Seiten aus dem Playbook: ratiopharm ulm unter Jaka Lakovic

Das heißeste Team am Ende der BBL-Hauptrunde: ratiopharm ulm geht zwar nur als Sechster, aber mit Rückenwind in die BBL-Playoffs. Was zeichnet das Team von Jaka Lakovic offensiv aus?

50,5. 43,1. 84,4. Diese Werte stehen für eine historische Saison von ratiopharm ulm. Mit einer Dreierquote von 43,1 Prozent und einer Freiwurfquote von 84,4 Prozent haben die Ulmer zwei neue BBL-Rekorde aufgestellt (seit der digitalen Datenerfassung zur Saison 1999/00). Hinzu kommt eine Feldwurfquote von 50,5 Prozent – womit das Team von Head Coach Jaka Lakovic eines von nur sechs Mannschaften ist, die eine „50 / 40 / 80“-Wurfsaison in die modernen BBL-Annalen geschrieben hat. Erreicht eine Mannschaft kollektiv diesen Heiligen Gral des Shootings, wird es in manchen Aktionen schon mal Spurs-esk …

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Seit dem Sommer 2019 steht Jaka Lakovic an der Seitenlinie von ratiopharm ulm. Seine Trainerkarriere begann der 42-Jährige in Spanien. Bei der slowenischen Nationalmannschaft hat Lakovic unter Igor Kokoskov gearbeitet. Und als Spieler lief der ehemalige Point Guard unter Trainerlegenden des Balkans wie Dusko Ivanovic oder Zeljko Obradovic auf. Lakovic wurde also von verschiedenen Stilen beeinflusst – was gut in die BBL passt. „Diese unterschiedlichen Ausprägungen sind eine Stärke unserer Liga“, sagte Ulms Sportdirektor Thorsten Leibenath in dem Zusammenhang im basketball.de-Interivew vor der Saison.

Lakovics erstes Jahr in Ulm stand auch unter dem Zeichen der Entwicklung von Killian Hayes: Die Ulmer gaben damals einem 18-jährigen NBA-Prospect viel Verantwortung – was sich mitsamt des Orange Campus und dem Fokus auf Nachwuchsarbeit auszahlen wird bzw. schon ausgezahlt hat.

Nach der Saisonunterbrechung änderte sich die Ulmer Offensivausrichtung beim Final-Turnier – auch durch die Neuzugänge Thomas Klepeisz und Dylan Osetkowski, deren Verpflichtungen auch hinsichtlich ihrer deutschen Pässe ein Coup gewesen sind.

Nach der aktuellen Hauptrunde rangierten die Ulmer zwar „nur“ auf dem sechsten Rang, wiesen aber das zweitbeste Net-Rating aller Teams auf – hinter dem Hauptrundenkrösus Ludwigsburg. Die Ulmer agierten also stärker, als es ihr Tabellenplatz vermuten lässt. Und neben dem Schwaben-Rivalen ist Ulm das einzige Team, das sowohl beim Offensiv- als auch beim Defensiv-Rating zu den vier besten Teams der Liga gehört. An dieser Stelle soll Lakovics Offensivsystem dieser Saison im Fokus stehen.

Dylan Osetkowski als Allrounder

Dylan Osetkowskis Vielseitigkeit zeigt sich nicht nur bei seinen Frisuren, sondern auch auf dem Parkett. Der 24-Jährige trägt das vielleicht vielseitigste Offensivpaket unter den BBL-Centern in seinem Rucksack. Osetkowski besitzt das Ballhandling, um das Pick-and-Roll zu initiieren (was die Ulmer in einem Einwurf-Spielzug beim Final-Turnier gezeigt haben), und kann als Blocksteller gleichermaßen hart abrollen als auch hinter die Dreierlinie poppen. Denn von Downtown hat der Big Man in dieser Saison hervorragende 42 Prozent eingenetzt. Beachtlich: Nahm Osetkowski in seinen 17 Spielen für die BG Göttingen 2019/20 nur insgesamt sieben Dreier, sind es in dieser BBL-Saison gut zwei Distanzwürfe pro Partie.

