Denis Wucherer: „Wir werden in jedem Spiel in der Lage sein, 90 Punkte zu erzielen“

Nach zwei Jahren ohne Playoff-Teilnahme soll Denis Wucherer s.Oliver Würzburg zurück in die Postseason führen. Der neue Coach spricht über den Kader, seine Philosophie und die Nationalmannschaftsfenster.

Zweimal in Folge verpasste s.Oliver Würzburg zuletzt die BBL-Playoffs. Neu-Head Coach Denis Wucherer ist ins Frankenland gekommen, um die Würzburger in die Postseason zurückzuführen. Im Interview spricht Wucherer über den neuen Kader und seine Philosophie. Zudem nimmt der 45-Jährige Stellung zum Thema Nationalmannschaftsfenster.

„Wir sind mit der Zusammenstellung des Teams sehr zufrieden“

basketball.de: In vorherigen Interviews haben Sie betont, dass Dirk Bauermann der Trainer war, der Sie am meisten beeinflusst hat. Ist es deshalb für Sie eine besondere Situation, sein Nachfolger zu sein?

Denis Wucherer: Es ist schon besonders. Ich habe viele Jahre unter ihm gespielt, sowohl in Leverkusen als auch in der Nationalmannschaft. Er hat mich auch dazu gebracht, die Trainerlaufbahn einzuschlagen. Er hat mich bei der Nationalmannschaft die U20 und die A2 trainieren lassen. Zudem war ich als Co-Trainer bei einer Welt- und einer Europameisterschaft dabei. Das war die Zeit, in der ich gemerkt habe, dass mir das liegt und Spaß macht. So bin ich überhaupt hier gelandet. Es ist natürlich besonders, jetzt hier zu übernehmen und in große Fußstapfen zu treten, aber auch eine große Herausforderung.

Die Ergebnisse in den Vorbereitungsspielen waren bislang sehr vielversprechend mit Siegen gegen gute Teams wie die FRAPORT SKYLINERS, Anadolu Efes und Brescia Leonessa. Wie ist bislang Ihr Eindruck von der Mannschaft? Was funktioniert bereits gut, was muss noch besser werden?

Preseason-Spiele sind immer mit Vorsicht zu genießen. Jede Mannschaft ist auf einem anderen Stand, was das Level von Müdigkeit betrifft. Manche Teams sind nicht komplett, auch bei uns haben [Xavier Cooks und Kresimir Loncar] noch gefehlt. Diese Spiele darf man daher nicht überbewerten. Wir sind aber mit der Zusammenstellung unseres Teams sehr zufrieden. Die Art und Weise, wie wir spielen wollen, kristallisiert sich immer mehr heraus. Es ist natürlich schön, in der Vorbereitung Spiele zu gewinnen. Das gibt uns ein gewisses Selbstvertrauen und den Spielern auch ein Vertrauen in das, was wir tun. Insofern liegen wir da gut im Zeitplan und freuen uns auf die Saison. Wir wissen aber, dass wir in den nächsten Wochen bis zum Saisonstart noch eine Menge Arbeit vor uns haben.

Viele der Neuzugänge kennen Sie bereits aus Ihrer Zeit in Gießen. War mit diesen Verpflichtungen die Hoffnung verbunden, dass das Team dadurch schneller zusammenwächst?

Genau, das war unser der Plan B. Plan A wäre gewesen, Spieler aus der letztjährigen Mannschaft zu halten, vor allem Schlüsselspieler wie Maurice Stuckey, Cliff Hammonds und Robin Benzing, der ja eigentlich noch Vertrag hatte. Das hat nicht geklappt. Um dafür zu sorgen, dass das Team trotzdem schon frühzeitig zusammenwächst, haben wir dann die zweite Möglichkeit gewählt: also Spieler verpflichtet, mit denen wir bereits gearbeitet haben und die wir kennen. Das macht die Integration der neuen Leute – und wir sind ein neu zusammengewürfelter Haufen – deutlich einfacher.

