Isaac Bonga, 18 Jahre, A-Nationalspieler

Isaac Bonga steht im DBB-Kader gegen Serbien und vor seinem A-Länderspieldebüt. Wie hat der Point Guard der FRAPORT SKYLINERS Bundestrainer Henrik Rödl überzeugt?

„Mein Ziel ist es, Starting-Point-Guard zu werden. Dafür habe ich den ganzen Sommer trainiert.“ Isaac Bonga zeigte sich beim basketball.de-Podcast im vergangenen September ambitioniert. Doch seine jüngsten Auftritte haben dem 18-jährigen Guard der FRAPORT SKYLINERS recht gegeben: In allen vier Partien des neuen Jahres stand Bonga in der Ersten Fünf.

In Gesprächen mit Bonga wie auch mit Frankfurts Head Coach Gordon Herbert wird deutlich, dass der Begriff des „Point Guards“ ein fluider ist. Denn die Frankfurter wissen häufig mehrere Spieler auf dem Parkett, die mit dem Ball in der Hand kreieren können – naheliegender mag die Bezeichnung des „Ballhandlers“ sein.

Dennoch ist auch der Begriff „Starting-Point-Guard“ nicht ganz abwegig, schneidet er doch Bongas Entwicklung an: Startete er zu Saisonbeginn, übernahmen meist noch andere Akteure wie Tai Webster oder Phil Scrubb den Spielaufbau. Doch in diesem Jahr schlüpft Bonga mehr und mehr in diese Rolle. Vor allem die vergangene Partie gegen Ulm, aber auch die Begegnungen gegen Tübingen und Braunschweig haben das verdeutlicht. Herbert legt dem Guard-Talent noch mehr Vertrauen in die Hände, Spielzüge einzuleiten und das System zu dirigieren.

Offense: aggressiver Aufbau

Unter Herbert bedeutet dies, Spielzüge konsequent durchzulaufen. Die Frankfurter pflegen eine geringe Pace und haben nicht das dickste Playbook. Damit wird das Streben nach Perfektion bezüglich Pässe, Rotationen und Spacing noch wichtiger. Zu Saisonbeginn konnte man Bonga mitunter eine gewisse Zögerlichkeit attestieren, doch zuletzt hat sich der Guard in der Offensive aggressiver präsentiert.

Da reicht schon ein Blick auf das Duell mit Ulm, wie auch das folgende Video zeigt. Schon in der ersten Possession ergreift Bonga die Initiative und zieht nach einem Side-Pick-and-Roll konsequent zum Korb. Später im ersten Viertel findet er in der Early Offense mit Tim Ohlbrecht ein Mismatch vor – was Bonga auch forciert. Eine kurze Verzögerung beim Zug zum Korb verschafft ihm noch mehr Platz für den einfachen Korbleger.

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In beiden Fällen erwähnenswert: Bonga geht über seine linke Hand. Im zweiten basketball.de-Podcast erklärte er hierzu: „Ich gehe gerne über die linke Seite, das war eigentlich schon immer so. Wenn ich einen Move mache, dann gerne mit der linken Hand. Das habe ich im Gefühl.“

Die letzte Szene zeigt, dass die Frankfurter im Halbfeld auch mal früher den Abschluss forcieren. Das Spiel zu Beginn des Angriffs liegt Bonga. Unter anderem nach einem eingesammelten Defensiv-Rebound versteht es der Guard, auf das Tempo zu drücken und das Spiel schnell zu machen, wie folgende beiden Szenen zeigen.

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Die Vorteile des Schnellangriffs liegen auf der Hand: Die gegnerische Verteidigung kann sich nicht formieren, die Offensive entgeht so einem gewissen Druck. Dass Bonga in Drucksituationen noch Fehler macht, ist einem 18-Jährigen zu verzeihen; Partien wie gegen die „40 Minutes of Hell“ der Ludwigsburger samt acht Ballverlusten passieren. Dennoch präsentiert sich Bonga mittlerweile kontrollierter und ruhiger im Spiel. Das zeigt er auch mit seiner Übersicht, unter anderem bei Kickout-Pässen oder Anspielen in die Ecke.

Folgendes Video enthält drei Szenen, die Bongas Übersicht im Pick-and-Roll – auch dank seiner Größe – seiner Körperbeherrschung nach der auf sich ziehenden Help-Defense und seine Kraft bei einem einhändig gespielten Pass in die Ecke zeigen. Das gepaart mit Präzision.

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Defense auf fünf Positionen

Aggressiv zum Korb ziehen ist das eine, dort effizient abzuschließen das andere. Im zweiten Podcast hatte Bonga erklärt, dass er sich unter anderem seinen Finishes verbessern müsse. Hier hilft ihm das Krafttraining. „Im Bereich der Rumpf- und Bauchmuskulatur bin ich viel stärker geworden.“

Davon profitiert Bonga auch in der Verteidigung. Mit seiner Größe und dem Frankfurter Verletzungspech sieht Bonga mitunter auch Minuten auf der Vier. Gegen vermeintlich größere und stärke Spieler muss der Guard aber auch auf Grund des Frankfurter Systems verteidigen, das viele Switches am und abseits des Balls beinhaltet. „Wenn wir switchen und ich einen großen Gegenspieler raushalten muss, mache ich schon ein ziemlich guten Job“, zeigt sich Bonga selbstbewusst.

Folgendes Video unterstreicht dies in den ersten beiden Aktionen. Dort muss Bonga zum einen gegen den Braunschweiger Finesse-Center Scott Eatherton, zum anderen gegen Tübingens 113-Kilo-Kraftpaket Javon McCrea ran. Wie Bonga in der Verteidigung arbeitet, frontet und dagegenhält, ist hervorragend. Gekrönt werden diese beiden Verteidigungssequenzen mit dem Defensiv-Rebound.

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In der dritten Aktion des Videos gegen ALBA BERLIN wird das viele Switchen Frankfurts ersichtlich. Im abschließenden Pick-and-Roll scheinen Bonga und Mike Morrison nicht die optimale Abstimmung zu haben, womit der abrollenden Dennis Clifford unter dem Korb offen. Doch Bonga rotiert zurück und blockt den 2,16-Meter-Hünen.

Auch gegen Braunschweigs Eatherton war Bonga mit einem solchen Block beim Aushelfen bzw. Zurückrotieren zur Stelle. Diese Ringbeschützerqualitäten vom Point Guard zu bekommen, ist einmalig.

Ausblick

Eine größere Verantwortung als Aufbauspieler, mehr Aggressivität, aber gleichzeitig Ruhe im Spiel, sowie eine gewohnt starke Verteidigung auf allen fünf Positionen – mit diesen Qualitäten hat sich Isaac Bonga für den Kader des WM-Qualifikationsspiels gegen Serbien empfohlen. Eine Entwicklung, die Bonga wohl selbst gar nicht so schnell erwartet hat.

Im vergangenen September antwortete Bonga mit Blick auf Isaiah Hartensteins EM-Teilnahme und die Frage, ob die A-Nationalmannschaft gar nicht so weit weg sei: „Auf jeden Fall. Für mich war es auch ein Zeichen. Ein späteres Ziel soll es sein, in ein, zwei Jahren in der A-Nationalmannschaft zu spielen.“ Ob Bonga gegen Serbien und eventuell am Sonntag in Georgien auflaufen wird, bleibt abzuwarten. Doch nach nur einem halben Jahr so kurz davor zu stehen, ist aller Ehren wert.


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