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Javon McCrea: „Spieler im Ausland haben mit ihrer psychischen Gesundheit zu kämpfen“

07.12.2018 || 07:00 Uhr von:
Jüngst sprachen NBA-Spieler wie Kevin Love, DeMar DeRozan und Chris Bosh über ihre psychischen Krankheiten. Und außerhalb der NBA? Dort „betrifft es 50 bis 60 Prozent“ der US-Spieler, sagt Javon McCrea – inklusive ihm selbst. Der ehemalige BBL-Akteur öffnet sich hinsichtlich Angstzuständen, Druck und therapeutischer Hilfe.

„Manchmal darfst du in Läden deine Straßenschuhe nicht tragen – dann musst du deren Flip-Flops anziehen.“ Javon McCrea muss lachen, als er über die etwas andere Kultur in Japan spricht. Für seine fünfte Profisaison ist McCrea in der vergangenen Offseason zum japanischen Erstligisten Yokohama B-Corsairs gewechselt. Der US-amerikanische Center muss sich einem neuen Lebensstil anpassen – und tut dies auf dem Fahrrad, da er kein Auto bekommen hat.

Basketballerisch befindet er sich jedoch auf der Überholspur: McCrea erzielt 19,8 Punkte, 9,4 Rebounds, 1,9 Assists, 2,1 Steals und 0,9 Blocks in 28,9 Minuten pro Spiel – in einer Liga, in der „die übergewichtigen Spieler die sind, die viel Geld machen können, so physisch geht es dort zu“, nennt der 2,01 Meter große Athlet einen Unterschied zu seinen vergangenen Stationen in Europa.

Als ich mit Javon McCrea Ende November bei einem achtstündigen Zeitunterschied telefoniere und ihn frage, wie es ihm geht, antwortet er mit „solid“. Schon zu Beginn des Gespräches bekomme ich das Gefühl, dass er die Frage „How you’re doing?“ nicht – typisch US-amerikanisch – als bloße Begrüßungsformel abtut. McCrea denkt über das Wohlbefinden nach. Der 26-Jährige ist im August Vater geworden und hat seine Familie bei sich in Japan – dementsprechend emotional sei für ihn die Zeit, wie er sagt. Insbesondere, weil McCrea über psychische Gesundheit sprechen will.

[zur englischen Version des Interviews]

basketball.de: Gab es für dich einen Wendepunkt, um gerade jetzt über deine Probleme bezüglich psychischer Gesundheit zu sprechen?

Javon McCrea: Ja, vor allem nach dem, was ich durchgemacht habe. Ich will nicht in Selbstmitleid baden oder dass irgendjemand Mitleid mit mir hat. Aber die vergangene Saison war für mich wirklich ein Jahr, in dem es abwärts ging. Mental war es hart für mich, durch so viele Verletzungen zu gehen. Bei Teams zu sein, aber nicht zu spielen. Dann die ganze Situation in Tübingen mitzumachen: Wir haben viele Spiele verloren, aber ich hatte nicht das Gefühl, dass man sich in der Organisation wirklich darum gekümmert hat. Und obwohl ich so gut gespielt habe, wurde ich entlassen – wegen etwas, das sie nicht beweisen konnten, und wegen etwas, das sie dachten, das ich tun würde. Das hat mich wirklich verletzt.

Dann stand die Geburt meines Kindes bevor. Zudem ist es als amerikanischer Sportler in Europa ganz schön hart – das ist nicht das Einfachste. Wir bringen eine Menge Talent mit, aber es ist nicht unser Zuhause. Sich auf europäische Coaches einzustellen, ist nicht so einfach wie es aussieht. Mitunter wird im Zweifelsfall nicht zu deinen Gunsten entschieden. Viele dieser Punkte haben mir wirklich zu schaffen gemacht.

„Der Druck, jeden Abend auf einem hohen Level performen zu müssen, ist mir an die Substanz gegangen“

Jüngst haben sich viele NBA-Spieler hinsichtlich ihrer psychischen Gesundheit geöffnet, wie Kevin Love, DeMar DeRozan und Chris Bosh, vor etwas längerer Zeit auch Royce White. Hat dich das bestärkt, nun auch offen darüber zu sprechen?