Mit Benzing und Stuckey sind nicht nur die beiden besten Scorer des Vorjahresteams, sondern auch zwei der drei besten deutschen Korbjäger der vergangenen BBL-Saison gegangen. Diese Abgänge waren mit einheimischen Spielern nicht zu ersetzen. Wie war ihre Herangehensweise, um diese Verluste zu kompensieren?

Das ist ein Rechenbeispiel. Man muss schauen, wie groß das Budget ist, mit dem man arbeitet. Besteht die Möglichkeit, solche Spieler auf den deutschen Positionen zu ersetzen oder nicht? Wir sind letztlich zu dem Schluss gekommen, dass wir auf den sechs Ausländerpositionen mehr Qualität wollen als in der Vorsaison. Zudem haben wir deutsche Spieler geholt, die noch entwicklungsfähig sind. Leute, für die Würzburg der richtige Schritt ist, die richtig Lust hierauf haben, aber auch genug Qualität besitzen, um zu spielen. Und ich glaube, da haben wir die richtige Mischung gefunden.

Benzing hat ja erst vor wenigen Tagen bei Besiktas Istanbul unterschrieben. Gab es während des Sommers zu irgendeinem Zeitpunkt Überlegungen, dass er zurückkehrt? Gab es noch Kontakt zu ihm?

Der Kontakt war natürlich da, gerade weil es bei ihm etwas länger gedauert hat. Wir drücken ihm die Daumen, dass aus der einmonatigen Try-Out-Phase ein längerfristiger Vertrag wird. Aber auch da war das ein einfaches Rechenbeispiel: Es wäre in diesem Jahr finanziell nicht möglich gewesen, ihn jetzt im Nachhinein noch in den bestehenden Kader einzubauen.

Kommen wir von den Spielern, die gegangen sind, zum aktuellen Kader. Die meisten Neuzugänge kennt man bereits aus der BBL. Es gibt aber zwei in Deutschland noch unbekannte Gesichter. Zum einen ist da Xavier Cooks zu nennen. Welche Rolle soll er einnehmen und was sind seine Stärken?

Xavier Cooks ist ein Rookie, der frisch vom College kommt. Er hat für die Winthrop University in South Carolina gespielt, eine eher kleinere Universität…

Er hat dort auch viel Verantwortung übernommen…

Genau. Und das hat ihn für uns so unglaublich interessant gemacht. Er bringt für seine Position einen unglaublich großen Werkzeugkoffer mit. Er hat ein Ballhandling wie ein Guard, hat ein Auge wie wahrscheinlich die besten Point Guards der Liga und versteht einfach das Spiel. Dazu hat er noch einen soliden Wurf von außen. Also das komplette Paket. Wir hoffen, dass er sich schnell an die Physis in der BBL gewöhnen wird und dann wird er ein Spieler sein, der überraschen und den gegnerischen Mannschaften Probleme bereiten wird, weil er von Small Forward bis Center alles spielen kann.

Ich habe ihn bislang auch nur in der Summer League gesehen. Dort ist er mir vor allem in der Defense positiv aufgefallen. Er ist beweglich und hat auch in Korbnähe viele Würfe erschwert. Waren seine Fähigkeiten in der Verteidigung ebenfalls ein Grund, ihn zu verpflichten?

Ja, er hat eine extreme Länge, extrem lange Arme. Er kann von der Drei bis zur Fünf alles verteidigen. Das macht uns natürlich flexibler in der Verteidigung, auch was das Switchen von Blöcken angeht. Und gerade, wenn er auf der Drei spielt – ob neben Perry Ellis, Gabriel Olaseni, „Kreso“ Loncar, Johannes Richter –, haben wir durchaus Länge im Team. Wir können aber auch ganz klein gehen, indem wir mit drei Guards spielen. Also wir sind flexibel und er ist da ein wichtiger Faktor.

