Das Wunder vom Flughafen: Nürnberg steigt auf

Die Nürnberg Falcons haben den sportlichen Aufstieg in die easyCredit BBL geschafft. Die Franken setzten sich in einem knappen Spiel zum dritten Mal gegen die MLP Academics Heidelberg durch.

von Sebastian Lucas und Jonathan Schmidt

Vor der Saison standen die Nürnberg Falcons ohne Halle für die ProA da. Keine sieben Monate später stellt sich für die Nürnberger die Frage, in welcher Halle das Überraschungsteam der Liga in der kommenden Saison spielt. Schließlich muss die Halle für die easyCredit BBL tauglich sein. Die Nürnberg Falcons sind der erste sportliche Aufsteiger aus der ProA! Mit 85:79 gewannen die Franken das vierte Halbfinalspiel gegen Heidelberg und holten damit den entscheidenden dritten Sieg.

Es ging um alles. Schaffen die Nürnberger die Sensation und sichern sich den Aufstieg in die BBL, oder geht die Serie der Auswärtssiege in dieser Halbfinalserie weiter, und die Gäste aus Heidelberg erzwingen ein weiteres fünftes Spiel? Das war die große Frage, deren Antwort am Montagabend im Nürnberger Eventpalast beantwortet wurde.

Die Gäste aus Heidelberg versuchten von Beginn an, das Tempo hochzuhalten, damit die aggressive Nürnberger Verteidigung nicht greift. Die Falcons wollten etwa kontrollierter den Big Man in der Zone finden, um zu scoren, oder den Ball aus dem Post weiterzuverteilen. Die Strategie der Academics erwies sich bis Mitte des ersten Viertels als etwas erfolgreicher, sodass Coach Ralph Junge zu einer Auszeit gezwungen wurde.

Diese schien aber nur bedingt zu helfen: Zum einen spielten die Gäste ihre Spielzüge schneller und effektiver durch und boxten auch besser beim Rebound aus. Zum anderen waren die Flacons anfälliger für Ballverluste. Dazu gesellte sich eine schlechtere Wurfauswahl, die dementsprechend in einer niedrigeren Wurfquote resultierte.

Diese Mischung bestimmte auch weite Strecken des zweiten Viertels, wobei die Gäste schon früh mit Foulproblemen zu kämpfen hatten. In der ersten Halbzeit konnten die Academics diese aber durch ihre Treffsicherheit kompensieren und sich so die erste größere Führung herausspielen. Diese hielt jedoch nicht ganz bis zum Pausentee (36:42).

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Aufholjagd der Falcons wird belohnt

Ismail Wainwright setzte gleich zu Beginn mit einem krachenden Dunk das Zeichen zur Aufholjagd der Nürnberger, sodass diesmal Heidelbergs Trainer Frankie Ignjatovic zu einer Auszeit gezwungen wurde. Die Gäste hielten danach durch eine gute Wurfquote ihren Vorsprung konstant. Die physische Defensive der Hausherren funktionierte allerdings immer besser, sodass sich die Falcons gegen Ende des Viertels in Lauerstellung bringen und sogar kurz vor Schluss den Rückstand auf einen Punkt verkürzen konnten.

Es war also alles angerichtet für ein finales letztes Viertel. Geprägt von Ungenauigkeiten und geringem Scoring sowie vielen Fouls näherte sich das Spiel langsam der Crunchtime. Wobei die Gäste immer wieder die richtige Antwort fanden und so noch die knappe Führung aufrecht erhielten. Fünf Minuten vor dem Ende war es aus Sicht der 1.500 Heimfans endlich soweit: Der Allrounder Wainright glich per Dreier aus, und als dann der Kapitän Sebastian Schröder per And-One traf, geriet das Zelt endgültig in Ekstase.

Doch der ehemalige Nürnberger Dan Oppland glich mit 2:35 Minuten auf der Uhr erneut zum 72:72 aus. 50 Sekunden vor Schluss bauten die Falcons die Führung auf fünf Punkte aus. Während Heidelbergs Trainer mit den Schiedsrichtern haderte, versuchten seine Spieler mittels Stop-the-clock, die letzte Chance auf ein fünftes Spiel zu wahren. Doch es war vergebens. Die letzten Sekunden des Spiels gerieten zu einem einzigem Fest im Zelt am Flughafen!

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„Wir kriegen das hin!“

Für den 16. Sieg in den letzten 17 Spielen der Falcons gab es gleich vier Garanten: Ishmail Wainright steuerte 19 Punkte und 8 Rebounds bei. Robert Oehle stand ihm nur etwas nach, er kam auf 16 Punkte und 9 Abpraller. Mit 16 Punkten, 5 Rebounds und 4 Assists war Jackson Kent als Allrounder gefragt. 15 Punkte und 8 direkte Vorlagen zum Korberfolg kamen dagegen vom jungen Point Guard Marcell Pongo.

Im Gegensatz zu Nürnberg hatten die Heidelberger mangels einer geeigneten Halle erst gar keine Lizenz für die easyCredit BBL gestellt. In der Kurpfalz entsteht zur Zeit allerdings eine neue Sporthalle. Im kommenden Jahr könnte der Hauptrundenzweite dann auch um den Aufstieg in die Bundesliga mitreden.

Wie es beim sportlichen Aufsteiger 2018/19 weiter geht, ist unklar. Die Pläne, die BBL-Heimspiele in der Arena Nürnberger Versicherung auszutragen, könnte durch die hohe Auslastung scheitern.

Geschäftsführer und Cheftrainer Ralph Junge blickte allerdings optimistisch auf die logistischen und finanziellen Anforderungen: „Wir machen das. Wir kriegen das hin! Wir lassen uns was schönes für die BBL einfallen.“

Zweites Halbfinale gipfelt in fünftem Spiel

Nun heißt es allerdings erstmal weiter feiern! Am Donnerstag und Sonntag geht es dann noch um den Titel des ProA-Meisters. Der Gegner und zweite Aufsteiger wird dafür bereits am Dienstag ermittelt. Im fünften Spiel treffen die NINERS Chemnitz auf die Hamburg Towers. Nach dem ausgeglichenen Start in die Serie, gewannen die Chemnitzer ihr zweites Heimspiel deutlich. Doch zuhause hielten sich die Hanseaten schadlos und erzwangen in einem echten Krimi das Entscheidungsspiel.

Die sächsischen Hauptrundensieger gehen als Favorit in das Spiel auf eigenem Parkett. Doch Hamburg mit dem tiefen und erfahrenen Kader könnte seiner Auswärtsschwäche trotzen und mit einem echten Coup in die Eliteliga aufsteigen. Übertragen werden auch die verbliebenen drei ProA-Saisonspiele live auf Airtango.