Ja, ich habe gesehen, was Kevin Love gesagt hat. Einige Sachen, über die er gesprochen hat, habe ich auch so empfunden: was die Angst betrifft, in ein Spiel zu gehen. Manchmal ist es ein so großer Druck, rauszugehen und zu performen. Und wenn du nicht performt hast, ist es hart. Manchmal bist du nicht in der Liga, zu performen; manchmal ist es einfach nicht dein Tag. Man kann nicht immer erwarten, dass jemand rausgeht und viel punktet – so funktioniert Basketball nicht. Dieser Druck, rauszugehen und jeden Abend auf einem hohen Level deine Leistung abrufen zu müssen, ist mir ab und zu an die Substanz gegangen. Das hat mir den Schlaf geraubt.

Du hast deine Angstzustände angesprochen. Gibt es noch andere psychische Probleme, mit denen du umgehen musst?

Am meisten beschäftigt mich die Angst, performen zu müssen. Ein anderer Punkt sind die Verletzungen: In meinem ersten Jahr in Deutschland habe ich mich zweimal böse verletzt. Ein Mückenstich hat sich entzündet, womit ich zu Saisonbeginn für etwa einen Monat ausgefallen war.

Beim zweiten Mal ist mir ein Mitspieler ins Knie gefallen, womit ich mir einen Teilanriss im Meniskus zugezogen habe. Das hat dazu geführt, dass ich mich zu Saisonende im März verletzt habe, weil ich so viel darüber nachgedacht habe – jede Saison im März verletzte ich mich. Und wenn dann die Zeit im März gekommen war, habe ich gedacht, dass etwas Schlimmes passieren würde – in jedem Spiel.

Das hat mich wirklich beeinflusst: bei meinem Schlaf, wie ich in ein Spiel gegangen bin, in meiner Laune – meine Coaches und Mitspieler haben immer gefragt: „Warum bist du so launisch? Was ist los mit dir?“ Verletzt zu sein und nicht zu performen, sind die größte Punkte, die meiner geistigen Gesundheit geschadet haben.

Sind diese Probleme im Lauf deiner Profikarriere aufgekommen? Oder hast du sie schon während deiner College-Zeit bemerkt?

Rückblickend sind sie schon etwas am College zum Vorschein gekommen. Aber als ich mich das zweite Mal in Deutschland verletzt habe, haben die Dinge wirklich eine Wende genommen und es hat begonnen, abwärts zu gehen.

Im darauffolgenden Jahr bin ich nach Frankreich gewechselt, wo ich auch gut gespielt habe – aber nicht so viele Minuten gesehen habe, wie ich hätte bekommen sollen. Ich hatte an die 20 Punkte vor dem vierten Viertel – habe dann aber nicht mehr gespielt. Und wir waren dabei, das Spiel zu verlieren. Das hat mich mental auch verletzt. Denn du gelangst zur Erkenntnis, dass Basketball ein Geschäft ist. Und die Politik gewinnt immer. Wenn die nicht auf deiner Seite ist, dann ist sie nicht auf deiner Seite. Als ich realisiert habe, dass sich das Spiel, das ich liebe, nicht immer darauf stützt, wie gut ich spiele, war das hart. Ich hatte das Gefühl, dass ich nicht gewinnen kann.

Hast du bzw. suchst du professionelle Hilfe für deine Angstzustände auf?

Das ist die erste Saison, in der ich eingesehen habe, Probleme mit meiner psychischen Gesundheit zu haben. Ich gehe derzeit in Japan zu einem Therapeuten, ich habe noch gestern mit ihm gesprochen. Er hilft mir wirklich sehr: Ich kann einfach zu ihm gehen, mit ihm reden und alles rauslassen.

Es hilft mir, über Dinge zu sprechen, die ich überwunde habe, und über Sachen, die ich durchgemacht habe, als ich aufgewachsen bin. Mein Therapeut meint, dass das auf ein Problem mit ADHS zurückgeht: Du schleppst diese schlimmen Dinge mit dir herum und wiederholst sie in deinem Kopf, egal was passiert. Er hat mir sehr geholfen, mich darum zu kümmern, nach bestimmten Dingen zu suchen und die richtigen Medikamente zu nehmen.

„Ich spreche jede zweite Woche mit meinem Therapeut“

Bist du von dir aus zum Therapeuten gegangen? Oder hast du die Unterstützung deines Teams wahrgenommen, weil sie jemand kennen, dem sie vertrauen?

Es war mein Trainer. Tom Wisman, ein sehr respektierter Coach in Japan, hat einen Sohn mit einer psychischen Erkrankung. Als er mich in der ersten Woche gesehen hat, wusste er sofort, dass ich damit auch Probleme habe. Einer seiner Freunde ist ein Therapeut. Ich spreche jede zweite Woche mit meinem Therapeut.

