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Ben Simmons: Der Franchiseplayer als Antithese

21.06.2016 || 15:11 Uhr von:
Ben Simmons gilt bereits seit Jahren als Top-Favorit auf den #1-Pick in der NBA Draft 2016. Doch der junge Big Man mit dem Skillset eines Aufbauspielers steht im Widerspruch zu dem Zeitgeist der modernen NBA-Offensiven.

Name: Benjamin „Ben“ Simmons
Position: Ballhandler/Big Man
College: Louisiana State Tigers
Größe: 2,08 m
Gewicht: 109 kg
Alter: 19 (20.07.1996)
Armspannweite: 2,13 m

Noch bevor die aktuelle College-Basketball-Saison überhaupt begonnen hat, schien bereits festzustehen, welcher Abgänger im Juli diesen Jahres als erstes Talent die Hand von Adam Silver schütteln darf: Ben Simmons. Der 19-Jährige galt nicht nur als das größte Talent seines Jahrgangs, sondern wurde auch in einem größeren Kontext als absoluter Ausnahmespieler gehandelt. Obligatorische „Next LeBron“-Stigmatisierung inklusive.

Seit seiner Ankunft im US-Bundesstaat Louisiana konnte Simmons dann auch die Herzen der LSU Tigers-Fans im Sturm erobern und mit wahnwitzigen Statistiken seinen Ruf als angehender NBA-Star scheinbar zementieren. 43 Punkte, 14 Rebounds, 7 Assists, 5 Steals und 3 Blocks im siebten College-Spiel seiner Karriere? Check. Eine Statline von 19,2 PpG, 11,8 RpG und 4,8 ApG nach 32 NCAA-Partien? Selbstverständlich.

Wer nach der Einzigartigkeit der College-Statistiken von Ben Simmons fragen möchte, der darf an dieser Stelle seinen erhobenen Zeigefinger gleich wieder senken. In den letzten 20 Jahren gab es in der NCAA nicht einen einzigen Spieler, der im Durchschnitt mindestens 18 Punkte, 10 Rebounds und 4 Assists auf das Scoreboard brachte. Dass Simmons dieses einzigartige Kunststück auch noch als College-Freshman in einer Power-Conference gelang, lässt erahnen, warum Hype und Hysterie um den jungen Australier zuweilen beängstigende Ausmaße angenommen haben.

„Don’t believe the Hype“ – die eindringlichen Worte von Chuck D hallen in diesem Zusammenhang nach und lassen uns nach der Validität und Robustheit der College-Statistiken von Simmons fragen. Welche Rückschlüsse lassen sich aus den – zugegebenermaßen – überragenden Statistiken bezüglich seines NBA-Potentials in der NBA ziehen? Wie lässt sich das Spiel von Simmons beschreiben und inwiefern kann der talentierte Jungspund in der Pace-and-Space-Ära in der NBA mit seinem speziellen Skillset überhaupt funktionieren? Denn in Zeiten von Four-Out – oder sogar besser noch – Five-Man-Out-Offensiven erscheint ein balldominanter Big Man ohne verlässlichen Mitteldistanz- bzw. Dreipunktwurf nicht unbedingt dem Idealtypus eines (Offense-) Franchiseplayers zu entsprechen.

Offense

Ben Simmons kann als ein „unorthodoxer“ Basketballer bezeichnet werden, der die Athletik und Physis eines Frontcourt-Spielers mit der Courtvision und den Ballhandling-Skills eines Backcourt-Spieler vereint. Basketball-Hybride wie Simmons gehören selbst in Zeiten des modernen, positionslosen „Skillball“ noch zu den Raritäten und sind daher ein gefragtes Gut. Dass der 19-Jährige seit seinen High School-Tagen mit LeBron James verglichen wird, lässt sich zum einen mit dem Faible der US-Sport-Medien zur Hype-Generierung erklären, und zum anderen mit der bereits erwähnten Mixtur aus Ballhandlingskills, Passspiel, Athletik und Physis. Das Offensivspiel des jungen „Point Forward“ muss somit primär aus der Perspektive seiner Einzigartigkeit beleuchtet werden.

