Mavs-Offseason: Kein Grund zur Panik

Same procedure as every year: Die Dallas Mavericks sind bei den begehrten Free Agents einmal mehr leer ausgegangen. Weltuntergangsstimmung also bei den Mavs? Dazu gibt es keinen Anlass, wie auch Mark Cuban meint.

Same procedure as every year: Die Dallas Mavericks sind in der Free Agency einmal mehr leer ausgegangen. Die Mavs haben nicht nur keinen großen, sondern auch keinen mittelgroßen Free Agent an Land ziehen können. Weltuntergangsstimmung also in Dallas? Dazu gibt es keinen Anlass, wie auch Besitzer Mark Cuban meint.

Keine Chance bei den großen Fischen

Es war alles angerichtet für den großen Angriff: Mit dem Trade von Harrison Barnes im vergangenen Februar haben die Dallas Mavericks etwa 30 Millionen Dollar an Cap Space geschaffen, um in der Free Agency neue Spieler zu akquirieren. Doch es gibt Fälle, da liegt der Erfolg einfach nicht in den eigenen Händen. Ein Beispiel dafür ist die Free Agency 2019 der Dallas Mavericks. Bereits kurz nach bzw. teilweise sogar kurz vor dem offiziellen Beginn der Transferphase waren alle realistischen Star-Free-Agents vom Markt.

Khris Middleton und Tobias Harris entschieden sich, für das maximale Geld und die maximale Vertragslaufzeit bei ihren Teams zu verlängern. Kemba Walker favorisierte die Boston Celtics und war sich mit diesen schnell einig. Beim Sign-and-Trade für Jimmy Butler war Dallas zumindest kurz im Spiel – allerdings nicht für den Flügelspieler selbst, sondern als mögliches Team, das Gehälter der Heat aufnimmt.

Ob die Mavs überhaupt einen dieser Spieler mit aller Macht haben wollten, ist ein anderes Thema. Manchen Berichten zufolge haben sich die Texaner ohnehin mehr für das zweite Free-Agents-Regel interessiert. Doch auch hier lief es ungünstig: Bei Patrick Beverley war Dallas chancenlos, und bei Danny Green hatte man Pech. Hätte sich Kawhi Leonard für die Los Angeles Lakers anstatt für den Stadtrivalen entschieden, wären die Mavs wohl Greens zweite Wahl gewesen.

So mussten sich die Mavericks damit zufrieden geben, die eigenen Free Agents zurückgebracht zu haben. Kristaps Porziņģis, Maxi Kleber und Dorian Finney-Smith unterschrieben allesamt langfristige Verträge. Zudem kam J.J. Barea für kleines Geld zurück. Der Veteran machte in der vergangenen Saison einen starken Job als Dirigent der zweiten Fünf, ehe ihn eine Verletzung außer Gefecht setzte. Auch die Baustellen Playmaking, Shooting und Defense konnten letztlich adressiert werden – wenn auch nicht auf dem Niveau wie vielleicht vorher erhofft. Delon Wright ist ein Point Guard, der mit seinen Fähigkeiten gut neben Luka Dončić passen sollte. Der 27-Jährige ist ein ordentlicher Verteidiger, der bei Fans von Erweiterten Statistiken hoch im Kurs steht. Wright lag vergangene Saison als Toronto Raptor und Memphis Grizzly in der Kategorie Real-Plus-Minus im obersten Viertel unter allen NBA-Point-Guards. Auch sein Assist-zu-Turnover-Verhältnis von 3,2 zu 1 war 2018/19 im Vergleich zu allen anderen Guards eines der besseren.

Viel Scoring und Shooting kann man vom 27-Jährigen dagegen nicht erwarten. Wrights Dreierquote lag in der vergangenen Saison bei 29,8 Prozent; über seine Karriere traf der Point Guard nur unwesentlich besser (33,2% 3FG). Selbst aus dem Catch-and-Shoot fiel der Distanzwurf kaum besser (33,7% 3FG). Dafür haben die Mavs Seth Curry verpflichtet. Der jüngere Bruder von Stephen Curry spielte bereits in der Saison 2016/17 für Dallas, wo er 42,5 Prozent seiner Dreier einnetzte. Vergangene Spielzeit steigerte er diesen Wert im Trikot der Portland Trail Blazers sogar noch (45,0% 3FG). Als dritten Neuzugang präsentierten die Mavs noch Boban Marjanović, der mit Porziņģis das mit Abstand größte Big-Man-Duo der NBA bildet. Der serbische Nationalspieler kann offensiv beitragen, ist in der Defense aber anfällig.