Hast du das Gefühl, Fortschritte zu machen?

Ja, wirklich sehr gute. Meine Leistung steigert sich. Ich fühle mich auch viel besser zu wissen, dass ich nicht der einzige bin. Ich bin nicht dieser eine komische Typ auf der Welt. Viele Menschen machen das durch, was ich durchmache. Das hilft mir geistig eine Menge. Ebenso zu wissen, dass mir jemanden den Rücken freihält. Wenn ich mit meinem Therapeut spreche, dann bringt er mich immer voran und geht sicher, dass ich weiß: ein paar Dinge sind okay, an anderen Dingen müssen wir arbeiten.

Hat dir dein Therapeut auch so etwas wie psychologische Ratschläge oder praktische Methoden mit an die Hand gegeben, um mit deinen Angstzuständen auf dem Feld umzugehen?

Aus praktischer Sicht: meditieren. Meditation ist das Beste. Sich einfach hinsetzen, sich beruhigen, tief ein- und ausatmen und verstehen, dass alles nicht so schlimm ist, wie man denkt. Ich versuche, meinen Geist zu entspannen. Und dann gehe ich raus und versuche, mein Bestes zu geben.

Ein weiterer guter Ratschlag von ihm: Nicht in Deutschland, aber anderswo bin ich häufig gezwungen worden, trotz Verletzungen zu spielen. Er sagte: „Wenn sie eh über dich urteilen, dann sag einfach, ,ich bin verletzt, ich spiele nicht.’“ Das habe ich in dieser Saison gemacht: Ich habe die Pause bekommen, die ich benötigt habe, bin zurückgekehrt und habe einen Karrierebestwert [von 32 Punkten] aufgelegt. Seine Philosophie funktioniert bisweilen wirklich.

„Ich wurde einige Mal ein ,Weichei‘ genannt, weil ich nicht verletzt spielen wollte“

Du hast also das Verständnis deines Trainers in Japan. Aber wenn du in deiner Karriere zurückgehst: Glaubst du, du hättest das mit anderen Coaches auch tun können? Sagen, dass du nicht spielst, weil du verletzt bist. Oder dich hinsichtlich deiner psychischen Gesundheit zu öffnen.

Im Ausland ist das schwierig. Wenn du in Deutschland verletzt bist, dann wollen sie dir helfen – sie werden dich nicht verletzt spielen lassen. Das ist eine gute Sache an Deutschland. Aber in Israel oder anderswo … das ist schwierig, Mann, das ist schwierig. Du wirst dich deswegen wahrscheinlich schlecht fühlen. Ich wurde einige Mal ein „Weichei“ genannt, oder dass ich weich sei. Weil ich eben nicht verletzt spielen wollte. In Deutschland hat das aber nie zugetroffen.

Jackie MacMullan hat auf ESPN eine fünfteilige Serie über psychische Gesundheit veröffentlicht. In einem dieser Artikel sagt John Lucas, ein ehemaliger NBA-Spieler und jetziger Assistant Coach der Houston Rockets, dass er glaube, 40 Prozent oder mehr der NBA-Spieler haben eine Art von psychischer Erkrankung. Denkst du, das trifft auf US-amerikanische Spieler im Ausland auch zu?

Das habe ich auch festgestellt: Dass viele meiner Mitspieler die gleichen Dinge durchgemacht haben wie ich, wenn nicht sogar schlimmer – sie haben es sich aber nicht eingestanden. Oder sie haben nicht wirklich verstanden, was sie da durchmachen. Ich glaube, der Anteil ist höher. In der NBA hast du deine Ziele erreicht, du bist dort hingekommen, wohin die wolltest.

Im Ausland? Die meisten Spieler im Ausland waren nie in der NBA. Ich denke, die psychischen Krankheiten kommen viel häufiger vor: Ich würde sagen, 50 bis 60 Prozent. Vor allem bei den Menschen, mit denen ich zu tun hatte: Manche wollten das Haus nicht verlassen, haben nur Trübsal geblasen, waren wirklich traurig und einfach vielem gegenüber negativ eingestellt. Autogramme unterschreiben? Wollten sie nicht. Zum Abendessen gehen? Wollten sie nicht. Sie wollten nur zuhause herumsitzen und die ganze Zeit unglücklich sein. Ich denke, Spieler im Ausland haben häufig mit psychischen Krankheiten zu kämpfen, was wir gar nicht sehen können.