„Ich habe lieber einen Ballhandler zu viel auf dem Feld als einen zu wenig“

Zum anderen ist da Perry Ellis. Meinen Eindrücken in der Summer League und den Stats zufolge ist er kein typischer Stretch-Four. Bei seinen bisherigen Stationen hat er selten von draußen geworfen, konnte aber in der Vorbereitung von der Dreipunktelinie überzeugen. Wie planen Sie ihn ein?

Also Perry kann alles. Es ist richtig, dass er nicht der klassische Stretch-Four ist, den heutzutage jeder sucht. Also jemand, der etwa 2,05 Meter groß ist und von außen werfen kann. Perry hat eine unglaubliche Athletik. Ich glaube, dass er – ohne jetzt alle gesehen zu haben – mit der athletischste Power Forward in der Liga sein wird. Er hat sehr schnelle und flinke Beine. Er wird ähnlich wie Xavier Cooks Probleme für die gegnerische Verteidigung darstellen, weil er einen guten Drive zum Korb hat, der Wurf von außen hochprozentig ist und er auch in Korbnähe eine Menge kann.

Die Leistungen in der Summer League sind schwierig zu beurteilen. Dies gilt auch für seine Zeit in Cantù. Ich habe selbst drei Jahre lang in Norditalien gespielt [Wucherer spielte für Olimpia Milano, Pallacanestro Varese und Pallacanestro Treviso, Anm. d. Red.]. Ich weiß daher, dass das nicht einfach ist dort. Aber er hat in Australien eine tolle Saison gespielt und vor allem eine unglaubliche College-Karriere an einer renommierten Universität in Kansas hingelegt. Er hat dort vier Jahre lang viele Minuten gespielt. Perry macht kaum Fehler, ist ein extrem ruhiger Typ und ein guter Arbeiter. Also eigentlich ein Traum für jeden Coach.

Kommen wir zum Spielsystem. Ich habe in Rhöndorf kurz mit Cameron Wells gesprochen, der meinte, dass das Konzept so ziemlich dasselbe sei wie in Gießen. Sie haben dort auch häufig mit Drei-Guard-Lineups gearbeitet. Nun haben Sie neben den vier Guards mit Xavier Cooks einen weiteren Ballhandler auf den Forward-Positionen. Können wir also in Würzburg ein ähnliches System wie zu Ihrer Zeit in Gießen erwarten?

Ja, es ist so ein bisschen unsere bzw. meine Philosophie, dass ich lieber einen Ballhandler zu viel auf dem Feld habe als einen zu wenig. Das soll uns flexibel machen und weniger leicht auszurechnen. Wir haben mit Skyler Bowlin, Cameron Wells, Jordan Hulls und Brad Lösing vier Jungs, die klassisch die Eins spielen, aber zum Teil auch auf die Zwei rutschen können. Und dazu wie gesagt noch Xavier Cooks, der alles kann. Diese Philosophie hat in Gießen funktioniert. Ich glaube, hier kann es noch besser funktionieren, weil die Qualität der Spieler noch höher ist und wir noch mehr Schützen und Waffen auf dem Feld haben. Ich glaube, dass wir in jedem Spiel in der Lage sein werden, 90 Punkte zu erzielen. Das macht unseren Job natürlich einfacher.

Sie haben in Gießen auch häufig kleine Aufstellungen aufs Feld geschickt. Ist das einfach ihre Vorstellung vom modernen Basketball oder war das dem Umstand geschuldet, dass größere Big Men teurer sind und nicht zu bezahlen waren?

Die Zeiten, in denen die großen Spieler so richtig teuer sind, wandeln sich glaube ich etwas, weil diese typischen großen Brett-Center von früher so ein bisschen im Aussterben begriffen sind. Es gibt sie zwar immer noch, aber heute müssen die Bigs vor allem athletisch sein. Sie müssen gut zu Fuß sein, Blöcke stellen, schnell abrollen. Sie müssen viel arbeiten. Es kommt nur noch selten vor, dass man dem großen Center im Low Post den Ball gibt und der dann mit dem Rücken zum Korb agiert. Insofern hat sich da auch ein bisschen was getan.

