Von rekordschießenden Zauberern und balldominaten RIESEN

Halbzeit in der BBL, Zeit für Zahlen: Die HAKRO Merlins Crailsheim ballern sich auf Rekordkurs, Konsti Konga ist geizig mit dem Ball, und Jovan Novak ist weiter der König unter den Einbeinigen.

Crailsheim: mit Dreiern auf Rekordkurs

Nach RASTA Vechta in der vergangenen Saison schreiben in dieser Spielzeit die HAKRO Merlins Crailsheim die Cinderella-Story der BBL. Während sich die RASTAner unter Head Coach Pedro Calles vor allem dank einer starken Verteidigung für die Endrunde 2019 qualifiziert hatten, befinden sich die Zauberer von Trainer Tuomas Iisalo vor allem auf Grund ihrer Offensive auf Playoff-Kurs.

Die Merlins exerzieren die vielleicht beste Ballbewegung der Liga, tun dies aus einem facettenreichen Playbook, und verstehen es, erspielte Vorteile aufrechtzuerhalten. Das Resultat dieser Ballbewegung: Dreier, sehr viele Dreier. 49,6% der Feldwürfe Crailsheims sind Distanzwürfe, womit Iisalo einen modernen Basketball spielen lässt – der zum Vergleich hierbei sogar die Houston Rockets aussticht (48,4% 3PAr). Somit befinden sich die Merlins auf BBL-Rekord-Kurs: 12,1 Dreier versenken die Zauberer pro Partie, 32,1 Dreier nehmen sie dabei im Schnitt – beides ist in der BBL-Historie unerreicht (seit der digitalen Datenerfassung 1999/2000).

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Ludwigsburg und Konga: geizig mit dem Ball

Nicht zuletzt dank des Sieges über den FC Bayern München, welcher damit die erste BBL-Saisonniederlage einstecken musste, treten die MHP RIESEN Ludwigsburg in dieser Spielzeit überzeugend auf. Wie eh und je lässt Trainer John Patrick mit einer aggressiven Ganzfeldpresse verteidigen, mit der sich Patrick einen Namen gemacht hat. Der „Guard-Terror“ verschiebt sich aber auch in die Offensive, wo mit Khadeen Carrington, Marcos Knight und Nick Weiler-Babb ein scoringstarkes Guard-Trio bereitsteht. Kein Dreigespann in der BBL legt mehr Punkte auf (46,9 PpG).

Bei einer so intensiven Spielweise könnte man annehmen, dass dies auf Kosten der Konzentration geht – und die Ludwigsburger beispielsweise öfter mal den Ball verlieren. Doch genau das Gegenteil ist zu beobachten: Mit 9,7 Ballverlusten pro Partie gehen die Schwaben geizig mit dem Ball um – sie geben ihn einfach nicht her. In der Ligahistorie ist es bislang nur einer Mannschaft geglückt, in einer Saison unter zehn Ballverluste zu verzeichnen: 1999/2000 den Telekom Baskets Bonn (9,0 TpG).

Hierbei sticht Konstantin Konga heraus: Der Guard hat in insgesamt 229:07 Minuten auf dem Parkett nur ein einziges Mal den Ball verloren! Damit dominiert Konga selbstredend die Königsdisziplin eines Aufbauspielers: das Assist-Turnover-Verhältnis. Bei 21:1 steht Konga hierbei, dahinter rangieren abgeschlagen Braydon Hobbs (4,7:1), Karsten Tadda (3,5:1), T.J. DiLeo (3,5:1) und James Robinson (3,5:1) (Jairus Lyles steht bei 7:1, hat aber erst drei Spiele absolviert).

„50 / 40 / 90“-Club: Koponen, Giffey, Wells

Geht es um die Einordnung von Wurfleistungen, öffnet man gerne die Türen des „50 / 40 / 90“-Club. 50 Prozent seiner Feld-, 40 Prozent seiner Drei-Punkte- und 90 Prozent seiner Freiwürfe zu versenken, gilt als Meisterstück eines Offensivspielers. Und wen findet man in dieser Saison im Effizienz-Club?

Mit Würzburgs Cameron Wells steht dort ein legitimer MVP-Kandidat, mit Berlins Niels Giffey ein deutscher Nationalspieler. Auch Petteri Koponen ballert sich in diesen Club. Von den Quoten her überschreiten auch Weißenfels’ David Brembly, Bonns Trey McKinney-Jones und Hamburgs Michael Carrera jene Marken, alle drei Spieler verzeichnen aber zu wenig Wurfversuche, als dass man sie aufnehmen könnte.

