Franchise Fives: Indiana Pacers

„It’s Miller Time!“ Zugleich gilt: „Remember the ABA.“ In der All-Time Lineup der Indiana Pacers findet sich natürlich Reggie Miller, während sich in der ABA Roger Brown und George McGinnis einen Namen machten.

In einer lose fortlaufenden History-Serie stellen wir auf basketball.de die herausragenden Starting Fives aller 30 NBA-Franchises zusammen und zur Diskussion.

Neben den Startern werden im Hinblick auf 70 Jahre NBA (inklusive ABA) zudem ihre Backups sowie insgesamt 30 Head Coaches benannt.

Die „Auserwählten“ müssen mindestens vier Jahre für das jeweilige Team erfolgreich gespielt/gearbeitet haben. Dabei stehen ihre Leistungen für die betreffende Mannschaft und nicht die Gesamtkarrieren im Fokus. Auch müssen die Profis auf der Position zum Einsatz kommen, auf der sie für das jeweilige Team aufgelaufen sind.

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Die 1967 gegründeten Indiana Pacers waren die erfolgreichste und stabilste Franchise der ABA (1967-1976). In der innovativen NBA-Konkurrenzliga gewann das Vorzeigeteam aus Indianapolis 1970, 1972 und 1973 den Meistertitel. Auch nahmen die Pacers ununterbrochen an den ABA-Playoffs sowie weitere Male an den Finals teil (1969, 1975).

Nach der teuer erkauften Aufnahme in die NBA traten die Tempomacher über mehr als ein Jahrzehnt sportlich auf der Stelle. So wurde in Indiana zwischen 1976 und 1990 nur zweimal Postseason-Basketball gespielt (1981, 1987).

Anschließend gelang eine Umkehr der Verhältnisse, als die Pacers bis 2006 nur einmal die Endrunde verpassten. Angeführt von Franchise-Ikone Reggie Miller erreichte man sechsmal das Ostfinale. Im Jahr 2000 glückte gar der Sprung in die NBA-Finals.

Zur Mitte der aktuellen Dekade war ein weiteres Erfolgshoch zu verzeichnen, als die defensivstarke Mannschaft um Paul George, David West und George Hill zweimal in Folge in die Conference Finals vorstieß (2013, 2014).


Point Guard: Mark Jackson

Teamzugehörigkeit: 1994-1996, 1997-2000 | Kernstats: 8,4 PpG, 8,1 ApG, 3,8 RpG, 29,8 MpG

Mark Jackson verbrachte zwar nur fünfeinhalb Spielzeiten seiner 17-jährigen NBA-Karriere in Indiana – doch war der New Yorker als Anführer und Vorbereiter ein nicht zu unterschätzender Erfolgsgarant.

Als ballsicherer und passstarker Spielgestalter orchestrierte Jackson den Angriff der Tempomacher, die seinerzeit stets eine der effizientesten Offensiven der Liga stellten. Dabei bestach der Veteran als klassischer Pass-First Point Guard, der seine Mitspieler immer im Auge hatte und sie zur richtigen Zeit an rechter Stelle mustergütig bediente.

So war der Rookie des Jahres 1988 ein elitärer Ballverteiler, der den Spalding zuverlässig in die Hände seiner Nebenmänner legte und sie dadurch besser machte. Ein nennenswerter Scorer war der 1,85 Meter große Einser hingegen nie. Auch wenn er sporadisch den Dreier traf.

In der Saison 1996/97 führte „Action Jackson“ die NBA bei den Assists an (11,4 ApG), als er die neunjährige Vorherrschaft von John Stockton beendete. Das Kuriose daran: Im Sommer 1996 hatten die Pacers Jackson noch für Jalen Rose zu den Nuggets getradet – um ihn im Februar 1997 wieder zurückzuholen. Eine Korrektur, die sich auszahlte.

Unter Jacksons Regie zogen die Tempomacher fünfmal in die Playoffs ein; fünfmal gewannen sie mindestens 63 Prozent ihrer Spiele (was 52 Saisonsiegen entspricht). Dreimal mussten sich die Meisterschaftsmitbewerber erst im Ostfinale geschlagen geben (1995, 1998, 1999) – bevor sie im Jahr 2000 die NBA-Finals erreichten. In der Endspielserie hielten Jacksons Pacers gegen die überdominanten „ShaKobe“-Lakers mehr als gut mit. Doch mussten sie sich letzten Endes nach sechs Partien geschlagen geben.