„Es gibt einen Spieler, den wir nicht bekommen haben“

Insgesamt konnte Dallas die Free Agency noch einigermaßen retten. Viele Fans sind dennoch enttäuscht. Doch was sagt eigentlich Besitzer Mark Cuban zur Mavs-Offseason? Zunächst einmal gibt auch dieser zu bedenken, dass der Erfolg in der Free Agency nicht immer in der eigenen Hand liegt. „Denke daran, dass es für jeden großen Free Agent erst einmal einen Grund geben muss, sein vorheriges Team zu verlassen. Unser erstes Ziel ist, zu versuchen, unsere eigenen Free Agents zu halten und danach um diese herum zu bauen“, antwortet Cuban einem wütenden Fan auf Twitter.

Zudem vermisst der Mavs-Boss Wertschätzung seitens einiger Fans für das, was seit Juni 2018 erreicht wurde: „Ich glaube, die Leute merken nicht, dass wir wirklich begeistert sind von dem, was wir haben. Wir haben jetzt zwei Eckpfeiler. Vorher hatten wir solche Jungs nicht. Nun, mit Porziņģis und Dončić, müsst Ihr bedenken, dass Luka Mitspieler besser macht.“ Durch die beiden jungen Stars habe sich die Herangehensweise verändert: „Bis vor einem Jahr noch haben wir gesucht und hatten nicht wirklich solche Spieler. Jetzt – mit Porziņģis und Dončić als Fundament – ist es ein bisschen anders als die Jahre davor bei der Frage, was wir machen und wen wir bekommen sollen. Wir waren nicht so panisch wie die Leute auf Twitter.“

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Cuban fügte hinzu: „Es gibt einen Spieler, den wir wollten und nicht bekommen haben. Alles andere läuft ziemlich nach Plan.“ Wer dies ist, verriet Cuban nicht. Vermutlich handelt es sich hierbei um Danny Green. Es gebe keine Eile und man schaue nun, was passiert.

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Kein Grund zur Panik

Und vielleicht ist diese Sichtweise gar nicht so verkehrt. Man kann geteilter Meinung darüber sein, ob es gut gewesen wäre, die auf die 30 zugehenden oder noch älteren Stars wie Walker, Butler und Al Horford mit hochdotierten Vierjahresverträgen auszustatten. Natürlich ständen die Chancen auf sofortigen Erfolg mit einem dritten Star deutlich besser. Dafür würde man gleichzeitig jegliche Flexibilität aufgeben. Beverley und Green wären sicherlich starke und passende Ergänzungen gewesen. Generell hätte sich Dallas mit einem begehrten Free Agent nicht nur kurzfristig, sondern auch für die Zukunft besser aufgestellt, was eventuelle Trades betrifft. Schließlich fehlt es den Mavs bis auf ihre zwei jungen Stars nun weiterhin an Spielern, die für andere Teams von hohem Wert sein könnten.

Die Aktivitäten der Mavs in den letzten Tagen deuten darauf hin, dass man nun erst einmal die Entwicklung des Teams um Dončić und Porziņģis herum abwartet und darauf hofft, dass die beiden noch besser werden. Sowohl Dončić (20) als auch Porziņģis (23) sind noch sehr jung, die Mavs haben Zeit. Deshalb wäre ein Panik-Move unverständlich gewesen. Im Sommer 2022 würden die Mavs Stand jetzt wieder viel Cap Space haben, um Spieler verpflichten zu können – eventuell auch schon im Sommer 2021. Die Mavs könnten sicherlich bereits dann ohne Probleme viel Platz unter dem Salary Cap schaffen, falls sie sich gute Chancen auf Top-Free-Agents wie Giannis Antetokounmpo, Bradley Beal und Jrue Holiday ausrechnen. Diese Spieler wären noch talentierter (Giannis) bzw. würden noch besser zum Kader passen (Beal, Holiday) als Walker oder Butler.

Eine neue Chance, sich in der Free Agency zu verstärken, wird definitiv kommen (es sei denn, es passiert ein weiterer großer Trade). Doch bis dahin wird noch etwas Zeit vergehen. Zunächst einmal muss der Fokus der Mavs-Fans nun auf Dončić/Porziņģis liegen. Beim Gedanken an dieses Duo sollte sich alle Enttäuschung über die Free Agency 2019 schnell in Luft auflösen.