ist auch, wie sich Berlins Landry Nnoko hierbei verbessert hat. Eh schon enorm physisch agierend, hat der Berliner Center ein gutes Stellungsspiel und Geduld in sein Repertoire aufgenommen.

Doch zurück zu Mahalbasic’ Post-Moves: Dann passiert auch mal sowas … ein Sky-Hook (mit kleiner Gavel-Note):

Ishmail Wainright, Quarterback

Rasid Mahalbasic als Kareem Abdul-Jabbar? Dann ist Ishmail Wainright ein NFL-Quarterback. Aber ernsthaft: Wainright hat am College Football gespielt, wenn auch als Tight End, und spielte in einem Probe-Training beim NFL-Team der Buffalo Bills vor. So sollte es nicht verwundern, dass Wainright 0,75 Touchdown-Pässe pro BBL-Turnier-Partie geworfen hat … Und ganz genau, Layups übers ganze Feld ohne Dribbling!

All-Tournament Team

Endlich wieder Basketball. So irrelevant der Sport in diesen Zeiten scheint, so lässt sich mit fortlaufendem BBL-Turnier auch darüber diskutieren, wie man diese besondere Saison einordnet und wie man beispielsweise mit Auszeichnungen verfährt.

Einen Spieler auszuzeichnen, der noch in der Hauptrunde aufgelaufen, nun beim Final-Turnier aber nicht mehr dabei ist, scheint abwegig (ein Spieler eines späteren Finalisten hätte auch ein Drittel der gesamten Saison verpasst). Insofern scheint es das Beste, einen Turnier-MVP zu wählen – und nicht etwa einen Finals-MVP. Da manch einer gerne von „Wohnzimmerspielen“ spricht, könnte der MVP-Award den Namen „Pantoffelheld“ tragen.

Weitere, teils nicht so ernst gemeinte Ideen für Awards:

Bester deutscher Nachwuchsspieler: Es gibt zahlreiche Beispiele von jungen deutschen Akteure, die in gestiegener Einsatzzeit überzeugt haben. Gerade bei einem solchen Turnier sollte der Award auch nicht fehlen.

Bester Staff / bester Athletiktrainer: Diese Arbeit, vor allem bezüglich Vorbereitung (schon vor Turnierstart) und Regeneration, ist wichtiger denn je.

„Klassensprecher“: Wer connected am besten mit anderen Spielern und Akteuren der Liga? Wer könnte die Stimme der BBL übernehmen? Hinsichtlich der Schreie nach einer Gewerkschaft scheint ein repräsentativer Charakter nicht so unbedeutend.

Lauteste Bank: Ohne Zuschauer muss ein Team die Energie aus sich heraus gewinnen. Wer pusht sein eigenes Team dabei am besten?

Und ein All-Tournament Team – das subjektiv nach der Gruppenphase wie folgt aussieht:

Peyton Siva (Point Guard, ALBA BERLIN)

Peyton Siva schien direkt „locked in“ zu sein. Da sein Backcourt-Partner Martin Hermannsson bislang nicht seinen Rhythmus gefunden hat, ist dies umso wichtiger. Siva scheint mehr denn je selbst übernehmen zu wollen und überzeugt dabei mit toughen Abschlüssen. Manchmal hatte man den Eindruck, er würde zu sehr auf seinen eigenen Wurf schauen – viele Ballverluste leistet sich Siva dabei aber nicht (Isolation + P&R Ballhandler: 9/27 FG; 0,94 PPP; 9,7% TO Freq)

Tyler Harvey (Guard, ratiopharm ulm)

Floater mit links oder rechts, Layup über Big Men, ansatzlose Dreier vom Parkplatz: Es lässt sich erahnen, wie Tyler Harvey in einem G-League-Spiel mal 58 Punkte aufgelegt hat. Der Ulmer Combo-Guard mimt aber nicht den gewissenlosen Gunner, sondern präsentiert sich als effizienter Ballhandler – der bei eigenem Abschluss aus dem Eins-gegen-Eins oder nach einem Ball-Screen ungemein starke 1,20 Punkte pro Possession auflegt (55,6% FG, 10% TO Freq). Egalitäres Offensivsystem hin oder her: irgendwann braucht es auch einen Go-to-Guy.

Sebastian Herrera (Guard / Forward, HAKRO Merlins Crailsheim)

Keinen US-Amerikaner aus der Hauptrundenrotation mehr zur Verfügung, avancierte Sebastian Herrera zum unermüdlichen Crailsheimer Offensivmotor. In eines der ansehnlichsten und bewegungsintensivsten Offensivsysteme passt der Flügelspieler hervorragend. Wie Herrera trotz fehlender Athletik bei seinen Drives überzeugt und dort auch als Spielmacher besticht, ist überragend. Und Herrera ist erst 22 Jahre alt … Der chilenische Nationalspieler mit deutschem Pass dürfte sehr bald den Weg zu einem Club im internationalen Wettbewerb einschreiten.  

Thomas Wimbush (Power Forward, MHP RIESEN Ludwigsburg)

Augen auf bei Patricks Verpflichtungen von Forwards: Die ungedrafteten Royce O’Neale und Kelan Martin verbrachten ihre Rookie-Spielzeiten bei Patrick und haben es mittlerweile in die NBA geschafft. Zwar hat der ungedraftete Thomas Wimbush nach seiner College-Zeit seine Zelte in der NBA G-League aufgeschlagen, doch auch der 2,01 Meter-Athlet wird unter Patrick profitieren. Für einen Vierer hat Wimbush ein starkes Ballhandling, was er unter anderem als einer der besten Fastbreak-Spieler der BBL demonstriert.

Nathan Boothe (Power Forward, EWE Baskets Oldenburg)

The Boothe is on fire … Drei Monate verletzt raus, kein Spiel vor der Zwangspause absolviert, und dennoch beim BBL-Turnier direkt eingeschlagen. Boothe traf bei seinem Comeback seine ersten drei Würfe und stellt den offensiv konstantesten Oldenburger Akteur. Der Power Forward fühlt sich sowohl als Stretch-Vierer am Flügel als auch als Post-Büffel am Zonenrand (samt Fadeaway) wohl. Der 26-Jährige gibt der Oldenburger Big-Men-Riege zudem eine solide Defensivoption.


Videorohmaterial zur Verfügung gestellt von MagentaSport. Alle Spiele der easyCredit BBL und der deutschen Teilnehmer in der EuroLeague und im EuroCup exklusiv. Alle Infos hier.