Schröder, Kleber, Wagner und Co. vor Free-Agency-Start

Free Agents, Trade-Gerüchte, nicht garantierte Verträge – auch bei den deutschen Spielern in der NBA um Dennis Schröder, Maxi Kleber, Daniel Theis, Isaiah Hartenstein, Moritz Wagner und Isaac Bonga könnte es mit Beginn der Free Agency viel Bewegung geben. Eine Bestandsaufnahme.

Dennis Schröder (Oklahoma City Thunder)

Status: unter Vertrag; bis einschließlich 2020/21; verdient 2019/20 15,5 Millionen Dollar

Vom Starter eines Lottery-Teams zum Backup einer Playoff-Mannschaft. Dennis Schröder sah sich bei den Oklahoma City Thunder wieder neuen Umständen konfrontiert – dementsprechend dauerte es auch, bis er sich in seiner neuen Rolle zurechtgefunden hatte. In Schröder haben die Thunder den wohl besten Backup von Russell Westbrook in ihren Reihen – womit beide Guards auch häufig das Parkett teilten, vor allem in der Crunchtime. Dort bewies Schröder immer wieder, dass er mit der Rolle der Mikrowelle von der Bank etwas anzufangen weiß.

Dennoch hatten sich schon beim damaligen Trade Fragen gestellt, wie ein solches Duo mit ähnlicher Spielweise (stark beim Drive; schwach beim Spot-up-Shooting) harmonieren würde. Aus der Distanz waren die Thunder zu harmlos – das sollte das Front Office in dieser Offseason adressieren.

Mit hohen Gehaltsausgaben ist General Manager Sam Presti in seinen Möglichkeiten eingeschränkt. In der Vergangenheit hatten die Thunder bereits häufiger versucht, ihre Ausgaben zu drücken – so mag es nicht verwundern, dass es erste Trade-Gerüchte um Spieler mit höher dotierten Verträgen (außerhalb des Star-Duos Westbrook / Paul George) gegeben hat, um die Luxussteuer zu vermeiden oder zumindest zu verringern.  

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Die Großverdiener hinter Westbrook und George sind Steven Adams, Schröder, Andre Roberson und Jerami Grant. Den von Jake Fischer angesprochenen 21. Draft-Pick tradeten die Thunder zwar, erhielten dafür aber den 23. Pick – womit sie nur etwas mehr als 100.000 Dollar einsparen werden.

Zuletzt mehrten sich die Gerüchte vor allem um Adams, an dem die Boston Celtics interessiert sein sollen. Als traditioneller Big Man (kein Dreier; angreifbar in der Pick-and-Roll-Defense) sah sich Thunder-Coach Billy Donovan gezwungen, Adams in der Erstrundenserie gegen die Portland Trail Blazers immer wieder auf die Bank zu platzieren und stattdessen klein zu gehen.

Presti wird sich mit vielen Teams unterhalten, womit Schröder ein Trade-Kandidat bleiben wird. Im Vergleich zum Starter-Jahr in Atlanta hat sich Schröder defensiv gesteigert, auch sein Dreier fiel im Saisonverlauf besser (35,8% Prozent im Jahr 2019, Playoffs ausgenommen) – essentiell in einer Rolle hinter bzw. dann eben auch neben Westbrook.

Maxi Kleber (Dallas Mavericks)

Daniel Theis (Boston Celtics)

Status: werden Free Agents; bei gezogener Qualifiying Offer Restricted Free Agents mit 1,8 Millionen Dollar

Maxi Kleber und Daniel Theis sind unter den gleichen Vertragsbedingungen in die Offseason gegangen: Sie werden Free Agents. Ziehen ihre Teams jeweils die Qualifying Offer in Höhe von 1,8 Millionen Dollar (Deadline: 29.6.), werden beide Big Men Restricted Free Agents. Dann hätten die Dallas Mavericks und Boston Celtics das Recht, mit einem Vertragsangebot eines anderes Teams innerhalb von drei Tagen gleichzuziehen, um Kleber bzw. Theis zu halten. Zieht ein Team diese Qualifying Offer nicht, würde der Spieler zum Unrestricted Free Agent werden – und könnte bei einer Mannschaft seiner Wahl unterschreiben. Die Mavs zogen nun kürzlich ihre Qualifying Offer auf Kleber.

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Kleber hatte in der Vergangenheit öfter erklärt, dass er gerne bei den Dallas Mavericks bleiben würde. Als “Three and D”-Big Man würde Kleber auch aus Sicht der Mavs, als Frontcourt-Partner von Kristaps Porzingis, Sinn machen. In seinen ersten beiden NBA-Jahren hatte es Kleber sicherlich nicht einfach: Rookie unter Rick Carlisle, unterschiedliche Frontcourt-Partner, der Wechsel zwischen Starter- und Bankrolle sowie der würdevolle Abschied von Dirk Nowitzki – Kleber schien in Dallas keine hohe Priorität zu besitzen.

