Anmelden oder registrieren

Pauldingburgs Stärke und Bayerns Schwäche

11.05.2018 || 13:46 Uhr von:
In bester Zach-Lowe-Manier: zehn Dinge zu den ersten BBL-Playoff-Spielen mit positiver und negativer Konnotation, wie Pauldingburgs Comeback, Bayerns Ideenlosigkeit und Mahalbasics Poesie.

1. #PlayoffPaulding ist zurück

„Post-up for Rickey!” Mladen Drijencic bekommt mit heißerer Stimme gerade noch seine letzte Anweisung heraus. Auszeit Oldenburg, 97 Sekunden auf der Uhr, seine EWE Baskets Oldenburg liegen gegen ALBA BERLIN mit zwei Punkten zurück. Innerhalb von vier Minuten hatten sie ein Elf-Punkte-Comeback geschafft, nur um im Gegenzug einen Layup von Peyton Siva zu kassieren.

Drijencic malt in der Besprechung weniger einen Spielzug auf, als Rotationen vor dem Einwurf – denn der Ball soll direkt zurückgehen zum Einwerfer Paulding, pardon, #PlayoffPaulding. Denn wer braucht einen Spielzug, wenn er den Wahnsinn und Willen eines Rickey Paulding hat?!

3/11 aus dem Feld, neun Punkte – eine schlechtere Playoff-Ausbeute wie zum Endrundenauftakt 2018 hatte Paulding zuletzt am 13. Mai 2015 aufgestellt. In einer Viertelfinalserie, gegen einen Gegner Berlin. Damals schied Oldenburg per Sweep aus; und auch diesmal hatten viele Experten, den Autor eingeschlossen, auf eine Wiederholung dieses Ausgangs getippt. Doch allen voran Paulding machte die enttäuschende Auftaktleistung vergessen.

Aus Drijencics Auszeit wirft Paulding also ein, um einen Cut Richtung Zone vorzutäuschen, nur um sich dann aber seinen Verteidiger zurechtzulegen, den Ball zu fordern und im Eins-gegen-Eins zu Werke zu gehen. Nicht gegen irgendeinen Berliner Verteidiger, sondern gegen Marius Grigonis, der bislang einen hervorragenden Job gegen Paulding gemacht hat. Doch Paulding zieht unbeeindruckt zum Korb, nimmt mit der linken Schulter Kontakt auf, geht mit Power nach oben und legt trotz Foul ein.

In die Verlängerung: Dort sucht Paulding auch, oder gerade wegen Joshiko Saibou als Verteidiger die Isolation. Wieder das Hereinlehnen in den Gegner mit der Schulter, wieder zu viel Power für den Albatros. Mit 100:96 bringt Paulding sein Team in Führung, ehe er bei 16 Sekunden auf der Uhr für den letztendlichen Gamewinner sorgt: diesmal per Dreier, aber wieder mit dem Paulding-Willen. Catch, die Drehung, die Fußarbeit, um sich direkt hinter die 6,75-Meter-Linie zu platzieren. Am Ende sorgt Paulding aus dem Schnellangriff für den Endstand – erneut trotz Foul, was ihm über die Partie viermal gelang. Der anschließende Emotionsausbruch ist nicht auf Photo festgehalten, er dürfte aber so ausgesehen haben.

Unterschätze nie das Herz eines Champions, ist eine Floskel. Unterschätze nie das Playoff-Herz eines Pauldings ist ein Fakt.

2. Adjustments

Es gibt wenige Wörter im Basketballjargon, die eine größere saisonale Note aufweisen als „Adjustments“: Veränderungen innerhalb einer Serie, wenn taktische Kniffe auf Grund des gleichen Gegners innerhalb weniger Tage von Nöten sind. Einige mögen solche „Adjustments“ für überbewertet halten, doch bei den EWE Baskets Oldenburg konnte man solche Veränderungen in der Spielweise allemal ausmachen. Vor allem mit Blick auf Rasid Mahalbasic.

Im Auftaktspiel versuchte sich der Center immer wieder im Face-up. Statt also mit dem Rücken zum Korb am Zonenrand zu agieren, suchte Mahalbasic immer wieder das Eins-gegen-Eins mit dem Gesicht zum Korb. Zum einen verstanden es die Berliner, Mahalbasic im Low-Post nach ein, zwei Dribblings den Ball aus den Händen zu nehmen, doch der Big Man forcierte zum anderen teilweise auch bewusst das Face-up-Spiel – in dem er aus Eigeninitiative die Position im Post aufgab.

Schloss Mahalbasic im ersten Spiel nur einmal als Abroller im Pick-and-Roll ab, suchte er zweiten Duell mit Berlin gleich siebenmal den Abschluss als Roll-Man. Und wie effizient Mahalbasic hierbei agierte: 1,43 Punkte pro Possession bei einer Wurfquote von 71,4 Prozent sind beeindruckend. Der Center slippte oftmals das Pick-and-Roll – er rotierte also früh Richtung Korb, ehe er überhaupt den Block setzte und dabei verharrte.

Die Berliner verteidigen das Pick-and-Roll oftmals sehr aggressiv. Eine solch schnelle Abrollbewegung verschafft dem Offensivteam theoretisch einen Vorteil, wenn der Big-Man-Verteidiger nach dem Hedge noch weit draußen steht und die offenen Räume genutzt werden. Mahalbasic schloss nicht nur selbst ab, sondern fand nach dem Abrollen auch die Cutter wie Rickey Paulding.

