Turner besiegt Gießen durch Wahnsinns-Buzzerbeater

Frank Turner hat den HAKRO Merlins Crailsheim mit seinem Buzzerbeater den siebten Saisonsieg beschert. Der Aufsteiger besiegte die GIESSEN 46ers in einem historischen Spiel mit 115:114. Noch nie sind seit Beginn der digitalen Datenaufzeichnung mehr Punkte in der regulären Spielzeit gefallen.

Über weite Strecken hatte der Zuschauer das Gefühl, es sei noch Allstar-Weekend. Sowohl Gießen als auch Crailsheim zeigten defensiv keinerlei Bemühungen, den jeweiligen Gegenüber zu stoppen. Auch eine Gießener Zonenverteidigung stiftete mehr Verwirrung im eigenen, denn im gegnerischen Team. So gingen die Merlins mit einer 65:59-Führung in die Halbzeit. Zuvor hatte Gießen bei 1,1 Sekunden an der Mittellinie noch unsportlich gefoult. Die Gäste vergrößerten so den Vorsprung von zwei auf ebenjene sechs Zähler.

Nochmal Allstar-Game

Nach der Pause zogen die Franken zunächst sogar auf zehn Punkte davon. Angespornt vom Einsatz des Gießener Eigengewächs Alen Pjanic zeigten die 46ers allerdings etwas mehr Defensive und kamen durch einen 9:0-Lauf wieder in Tuchfühlung. So ging das muntere Scheibenschießen weiter bis zum 86:88. Es folgten acht Punkte der Gießener in Serie, die Crailsheim aber mit zwei Dreiern in 16 Sekunden wieder egalisierte. Sechs Minuten vor dem Ende besorgte Sherman Gay per Tip-Dunk die 94:98-Führung für die Zauberer. Darauf folgten die besten drei Minuten im Spiel der Gastgeber. Mit einem 14:0-Lauf erspielten sich die Hessen ein Polster, das sie 108 Sekunden vor dem Ende sogar auf zehn Zähler ausbauten.

Doch mit einem Dreier nach 14 Sekunden der Wurfuhr, vergebenen Freiwürfen und einem harmlosen Foul zum And-One kamen die gegen den Abstieg kämpfenden Gäste wieder ins Spiel. Frank Turner war nun Dreh- und Angelpunkt der Merlins. Nach vielen Freiwürfen auf beiden Seiten verpasste Gießens Jared Jordan, an der Linie bei 3,5 Sekunden auf der Uhr erneut einen Drei-Punkte-Vorsprung herzustellen. Ohne Auszeit ging Frank Turner übers Feld und nahm einen Off-Balance-Dreier gegen zwei 46ers. Der Ball flog rein, und der Rest war Crailsheimer Freudentaumel.

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„Frank ist unser Leader. Wir haben sehr hohes Vertrauen in ihn. Er hatte in der ganzen Saison solche Situationen, auch wenn er sie nicht immer erfolgreich lösen konnte. Obwohl er erst 30 Jahre alt ist, ist es aber auch sein erstes Jahr auf diesem Niveau. Er gewinnt an Erfahrung, und seine Entscheidungsfindung hat sich sehr verbessert. Am Ende war es ein Lucky Shot, aber wenn es jemand verdient hat, ihn zu treffen, dann ist es Frank Turner“, äußerte sich Crailsheims Coach Tuomas Iisalo zum Merlins-Helden.

Es ist übrigens der zweite Spieler namens Turner, der den 46ers vor eigenem Publikum mit einem Dreier den Sieg geklaut hat. Bremerhavens Elston Turner war dies bereits zu Beginn der Saison gelungen.

Turner, Herrera, Madgen, HAKRO Merlins Crailsheim

Erst zweimal gab es übrigens mehr Punkte in einem BBL-Spiel zu sehen, als an diesem Abend in der Sporthalle Gießen-Ost: in zwei Traditionsduellen zwischen den Bayer Giants Leverkusen und der TBB Trier (133:128 im Jahr 1999; 124:111 im Jahr 2007); damals waren aber jeweils Verlängerungen nötig. Die BG Göttingen und die WALTER Tigers Tübingen hatten bis zu Turners Buzzerbeater noch den Rekord für ein Endergebnis ohne Overtime inne. 115:112 trennten sich die beiden Clubs vor gut vier Jahren.

Gießen kassiert damit die fünfte Niederlage in Serie und verabschiedet sich endgültig aus dem Playoff-Rennen. Daran konnten auch 30 Punkte, 11 Rebounds und 6 Assists von John Byant, 27 Punkte von Brandon Thomas oder 16 Punkte und 13 Assists von Jared Jordan nichts ändern.

Für die Merlins war der Sieg extrem wichtig. Durch den zweiten Erfolg in Serie springen die Süddeutschen auf den 15. Tabellenplatz und haben nun vier Punkte mehr als der MBC, die Eisbären Bremerhaven und Science City Jena. Mit Berlin, Bamberg, Ulm und München vor der Brust, ist das kleine Polster allerdings auch äußerst notwendig. Oder dann noch mehr Würfe, wie der von Frank Turner.