Was sind die Gründe hierfür? Soweit weg von zuhause zu sein? Und nicht Verträge wie NBA-Spieler zu haben, mit denen man langfristig abgesichert ist?

Genau. In der NBA bekommst du einen Vier- oder Fünf-Jahres-Vertrag. Und wie viele verdienen eine Million? Da geht es dir ganz gut. Im Ausland sind es ein paar Hunderttausend, und nur für eine Saison. Du weißt nicht, was du in der nächsten Saison machen wirst. Und nach ein oder zwei schlechten Spielen denkst du, die Hölle ist ausgebrochen. Die Sicherheit der Verträge im Ausland beeinflusst dich: Man unterschreibt Ein-Jahres-Verträge und weiß nicht, wo man sein wird. Manchmal will dich deine Familie nicht besuchen – dann bist du die meiste Zeit allein und starrst gegen die Wand.

„Viele Leute wollen es nicht zugeben, weil sie glauben, dass das ein Zeichen von Schwäche und nicht ,männlich‘ ist“

Mit deiner Einschätzung, dass 50 bis 60 Prozent der Spieler im Ausland mit psychischen Problemen zu kämpfen haben: Hast du mit deinen Mitspielern darüber gesprochen?

Ich habe mit ein paar meiner Mitspieler und Freunde darüber gesprochen – sie haben das alle schnell abgestritten. Viele Leute wollen das nicht zugeben. Sie glauben, dass das ein Zeichen von Schwäche oder einer Niederlage sei, dass es nicht „männlich“ ist. Die Negativität, die ich von vielen Leuten höre, lässt mich vermuten, dass sie das gleiche durchmachen wie ich. Und ich weiß, dass ich nicht der einzige bin.

Wenn wir über die NBA sprechen, sprechen wir über eine der größten, wenn nicht die größte Sportliga der Welt. Es gibt viele Möglichkeiten, auch finanziell. Aber wie schwer ist es für einen Spieler im Ausland, Hilfe zu suchen und Leute zu finden, die einen unterstützen?

Ja, finanziell ist das definitiv schwierig, vor allem bezüglich der Budgets. Nicht jedes Team hat so ein großes Budget wie Bayern München oder ALBA BERLIN. Somit ist es für viele Teams schwierig, an so eine Hilfe zu kommen.

Aber ich denke, es würde diesen Teams auch eine Menge helfen, wie sie einen seelischen Berater hätten. Ich habe mir viele Interviews von LeBron James auf Interrupted angesehen – viele NBA-Spieler haben einen Psychiater oder einen sportlichen Berater, mit dem sie sprechen können – um diese Stimmen aus ihrem Kopf zu bekommen. Denn vor einem Spiel kann dir eine Stimme in deinem Kopf sagen, was schief gehen wird. Es ist das Beste, in ein Basketballspiel frei von Gedanken zu gehen – mit dem Verständnis, selbstbewusst zu sein und dein Spiel zu spielen. Aber ich kenne viele Leute, die mit diesen Stimmen in ihrem Kopf zu kämpfen haben.

In der NBA wird es in Zukunft einen „Director of Mental Health and Wellness“ geben. Mit dem „Rookie Transition Program“ werden Spieler, die ihre Profikarriere beginnen, unterstützt. Ich habe mich gefragt, ob eine Art „Transition Program“ nicht auch für US-Spieler im Ausland wichtig wäre.

Es gibt kein „Transition Program“. In gewisser Weise sagen sie dir, was du nicht tun darfst, wenn du es schon vermasselt hast. (lacht) Es gibt nicht wirklich so etwas wie vorbeugende Maßnahmen. Es gibt eher eine leichte Strafe, wenn du etwas vergeigt hast. Mir ist bewusst, dass ich ein paar solcher Dinge getan habe: wie zur falschen Zeit ausgehen, mich mit den falschen Leuten umgeben oder falsch auf meine Trainer und den Stab reagieren, als sie mir auf die Nerven gegangen sind.

Es ist nicht so, dass dir viele Leute sagen, wie du hier zu leben hast. Das musst du fast ganz alleine herausfinden. Deswegen ist es schwierig, wenn du in eine dieser Situationen gerätst: Dann kannst du es fast spüren, wie Leute auf dir herumhacken oder dich falsch behandeln.

„Ich wusste nicht, ob ich überhaupt noch Basketball spielen will“

Glaubst du, dass deine Angstzustände in der Vergangenheit verhindert haben, bestimmte Verträge zu bekommen bzw. bei bestimmten Teams zu unterschreiben?