Dennoch ließ er die Skills eines modernen Big Man zwischen Verteidigung (auch gegen Ballhandler, Ringschutz) und Spacing (41% 3FG im Kalenderjahr 2019) aufblitzen; zudem passierte im zweiten Jahr Klebers bei den Mavs meist Gutes, wenn er auf dem Feld stand. Konstanz und eine genau definierte Rolle würden dem 27-Jährigen gut tun.

Die Mavs werden den Gehaltsspielraum haben, einen Star nach Texas zu locken. Einen Ballhandler oder Flügelspieler damit zu verpflichten (hier kommt ein Spieler wie Kemba Walker ins Spiel, an dem die Mavs Gerüchten zufolge interessiert sind), würde mehr Sinn machen als dieses Geld in einen Big Men zu investieren (siehe Al Horford). Je nachdem, welche Richtung die Mavs hierbei einschlagen, könnte dies auch Auswirkungen auf Kleber haben.

In Dallas würde Kleber derweil einiges mehr an Gehalt einstreichen. Er besitzt sogenannte “Early Bird Rights”, womit Kleber seinen Vertrag in Dallas mindestens um zwei Jahre verlängern und in seinem ersten Jahr rund 6,7 Millionen Dollar einstreichen würde.

Das Offseason-Schicksal zwischen den Dallas Mavericks und Boston Celtics ist in gewisser Hinsicht verbunden: Denn auch die Celtics sollen sich um Kemba Walker bemühen, der Kyrie Irving ersetzen würde – welcher sehr wahrscheinlich Boston verlassen (und eventuell bei den Brooklyn Nets unterschreiben) wird.

Auch ein Abgang von Horford scheint vorgezeichnet, nachdem der Big Man auf seine Spieleroption in Höhe von 30,1 Millionen Dollar verzichtet hat, um Free Agent zu werden. Derweil trennten sich die Celtics via Trade von Aron Baynes – womit die beiden Big Men vor Theis in der Center-Rotation nun nicht mehr im Kader Bostons stehen (werden).

Die Celtics sind ein Beispiel eines Teams gewesen, das vielleicht zu viele qualitativ hochwertige Spieler besitzt. Minutenverteilungen, Rotationen und dahingehend auch kleine Formationen (mit Horford oder Baynes als Center) hatten damit auch Auswirkungen auf Theis, der in seinem zweiten Jahr nicht konstant viele Minuten sah und teilweise auch aus den Rotationen rutschte. Letztlich machte der Center in seinem Sophomore-Jahr nicht die Fortschritte, die man nach seiner starken Rookie-Saison hätte vermuten können. Dies mag auch an seiner Verletzungspause während des Sommers gelegen haben.

Theis gibt einem Team offensiv einen starken Rim-Runner, der aber auch seine Limitationen hat (Spacing; Defense gegen physisch stärkere Big Men). Als vierte oder fünfte Big-Men-Option gibt er einem Team aber dennoch viel.

Die Celtics dürften insofern auch Interesse haben, mit Theis zu verlängern – dies wird aber weniger Priorität haben, als was die Celtics darüber hinaus – vor allem nach den wahrscheinlichen Abgängen von Irving und Horford – in der Free Agency anstellen. Aus Kostengründen für einen hoch dotierten Vertrag für Walker könnten die Celtics nämlich auch ihre Rechte an Theis abtreten, womit dieser zum Unrestricted Free Agent werden würde. Zurückkehren könnte Theis dann immer noch, aber nicht zu Bezügen, die ihm durch „Early Bird Rights“ eigentlich zustehen würden.

Isaiah Hartenstein Houston Rockets

Isaiah Hartenstein (Houston Rockets)

Status: nicht-garantierter Vertrag; wird ab 15. Juli garantiert, wenn nicht entlassen; verdient dann 2019/20 1,4 Millionen Dollar

Sind die Houston Rockets mit ihrer Offensividee der vielen Isolationen und dem Fokus auf die Ballhandler James Harden und Chris Paul gescheitert? Zumindest konnte man dies mit Blick auf die Abgänge einiger prominenter Assistant Coaches, der ausbleibenden Bekenntnis zu Head Coach Mike D’Antoni und Berichten über Unstimmigkeiten, was dieses Iso-System betrifft, vermuten.

Was für die Celtics unter Danny Ainge zutrifft, passt auf die Rockets unter Daryl Morey erst recht: Es handelt sich um eine Franchise, die pro-aktiv handelt und der in Sachen Trades sehr viel zuzutrauen ist. Einreißen? Oder doch noch einmal angreifen und sich beispielsweise mit einem dritten Star in Jimmy Butler verstärken?