Solche „Adjustments“ darf man auch in den anderen Serien erwarten: Wie reagiert medi bayreuth auf den aggressiven Smallball der MHP RIESEN Ludwigsburg? Schon im ersten Spiel ging Bayreuths Coach Raoul Korner selbst häufiger klein und stellte neben Robin Amaize sogar Nate Linhart auf die Vier (dazu später mehr). Wie kann die Offensive des FC Bayern München belebt werden, vor allem gegen die Halbfeldverteidigung Frankfurts (auch dazu später mehr)? Und wie gelingt es den Telekom Baskets Bonn, Josh Mayo noch besser in Szene zu setzen?

3. Mahalbasic, Post-Game-Poet

Heutzutage wird viel über die Aussagekraft von Athleten oder die Auslegung ihrer Worte diskutiert. Interviews nach Spielende mögen auf Grund ihres mangelnden Informationsgehalts ihren Beitrag dazu leisten. Wohl dem, der einen Rasid Mahalbasic in der Liga hat. Der Oldenburger Center präsentiert sich mit seiner Offenheit und Selbstkritik als gern gehörter Gast am Mikro – was er auch nach dem zweiten Spiel gegen Berlin bei Telekom Sport bewies.

„Wer nicht Defense spielen kann, muss treffen“, wusste Mahalbasic, wo er den Fokus bei seinem Oldenburger Team zu legen hat. Auf Grund dieser Verteidigungsleistung war zum Auftakt nur mit anzusehen, „wie sie uns mehr oder weniger in Stücke gehackt haben“. Martialisch, doch die Donnervögel schlugen zurück, denn: „Wenn man lang genug gegen eine Mauer schlägt, bricht sie.“ Rasid Mahalbasic, Post-Game-Poet.

Im Folgenden ein paar Zitate, allesamt aus Post-Game-Interviews bei Telekom Sport.

„Ich habe es zu Beginn schon auf Twitter gesehen, dort wurde das Duell mit mir und Bryant groß hochgeredet.“ (27. Januar 2018 nach dem 99:95-Auswärtssieg in Gießen, als sich Mahalbasic und John Bryant ein hochklassiges Duell lieferten)

„Das war kein hartes Stück Arbeit – wir haben Glück gehabt, dass sie daneben gehauen haben.“ (22. April 2018 auf die Frage, ob der 86:84-Heimsieg gegen den MBC ein hartes Stück Arbeit gewesen sei)

„Ob jetzt unsere Schuld, deren Schuld, oder die Schiedsrichter, oder ob Gott es so wollte – wir haben leider verloren. Aber Gott gibt und nimmt, heute hat er gegeben.“ (22. Oktober 2017 auf die Frage, wie wichtig der Sieg gegen Ulm gerade nach der schwierigen Vorstellung gegen München gewesen sei)

„Im zweiten Viertel stellen sie irgendeine lächerliche Zone auf – und wir verlieren uns komplett […] die Trefferquote von mir war ein Desaster […] Man sieht ja eh: Ich bin im vierten Viertel total außer Form – ich muss anfangen, mehr zu trainieren.“ (18. März 2018 nach dem Heimerfolg über Bremerhaven)

Das scheint Mahalbasic getan zu haben.

4. Berlin Warriors

Auch wenn die Oldenburger die Serie ausgeglichen haben, gegen die Berliner Offensive tun sie sich schwer. Klar, welches Team tut das nicht. Schon zuhauf wurde die improvisierte Poesie der Berliner Offensive thematisiert, doch diese auch in den Playoffs so erfolgreich und als Alleinstellungsmerkmal im Vergleich zu anderen Mannschaften zu sehen, verdient Anerkennung.

Die Berliner forcieren sehr selten das Eins-gegen-Eins, setzen stattdessen öfter ihre Werfer und Cutter nach ballfernen Blöcken in Szene. Zudem drücken sie stark aufs Tempo, um eine Pace-and-Space-Philosophie mit einer Motion Offense zu mischen. Dabei präsentiert sich ein Power Forward als Spielgestalter an der Dreierlinie. Klingt nach Golden State Warriors? Durchaus erkennt man Parallelen, was auch die Play-Type-Stats (wenn auch bei geringer Stichprobe) andeuten.

TeamOff-Screen FreqOff-Screen PPPIsolation FreqIsolation PPPTransition FreqTransition PPP
Bayern0,6%2,0013,0%0,509,1%1,50
Berlin10,6%1,586,1%0,3614,5%1,38
Ludwigsburg0,0%20,7%1,2915,9%1,62
Bamberg3,4%0,408,2%0,584,8%1,71
Bonn2,6%0,7514,5%0,957,2%1,00
Bayreuth2,4%1,5011,8%0,805,9%1,00
Oldenburg2,4%1,5014,2%0,797,1%1,08
Frankfurt6,0%0,8913,3%0,957,3%1,73
Warriors12,6%1,067,8%0,7815,1%1,28

Play-Type-Stats der BBL-Teams: erhoben von Manuel Baraniak; der Warriors: von nba.com; Freq: Anteil der Abschlussart an allen Abschlüssen; PPP: Punkte pro Possession

Bei den Off-Screen-Aktionen glänzen vor allem MVP Luke Sikma und Marius Grigonis, deren Zusammenspiel überhaupt im Berliner System so gut funktioniert. In folgendem Video bedient der Most Valuable Passer Sikma von der Dreierlinie nach ballfernen Blöcken Grigonis und Spencer Butterfield; zudem spielen Grigonis und Sikma gekonnt die Oldenburger Verteidigung aus, nachdem Grigonis einen Ball-Screen gestellt hatte. Aíto, Golden State of Mind.

Pauldingburgs Stärke und Bayerns Schwäche
Jetzt mitdiskutieren Anmelden oder Registrieren

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklärst Du Dich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.