DBB-Team holt zum vierten Mal eine Medaille

Die deutsche Nationalmannschaft hat die EM im eigenen Land positiv und mit Edelmetall beendet. Gegen Polen tut sich die DBB-Auswahl zwar schwer, holt sich nach einem 82:69-Sieg aber die Bronzemedaille.

EM 1993: Gold. WM 2002: Bronze. EM 2005: Silber. EM 2022: Bronze. Die deutsche Herren-Nationalmannschaft hat zum vierten Mal in ihrer Geschichte bei einem großen Turnier eine Medaille geholt. Nach dem bitteren Halbfinalaus gegen Spanien setzte sich die DBB-Auswahl im Spiel um den dritten Platz gegen Polen mit 82:69 durch.

„Wir haben einen schweren Weg gehabt. Uns ist ein wenig die Zeit weggerannt. Aber wir haben es irgendwie hingekriegt – dass wir eine Einheit waren. Dann sieht man, was dabei herausgekommen kann“, blickte Johannes Voigtmann bei Magenta Sport auf den gesamten EM-Sommer zurück. „Ganz hinten ist vielleicht ein wenig Wehmut dabei“, gab der Center jedoch zu, sei man ganz nah am Endspiel dran gewesen, aber: „Das kann der Anfang sein für größere Sachen.“

Das fand auch Gordon Herbert auf der Pressekonferenz: „Nachdem wir Griechenland geschlagen hatten, dachten wir, dass wir mehr gewinnen könnten. Aber so is Sport. Das wird uns stärker machen.“

„Wir haben Geschichte geschrieben. Ich hoffe, dass wir den deutschen Basketball sexier gemacht haben“, fügte Dennis Schröder an und lobte dabei auch den Coach, der schon beim Amtsantritt eine Medaille als Ziel ausgegeben hatte. Herbert habe „die Rollenverteilung von Anfang an klar gemacht. Und jeder hat das akzeptiert. Ich habe auch versucht, sehr früh mein Commitment abzugeben – auch ohne Vertrag [bei einem Club.]“

Mit 26 Punkten (7/10 FG) und sechs Assists, wenn auch bei acht Ballverlusten, bestätigte Schröder seine starke Vorstellung in der KO-Runde. Gegen Polen stach derweil auch Johannes Voigtmann heraus, der mit 14 Punkten, neun Rebounds und sechs Assists seine Vielseitigkeit bewies und auch defensiv wichtige Aktionen setzte.

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Fehlende Intensität nach dem verlorenen Halbfinale

In der ersten Hälfte merkte man beiden Teams an, im Halbfinale ausgeschieden zu sein: Intensität suchte man vergebens, Rhythmus ebenso. Die Mannschaften glichen sich den mitunter leeren Plätzen in der Mercedes-Benz Arena an, die Partie plätscherte so vor sich hin.

Wo das deutsche Team aber den Rhythmus fand, war aus dem Catch-and-Shoot: Drei solcher Dreier aus dem Stand trafen die Deutschen Ende des zweiten Viertels, um sich auf 34:20 abzusetzen. Zur Pause hatte die DBB-Auswahl starke sechs von neun Dreiern aus dem Spot-up eingesetzt. Das kaschierte dies aus anderen Bereichen schwache Quote.

Die Polen fanden zu Beginn ihre Optionen bei Mismatches, wie Michal Sokolowski im Post gegen Schröder, zudem fand Aleksander Balcerowski gut ins Spiel. Und dennoch gelangen den Polen zur Pause nur 23 Zähler – immerhin nicht ganz so schwach wie im Halbfinale gegen Frankreich (18 Pkt).

Die ansatzweise gute Ballbewegung packte Polen im dritten Viertel aus, bei der DBB-Auswahl ging der Rhythmus komplett verloren. Erst nach fünf Minuten fiel der erste Korb aus dem Feld – und war dabei auch nicht groß herausgespielt. Nach 23 Punkten in der ersten Hälfte ließ Polen allein im dritten Durchgang 26 Zähler folgen und war auf 59:54 dran. Nach seinem zweiten Dreier im Schlussviertel hatte Jakub Garbacz die Partie siebeneinhalb Minuten vor Schluss ausgeglichen.

„Robin Benzing hätte auch diese Medaille verdient gehabt“

Mit zwei Dreiern war dann auch Johannes Voigtmann zur Stelle, der diesmal mehr Minuten erhielt und das Spiel auf unterschiedliche Weise beeinflusste. Derweil setzte Nick Weiler-Babb defensiv Akzente, Schröder traf einen weiten Dreier gegen die Zone und krönte einen 8:0-Lauf. Da sprang auch der gecuttete DBB-Kapitän Robin Benzing in der ersten Reihe auf und ballte die Faust.

Bei 37 Sekunden zu spielen fand Franz Wagner den cuttenden Johannes Thiemann – per And-One und technischem Foul oben drauf war die Partie beim Stand von 80:69 entschieden, und das deutsche Team hatte die Bronzemedaille sicher.

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Diese hätte Dennis Schröder wohl auch gerne Robin Benzing umgehängt. „Er hätte diese Medaille auch verdient gehabt“, sagte der Neu-Kapitän des Sommers bei Magenta Sport. „Er hat 14 Jahre lang durchgeackert, jeden Sommer den Geburtstag seiner Tochter verpasst. Er war vom ersten Tag an committet. Er ist der wirkliche Kapitän.“

Spanien dominiert Frankreich: fünftes EM-Gold

Den Titel holte sich schließlich Spanien, durch einen 88:76-Erfolg zementierten die Iberer ihren Status als beste Basketballnation Europas in diesem Jahr, wenn man auch die Nachwuchsmannschaften betrachtet. Über 18 Minuten dominierten die Spanier offensiv wie defensiv, wie so häufig kamen die Franzosen aber zurück. Letztlich war Juancho Hernangomez aber nicht zu stoppen: 27 Punkte bei 7/9 von Downtown markierte der Big Man, innerhalb von sechs Minuten im zweiten Viertel traf er dabei jeden seiner sechs Dreier. Nach 2009, 2011, 2013 und 2015 holten sich die Spanier damit zum fünften Mal EM Gold.