Paul Gudde: Mit Basketball auf Kreuzfahrt

basketball.de: Man sieht dich ab und zu mal auf Kreuzfahrtschiffen rumhängen. Was haben deine Kreuzfahrten mit Basketball zu tun?

Paul Gudde: Rumhängen ist nicht ganz die richtige Bezeichnung. Ich hatte im vergangenen Jahr das zweite Mal die Chance, mein eigenes Basketball-Camp auf einem der „TUI Mein Schiff“-Schiffe anzubieten. Also arbeite ich dort.

Es wird ja noch nicht jeder auf einer Kreuzfahrt gewesen sein, daher sollte man zum Verständnis wissen, dass auf Kreuzfahrtschiffen natürlich Programm geboten werden muss. Dabei muss für alle Altersstufen etwas angeboten werden. Gerade an Seetagen, wenn keine Landausflüge möglich sind, ist es wichtig, Programm für die Gäste zu schaffen.

Wenn es um sportliche Angebote für die Kinder und Jugendlichen geht, ist Fußball ein großes Thema. Schon jahrelang. Die Veranstalter, in diesem Fall TUI Cruises, sind natürlich bemüht, sich nach Alternativen umzuschauen, um neuen Wind in die Angebotspalette zu bringen. Da ich in den letzten Jahren schon einige andere Projekte mit einer Agentur umsetzen konnte, die auf solchen Schiffen Entertainment und Trainer platziert, war der Weg nicht weit, mein Basketballcamp anzubieten. So kam es dann, dass ich im letzten Jahr auf einer elftägigen Mittelmeerkreuzfahrt zum ersten Mal mein Basketball-Camp angeboten habe.

Wie läuft das Ganze genau ab?

Die Kids können in den ersten Tagen bei einem Schnuppertraining teilnehmen. Das Angebot richtet sich an alle 12- bis 17-Jährige an Board. Vor dem Schnupperkurs geht es darum, so viel Aufmerksamkeit für das Angebot zu schaffen wie nur möglich. Es gibt an Board eine Teens-Lounge, wo die Jugendlichen viel Zeit verbringen, sowie Informationsscreens und sogenannte Boardpost für die Kabine, in der über Angebote informiert wird. So kommen die potentiellen Teilnehmer zum Schnuppertraining. Wenn es den Kids gefällt, können sie sich für die nächsten fünf Einheiten verbindlich anmelden.

Ich biete das Camp zusammen mit Lars Meyer, einem Spieler meines „Germany’s Finest“-Team aus dem Sommer und Freund von mir an. So können wir bis zu 20 Kids auf dem Freiplatz des Schiffs an unserem Camp teilnehmen lassen. Spaß und Spiel stehen dabei im Vordergrund. Die Kinder sollen mit der Sportart Basketball in Kontakt kommen, wenn sie nicht bereits aktive Vereinsspieler sind.

Wie häufig bist du auf den Schiffen unterwegs? Und finden solche Basketball-Camps jetzt auf allen Kreuzfahrten von TUI statt?

Es kommt erstmal aufs Schiff an. Nicht alle Schiffe haben einen Basketball-Court. Von den sechs Schiffen haben vier Stück einen Platz. Ich mache bis jetzt aber nur eine Kreuzfahrt im Jahr. 2017 war ich auf der TUI Mein Schiff 5, letzten Sommer war ich auf der TUI Mein Schiff 6. Das sind leicht andere Schiffe, vergangenes Jahr hatten wir als Neuerung ein Sonnensegel über dem Platz. Man müsste also wirklich wissen, wann ich dabei bin, um das planen zu können. Ansonsten kann man auf den Schiffen mit Basketballfeld aber jederzeit alleine ohne Anleitung Basketball spielen. Am besten folgt man mir auf Instagram (@paulgudde), um immer auf dem aktuellen Stand zu sein, was meine Camp-Angebote angeht.