Was das mit Isaiah Hartenstein zu tun hat? Der könnte mit kostengünstigen 1,4 Millionen Dollar vielleicht noch wichtig werden. So viel wird der 21-Jährige in der kommenden Saison verdienen, wenn sich bis zum 15. Juli nichts tut. Denn an jenem Tag wird Hartensteins Vertrag für die komplette Saison 2019/20 garantiert werden.

Wollen die Rockets wirklich Butler verpflichten, könnten sie sich von Spielern wie Clint Capela oder Eric Gordon trennen müssen (in einem Sign-and-Trade für Butler). Geht Capela wirklich (was mit seiner Stärke als Abroller in Pick-and-Rolls mit Harden überraschen sollte), und wird Nene Free Agent, stünden die Rockets ohne wirkliche Big Men da.

Für Hartenstein würde hierbei sein geringes Gehalt sprechen sowie, dass er das System kennt – durch ausgedehnte Zeit in der G-League. Dort dominierte Hartenstein und wurde zum Finals-MVP gewählt – inwieweit sich dies auf die NBA übertragen lässt, bliebe abzuwarten. Denn wirklich eine Chance hat Hartenstein in Houston bislang nicht erhalten (auch wenn seine Verteidigung gegen Kevin Durant fast schon viral ging). Das Anforderungsprofil eines Big Man im Rockets-System ist arg begrenzt, Shooting wird hierbei gar nicht benötigt. Hartenstein besitzt aber durchaus ein größeres Skill-Set als das eines bloßen Abrollers. Es wäre dem Nationalspieler zu wünschen, dass er dies 2019/20 auch öfter zeigen kann. Aber vielleicht modifizieren die Rockets ja auch ihr Offensivsystem und gehen weg von den vielen Eins-gegen-Eins-Aktionen.

Moritz Wagner Los Angeles Lakers

Moritz Wagner (Los Angeles Lakers)

Status: unter Vertrag; bis einschließlich 2021/22 (danach Restricted Free Agent); verdient 2019/20 2,1 Millionen Dollar

Isaac Bonga (Los Angeles Lakers)

Status: unter Vertrag; bis einschließlich 2020/21 (danach Restricted Free Agent); verdient 2019/20 1,4 Millionen Dollar

Während bei den genannten Teams noch die Gerüchte die Free Agency bestimmen, sind die Los Angeles Lakers bereits zur Tat geschritten: mit dem Trade von Superstar Anthony Davis. Die Monobraue nach Los Angeles zu holen, war noch gar nicht so sehr die Kunst; die wird vielmehr darin bestehen, den Kader zu komplettieren – haben die Lakers doch mit Davis, LeBron James, Kyle Kuzma, Moritz Wagner und Isaac Bonga gerade mal fünf Spieler mit garantierten Verträgen in ihren Reihen (im Draft zogen die Lakers nur einmal in der zweiten Runde).

Und dennoch tauchten auch Bonga und Wagner schon in Trade-Gerüchten auf – auch hierbei geht es um die Frage nach Geld und einen größeren Gehaltsspielraum, um einen dritten Star nach L.A. zu locken. Ob es Sinn macht, jenen Cap-Space in einen Spieler zu investieren statt in mehrere Rollenspieler, wenn sich die Kader bisher so unvollständig präsentiert, sei dahingestellt.

Derweil dürfte vor allem Wagner in seinem zweiten Jahr den Lakers auch sportlich etwas geben. Mit kompletter Saisonvorbereitung vor der Brust und den Spielanteilen in der Schlussphase der Saison im Rücken dürfte man vom Big Man einen Leistungssprung erwarten – vor allem mit seinem soliden Wurf für einen Center dürfte er eigentlich in das Konzept der Lakers passen. Für Isaac Bonga dürften ausgedehnte Backup-Minuten wahrscheinlich noch zu früh kommen.

Sowohl Wagner als auch Bonga waren im Draft 2018 Wunschspieler von Magic Johnson. Der ist bekanntermaßen nicht mehr im Amt, was die Zukunftsaussichten der beiden Deutschen bei den Lakers nicht gerade stärkt.

Letztlich veranschaulicht die ungewisse Lage beider auch, wie sehr die NBA eine Star-Liga ist und Spieler Ende der ersten oder zweiten Draft-Runde oft nur als Beiwerk in Trades gelten. Dirk Nowitzki führte den deutschen Basketball in der NBA zwei Jahrzehnte lang an und war als lebenslanger Mav ein Franchise-Spieler. Nach ihm ist die Quantität an deutschen Spielern gestiegen, welche aber mehr Rollenspieler sind – womit man sich auch aus deutscher Sicht an Wechsel und Gerüchte gewöhnen sollte.

UPDATE: Inzwischen wurden Wagner und Bonga von den Lakers zu den Washington Wizards getradet.