Ausgeglichener Aufgalopp

Die deutsche Basketball-Nationalmannschaft ist mit einem Sieg in den WM-Sommer gestartet. Das Team von Bundestrainer Henrik Rödl setzte sich mit 78:46 gegen Schweden durch. In der gut ausgelasteten Arena Trier setzte Rödl alle 13 Spieler aus seinem Kader ein.

Nicht dabei war Dennis Schröder, der wegen dringender persönlicher Angelegenheiten bis Dienstag noch in den USA verweilt. Am Tag zuvor hatte der Bundetrainer bereits Karim Jallow und Joshiko Saibou aus dem Kader gestrichen.

Schweden trat ohne Christopher Czerapowicz an, der das Team sowohl in der WM-Qualifikation als auch in der erfolgreichen Pre-Qualifikation zur EM-Quali bei Punkten und Effektivität anführte. Auch Berlins Neuzugang Marcus Eriksson fehlte auf Grund seiner Reha.

Einige Highlights beim ungefährdeten Sieg

So schickte Henrik Rödl zu Beginn eine unerwartete Starting Five aufs Feld. Maodo Lo, Paul Zipser, Robin Benzing, Maximilian Kleber standen Spalier für die ersten Punkte durch Daniel Theis‘ Dunk. Auch wenn zu Beginn noch viel Sand im Getriebe war, stellten die Schweden nie eine Gefahr da. Mit 16:7 endete das erste Viertel, in dem jeder deutsche Korb mit einem Assist vorbereitet wurde.

In den zweiten zehn Minuten wechselte Rödl vermehrt durch. In Richtung Halbzeit sorgten Lo und Zipser sowie Ismet Akpinar und Kleber für die Highlights per Alley-Oop. Beim 37:23-Pausenstand hatten alle Akteure bereits gespielt, und neun von ihnen einen der insgesamt zwölf Assists verteilt.

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Nach dem Seitenwechsel wurde das deutsche Angriffsspiel schneller und flüssiger. Die Schweden trafen in der gesamten Partie keinen ihrer 22 Dreierversuche und bestraften so die ein oder andere Schwäche in der deutschen Rotation nicht. Die Adlerträger bauten ihren Vorsprung auf 60:32 aus.

Nach einer langen Trainingswoche mit sieben Einheiten ließ im vierten Abschnitt dann etwas die Konzentration nach. Im Ergebnis schlug es sich nicht mehr nieder, 78:46 leuchtete am Ende auf der Anzeigetafel. Mit 14 Punkten zeigte Paul Zipser seine Scoringfähigkeiten. Bis auf Debütant Moritz Wagner konnten sich auch alle anderen Spieler mit drei bis neun Zählern im Scouting eintragen.

20 verschiedene Aufstellungen schickte der Bundestrainer dabei auf das Parkett, und keine Zusammenstellung wiederholte sich. Mit 9:29 Minuten stand Moritz Wagner am kürzesten auf dem Feld, Niels Giffey war der Dauerbrenner mit 20:15 Minuten. Von Anfang an standen dabei auch größere Formationen auf dem Feld, und auch später spielten oft zwei nominelle Small Forwards zugleich.

„Ich hab natürlich schon darauf geguckt, mal zu sehen, wie solche Situationen aussehen. Ich denke, mit Paul, Niels und Robin [Benzing] haben wir drei Spieler, die extrem vielseitig sind und in ihren Vereinen in der Saison auch mal auf der Vier gespielt haben. Ich wollte sie gerne auch mal zusammen auf dem Flügel haben. Vor allem mit einem Guard wie Dennis Schröder, wo es keine Probleme mit dem Ballvortrag gibt und der kreieren kann. Dann mal zwei von den dreien außen zu haben, finde ich sehr spannend. Wie weit uns das trägt, werden wir in den nächsten Wochen sehen“, erklärte Rödl nach dem Spiel, dass dies nicht nur eine Notlösung durch Schröders Abstinenz war.

Wenig Erkenntnisse über den endgültigen WM-Kader

Während Spieler wie Schröder, Theis, Kleber oder Lo gesetzt scheinen, sind einige Positionen für den endgültigen WM-Kader noch nicht klar besetzt. Rödl selbst sieht die Kaderplanung hinter dem Finden als Team und Finden zur gewünschten Spielkultur aktuell eher zweitrangig. Für die Zuschauer dürfte sich nach Paul Zipsers Leistung das womöglich kleine Fragezeichen über seinen Leistungsstand verflüchtigt haben.

Wizards-Power Forward Moritz Wagner zeigte sich sehr kommunikativ. In seiner ersten Defensivaktion verlor er allerdings seinen Gegenspieler kurz aus den Augen, der so zu einem freien Abschluss kam. Offensiv verfehlte sein einzige Wurf des Abends das Ziel. NBA-Teamkollege Isaac Bonga wurde im Spiel variabel eingesetzt, zeigte dabei aber auch so manche Leichtsinnsfehler. Defensiv leistete er sich vier Fouls und verweigerte in der Offensive beispielsweise den Abschluss für einen vermeidbaren Fehlpass. Der 19-Jährige bekam allerdings auch Lob vom Trainer für die Energie, die er einbrachte.

Moritz Wagner

Johannes Thiemann machte ein eher unauffälliges Spiel. Offensiv ist dem Berliner immer noch anzumerken, dass er nicht wieder bei seiner vollen Athletik ist. Der Center erarbeitete sich jedoch sechs Freiwürfe. Vereinskollege Niels Giffey ließ vor allem im Schlussabschnitt sein Können aufblitzen und holte sein Team aus der offensiven Flaute.

Andi Obst feierte einen gelungenen Einstand ins Spiel mit einem Treffer von Downtown, die folgenden drei Versuchen verfehlten ihr Ziel jedoch. In der Kombination mit Ismet Akpinar übernahm dessen Nachfolger in Ulm auch vermehrt den Spielaufbau. Akpinar selbst zeigte zwar seine Stärke beim Wurf nicht, war mit vier Assists aber zweitbester Vorlagengeber hinter Maodo Lo.

Aufgalopp vor dem ersten Härtetest in Hamburg

Das erste Länderspiel des Sommers war also mehr ein Trainingsspiel für das gesamte Team, als ein Ausscheidungsspiel für den WM-Kader. Henrik Rödl probierte viel aus und ließ sein Team nach der Sommerpause wieder in den Spielrhythmus finden. Gegen schwache Schweden gelang dies ohne große Erkenntnisse über die Leistungsstärke als Mannschaft.

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Die nächsten Schritte auf dem Weg nach China wird das DBB-Team nun in Hamburg machen, wenn auch ihr Star Dennis Schröder am Dienstag zum Team stoßen wird. Mit drei Spielen von Freitag bis Sonntag beim Supercup kann dann auch erstmals das harte WM-Programm simuliert werden. Mit Polen und Tschechien sind auch zwei weitere WM-Teilnehmer Gegner der deutschen Mannschaft.

Dort sollte sich dann auch herauskristallisieren, welcher Spieler nicht mit zur Akklimatisierung nach Japan fliegen wird. Die Spiele dürften dann schon mehr Aussagekraft über den Leistungsstand haben als der nette Auftakt am Sonntagabend.