Grundsätzlich ist Gießen mit Würzburg nur bedingt zu vergleichen. In Gießen bestand die Vorgabe aufgrund des Budgets darin, nicht abzusteigen. Dass wir an den Playoffs gekratzt haben, okay, da haben wir einiges richtig gemacht. Dieses Jahr haben wir ein Budget, mit dem es realistisch ist, in die Playoffs zu kommen oder zumindest von Anfang an darum mitzuspielen. Und so haben wir die Mannschaft zusammengestellt. Wir haben somit deutlich mehr Qualität geholt als ich das aus Gießener Zeit gewohnt war. Wir Coaches merken jetzt schon in der Vorbereitung in den Spielen gegen EuroLeague- oder EuroCup-Teilnehmer wie Anadolu Efes und Brescia, dass wir eine Qualität haben, mit der es Spaß machen wird, in die Saison zu starten.

Bedeutet das, dass Sie einen weniger athletischen Center wie beispielsweise John Bryant nicht verpflichten würden, selbst wenn er ins Budget passen würde?

Wenn man die Möglichkeit hat, John Bryant im Team zu haben, dann sollte man zuschlagen. Dafür bringt er zu viel Qualität mit, was den Wurf, das Spielverständnis und die Masse angeht. Man müsste dann natürlich schauen, dass man seine Philosophie und sein Spielstil anpasst. Ingo Freyer zeigt ja, dass das geht. Er galt ja als Trainer, der eher schnell spielen lässt. Jemand, der schnelle Center hat und fünf Leute aufstellt, die rennen. Ein bisschen Richtung „Run and gun“. Er hat letzte Saison mit John Bryant einen großartigen Job gemacht und wird das dieses Jahr auch wieder machen. Also ich würde da nicht nein sagen.

Defensiv müsste man sich aber auch daran anpassen, zum Beispiel die Pick-and-Roll-Verteidigung umstellen.

Absolut. Wenn man so einen Spieler haben würde, wäre das dann die Hauptaufgabe: Wie kann ich ein System entwickeln, das zu der Mannschaft und zu John Bryant passt und mit dem man erfolgreich verteidigen kann?

Sie haben mit Gabriel Olaseni einen Center verpflichtet, für den es zuletzt durchwachsen lief. Was macht Sie optimistisch, dass er wieder an seine Leistungen in Gießen anknüpfen kann?

Die letzten beiden Jahre waren keine guten Stationen für ihn, weder auf Sardinien in Sassari noch in Spanien bei Fuenlabrada. Er war dort nur zweite, teilweise sogar nur dritte Wahl. Er muss spielen und braucht Selbstbewusstsein. Ich glaube, dass er defensiv zu den besten Centern der BBL gehören wird. Er muss schauen, dass er im Angriff ein Selbstbewusstsein entwickelt, um dort ebenfalls durchschlagskräftig zu sein. Seine Tendenz ist immer noch, den Extra-Pass zu spielen und das ist eine große Qualität von ihm. Aber wir brauchen ihn auch in der Zone. Dadurch, dass wir so viele Waffen auf dem Flügel haben, wird er genug Platz unter dem Korb haben, um dort ein wichtiger Faktor zu sein.

„Bamberg ist für mich vielleicht sogar der Favorit“

Was mich noch interessieren würde: Auf welche zwei oder drei Stats schauen Sie als erstes, wenn Sie sich nach dem Spiel den Boxscore ansehen?

Wenn man ungefähr 20 Assists und nur 10 Turnover hat, dann hat man glaube ich eine gute Chance, das Spiel zu gewinnen. Das sind zwei Grundzahlen, die wir anpeilen. Denn 20 Assists sprechen auch dafür, dass wir den Ball laufen lassen und den freien Mann finden. Dass wir den Extra-Pass spielen und zusammenspielen. Das sind Dinge, die mir wichtig sind. Wenn das nicht passt und es Richtung 10 Assists und 20 Turnover tendiert, muss man schon sehr gute Wurfquoten haben, um zu gewinnen.