Ein statistischer Beweis Osetkowskis Allround-Fähigkeiten? Laut InStat nehmen sieben Play-Types (fasst man die jeweils beiden Aktionen als Blocksteller im Pick-and-Roll und die im Spot-up zusammen) eine Anteil von mindestens fünf Prozent ein!

In der Szene zu Beginn wurden Osetkowski Passfertigkeiten ersichtlich. In der Aktion gegen München ist beachtlich, wie Osetkowski als Abroller um die Position die Weakside-Schützen weiß und die Kontrolle behält, obwohl er den Pass in einer 180-Grad-Drehung anbringen muss.

Durch seine Passqualitäten und Wurfgefahr hält sich Osetkowski in der Ulmer Offensive immer wieder am Flügel auf. Dabei versteht es der Center, aus einem Spielzug auszubrechen bzw. die Verteidigung auf dem falschen Fuß zu erwischen, weil sie eine andere Aktion erwartet.

Im folgenden Video erhält Osetkowski zum Einstieg der Spielzüge den Ball am Flügel, an der Weakside scheinen die Ulmer eine Pin-Down-Aktion zu laufen. Doch Osetkowski hat den Blick zur anderen Seite und bedient in den ersten beiden Szenen den Baseline-Cutter. In der dritten Aktion cuttet Andi Obst – für den die Pin-Downs gestellt werden können – ebenfalls zum Korb und macht sich als Anspielstation für Osetkowski frei.

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Osetkowski bringt im Vergleich zur vergangenen Saison nicht nur durch sein Offensivspiel mit dem Gesicht zum Korb eine neue Dimension in die Ulmer Offensive, sondern auch mit seinem Post-up-Game. Von 5,6 auf immerhin 8,5 Prozent haben die Schwaben ihren Anteil an Post-Abschlüssen gesteigert, was vor allem auf Osetkowski zurückzuführen ist.

Am liebsten geht Osetkowski am Zonenrand mit seiner linken Schulter in seinen Gegenspieler, um daraus einen Jump-Hook anzubringen. Er besitzt aber auch die Skills, um sich über beide Seiten zu drehen und mit beiden Händen abzuschließen. Beim Jumper aus dem Post agiert Osetkowski nicht ganz so effizient, zudem könnte er dort noch mehr Fouls ziehen. Die Finesse, seine Gegenspieler aussteigen zu lassen, besitzt er allemal.

Lakovic hat auch einen Spielzug im Playbook, in dem Osetkowski an den Zonenrand geschickt wird. Ist der Back-Screen in der Zone gut gestellt, muss Osetkowski gar nicht in das Post-Spiel übergehen, sondern kann nach dem Pass direkt am Ring abschließen.

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Troy Caupain als Late-Season-MVP

Betrachtet man die Punkte pro Abschluss, ist aber nicht Osetkowski der effizienteste Ulmer Post-Spieler. Es ist auch nicht dessen Backup-Center Isaiah Wilkins, auch nicht Neuzugang Cameron Clark … sondern mit Troy Caupain der Starting-Point-Guard! 1,46 Punkte pro Possession erzielt Caupain in dieser Saison nach Post-up-Abschlüssen – ein unglaublich guter Wert.

Caupain mag hierbei nicht die Post-Moves eines Big Man im Repertoire haben, er überpowert aber seine körperlich unterlegenen Gegenspieler und zeigt sich geduldig genug, sein Dribblings bis nah am Ring aufrechtzuerhalten. Dabei schicken die Ulmer Caupain gerne in folgendem Spielzug an den Zonenrand, wenn er einen Cross-Screen an der Baseline erhält.

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Die erste Aktion mag eine Blaupause für die Ulmer Offensive sein – weil der Point Guard Caupain im Post agiert und der Center Osetkowski an der Dreierlinie steht und dort – erneut – als Passgeber für den Baseline-Cutter agiert. Diese Möglichkeit der Rollenverschiebung zwischen dem Guard-Center-Duo macht Lakovics Team so interessant.