Backup: Freddie Lewis (1967-1974, 1976/77: 16,1 PpG, 4,0 ApG, 3,9 RpG, 3x All-Star)


Shooting Guard: Reggie Miller

Teamzugehörigkeit: 1987-2005 | Kernstats: 18,2 PpG, 3,0 RpG, 3,0 ApG, 39,5% 3FG, 88,8% FT

Über fast zwei Dekaden war Reggie Miller das Gesicht der Pacers. 18 Profijahre verbrachte der Hall of Famer in Indiana. Fünfmal wurde er dabei in die All-Star-Auswahl berufen, dreimal stand er im All-NBA Third Team. 1996 vertrat er die Tempomacher zudem bei Olympia, als er mit Team USA in Atlanta unangefochten Gold gewann.

Vor allem aber war und bleibt „Uncle Reg“ einer der herausragenden Schützen und nervenstärksten Scorer der Liga-Geschichte. So hat er hinter Ray Allen die zweitmeisten Dreier eingenetzt, während er mit der elftbesten Freiwurf-Karrierequote aufwarten kann.

Einen Namen machte sich Miller Mitte der Neunziger in den NBA-Playoffs. Wiederholt trumpfte er seinerzeit auf großer Bühne als unnachahmlicher Clutch-Scorer auf – zum Leidwesen der Knickerbockers und der Fans im Madison Square Garden. Etwa schenkte er den New Yorkern im fünften Spiel der 94er Conference Finals allein im Schlussabschnitt 25 Punkte ein. Im Folgejahr, zum Auftakt der wiederum umkämpften Semifinals, waren es seine berüchtigten acht Zähler in nur 8,9 Sekunden.

Im Jahr 2000 führte Miller die Pacers zur ihrer bisher einzigen NBA-Finalteilnahme; auch weil er im entscheidenden sechsten Spiel des Ostfinales gegen die Knicks 34 Punkte einstreute (17 davon im Schlussviertel).

Der kaltblütige Shotmaker lebte für diese Playoff-Momente, wobei die Tempomacher mit ihm eine NBA-Konstante waren: In 18 Jahren verpassten sie nur dreimal die Postseason, sechsmal stand „Indy“ in den Conference Finals. Zur Einordnung: Bevor der drahtige Zwei-Meter-Mann aus Kalifornien in den Hoosier State kam, hatten die Pacers in elf Spielzeiten lediglich zweimal die Endrunde erreicht.

Wenig überraschend ist der Erfolgsbringer der Franchise-Leader bei den absolvierten Partien, erzielten Punkten, Dreiern und Freiwürfen sowie den verbuchten Assists, Steals und Win Shares (bei letzteren steht er auf dem 17. Rang aller ABA/NBA-Spieler).

Backup: Billy Knight (1974-1977, 1979-1983: 18,4 PpG, 5,9 RpG, 2,4 ApG, 51,3% FG, 2x All-Star)


Small Forward: Roger Brown

Teamzugehörigkeit: 1967-1974, 1975 | Kernstats: 18,0 PpG, 6,5 RpG, 4,0 ApG, 47,1% FG

Heute weithin vergessen, war Roger Brown ein kompletter Spieler, der während seiner Blütezeit zu den besten Basketballern zählte und wie Miller auf großer Bühne wiederholt hervortrat. 20,6 Punkte, 7,2 Rebounds und 4,5 Assists legte „The Rajah“ in seinen ersten fünf Saisons im Schnitt auf.

Dabei durfte Brown seine Profikarriere erst mit 25 Jahren starten, da ihm 1961 die Involvierung in einen Wettskandal vorgeworfen wurde. Infolgedessen ließ die University of Dayton einen der Top-Nachwuchsspieler der USA fallen; zumal ihn die NBA offiziell aussperrte und später in der Draft überging. Wohlgemerkt konnte Brown nie ein signifikantes Fehlverhalten nachgewiesen werden. Auch kam keine Anklage gegen ihn zustande. Denn mit dem Wettbetrug hatte er schlicht nichts zu tun. Eine NBA-Karriere blieb der New Yorker Playground-Legende dennoch verwehrt.