Außerdem ist es für mich wichtig, dass wir die Last nicht auf eine Schulter legen, sondern sie verteilen. Ich glaube, das wird dieses Jahr der Fall sein. Natürlich können Jungs wie Ellis, Cooks, Wells oder Hulls auch mal 20 auflegen, aber ich denke eher, dass wir fünf bis sechs Spieler haben, die zweistellig punkten. Wir können die Scoring-Last auf viele Schultern legen und das wird auch gut so sein.

Gibt es sonst noch Dinge außer dem Ergebnis, auf die Wert legen? Dinge, wo Sie sagen „Wir haben zwar verloren, aber das haben wir gut gemacht, deshalb bin ich zufrieden“?

Wir werden definitiv auch gute Spiele machen und trotzdem verlieren, weil es in der BBL mittlerweile Mannschaften mit einem hohen Budget gibt und daraus resultiert natürlich eine großartige Qualität. Ich denke da an Vereine wie München, Bamberg, Berlin, Ludwigsburg und Oldenburg. Das sind alles Teams mit viel Substanz. Da wird man auch mal gut spielen und verlieren. Die BBL ist mittlerweile extrem stark. Man muss mittlerweile gegen jeden Gegner – egal ob das Bayern München oder Crailsheim ist – gut spielen, um zu gewinnen. Wenn du keinen guten Tag hast, wirst du im Regelfall verlieren. Insofern ist das eine tolle Herausforderung.

Einige rechnen damit, dass Bayern, Berlin und Bamberg die ersten drei Plätze unter sich ausmachen und dahinter acht oder neun Vereine um die restlichen Playoff-Plätze kämpfen. Sehen Sie das auch so?

Ich bin der Meinung, dass Bamberg ohne die Belastung mit den EuroLeague-Spielen in der kommenden Saison eine deutlich bessere Rolle spielen wird. Sie haben wieder eine großartige Mannschaft zusammen. Sie sind für mich vielleicht sogar der Favorit, weil nicht abzusehen ist, wie Bayern München mit der Belastung der 30 EuroLeague-Spiele zurechtkommen wird. Wie schwer das ist, hat man in den letzten Jahren bei Bamberg gesehen.

Und dann ist es glaube ich tatsächlich so, dass es zwölf oder sogar noch mehr Mannschaften gibt, die sich berechtigte Hoffnungen darauf machen, am Ende, wenn es richtig Spaß macht, bei den Playoffs dabei zu sein. In der Regel gibt es einen Ausreißer nach oben und einen nach unten. Der nach unten wird nicht wieder Ulm sein. Mannschaften wie Göttingen, Jena, Braunschweig und Gießen werden wieder eine große Rolle spielen. Das sind Teams, die sich im letzten Jahr schon gut präsentiert haben und jetzt darauf aufbauen können, weil sie zum Teil zusammengeblieben sind. Der Kampf um die Playoffs wird höchst spannend und hoffentlich können wir da ein Wörtchen mitreden.

Sie sprechen den Europapokal an. Auch in Würzburg fragen sich manche Fans, warum man diese zusätzliche Belastung auf sich genommen hat. Oldenburg hat ja freiwillig auf die Teilnahme am FIBA Europe Cup verzichtet. Was waren Ihre Gründe für die Teilnahme an dem Wettbewerb?

Die Oldenburger werden ihre eigenen Gründe haben. Für uns ist es wichtig, dass sich diese neu formierte Mannschaft noch mehr findet. Dabei helfen die sechs weiteren Spiele im Oktober und November. Wir wissen, dass der Fokus auf der BBL liegt. Wir wollen die Spiele im FIBA Europe Cup natürlich gewinnen, aber wir werden sie vor allem nutzen, um uns noch schneller einzuspielen und um auf ein Niveau zu kommen, das es uns ermöglicht, gegen jedes Team in der Liga eine Siegchance zu haben.