Simmons liebt es als Ballhandler das Transition-Spiel zu forcieren und nach eingesammelten Defensiv-Rebounds oder Steals direkt auf Offensive umzuschalten. Sein sicherer Umgang mit dem Basketball – sowohl mit der linken als auch seiner „Off-Hand“ – erlaubt es ihm auch gegen einen aggressiven On-Ball-Verteidiger das Spielgerät in Windeseile in die gegnerische Hälfte zu bringen. In dieser Hinsicht ähnelt Simmons dem de facto-Aufbauspieler der Milwaukee Bucks, Giannis Antetokounmpo, der ebenfalls als Ballhandler in Fastbreak-Situationen augrund seiner Länge und Athletik brilliert. Der junge Australier weiß, dass die gegnerische Verteidigungen in der Transition-Defense ihm in erster Linie den direkten Drive durch die Mitte wegnehmen möchten und dadurch die Trailer auf den Außenbahnen Freiräume bekommen. Diese Mitspieler wusste Simmons in der vergangenen Saison immer wieder durch gezielte Kickout-Pässe hervorragend zu bedienen:

Auch wenn Simmons über eine gehörige Portion Uneigennützigkeit verfügt, ist er in Transition-Situationen ebenso auf der Suche nach dem aggressiven Drive zum Korb und dem eigenen Abschluss. Nicht selten ging Simmons mit dem Ball in der Hand coast-to-coast und schloss in Ringnähe per Floater, Lay-Up, running Hookshoot oder krachendem Slam Dunk ab:

Neben dem eigenen Ballvortrag in Fastbreak-Situationen kann Simmons auch durch schnelle und präzise Outlet-Pässe das Offensiv-Spiel seines Teams ankurbeln. Seine sehr gute Court-Vision und die notwendigen Passfertigkeiten erlauben es dem Australier Crosscourt-Pässe zu spielen, von denen viele „traditionelle“ Aufbauspieler nur träumen können. Die folgende Videosequenz kann getrost als „Paradebeispiel“ für einen perfekt getimten Outlet-Pass gelten:

Simmons sichert sich in dieser Sequenz den Defensiv-Rebound und spielt direkt einen so wohldosierten Outlet-Pass, den sein Mitspieler Jalyn Patterson ohne weiteres Dribbling in einen einfachen Lay-up ummünzen kann.

In einer Mannschaft wie den LSU Tigers anno 2015/16, die durch eine dysfunktionale Halbfeld-Offensive bestach, wurden die Stärken von Simmons im Transition-Spiel dringend benötigt. Egal ob als Ballhandler, Outlet-Passgeber nach Ballgewinnen oder athletischer Finisher – Simmons wusste immer dann am meisten zu überzeugen, wenn das Spiel schnell gemacht und die Transition-Offense forciert wurde.

Während in Fastbreak-Situationen das überbordende Talent von Simmons überdeutlich wird und seine Stärken gezielt zum Tragen kommen, lässt sich in der Halbfeld-Offensive ein wesentlich differenzierteres Bild vom Basketballer Ben Simmons zeichnen.

Am Anfang der Saison setzte LSU-Head Coach Johnny Jones seinen Starspieler oftmals als Ballhandler am Perimeter ein und ließ Simmons die Tigers-Offense initiieren. In Eins-gegen-Eins-Situationen (nächstes Video) konnte Simmons seine Gegenspieler dank eines schnellen ersten Schritts und verschiedenen Dribbling-Moves immer wieder schlagen.