Dass Brown 1967 als erster Profi der Franchise-Historie von den Pacers unter Vertrag genommen wurde, hatte er Oscar Robertson zu verdanken, der für ihn Lobbyarbeit betrieb. Eine Chance, die der dreifache All-Teamer und viermalige All-Star eindrucksvoll nutzte. Fünfmal stand Brown mit den Tempomachern in den Finals, dreimal holte er mit dem ABA-Vorzeigeteam als Führungsspieler den Titel (1970, 1972, 1973)

Besonders 1970 ragte der 1,96 Meter große Swingman aus Brooklyn heraus, als er in den Playoffs zum MVP avancierte. 28,5 Zähler, 10,1 Bretter und 5,6 Vorlagen markierte Brown seinerzeit. Wobei er in den letzten drei Finalpartien 53, 39 und 45 Punkte (inklusive rekordsetzende sieben Dreier) einstreute.

Spielerisch brillierte der athletisch-kräftige Flügelspieler vor allem als versierter Scorer, der im Eins-gegen-Eins dank seiner Finten kaum zu stoppen war, mühelos zum Korb zog und zudem über einen exzellenten Pullup-Jumper verfügte. Auch hatte Brown den in der ABA popularisierten Dreier als einer der ersten Spieler im Repertoire, welchen der smoothe Clutch-Scorer aus dem Catch-and-Shoot verlässlich traf (35,8% 3FG bei 68 Treffern in 110 Playoffpartien).

Zum Ende seiner Profikarriere war Brown in Indianapolis politisch aktiv und brachte sich später in der Community beständig ein. 1997 verstarb der ikonische Pacer, der „Indy“ zu seiner Heimat gemacht hatte, mit nur 54 Jahren an Leberkrebs. 2013 wurde „The Man with a Thousand Moves“ posthum in die Basketball Hall of Fame aufgenommen.

Backup: Paul George (2010-2017: 18,1 PpG, 6,3 RpG, 3,2 ApG, 1,7 SpG, 4x All-Star, 3x All-NBA)


Power Forward: George McGinnis

Teamzugehörigkeit: 1971-1975, 1980-1982 | Kernstats: 19,6 PpG, 10,7 RpG, 3,3 ApG, 1,8 SpG

Wie gut und dominant „Big George“ McGinnis war? In seinen drei All-Star- und All-ABA-Jahren (1973-1975) markierte der spielstarke Power Forward 27,7 Punkte, 13,9 Rebounds, 4,0 Assists und 2,2 Steals.

In der Saison 1974/75, als er zum Topscorer der ABA avancierte und gemeinsam mit Julius Erving als Co-MVP ausgezeichnet wurde, generierte McGinnis folgende Fabelwerte: 29,8 Zähler, 14,3 Bretter, 6,3 Vorlagen und 2,6 Ballgewinne. Und damit nicht genug: In den 75er Playoffs, als die Pacers zum fünften Mal in die Finals vorpreschten, legte er mit 32,3 Punkten, 15,9 Rebounds und 8,2 Assists noch eine Schippe drauf. Nicht zufällig wurde McGinnis seinerzeit wiederholt mit „Dr. J“ verglichen.

So war der vormalige „Indiana Mr. Basketball“ und Star der Hoosiers, der nach nur einer herausragenden College-Saison als 21-Jähriger für die Pacers debütierte, ein Ausnahmeathlet. Ein 2,03 Meter großer Powerplayer mit einem raren Mix aus Schnelligkeit, Agilität, Sprung- und Durchschlagskraft. Zumal McGinnis mit dem Ball umzugehen wusste und auch seine Mitspieler suchte.

Offensiv erhielt der „Hometown-Hero“, der in seinen ersten beiden Profijahren mit „Indy“ die Meisterschaft gewann, daher das grüne Licht und konnte schalten und walten, wie er wollte. Allerdings war McGinnis‘ physisches Spiel, das auf seiner Ausnahmeathletik basierte, keineswegs vollkommen. Denn er war ein unterdurchschnittlicher Schütze, welcher ohne Stützhand unorthodoxe einhändige Jumper warf sowie sich überaus anfällig für Ballverluste und Fouls zeigte (1973-1975 führte er die ABA bei den Turnovers an).

Während seiner Blütezeit wechselte „Big Mac“ 1975 als Free Agent in die NBA zu den Philadelphia 76ers. Dort lieferte er als All-Star und All-Teamer weiterhin ab und hievte die Sixers in die Playoffs. 1977, nun im Tandem mit „Dr. J“, gelang gar der Verstoß in die Finals, wo man unglücklich den Trail Blazers unterlag.

Später machte McGinnis noch in Denver Station, bevor er 1980 zum Abschluss seiner Karriere nach „Indy“ zurückkehrte. Seit 2017 darf sich der beste Power Foward der Pacers-Historie Hall of Famer nennen.