Wie bei Osetkowski ist auch bei Caupain ein vielseitiges Offensivprofil auszumachen: Immerhin fünf Play-Types nehmen einen Anteil von mindestens 6,5 Prozent ein. Mit 1,46 Punkten pro Possessions aus dem Post-up (bei 6,5% Freq) und 1,04 Punkten pro Possession aus der Isolation (13,8% Freq) ist Caupain Ulms beste Eins-gegen-Eins-Option – was ihn für die Playoff-Viertelfinal-Serie gegen Oldenburg zum Schlüsselspieler machen lässt. So auch die Argumentation im BBL-Preview-Podcast.

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In den letzten acht Hauptrundenspielen legte Caupain hervorragende 20,3 Punkte, 5,6 Rebounds und 5,9 Assists pro Partie auf – und das, obwohl sein Backup Per Günther ausfiel und er noch mehr Verantwortung schultern musste. Im Pokal-Halbfinale glänzte Caupain mit einer „24 / 11 / 5“-Stat-Line. Hätte er zweieinhalb Minuten vor Ende der ersten Verlängerung nicht mit dem fünften Foul das Parkett verlassen müssen, hätte es sehr gut einen anderen Pokalsieger 2021 geben können.

Caupain agiert mit seiner Physis auch defensiv solide, hält seine Gegenspieler über die Saison bei einer Quote von 44 Prozent und agiert stark bei Closeouts. Offensiv besticht er im Schnellangriff, wo er neben seiner Physis durch Eurostep-Bewegung auch eine Finesse zur Schau stellt. Der 25-Jährige dürfte wohl der „Late-Season-MVP“ der BBL sein.

Die meisten Hand-Offs und die besten Ballhandler der Liga

Ohne Per Günther und Thomas Klepeisz mussten die Ulmer beim Pokal-Final-Turnier antreten – womit Jaka Lakovic eine große Stärke genommen wurde. Denn mit den beiden verletzten Guards, dem zuvor genannten Caupain sowie Andi Obst haben die Ulmer bei Normalzustand das offensiv vielleicht stärkste Guard-Quartett zur Verfügung, wenn es um das Pick-and-Roll-Spiel geht.

Die Ulmer Offensive wies mit 1,15 Punkten pro Possession die effizienteste Leistung auf, wenn die Ballführer im Pick-and-Roll direkt abgeschlossen haben. Rangierten die EWE Baskets Oldenburg (1,13 PPP) knapp dahinter, ist der Abstand zu den drittplatzierten MHP RIESEN Ludwigsburg (1,05 PPP) noch etwas größer als der zwischen dem Dritten und Neunten MBC (0,98 PPP).

Schon beim letztjährigen Final-Turnier fielen die Ulmer mit ihrem Guard-orientierten Spiel auf, das sich durch viel Ball- und Mannbewegung sowie zahlreiche Hand-Offs ausgezeichnet hat. Und auch in dieser Saison schließt keine Mannschaft häufiger nach Hand-Offs ab als Ulm. Immer wieder sieht man Obst, Klepeisz und Co. nach einem oder zwei Pin-Downs zur Spielfeldmitte rotieren, wo dann der Center den Ball an den Guard übergibt.

Oftmals muss aus solchen Hand-Offs aber kein direkter Ausstieg folgen, denn immer wieder agieren die Ulmer mit zwei, drei Hand-Offs, ehe es zum einem High-Pick-and-Roll kommt. Interessant ist, dass Lakovic auch an der Seite Hand-Offs laufen lässt. Schnell exerziert, beanspruchen die Hand-Offs die Aufmerksamkeit der Defense – am Ball, womit die Helpside-Defense nicht so schnell eingreifen kann.

„Es ist ihm wichtig, den Ball von der einen zur anderen Seite zu bewegen, die Verteidigung einmal bewegt zu haben“, erklärte Per Günther in einer Ausgabe des MagentaSport-Podcasts. „Die Idee an sich ist nichts Neues. Das machen viele andere Trainer aber eher über einen Pass – wir machen das eben oft über das Dribbling.“

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Viele Hand-Offs, was mit frühen Ausstiegen auch Spieler benötigt, die mit Ball in der Hand attackieren können. So schickt Jaka Lakovic gerne drei Ballhandler auf einmal auf das Parkett – was ebenso beim Final-Turnier zu beobachten war –, was sich (erneut) auszahlt:

Nimmt man die vier genannten Rotationsspieler Caupain, Günther, Klepeisz und Obst heran, dann weisen Lineups, in denen drei dieser Guards das Parkett geteilt haben, in der regulären BBL-Saison einen Plus-Minus-Wert von +60 in 198:46 Minuten auf. Auf ein 40 Minuten dauerndes Spiel gerechnet würde das bedeuten, das Ulm mit 14 Punkten Differenz gewinnt! Die am häufigsten eingesetzte Drei-Guard-Lineup ist übrigens die aus Caupain, Obst, Klepeisz, Heckmann, Osetkowski (+25 in 36:48 Minuten).

In dieser Lineup stehen vier der insgesamt sieben 40-Prozent-Dreierschützen Ulms, berücksichtigt man auch das Volumen (Heckmann lässt mit 34,3% 3FG etwas abreißen). Mit Andi Obst und Thomas Klepeisz sind dabei zwei Combo-Guards zu finden, die als Schützen ihre BBL-Karriere begonnen haben – die aber spätestens in Ulm ihr Offensivspiel mehr am Ball verlagert haben.

Thomas Klepeisz und Andreas Obst: Gravity der Schützen

Dennoch wird immer wieder ersichtlich, wie die Ulmer die beiden Combo-Guards auch bzw. vor allem ballabseits als Schützen einsetzen wollen. Das folgende Video zeigt eine Sequenz, wie Klepeisz und Obst entgegengesetzt durch die Zone laufen und an beiden Seiten durch Off-Ball-Screens die gegnerische Defensive auf Trab halten (der Einstieg erfolgt natürlich per Hand-Off). Bei dieser „Gravity“, die solch starke Schützen auf die Defense ausüben, mag Heckmann als ballferner Blocksteller nach seinem Cut ganz frei sein.

In der zweiten Aktion spielen die beiden zusammen. Dabei agiert Obst nach seinem Pass auf den um die Blöcke laufenden Klepeisz gut: Denn sein Verteidiger Jaleen Smith hilft kurz aus, Obst bleibt nach seinem Pass nicht stehen – sondern rotiert weiter vom Ball weg und macht sich so für einen offenen Dreier frei. Obsts Handbewegung verdeutlicht, dass diese Aktion aus dem Einwurfspielzug wohl genau so geplant gewesen war.

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Andi Obst ist nicht nur die effizienteste Ulmer Option aus dem Catch-and-Shoot und nach ballfernen Blöcken, der deutsche Nationalspieler ist auch der Ulmer Akteur, der am häufigsten nach einem Hand-Off abschließt. Dabei setzen die Ulmer den Guard gerne in folgendem Spielzug ein, aus dem er entweder direkt – samt Wurfschirm nach dem Hand-Off – abdrücken oder zum Korb ziehen kann.

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Das Element, vor dem Hand-Off selbst einen Back-Screen in der Zone zu stellen, findet man übrigens auch beim FC Bayern München (Vladimir Lucic agiert in solchen Aktionen).

Der Einstieg aus diesem Spielzug erfolgt per Iverson-Cut. Dabei schneidet ein Außenspieler – in der ersten Aktion John Petrucelli – auf Höhe der Freiwurflinie entlang, vom einen zum anderen Flügel, und erhält dabei zwei Cross-Screens hintereinander. Diesen Iverson-Cut findet man häufiger in der Ulmer Offensive.

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Übrigens: Per Günther erklärte im angesprochenen MagentaSport-Podcast, dass sich das Playbook Lakovics mit dem von Pedro Calles zu „vielleicht 90 Prozent“ ähnele. „Als wir Video gesichtet haben, war die Ansage, dass wir uns nur zwei Plays von Hamburg anschauen müssen – weil wir die anderen 15 Plays auch in unserem Playbook haben.“ So ist zumindest die letzte Aktion im vorherigen Video auch bei den Towers zu finden: der Einstieg per Iverson-Cut, das Side-Pick-and-Roll und der Pin-Down für einen Schützen auf der anderen Seite. Und auch generell lässt Calles einige Plays mit einem Iverson-Cut als Einstieg laufen.