Auch wenn in diesem Beispiel eine katastrophale (Non-)Help-Defense den Abschluss am Korb erst einmal ermöglicht, illustriert dieser Ausschnitt, dass Simmons mit einem schnellen Crossover seine Kontrahenten schlagen und nach einem Baseline-Drive auch finishen kann. Dass zu Saisonbeginn viele Mannschaften den LSU-Star am Perimeter noch eng deckten (zu der Shooting-Problematik kommen wir gleich noch ausführlicher), nutzte Simmons immer wieder durch Dribble-Drives aus. Der „Aussie“ bringt mit seinen Penetrations konstant ganze Verteidigungen zum kollabieren, da er stets die Help-Defense erzwingt und es dann einfach unfassbar gut versteht, seine freien Mitspieler zu bedienen. Zwei gute Beispiele für die Qualität seiner Kickout-Pässe bzw. Durchsteckern nach Dribble Drives, lassen sich aus dem Spiel gegen North Florida extrahieren:

In beiden Fällen zieht Simmons aggresiv durch die Mitte zum Korb und reagiert auf die defensiven Rotationen mit den richtigen Pässen. Seine 3,4 Ballverluste pro Partie (nur 26 NCAA Division I-Spieler leisteten sich letztes Jahr einen schlechteren Wert) sollen an dieser Stelle aber nicht verschwiegen werden, da eine beachtliche Zahl dieser Turnover aus wilden Drives und verunglückten Kickout-Pässen entstanden sind. In dieser Hinsicht muss Simmons noch deutlich an seiner Entscheidungsfindung arbeiten, wenn er auch in der NBA als primärer Ballhandler eine Offensive orchestrieren möchte. Zu oft verzettelt er sich in der Halfcourt-Offense in wilde Drives und spekuliert auf den Foulpfiff.

Simmons beendete seine Freshman-Saison mit 19,2 Punkten pro Spiel, was ihm hinter Jamal Murray (20,0) zum zweitbesten Punktesammler unter allen College-Freshman in der diesjährigen Draftklasse macht. Dabei präsentierte sich Simmons als vielseitiger Scorer, der hauptsächlich nach Post-ups, Isolations, Cuts und der bereits angesprochenen Transition-Offense zum punkten kam. Vor allem in Post-up-Situationen, die rund 20 Prozent seiner Abschlüsse in der letzten Saison ausmachten, zeigte sich der amtierende College-Freshman-des-Jahres als versierter Punktesammler. Der Australier paart eine gute Fußarbeit mit einem sehr guten Wurfgefühl und der notwendigen Physis samt Sprungkraft, um seine Gegenspieler in der Zone sowohl „auszutanzen“, als auch schlicht zu überpowern.

Zur Veranschauung: Drei Beispiele für das Scoring-Potential von Simmons nach Post-ups und gegen unterschiedliche Match-ups.

Mit einer sehr effizienten Trefferquote von 75,1 Prozent in Ringnähe (via Hoop-Math) lässt Simmons keine Zweifel darüber aufkommen, dass die NCAA-Konkurrenz seinem speziellen Skillset nur wenig entgegenbringen konnten. Aus diesem Grund ließ Trainer Jones mit fortwährender Saisondauer seinen Go-to-Guy auch immer öfters frühzeitig im Setplay am Zonenrand aufposten oder nutze Simmons in Horns-Aufstellungen als athletischen Roll-Man.

Während die offensiven Stärken von Simmons augenscheinlich sind, verhält es sich bei seinen Schwächen nicht viel anders. Der non-existente Sprungwurf ist nicht nur einfach eine Schwachstelle, sondern aktuell noch das alles entscheidende Loch in seinem Offensiv-Spiel. Der 19-Jährige nahm in der gesamten Saison lediglich drei Distanzwürfe (ein Treffer) und verweigerte selbst komplett offene Würfe:

Dass Simmons diese Art von freien Wurfgelegenheiten immer wieder abgelehnt hat, sollte durchaus Anlass zur Beunruhigung geben. Nicht nur, dass der talentierte Jungspund selbst nicht so wirklich Vertrauen in seinen Sprungwurf zu haben scheint, dürfte er in der NBA als Non-Shooter abseits des Balls einen geringeren Einfluss auf die gegnerische Defensive ausüben, als es noch in der NCAA der Fall war. Sicherlich übt Simmons aufgrund seiner Athletik und Fähigkeiten als Cutter eine gewisse „Gravity“ auf seinen direkten Gegenspieler aus. Nichtsdestotrotz eröffnet die komplette Abstinenz eines Distanzwurf der gegnerischen Verteidigung mehr Optionen zum Aushelfen auf der Strongside.

