Playoffzeit in der NBA – Preview zu den ersten Spielen heute

Playoffs, Baby.

Berühmte Signalphrase für die Einen. Verheißung des „echten“ Basketballsports für die Anderen.

So oder so kommt nach dem Ende der NBA Regular Season eine Menge Sport auf alle zu.

Die NBA Playoffs sind besser als der Ruf jener Regular Season. Gerade in der letzten Postseason zeigten eine ganze Reihe an Teams genau den Sport, oder besser: die Intensität, die manche in der Regular Season vermissen.

In einem Jahr voller Tanking, Load Managing und Verletzungen braucht die Liga das dringender denn je. Diese „PLAYOFF TIME“, die in nordamerikanischen Medien regelmäßig in besonders großen Lettern gewürdigt wird.

Bevor wir uns im Anschluss an die ersten Spiele jeder Serie nochmal einzeln widmen, wollen wir zunächst einen kurzen, groben Überflug über die Partien machen.


Toronto Raptors – Cleveland Cavaliers

Toronto holt wieder mehr aus seinem Kader heraus. Mit Quickley und Barnes hat man zwei Spieler im Team, deren Talent einerseits oft übersehen wird, andererseits aber auch immer wieder durch Inkonstanz auffällt. Gutes Coaching, mit RJ Barrett ein solider Scorer, mit Ingram ein hoch veranlagter, aber teils etwas phlegmatischer zweiter Scorer.

Offensiv wirken die Schemes noch immer manchmal etwas bieder, defensiv konnte man jedoch durchaus einiges stabilisieren. Große Probleme hatte man allerdings mit den Top-Teams der Liga. Es ist eine Sache, einen gewissen Leistungs-Floor gegen andere Mittelklasse-Teams zu halten. Das gelang konstant. Es ist aber etwas ganz anderes, nach so einer Saison in den Playoffs auch das eigene Ceiling zu erreichen.

Dennoch ist das talentierte Raptors Team durchaus ein unbequemer Gegner für Cleveland.

Jene hatten nämlich selbst immer wieder mit der Floor-und-Ceiling-Problematik zu kämpfen in den letzten Jahren. Ein hochgradig veranlagter und sehr ausbalancierter Kader, seit letzter Saison mit einem ebenfalls hochklassigen Coaching ausgestattet, der aber immer wieder Probleme hat, sein Potenzial in der Postseason abzurufen.

Mehr noch:
Meist fiel man sogar recht deutlich unter den eigenen Floor der Regular Season. Oft durch Injuries. Aber eben nicht nur.

Letztes Jahr war in Persona Garland ein markanter Ausfall zum ungünstigsten Zeitpunkt in den Playoffs zu beklagen. Dieser wurde nun durch James Harden ersetzt. Das mag zwar den Star der Mannschaft, Donovan Mitchell, merklich erfreut haben. Aber ob dies schon die Antwort auf alle Playoff-Probleme der Vergangenheit sein kann?

Nein, die Cavs müssen einfach fokussiert bleiben, keine Angst vor einem frühen Ausscheiden haben und auf ihren Coach hören. Man hat zwar im Vergleich zur letzten Saison in der Regular Season etwas nachgelassen, aber dennoch ist dies einer der besten Kader der Liga.

Wenn man denn sein Potenzial abrufen kann.

Prognose:
Cavs in 6.

Minnesota Timberwolves – Denver Nuggets

Bereits zum dritten Mal in den letzten vier Postseasons begegnen sich die Timberwolves und Nuggets. Erst waren die Timberwolves die jungen, hungrigen und vor allem unerfahrenen Herausforderer gegen den abgezockten, späteren Meister aus Denver.

Mit 1:4 ging diese Serie aus. Danach konnte man ein Jahr später als etwas erfahrenere und vor allem defensiv weitaus bissigere Truppe eine 7-Spiele-Serie gegen genau diesen Meister für sich entscheiden.

Jede dieser Serien war äußerst intensiv und im Fall der ersten auch knapper in den Spielverläufen, als die Ergebnisse rückblickend wirken.

Nur: Die Vorzeichen sind dieses Jahr andere. Mit Nickeil Alexander-Walker hat man genau den POA-Defender verloren, der einem Jamal Murray immer wieder Probleme bereiten und damit das Two-Man-Game der Nuggets empfindlich stören konnte.

Noch immer sind die Nuggets in diesem Punkt vielleicht das beste Team der Liga. Auch offensiv war man in diesem Jahr wieder eine Macht. Defensiv hingegen gibt es weiterhin Probleme. Die jüngsten Additionen der Nuggets (Johnson, Brown, Hardaway, Valanciunas) haben den Kader aber grundsätzlich in die richtige Richtung bewegt.

Allerdings hat Verletzungspech auch oft dazu geführt, dass genau diese Änderungen am Kader nicht konstant, gemeinsam Lineup-Minuten sammeln konnten. Vor allem Aaron Gordon ist nach wie vor eigentlich unersetzbar für die Truppe aus Colorado. Wenn er ausfällt steht Denver vor einer wirklichen Herausforderung.

Andererseits haben die jungen Talente in Denver auch einen Sprung gemacht. Watson, Strawther und Spencer haben teils hervorragende Ansätze präsentiert. Nur halt eben in der Regular Season. Die Bestätigung dieser Leistungen in der Postseason steht noch aus.

Unersetzbar ist aber vor allem Anthony Edwards auf Seiten der Timberwolves, der eventuell die ersten ein, zwei Partien verpassen könnte. Der Trade für Ayo Dosunmu, förmlich ein Geschenk aus Chicago, lindert zwar etwas die Kaderprobleme aber ohne Edwards wird das ein ganz schweres Matchup für Minnesota.