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Auffällig in den Ulmer Szenen im vorherigen Video: Im Pick-and-Roll attackiert der Ballhandler oder passt auf den Abroller, anstatt auf den Pull-up-Jumper zu gehen. Der Dreier resultiert aus einer Off-Screen-Aktion. Überhaupt besticht die Ulmer Offensive bei Distanzwürfen eher durch Abschlüsse aus dem Catch-and-Shoot oder nach ballfernen Blöcken statt Pull-up-Jumpern – was die Abschlüsse umso effizienter macht. So gefällt die Shot Chart Ulms mit konstant starken Quoten von Downtown: Von allen fünf Positionen treffen die Ulmer mindestens 41 Prozent!

Cameron Clark als einer der besten Nachverpflichtungen

Zur Hand-Off-Offense hatte Per Günther im MagentaSport-Podcast klar gemacht: „Gegen Mannschaften, die uns das erlauben, haben wir große Vorteile. Wir haben aber genauso gemerkt, wie als wir gegen München gespielt und die ihre fünf Minuten in der BBL gehabt haben, als sie wirklich verteidigen wollen: Wenn unsere Hand-Offs gebrochen werden, haben wir manchmal Probleme.“

Vielleicht steht den Ulmern deswegen auch ein Spieler wie Cameron Clark gut zu Gesicht, den der Club Mitte Februar nachverpflichtet hatte. Schnell wurde ersichtlich, dass Clark ein gewisses Mismatch-Potential mit sich bringt: Auf beiden Forward-Positionen einsetzbar, wobei vor allem auf der Vier, hat Clark die Möglichkeit, zum einen aus dem Face-up nach schnellen Dribblings zum Mitteldistanzwurf hochzugehen. Zum anderen hat Clark auch das Post-up-Spiel im Repertoire, wenn er daraus den Turnaround-Jumper anbringt.

In erster Linie sollte Clark auch das Rebound-Spiel Ulms verbessern, doch der Forward hat gezeigt, dass er auch beim Scoring übernehmen kann – auch wenn seine Mitteldistanzwürfe nicht ganz so effizient daherkommen mögen. Die Ulmer haben derweil einen Spielzug, aus dem sie Clark an den Zonenrand schicken. Dabei stehen Clark als Vierer und der Center in der HORNS-Formation. Der Aufbauspieler bedient den Center und stellt danach einen Block für Clark, der zum Korb schneidet.

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Mit Caupain und Osetkowski offensive Allrounder auf der Eins und der Fünf, die in gewisser Weise die Rollen tauschen können. Dank Obst – dem effektivsten Spielern unter den Werfern – und Klepeisz designierte Schützen. Mit Drei-Guard-Lineups – wo auch Per Günther ins Spiel kommt – ein postmoderner Stil. Und nun mit Clark – durch sein Mistmatch-Potential und Midrange-Game – wieder eine neue Dimension: Die Ulmer Offensive ist nicht nur ansehnlich und dürfte bei der Auszeichnung des „Most Fun to Watch“-Teams einige Stimmen eingeheimst haben, sie ist auch enorm effizient – und hat sich von allen Playoff-Teams seit der Länderspielpause am stärksten verbessert: Um 2,7 Punkte pro 100 Possessions hat das Lakovic-Team sein Offensiv-Rating gesteigert.

Die Ulmer hatten ganz unterschiedliche Saisonphasen zu meistern: ein guter Rhythmus zu Saisonbeginn, auch dank des EuroCups, mit fünf Siegen zum Hauptrundenstart. Um den Jahreswechsel ein hartes Programm, dazu im März vier Niederlagen am Stück – als John Petrucelli als bester Verteidiger erst frisch von seiner dreimonatigen Verletzungspause zurückgekommen war und mit Cameron Clark der Neuzugang erst integriert werden musste. Zum Hauptrundenende feierten die Ulmer neun Siege am Stück und lieferten einen starken Pokal-Halbfinal-Auftritt gegen München ab. Verletzungssorgen beiseite, dürften die Ulmer von de BBL-Teams schon mit am stärksten in den Playoff-Modus geschaltet haben.


Alle Erweiterten Statistiken von InStat; Stand der Stats: 10. Mai 2021

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