Bleibt die Frage, ob sein Wurf irreparabel kaputt ist, oder es noch Hoffnung auf Besserung gibt. Airballs, wie im folgenden Video gegen Arkansas, geben schon einmal einen ersten Eindruck, woran es bei seinem Sprungwurf respektive der Shhoting-Mechanik explizit mangelt:

Simmons hat große Probleme seinen Wurf mit der richtigen Fußarbeit vorzubereiten. Dadurch dass er seine Beine nicht frühzeitig parallel zum Korb ausrichtet und auch kerzengerade in die Luft steigt, verdreht er seinen Oberkörper. Der Big Man hat darüber hinaus ein Faible dafür, den optimalen Zeitpunkt zum Wurf-Realase zu verpassen. Dadurch bekommen seine Sprungwürfe jene große Streuung, die in der letzten Saison beobachtet werden konnte.

Im Verlauf der NCAA-Saison wurden die Stimmen immer lauter, die Simmons gar eine komplette Umstellung seiner Wurfhand nahe legen würden. In der Tat erscheint der „Lefty“ sich mit seiner rechten wohler zu fühlen.

Bislang wurde Simmons immer für die Qualität gelobt, dass er auch mit der rechten Hand – seiner eigentlichen „off-Hand“ – vorzüglich abschließen kann. Doch vielleicht besitzt der 19-Jährige wirklich mehr Wurftalent als Rechtshänder. Eine komplette Umstellung bezüglich der Wurfhand ist ungewöhnlich, aber es lassen sich in der Vergangenheit durchaus Fälle anführen, die beweisen, dass diese Praxis von Erfolg gekrönt sein kann.

Der Hoffnungsschimmer – sein gutes Wurfgefühl, welches sich auch im Abklappen des Handgelenks wiederspiegelt. Dass Simmons eigentlich Potential besitzt und kein kompletter Wurflegastheniker ist, lässt sich auch an seinen Freiwürfen erkennen. 67 Prozent seiner „Freebies“ konnte der Freshman-Big Man einnetzen, was angesichts der Sample size von 297 FTs ein ordentlicher Wert ist.

Defense

In der Verteidigungsarbeit bestach Simmons in erster Linie durch sein starkes Rebounding. Auch wenn einige seiner Rebounds ohne gegnerische Gegenwehr eingesammelt werden konnte, bewies der „Aussie“ auch im harten Reboundkampf unter dem defensiven Brett sein Durchsetzungsvermögen. Die angesprochene Mischung aus kräftigem Oberkörper, Sprungkraft und Sieben-Fuß-Armspannweite kommt ihm auch in diesem Bereich zweifelsohne entgegen.

Mit seiner Defensive-Rebounding-Prozentzahl von 26,8 Prozent gehörte Simmons in dieser Statistik zu den 30 besten Spielern, jedoch hätte dieser Wert noch durchaus höher ausfallen können. Denn der „All-American“ – und dies ist eine seiner eklatantesten Defensiv-Schwächen – verfolgt mit seinen Augen lieber den Ball, anstatt seinen Gegenspieler frühzeitig auf den Rücken zu nehmen und effektiv auszuboxen. Desweiteren mangelt es Simmons oftmals an der nötigen Körperspannung in der Defensive. Ein Aspekt in seinem Defensivspiel, der dazu führt, dass viele Draft-Experten ihm eine „Teilnahmlosigkeit“ oder auch „Lustlosigkeit“ attestieren. Simmons ein grundsätzlich Desinteresse an der Verteidungsarbeit zu bescheinigen wäre übertrieben, dennoch lassen sich etliche Szenen zusammenstellen, die diesen Vorwurf zumindest nicht entkräftigen. Eine perfekte Sequenz, um die defensiven Unzulänglichkeiten von Simmons zu illustrieren, ist folgendes Video:

Eine weiterer negativer Aspekt im defensiven Verhalten von Simmons, ist sein Drang nach Deflections, Steals bzw. Reach-Ins. In dem oberen Video ist perfekt zu erkennen, dass der Australier nur Augen für den Ball hat und die gengerische Penetration mit seinen Händen verteidigen möchte. Anstatt frühzeitig eine gute Verteidigungsposition am Zonenrand einzunehmen und gemeinsam mit Big-Man-Kollege Craig Victor den Defensiv-Rebound zu sichern, hat Simmons – bis auf zwei kurze Blicke über die eigene Schulter – nur Augen für den Ball. Das Weakside-Rebounding-Verhalten von Simmons und Victor ist nicht nur schwach, sondern auch ihr gesamtes Folgeverhalten nach dem zugelassenen Offensiv-Abpraller.

Aus Platzgründen ist es nicht möglich sämtliche Defensiv-Sequenzen aus der Freshman-Saison von Simmons an dieser Stelle zu präsentieren, weshalb die oben präsentierte Spielszene gegen Tennessee als repräsentatives Fallbeispiel für die defensiven Fehler von Simmons gelten soll.

Auch wenn sein „Gambling“ in Bezug auf direkte Ballgewinne respektive Steals, Blocks, Rebounds, zuweilen negative Ausmaße annimmt, darf nicht verschwiegen werden, dass Simmons in diesen Bereichen auch effektiv sein kann. Mit 2,0 Steals und 0,8 Blocks pro Partie, nahm der 19-Jährige in beiden Kategorien teamintern die Pole Position ein. Der Blick auf die Prozentzahlen in diesen beiden Bereichen (STL%: 3,1 und BLK%: 2,5) verdeutlicht jedoch, dass diese Werte stets in einen relativen Bezug gesetzt werden müssen. Simmons kann durch seine laterale Geschwindigkeit und gute Armspannweite ein effektiver Balldieb sein, doch bis dato muss ihm auch hier eher ein Drang zur Überaktivität bescheinigt werden. Dass manchmal weniger auch mehr sein kann, scheint Simmons erst noch lernen zu müssen.

Dass der Jungspund trotzdem zu einem Plus-Verteidiger in der NBA heranreifen kann, hat in erster Linie – ähnlich wie in der Offensive – mit seiner Variabilität zu tun. Simmons kann dank seiner Mobilität, Athletik, Größe und Statur durchaus mehrere NBA-Positionen effektiv verteidigen und auch das Pick-and-Roll auf verschiedene Arten verteidigen (u.a. hedgen, switchen, blitzen).

Spielstil

Ben Simmos liebt das Transition-Spiel. Und das Transition-Spiel liebt Ben Simmons. Mit 72,9 Possessions (auf 40 Minuten gerechnet; via KenPom) gehörten die LSU Tigers auch zu den 30 „schnellsten“ NCAA-Teams in der letzten College-Saison, sodass in dieser Hinsicht die eigene Spielphilosophie dem Starspieler entgegenkommen ist. Die Jungs von Coach Jones haben jede Gelegenheit genutzt, um den Fastbreak zu forcieren und mit Spielern wie Simmons und Tim Quarterman stand auch das passende Spielermaterial in den Reihen der Tigers. Dass Simmons sowohl als Antreiber, Finisher und Outlet-Passgeber brilliert wurde eingangs ausführlich illustriert. Es sollte klar sein, dass Simmons in diesem Bereich des Basketballspiels auch in der NBA – ähnlich wie Giannis Antetokounmpo – als Aufbauspieler florieren wird.

In der Halbfeld-Offensive agierte Simmons zu Beginn noch häufig als primärer Ballhandler, während er in der zweiten Saisonhäfte vor allem in Post-up-Situationen gebracht und als abrollender Big Man genutzt wurde. In all diesen drei Bereichen wusste Simmons durchaus zu gefallen, jedoch scheint ihm der fehlende Pull-up-Jumper gerade in Pick-and-Roll-Situationen negativ zu beeinträchtigen, da sich die Defensiven bei der Pick-and-Roll-Verteidigung auf das tiefe Absinken und die Defensive gegen den Dribble-Drive konzentrieren konnten.