Zudem sind solche Reisen immer gut für die Chemie in einer Mannschaft. Dadurch wächst man noch mehr zusammen. Nicht nur auf dem Feld, sondern während der ganzen drei Tage, die man eng zusammen ist. Wenn man dann zurückkommt und ein schwieriges Spiel vor der Brust hat, schweißt das auch zusammen. Außerdem verkürzt das die Monate Oktober, November und vielleicht auch Dezember – je nachdem, wie weit es geht.

Für viele Spieler, die wir rekrutiert haben, war das auch einer der Gründe, sich für uns zu entscheiden. Wir haben ihnen gesagt, dass wir alles daran setzen werden, europäisch zu spielen. Damals konnten wir noch nicht absehen, ob wir in eine Qualifikation müssen oder gesetzt sind. Wir konnten es nicht garantieren, aber wir wollten es. Außerdem gibt es in Würzburg große Pläne mit einer neuen Arena in zwei Jahren. Der Verein will mittelfristig regelmäßig in den Playoffs vertreten sein und international spielen. Da ist es glaube ich wichtig, dass man früh genug da reinschnuppert und Erfahrungen sammelt, nicht nur als Team, sondern auch als Team hinter dem Team, zum Beispiel der Geschäftsstelle.

„Ich fand die Nationalmannschaftsfenster damals nicht schlecht“

In der BBL ist das große Ziel, die Playoffs zu erreichen. Wurde bereits ein sportliches Ziel für die Europapokal-Saison ausgegeben?

Ja, wir würden gerne die erste Gruppenphase überstehen und in die zweite Gruppenphase einziehen. Dort steigt das Niveau noch einmal an. Das macht das Ganze sehr interessant. Und dann schauen wir mal, was passiert. Wenn es nur sechs Spiele werden, dann ist es so. Aber wir hätten gerne, dass danach noch eine Gruppenphase kommt und wir bis in den Januar hinein mitmachen dürfen. Das würde uns gefallen und ich glaube auch, dass wir das von der Tiefe des Teams stemmen können, wenn wir von Verletzungen halbwegs verschont bleiben.

Eine zusätzliche Belastung stellen die Nationalmannschaftsfenster dar. Wie sieht Ihre Meinung zu diesem Thema aus?

Da sind wir weitestgehend von verschont. Eine Ausnahme ist Olaseni, der für Großbritannien spielt. Für uns wird das eine willkommene Möglichkeit sein, sich ein bisschen zu erholen, Kräfte zu sammeln und mal drei oder vier Tage frei zu geben – gerade im Hinblick auf die Doppelbelastung mit Bundesliga und FIBA Europe Cup. Insofern ist das für mich als Coach okay. Vielleicht kriegt sogar der Trainerstab mal zwei oder drei Tage frei und wir kommen in die Berge zum Skifahren. Das ist so ein Standard von mir, dass ich während der Saison zwei Tage in den Bergen bin, um frische Luft zu schnappen und die eine oder andere Piste runterzufahren. Die Spieler dürfen das natürlich nicht. (lacht)

Prinzipiell kenne ich es aus meiner Zeit als Spieler, als wir im Januar und Februar diese Nationalmannschaftsfenster hatten. Aus Spielersicht fand ich es damals nicht schlecht. Es war eine willkommene Abwechslung vom Alltag, andere Gesichter und eine andere Mannschaft zu sehen. Mir hat das damals sehr gefallen. Ich glaube aber, dass diese zwei Fenster schon sehr viel Druck auf den Spielplan ausüben. Es macht die Saison auch noch länger, weil das letzte Endspiel meines Wissens erst Ende Juni ist. Das bedeutet schon eine Mehrbelastung für alle Beteiligten. Insofern weiß ich nicht, ob es aus Spielersicht unbedingt eine gute Entscheidung ist. Ich fand auch dieses Kompakte im Sommer gut – sei es ein Turnier oder eine Qualifikation.

Ich kann das Argument verstehen, dass man mehr Präsenz der Nationalmannschaften während der Saison möchte. Wenn allerdings die Spieler aus der EuroLeague und der NBA nicht dabei sind, ist der Wert zumindest nicht der, der er sein könnte, wenn man die Spiele im Sommer macht.