Es war ein Hindernis, als ich in Frankreich gespielt habe. Ich bin im November nach Hause gegangen. Ich habe mich entschieden, das Team zu verlassen, weil ich geistig so ausgelaugt war. Das Team wollte, dass ich bleibe – ich wollte einfach nach Hause. Und dann bin ich zwei oder drei Monate zuhause gesessen – das hat ein wenig meine Karriere ruiniert. Ich hatte ein solches Heimweh, ich wollte nicht mehr im Ausland spielen. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht mal, ob ich überhaupt noch Basketball spielen will.

Das war die Zeit, als ich nach Puerto Rico gegangen bin, was nicht die beste Entscheidung war. Ich hatte Angebote u.a. von Teams aus Griechenland und Israel. Aber ich habe mich dagegen entschieden. Wäre ich selbstsicherer gewesen und hätte ich damals schon gemerkt, dass ich Angst und eine Depression habe, dann hätte ich letztlich wohl die Entscheidung getroffen, wieder im Ausland zu spielen. Dann hätte ich viel Geld machen oder im EuroCup spielen können. Aber ich habe mich dagegen entschieden … weil ich lieber zuhause bleiben und nichts tun wollte.

Wie erwähnt haben sich zuletzt viele NBA-Spieler geöffnet, aber von anderen Spielern im Ausland habe ich bislang nichts gehört. Hast du?

Das ist die Sache, es ist schwierig. Ich habe nicht von allzu vielen Spielern gehört, die über psychische Krankheiten gesprochen haben, weil sie nicht so schwach herüberkommen wollen. Wenn du sagst, dass du geistig erkrankt bist, werden dir einige Jobs verwehrt bleiben. Viele Leute werden sagen: „Mit dem will ich nichts zu tun haben“. Ich denke, es ist nicht wirklich akzeptiert. Das wäre es mehr, wenn die Menschen verstehen würden, dass es okay ist, eine psychische Erkrankung zu haben. Ich denke, viel mehr würden sich öffnen.

„Ich begebe mich in gewisser Hinsicht in die Schusslinie“

Jetzt tust du das. Was denkst, kommt als nächstes: Könnte dir das bezüglich zukünftiger Verträge nicht auch schaden? Oder werden dir vielleicht andere Spieler im Ausland folgen?

Ich begebe mich in gewisser Hinsicht in die Schusslinie. Mir ist klar, dass das ein Job ist und dass da draußen Geld zu verdienen ist. Aber am Ende des Tages ist dein Wohlbefinden das wichtigste. Wenn jemand psychisch erkrankt ist, willst du nicht, dass diese Person die falschen Entscheidungen trifft, sein Leben im Alkohol ersäuft, Drogen nimmt oder Selbstmord begeht. All das kann wirklich passieren.

Wenn die Leute verstehen, dass du einen Spieler in deinem Team haben kannst, der psychisch erkrankt ist, kann sich die Leistung des Spielers auch steigern – es kann beiden Seiten helfen. Ich will das Risiko eingehen und sicherstellen, dass Spieler wissen: Es ist okay, offen darüber zu sein. Ich war meinem Coach offen gegenüber, und er hat mir geholfen. Ich fühle mich viel besser. Das kann auch anderen helfen – wenn es nur zwei oder drei Leute sind oder 30. Solange es jemanden hilft, freut mich das.

Wie sehen deine Pläne für die Zukunft aus? Kannst du dir vorstellen, in Japan zu bleiben? Oder würdest du lieber wieder nach Europa gehen?

Das ist eine andere Sache, mit der mir mein Therapeut geholfen hat: so weit wie möglich im Moment zu leben. Es war einfach für mich, ein Jahr vorauszuschauen. Jetzt stresst mich das. Weil ich weiß, dass es noch so viel gibt, was ich tun möchte. Ich will also von Tag zu Tag, von Spiel zu Spiel denken.

Mir ist egal, wo ich spiele, solange sich meine Familie und ich in der besten Situation befinden – eine Situation, in der ich geistig glücklich bin. Ich würde liebend gerne in Deutschland spielen. Der asiatische Markt ist auch großartig. Ich würde auch liebend gerne in den USA spielen. Aktuell ist es schwierig für mich, das zu durchschauen. Ich möchte einfach dort spielen, wo ich glücklich bin.

Wenn ihr Javon McCrea auf seinem Weg begleiten wollt, könnt ihr das natürlich über Social Media – auf Instagram, Facebook, Twitter und YouTube – oder seiner Homepage JavonMcCrea.com tun.

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