Dass in der letzten NBA-Saison bei „lediglich“ acht Mannschaften das Fastbreak-Spiel mehr als 15 Prozent aller Offensiv-Possessions ausgemacht hat, darf in diesem Kontext nicht verschwiegen werden. In diesem Aspekt des Spiels wird Simmons schnell zu den besten NBA-Spielern gehören, da ist der allgemeine Tenor auch deutlich. Viel wird davon abhängen, ob Simmons sich auch im Halbfeld zu einem wandelnden Mismatch verwandelt, der gegen kleinere und weniger kräftige Kontrahenten im Post-up effizient scort und gegen große und schwerere Big Men seinen Drive anbringen kann.

Fazit

Der „Vorwurf“ an Simmons ist eindeutig. Wie kann ein Spieler ohne konstanten Distanzwurf und Qualitäten als Pull-up-Jumpshooter eine NBA-Offensive schultern? Ein Offensiv-Star, der das tiefe Absinken nicht bestrafen kann und zum weiterpassen des Spaldings gezwungen ist? Ohne jeden Zweifel – das „Ceiling“ von Simmons in der NBA steht in unmittelbarer Korrelation zu seiner Progression als Schütze. Dass in diesem Bereich aber auch noch nicht alles entschieden ist, sollte auch jedem klar sein. Simmons muss kein unfassbarer Knockdown-Shooter werden; er ist dafür in vielen anderen Aspekten des Spiels zu talentiert. Aber zumindest ein Mitteldistanzwurf, der respektiert werden muss, wäre unfassbar viel Wert für ihn und würde ihm das Offensiv-Spiel im Halbfeld um einiges erleichtern.

Bislang stellt Simmons als talentierter Ballhandler im Körper eines athletischen Big Man eine Art Franchiseplayer-Antithese dar. Wer um den 19-jährigen ein vielversprechendstes Playoff-Team aufbauen möchte, der benötigt im optimalen Fall einen effektiven Stretch-Big Man und variable Guards, die auch abseits des Balls eine Defensive beschäftigen. Während die gesamte (NBA-) Welt von Karl-Anthony Towns als den perfekten Franchise-Player spricht, offeriert Simmons aktuell ein ganz spezielles Skillset. Es wird spannend sein zu sehen, ob er tatsächlich den NBA-Zeitgeist nachhaltig seinen Stempel aufdrücken kann, oder ob ihm das (noch) fehlende Shooting zu einen Spieler werden lässt, der den modernen Anforderungen an einen NBA-Star einfach nicht mehr entspricht.

Draftrange: Top-2

Ben Simmons oder Brandon Ingram? Okay, Kentucky Wildcats-Head Coach John Calipari machte sich zuletzt noch einmal für seinen Schützling Jamal Murray stark, doch realistisch betrachtet, kann die Entscheidung um die Draft-Pole Position nur zwischen Simmons und Duke-Abgänger Ingram fallen.

Die entscheidende Frage für die Sixers ist folgende: welchem Talent trauen sie die nachhaltigeren Fortschritte zu? Während Ingram defensiv in einer Zone versteckt werden musste – ein Aspekt, den viele „Experten“ anlässlich seiner ansprechenden körperlichen Voraussetzungen nicht sehen wollen – blieb Simmons den Beweis schuldig, dass er die Mindestvoraussetzungen an einen NBA-tauglichen Sprungwerfer erfüllen kann.

Trivia

Ben Simmons nach Louisiana State und nicht zu den ganz großen Adressen in der College-Basketballwelt? Wenn der Patenonkel des talentiertesten High School-Abgängers als Assistant Coach auf der LSU Tigers-Trainerbank sitzt, fällt das Recruiting durchaus leichter.

Ben Simmons: Der Franchiseplayer als Antithese
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