Ersan Ilyasova: „Die Euphorie um die Bucks ist enorm!“

Mit den Milwaukee Bucks trifft Ersan Ilyasova in den Conference Semifinals auf die Boston Celtics. Im Interview mit basketball.de spricht der Türke über außergewöhnliche Titelchancen, mangelhafte Englisch-Kenntnisse und seinen 14 Karrierestationen.

basketball.de: Ersan, nachdem Milwaukee das erfolgreichste Team der regulären Saison gewesen war, habt ihr zum Playoff-Auftakt die Detroit Pistons gesweept. Seid ihr nun endgültig der Favorit auf den Titel?

Ersan Ilyasova: Das ist schwer zu sagen. Im Osten tummeln sich zahlreiche, stark besetzte Teams. Und im Westen gibt es immer noch die Golden State Warriors, die unbedingt den Threepeat schaffen wollen. Aber klar ist: Die Situation, in der wir uns momentan befinden, ist außergewöhnlich.

Außergewöhnlich – kannst du das näher beschreiben?

Wir haben realistische Chancen, in den Playoffs sehr weit zu kommen. Ich bin jetzt in meiner zwölften NBA-Saison und glaube einschätzen zu können, dass es solche Möglichkeiten sehr, sehr selten gibt. Schließlich haben wir eine tolle Mischung aus hungrigen Spielern im besten Alter: allen voran Giannis Antetokounmpo, dazu Jungs wie Malcolm Brogdon oder Khris Middleton. Zudem bringen Veteranen wie Brook Lopez oder auch ich eine gewisse Erfahrung mit. Die kann speziell in engen Playoff-Situationen sehr wichtig sein. Besonders im Vergleich zur vergangenen Saison …

… als du bei den Philadelphia 76ers unter Vertrag standest …

… sehe ich einen ganz klaren Unterschied. Mit den 76ers waren wir zwar als Dritter im Osten in die Playoffs eingezogen und wurden als Geheimfavorit gehandelt. Doch das Herz des Teams bestand fast nur aus ganz jungen Spielern. Für die reguläre Saison war das okay, aber für die Playoffs fehlte eine Prise Erfahrung. So war für uns schon in der zweite Runde Endstation [1-4 gegen Boston, Anm. d. Red.]. Für diese Saison mit den Bucks bin ich deutlich optimistischer.

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„Vergangene Saison fehlte den Sixers eine Prise Erfahrung“

2005 wurdest du von Milwaukee an 36. Stelle gedraftet. Was hat sich seitdem im Club geändert?

Eine ganze Menge! Wir haben eine neue Trainingsstätte und seit dieser Saison auch eine brandneue Halle. All unsere Heimspiele sind ausverkauft. Die Euphorie, die rund um die Bucks herrscht, ist enorm! Das Momentum ist auf unserer Seite. Das sollten wir unbedingt ausnutzen und bloß nicht herschenken.

Du bist 31 Jahre alt und hast 745 NBA-Einsätze absolviert. Wie hast du dich in all der Zeit als Mensch entwickelt?

Als ich gedraftet wurde, war ich 18 Jahre jung. Das war eine harte Zeit. Ich sage es ganz ehrlich: Mein Englisch war schlecht! Ich musste ziemlich viel büffeln, damit ich zum Beispiel alle Ansagen der Coaches verstehen konnte. Hinzu kam die andere Kultur hier in den Staaten, viele neue Menschen, mit denen ich klarkommen musste. Alles in allem gab es also diverse Herausforderungen, die es zu meistern galt.

Seit der Saison 2015/16 stand Ilyasova bei sechs verschiedenen Franchises unter Vertrag, von Februar 2017 bis Februar 2018 bei den Atlanta Hawks.

„Du kannst dir keine Komfortzone aufbauen – daran wächst du als Mensch“

Zumal du ja nicht durchgängig in der NBA geblieben bist …

Genau. Zeitweilig habe ich daheim in der Türkei und beim FC Barcelona in Spanien gespielt. Aber ich hatte jedes Mal den Willen, mich nachhaltig in der NBA durchzusetzen.

Das hast du inzwischen geschafft, hast allerdings auch 14 Stationen in deiner 16-jährigen Karriere stehen! Klingt extrem anstrengend?!

Getradet zu werden, ist Teil der NBA. Klar ist es ein Stück weit anstrengend, wenn du jedes Mal von vorn beginnen musst. Andererseits hilft es dir auch, wenn du dich ständig neu beweisen musst. Dann kannst du dir keine Komfortzone aufbauen, wirst jedes Mal vor neue Herausforderungen gestellt. Daran wächst du als Mensch.

Wie konkret?

Eine Sache sollte doch am auffälligsten sein: Mein Englisch ist jetzt deutlich besser. (lacht)