Backup: Jermaine O’Neal (2000-2008: 18,6 PpG, 9,6 RpG, 2,0 ApG, 2,4 BpG, 6x All-Star, 3x All-NBA)


Center: Mel Daniels

Teamzugehörigkeit: 1968-1974 | Kernstats: 19,4 PpG, 16,0 RpG, 1,9 ApG, 1,6 BpG

Neben Miller, Brown und McGinnis ist Mel Daniels der vierte Pacers-Profi, dessen Trikotnummer zurück und unter die Hallendecke gezogen wurde. Und das zu Recht.

Denn der 2,06-Meter-Mann aus Michigan bildete als Top-Rebounder, emotionaler Anführer und ausgesprochener Teamplayer das Rückgrat dreier Meistermannschaften. Im Zuge dessen wurde Daniels, der 1968 als Rookie des Jahres nach Indiana kam, sechsmal in Serie in die All-Star-Auswahl berufen. Dreimal in Folge stand der Doppel-MVP (1969, 1971) im All-ABA First Team. Sonach war „Big Mel“ in den Anfangsjahren der ABA der wohl dominanteste Center der Liga.

Am defensiven Ende des Feldes bestach Daniels als harter Arbeiter, der stets einsatzvoll und physisch zu Werke ging sowie vor keiner Auseinandersetzung zurückschreckte. Ganz im Gegenteil. So darf der vormalige New Mexico Lobo zugleich als „Enforcer“ und damit auch als geschätzter Bodyguard seiner Mitspieler gelten.

Zudem blockte der Big Man Würfe, beschütze den Ring und putzte autoritär die Bretter. Sowohl in der Geschichte der ABA als auch in der Historie der Pacers hat kein Spieler mehr Rebounds als Daniels gepflückt.

Offensiv griff der energische Top-Rebounder ebenfalls reichlich Abpraller. Dabei verstand er es, seinen Körper am Korb und als Blocksteller gewinnbringend einzusetzen. Ein Finesse-Spieler war „Big Mel“ demnach nicht – auch wenn er einen verlässlichen Fadeaway-Jumper von der Baseline im Repertoire hatte.

Nach seiner Profikarriere agierte der Hall of Famer (2012) zunächst als Co-Trainer der Indiana State Sycamores um den jungen Larry Bird. Später kehrte er als Assistant Coach zu den Pacers zurück, für die er aber primär als „Director of Player Personnel“ im Front Office arbeitete (1986-2009). 2015 verstarb Daniels im Alter von 71 Jahren.

Backup: Rik Smits (1988-2000: 14,8 PpG, 6,1 RpG, 1,3 BpG, 50,7% FG, 1x All-Star)


Head Coach: Bob „Slick“ Leonard

Der mit Abstand langjährigste und erfolgreichste Cheftrainer der Franchise-Geschichte betreute die Pacers über zwölf Spielzeiten (1968-1980). Achtmal in Folge führte der Hall-of-Fame-Coach das Team in die ABA-Playoffs, wo die Pacers 59,5 Prozent der Partien und bei fünf Finalteilnahmen drei Meisterschaften gewannen (1970, 1972, 1973).

Bob Leonard, der aus Indiana stammt und 1953 als Captain mit den Hoosiers den NCAA-Titel errang, lief in der NBA über sieben Saisons als Point Guard auf (1956-63). Nach NBA-Trainerstationen in Chicago und Baltimore übernahm er mit nur 36 Jahren die Tempomacher, die er 1969 direkt in die ABA-Finals lenkte und als führungsstarker Menschenversteher zu einer eingeschworenen Erfolgsmannschaft formte.

Nach der teuer erkauften Aufnahme in die NBA (1976 für 3,2 Mio. US-Dollar), mit der sich die Pacers überschuldeten, standen sie 1977 vor der Pleite. Doch gemeinsam mit seiner Frau Nancy gelang es Leonard, durch einen Telethon das Überleben der Franchise zu sichern.

Ein Banner mit der Zahl 529, die Leonards Saisonsiege als Head Coach repräsentiert, hängt heute in „Indy“ unter dem Hallendach. Ab Mitte der Achtziger machte sich die Hoosier-Ikone als Radiokommentator der Tempomacher verdient. Sein Markenzeichen ist der unverwechselbare Ausruf „Boom, Baby!“ nach einem erfolgreichen Dreipunktewurf eines Pacers-Spielers.

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