Hierzu ein Hinweis: Um sich in der NBA für den „50 / 40 / 90“-Club zu qualifizieren, muss ein Spieler ein paar Mindestvoraussetzungen erfüllen: in einer 82 Partien andauernden Saison 300 Würfe aus dem Feld, 82 von jenseits der Dreierlinie und 125 Freiwürfe verwandelt haben. Berücksichtig man die unterschiedlichen Spiellängen, würden sich in der BBL nach 16 Spieltagen folgende Voraussetzungen ergeben: 48 Feldtreffer, 13 Dreier und 20 Freiwürfe (streng genommen würde Koponen mit 46 Feldtreffern hier rausfallen, die Bayern haben aber auch erst 15 Partien absolviert). 

Spieler wie Crailsheims Sebastian Herrera, Weißenfels’ Michael Gbinije und Münchens Paul Zipser könnten im Saisonverlauf auch noch an die Tür des „50 / 40 / 90“-Clubs anklopfen.

SpielerFG%3FG%FT%TS%
Petteri Koponen56,157,792,678,3
Niels Giffey55,350,094,470,1
Cameron Wells56,552,892,367,1

Jordan Hulls: der beste Freiwerfer der Welt?

Apropos Wurfspezialisten: Auch wenn Jordan Hulls in dieser Saison noch nicht seinen Rhythmus von Downtown gefunden, an der Linie ist der Würzburger Guard eine Maschine. Womit MagentaSport-Kommentator Stefan Koch während eines Spiels die Frage aufwarf, ob Jordan Hulls der vielleicht beste Freiwerfer auf dem Planeten sei. In dieser Saison war Hulls mit 22 in Folge getroffenen Freiwürfen gestartet und hat mittlerweile 29 seiner 31 Versuche von der Linie verwandelt, was einer Quote von 93,6 Prozent entspricht.

Damit befindet sich Hulls knapp unter seinem Karrierewert: Als Profispieler hat der US-Amerikaner in seinen nunmehr sieben Jahren in Europa 342 von 365 Freiwürfen verwandelt – das sind unglaubliche 93,7 Prozent.

Zum Vergleich ein paar Spieler, mit ihren Statistiken Ende Oktober 2019: Jimmy Baron, der beste Freiwerfer der EuroCup-Geschichte (mit 97,1% FT), hat über seine Karriere als Profi in Europa 93,6 Prozent (730/780 FT) seiner Freiwürfe verwandelt.

Nando De Colo, der die EuroLeague anführt (93,8% FT), hat 91,7 Prozent (1815/1979 FT) von der Linie versenkt; Stephen Curry, der beste NBA-Freiwerfer, hat 90,5 Prozent (3074/3397 FT) eingenetzt.

Schauen wir in die WNBA, wird Hulls aber doch noch überboten: von Elena Delle Donne, die bei 94 Prozent (1081/1150 FT) von der Linie steht.

Jovan Novak: einbeinig, einmalig

Der einbeinige Dreier von Jovan Novak ist einer der prägendsten Würfe der BBL. Auch Thomas Klepeisz hat einen einbeinigen Dreier im Repertoire, wobei der Braunschweiger Guard weit wenig oft diesen Kunstwurf versucht als sein Pendant in Weißenfels. Mit beiden Guards hatten wir im Saisonverlauf gesprochen.

Seither wird Novaks Drei-Punkte-Wurf genau ausgewertet: wie oft wirft der Guard den Dreier ein-, wie oft beidbeinig? Und mit welcher Vorgehensweise ist er treffsicherer?

In der Tat wirft Novak besser, wenn er von einem Bein wirft! 16 seiner 44 einbeinigen Dreier hat Novak verwandelt, was einer Quote von 36,4 Prozent entspricht. Beidbeinig verwandelt er nur 32,3 Prozent seiner Dreier (10/31 3FG). Novak hat dabei 13 einbeinige Dreier mehr genommen als „normale“ Distanzwürfe (ein Dreier ist als Mittellinienwurf nicht berücksichtigt). In den vergangenen vier Partien hat er stets ein einbeinigen getroffen. Kein Wunder, dass Kinder in Novaks Heimatstadt im serbischen Vršac wegen ihm begonnen haben, auch von einem Bein zu werfen.

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