Dirk Bauermann hat vor seinem Abschied die verbesserten Strukturen im Verein betont. Dazu gehörte eine engere Bindung des BBL-Teams zum ProB-Team und zu den Jugendmannschaften inklusive einheitlicher Trainings- und Spielkonzeption. Wie sehen die nächsten Schritte aus?

Ich glaube, dass der Standort Würzburg weiter wächst. Das sieht man zum Beispiel am Trainingskomplex. Für mich als Ex-Gießener ist es ein absoluter Traum, hier zu arbeiten. Wir haben den Athletikbereich noch einmal grundsätzlich verändert und viel in diesen investiert, damit auch dieser auf dem Standard 2018 ist. Wir können somit Athletik- oder basketballnahes Athletiktraining machen, wie es heutzutage der Fall ist, also keine Geräte mehr aus den 80ern. Wir haben mit Philipp Burneckas zum ersten Mal einen hauptamtlichen Athletiktrainer. Auch da gehen also wir in die richtige Richtung.

Zudem haben wir Eric Detlev als Leiter der Akademie und Head Coach der ProB-Mannschaft für uns gewonnen, was eine ganz wichtige Verpflichtung für den Verein ist. Er hat vorher bei den FRAPORT SKYLINERS jahrelang die Entwicklung toller Spieler wie Johannes Voigtmann oder Danilo Barthel mitgemacht und geprägt. Daran erkennt man, dass wir den Verein sowie die Qualität der Akademie und des Jugendprogramms mit ProB-, NBBL- und JBBL-Team weiter nach vorne bringen wollen. Wir wollen da täglich und von Saison zu Saison besser werden.

Zudem haben wir mit Badu Buck und vor allem Fynn Fischer zwei Nachwuchsspieler aus Berlin bzw. München verpflichtet, die wir ausbilden wollen. Das war ein erster Schritt, aber wir hoffen natürlich, von nun an jährlich Spieler für uns zu gewinnen, die der Meinung sind, dass Würzburg der richtige Ort ist, um sich zum Bundesligaspieler zu entwickeln. Das ist bisher nicht unbedingt der Fall gewesen. Das Ziel ist, dass wir uns deutschlandweit ein gewisses Renommee erarbeiten, damit junge Spieler wissen, dass sie in Würzburg richtig aufgehoben sind. Es liegt noch eine Menge Arbeit vor uns, aber wir sind mit der Akademie auf dem richtigen Weg.

Sie haben angesprochen, dass Würzburg große Pläne hat. Zu einer Entwicklung gehört aber vielleicht auch ein gewisses Maß an Kontinuität. Viele Anhänger finden es schade, dass in den letzten Jahren die Kader regelmäßig fast komplett ausgetauscht wurden. Ist der Aufbau eines Teams über einen längeren Zeitraum auch etwas, was Sie sich auf die Fahne geschrieben haben?

Konstanz kommt mit dem Erfolg. Ich selbst habe einen Zweijahresvertrag unterschrieben. Zudem steht auch fünf Spieler für zwei Jahre unter Vertrag: Wells, Bowlin, Lösing, Johannes Richter und Florian Koch. Das ist ein erstes Zeichen, nicht nur für die Fans, sondern natürlich auch für uns. Das zeigt, dass wir Spieler zu uns holen, an die wir glauben und von deren Qualität wir überzeugt sind. Zudem beweist es, dass die Spieler richtig Bock haben und glauben, hier richtig aufgehoben zu sein. Damit haben wir schon einmal einen Kern für die Saison 2019/20. Hinzu kommen die Jugendspieler. Und jetzt schauen wir mal, wie sich die Saison entwickelt in der Hoffnung, dass wir vielleicht noch den einen oder anderen Spieler frühzeitig weiter an uns binden können, sodass wir auch im nächsten Jahr ein Gesicht haben, das die Fans wiedererkennen.

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