Nun … das dachte man aber auch bereits vor jeder dieser Serien. Und jedes Mal konnte Minnesota so ziemlich alle Beobachter überraschen. Vielleicht auch dieses Mal?

Prognose:
Denver in 6. Falls Edwards zwei Spiele verpasst, eher in 5.

Atlanta Hawks – New York Knicks

Atlanta nach Trae Young ist eines der interessantesten Konstrukte der Liga. Defense, Size, Vielseitigkeit und Chemie sind bei diesem Team äußerst vielversprechend. Mit Kuminga hat man ein weiteres Versprechen hinzugeholt und klugerweise das große Fragezeichen Porzingis dafür aufgelöst.

Jalen Johnson dürfte sich in wenigen Jahren zu einem der besten Spieler der Liga entwickeln. Das ist bereits klar. Aber ob diese Hawks-Truppe um ihn, Nickeil Alexander-Walker, Okongwu, Dyson Daniels und Kuminga auch weiterhin die nötigen Schritte zum Meisterschaftskandidaten gehen kann, ist unklar.

Immerhin erhalten sie nun die nächste wichtige Erfahrung gegen einen der Top-Contender in diesem Jahr. Die Knicks haben einen der stärksten Kader der Liga, mit Brunson den vielleicht besten Closer neben Shai Gilgeous-Alexander und mit dem Edel-Roleplayer-Two-Way-Wing-Duo um Bridges und Anunoby eine starke Grundlage an beiden Enden des Feldes.

In Towns zudem einen der offensiv konstantesten Bigs der Liga. Den wird Atlanta defensiv kaum stoppen können. Aber das ist nie die Frage bei den Knicks, sondern wie man selbst defensiv steht. Towns muss in diesem Jahr beweisen, dass er ohne dumme Fouls auskommt, Rotationen besser mitgeht und fokussiert ist.

An beiden Enden des Parketts, nicht nur an einem. Dennoch ist KAT defensiv deutlich solider, als er oft gemacht wird. Trotzdem: In der Postseason ist der Raum für Fehler dieser Art sehr klein.

Atlanta wird den Knicks sehr große Probleme bereiten können. Dafür ist deren Defense, vor allem die POA-Defense, einfach zu gut. Gute Switches, gute Disziplin, hoher Fokus. Was aber fehlt, ist ein klares Angriffskonzept und ausgewogene Schemes. Shooting ist außerhalb von NAW ebenfalls ein Thema. Jener konnte Volumen und Quoten in diesem Jahr deutlich steigern. Ist bisweilen aber auch mal streaky.

Das wird ein ganz enges Rennen und vermutlich eine intensive Serie.

Prognose:
New York in 6 oder 7.

Houston Rockets – Los Angeles Lakers

In LA hat man dieses Jahr sehr viele Storys finden können. Bleibt LeBron? Ist es nun Luka Dončićs Team? Reaves als neuer („Super-„) Star? Warum will Ayton eigentlich kein Clint Capela sein, obwohl die Lakers genau das von ihm erwarten? Rim Running, Rebounds, Lob Threat und Einsatz.

Gefühlt kam man in LA nie zur Ruhe. Auch jetzt wieder nicht, wo Reaves und Dončić kurz vor der Postseason ausfielen. Kann Vintage LeBron die Lakers in dieser Serie am Leben erhalten? Denn außer ihm, Ayton, Smart, Hachimura und Kennard ist da recht wenig los im Kader für die erste Runde.

Sehr viel los war auch in Houston.

Gerüchte um Unruhen in der Kabine wegen einer angeblichen Twittersucht Durants, der besonders schwerwiegende Ausfall von VanVleet zu Beginn der Saison, der etwas spätere Ausfall des für das Teamkonstrukt enorm wichtigen Steven Adams und Senguns Inkonstanz beziehungsweise das Ausbleiben eines vermuteten, fast schon erwarteten noch größeren Leistungssprungs, als er ihn dieses Jahr hatte.

Houston galt in der Offseason mit all ihren Änderungen als eines der heißesten Teams der Liga. Zu Recht. Seit dem All-Star-Break ist aber ein bisschen die Spannung raus beim Team. Oft vergab man höhere Führungen und verlor unerklärlich viele Spiele. Gerade auch defensiv, was angesichts von Coach Udokas Qualität und der des Kaders in der Tat Rätsel aufgibt.

Dieses immer an Reed Sheppard festzumachen, greift dabei völlig zu kurz. Der Abgang von Brooks scheint nicht nur in der Chemie des einst galligen Teams Spuren hinterlassen zu haben, sondern auch und gerade in der defensiven Realität auf dem Parkett.

Für die Lakers wird die Frage sein, inwiefern LeBron James dieses Team tragen kann. Wie kompensieren Smart und Kennard im Backcourt die massiven Ausfälle? Kommen Reaves und vor allem Dončić zu Spiel 2 oder 3 zurück… oder doch später? Zu spät?

Vor allem ist die Frage, ob diese Rückkehrer aus den Lakers wirklich einen Contender machen würden. Hier wurde viel, gefühlt, herbeigeredet, denn dieses Lakers-Team ist noch lange nicht so gut auf Dončić austariert, wie es die Mavericks vor seinem Trade waren.

Man kann durchaus skeptisch sein, ob selbst eine Lakers-Mannschaft in voller Stärke gegen halbwegs normal auftretende Rockets eine Chance hat. Geschweige denn in späteren Playoffrunden gegen Kaliber wie Denver oder gar Oklahoma.

Prognose:
Rockets in 5. Maximal 6.