Chris Paul: Hall of Famer auf dem Abstellgleis

Die Offseason 2019 ließ in der NBA kaum einen Stein auf dem Anderen. Das letzte große Ausrufezeichen setzten die Houston Rockets, indem sie Russell Westbrook per Trade holten und Chris Paul nach Oklahoma schickten. Der “Point God” findet sich statt bei einem Anwärter auf die Meisterschaft plötzlich bei einem Team im Umbruch wieder, das keine Verwendung für ihn hat. Pauls große Karriere hat damit ihren vorläufigen Tiefpunkt erreicht. 

Die NBA schläft nie, und schneller als gedacht sind verdiente Spieler nicht mehr gefragt. Was zunächst nach einem Tausch zweier grandioser Point Guards aussieht, ist bei genauerem Hinsehen etwas anderes. Die Oklahoma City Thunder erfüllten Russell Westbrook, dem Gesicht der Franchise, dessen Wunsch und schickten ihn zu einem besseren Team. Im Gegenzug schnappte sich Thunder-Entscheider Sam Presti zwei Erstrunden-Picks (und Swap-Rechte). Chris Paul? Eher eine Zugabe, um Westbrooks Gehalt auszugleichen. Oder auch mögliche „Trade-Masse“ in einem weiteren Tausch.

Paul wird damit mit Sicherheit Unrecht getan. Er kann, trotz seiner statistisch gesehen schlechtesten Saison, nach wie vor ein starker Spieler und Anführer sein, mit einem Basketball-IQ wie kaum ein Zweiter. Und dennoch ist er an seiner aktuellen Situation nicht unschuldig – wenn auch nicht als Spieler.

Die „Chris-Paul-Regel“

Denn in seiner Funktion als Präsident der Spielergewerkschaft NBPA setzte er 2016 erfolgreich eine Änderung der “Over-36 Rule” durch. Durch die Neuerung ist es Spielern möglich, einen Maximalvertrag zu unterzeichnen, auch wenn sie während dessen Laufzeit 36 Jahre alt werden. Dies war zuvor nicht möglich und wäre folglich mit Gehaltseinbußen der betroffenen Spielern verbunden gewesen.

Einer der großen Profiteure dieser Regel: Chris Paul, der vergangenes Jahr im Alter von 33 Jahren einen Vier-Jahres-Maximalvertrag in Höhe von 160 Millionen Dollar unterschrieben hatte. Der Vertrag, der Pauls Karriere jetzt in eine vermeintliche Sackgasse gelenkt hat. Mit Sicherheit wären einige Teams nach wie vor am Spieler Chris Paul interessiert. Aber eben nicht zu diesem Preis.  

Teamspieler oder Egozentriker?

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Auch sein Auswirken auf die allerorts beschworene Teamchemie könnte Franchises davon abbringen, sich „CP3“ ins Boot zu holen. Denn der mutmaßliche Hauptgrund für den Trade waren Unstimmigkeiten zwischen Paul und James Harden, der angeblich sogar den Abgang seines Mitspielers gefordert habe. Als “irreparabel” wurde das Verhältnis der beiden bezeichnet, auch wenn  Daryl Morey, Manager der Rockets, und der Betroffene selbst das Gegenteil behaupteten.

Ähnliche Probleme gab es bereits bei den Clippers, wo das Dreigespann aus CP3, Blake Griffin und DeAndre Jordan immer wieder aneinandergeriet. Paul forcierte schließlich seinen Wechsel nach Houston, wo er nach zwei Jahren weitergereicht wurde.

Rajon Rondo betitelte Paul als “furchtbaren Mitspieler”, nachdem die beiden Guards beim Spiel von Rondos Lakers gegen Houston aneinandergeraten waren. Mögliche Interessenten werden überlegen, ob sie einem nachweislich schwierigem Charakter wie Paul ein Drittel ihres Cap-Spaces opfern wollen.

Pauls Rolle bei den Thunder: Was passiert mit Schröder?

Für die Thunder hingegen ist es egal, ob sie ihr Geld Paul oder Westbrook, der einen ähnlichen Vertrag besitzt, überweisen. General Manager Sam Presti hat in diesem Sommer alles auf die Zukunft ausgerichtet und seine Stars gegen Draft-Kapital für die nächsten Jahre getauscht.

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Das wirft nicht nur Fragen hinsichtlich Paul, sondern auch der anderen Großverdiener auf. Neben Steven Adams (noch 2 Jahre und 53 Millionen Dollar) steht auch Dennis Schröder auf dem Trade-Block. Der Deutsche verdient in den nächsten beiden Saisons jeweils 15,5 Millionen Dollar, ähnlich wie bei Paul dürfte die Höhe des Vertrages mögliche Interessenten abschrecken.

Der 25-jährige Braunschweiger kam in der vergangenen Saison meist von der Bank und erzielte durchschnittlich 15,5 Punkte in 29,3 Minuten. Nach nur einem Jahr bei OKC sind seine beiden besten Mitspieler Westbrook und Paul George nicht mehr im Kader. Dafür wurden gleich zwei neue Point Guards geholt: Neben CP3 kam Shai Gilgeous-Alexander von den L.A. Clippers per Trade.

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Nach seinem starken ersten Jahr darf der Kanadier die Thunder übernehmen und steht im Mittelpunkt des Neuaufbaus. Dass Schröder ein Teil davon sein wird, ist aufgrund seines Alters nicht auszuschließen. Doch falls Paul beim Team bleibt, wird für Schröder kein Platz (und kein Geld) mehr sein. 

Saison 2018/19 PpGFG%3FG%ApG
Chris Paul15,641,935,88,2
Dennis Schröder15,541,434,14,1
Shai Gilgeous-Alexander10,847,636,73,3

Wechsel nach Miami oder LA?

Falls. Denn es ist keineswegs in Stein gemeißelt, dass Chris Paul lange ein Thunder-Jersey tragen wird. Die Miami Heat tauchten in Gerüchten auf, dort könnte Paul zusammen mit Jimmy Butler im Osten angreifen. Die Heat besitzen zudem genügend hohe Verträge, um Pauls Gehalt auszugleichen.

Auch den L.A. Lakers um LeBron James und Anthony Davis wird Interesse nachgesagt. Dafür müsste Paul mit den Thunder einen Buyout aushandeln, was nach dem Trade ein weiterer Fleck in seiner Vita wäre. Als Präsident der Spielergewerkschaft kann er es sich eigentlich nicht erlauben, seinen Maximalvertrag auszahlen zu lassen, dabei womöglich auf Geld verzichten und anschließend zum Minimum bei den Lakers zu unterschreiben.

OKC nicht das Ende der Reise

Chris Paul wird als einer der besten Point Guards aller Zeiten in die Hall of Fame der NBA einziehen. Diesen Status hat er sich über Jahre mit tollen Leistungen auf dem Parkett erarbeitet. Doch seine Karriere wird zwangsläufig auch mit den Trades und den Unzulänglichkeiten zwischen ihm und  seinen Teamkameraden verbunden sein.

Zudem konnte er bisher keinen Titel gewinnen – dieses Schicksal teil er zwar mit einigen Legenden, dennoch wird es, besonders in den USA, als großer Makel gesehen.

Dass die Oklahoma City Thunder die letzte Station in der Karriere des Chris Paul sein werden, darf stark bezweifelt werden. Es bleibt abzuwarten, bei welchem Team der „Point God“ das nächste Kapitel bestreitet. Und es liegt an ihm, seine Karriere dort wieder auf die ihr angemessene Bahn zu lenken.