Es ist eine tolle Erfahrung, keine Frage. Ich könnte mir aber auch nicht vorstellen, das ganze Jahr durch die Gegend zu schippern. Gegen ein oder zwei Kreuzfahrten im Jahr habe ich nichts einzuwenden. Die berühmte Work-Life-Balance ist auf dem Schiff natürlich schon sehr gut. Wenn man bedenkt, dass ich das Camp an fünf von den elf Tagen Kreuzfahrt habe und eine Einheit abends 90 Minuten geht, dann ist die Zeit, die man in andere Dinge investieren oder mal die Füße hochlegen kann, sehr, sehr gut bemessen. Natürlich muss man auch das Angebot bewerben oder mal hier und da eine Aktion mit den ganz Kleinen machen. Man ist also mehr beschäftigt als nur die reine Zeit auf dem Platz. Aber letztendlich ist es ein dankbares Arbeitsumfeld.

Wie ist es so für dich an Board?

Wir haben einen ziemlich interessanten Status an Board. Wir sind weder Crew, haben also keinen Zugang zum ganzen Crew-Bereich, noch sind wir komplett Gast, weil wir auf dem Schiff arbeiten. Wir genießen also die Freiheiten der Gäste, aber können beim Essen und dem All-Inclusive-Paket alles in Anspruch nehmen. Wir können aber wie gesagt nicht in den Crew-Bereich. Beim Essen sind wir da ganz froh; aber zum Beispiel mal an der Crew-Bar mit den Leuten ins Gespräch zu kommen, wäre sicher sehr interessant. Diesen Einblick zu bekommen, den wir haben, wie das Leben in dieser kleinen Stadt auf dem Wasser mit 2500 Gästen und mehr als 500 Menschen, die dort arbeiten, ist, bekommt man sonst ja nicht.

Was war dein Highlight bei den beiden Reisen?

Es war sehr interessant, die verschiedenen Städte zu bereisen, die man sonst in so kurzer Zeit nicht zu Gesicht bekommt. Unser Landtag in Gibraltar auf dem Affenfelsen wird uns in guter Erinnerung bleiben. Abends mitten auf dem Meer zu sehen, wie Delfine im Sonnenuntergang in den Wellen des riesigen Schiffs spielen, ist zwar kitschig, aber eine tolle Erfahrung. Früh morgens in die Häfen einlaufen und abends wieder ablegen, das sind auf jeden Fall Eindrücke, die hängenbleiben.

Letztendlich ist das wieder mal ein Erlebnis, das ich dank des Basketballspiels erleben darf. Es ist verrückt, was mir alles möglich ist und was sich alles entwickelt hat. Das ist echt faszinierend. Was ich mir bisher alles erarbeitet habe, merkt man bei der Nachbetrachtung einer solchen Kreuzfahrt dann schon.

Hast du von Teilnehmern Rückmeldungen bekommen, die sich nach dem Camp auf dem Schiff zuhause einem Verein angeschlossen haben?

Ja, das ist natürlich das, was bei allen Aktionen mit Menschen oder hier mit Kindern, die noch nicht mit dem Sport in Berührung gekommen sind, schön ist. Normal habe ich ja, wie im ersten Teil erwähnt, mittlerweile eher mit leistungsorientierten Spielern zu tun. Egal ob Kids oder Erwachsene, sie sind sehr ambitioniert. Bei den Camps auf dem Schiff war es so, dass vor allem Kinder mitgemacht haben, die aus anderen Sportarten kommen und die es einfach nur ausprobieren wollten.

Da ist es natürlich das größte Kompliment und das, was ich dann am meisten schätze, wenn die Eltern nachher zu mir kommen und sagen, „der kleine Sven hat jetzt voll Bock auf Basketball bekommen. Das Erste, was wir machen, wenn wir aus dem Urlaub kommen, ist, uns im Verein anzumelden.“ Das gibt einem als Trainer nochmal ein schönes Gefühl, wenn man nicht nur die Stunden auf dem Schiff gut gefüllt hat, sondern auch eine Inspiration gegeben hat. Sodass die Kinder Lust auf die Sportart bekommen haben. Das ist eine ganz wichtige Aufgabe, ihnen zu zeigen, was für eine geile Sportart Basketball ist. Das habe ich im vergangenen Jahr auf jeden Fall wieder geschafft.

Hast du Bestrebungen, das Ganze noch auszubauen?

Wir sind gerade dabei, über dieses Jahr zu sprechen. Ob die Camps noch verstärkt stattfinden werden, also bei mehreren Cruises, das ist noch nicht ganz klar. Das Paul Gudde Basketball-Camp auf einem der TUI Mein Schiffe wird auf jeden Fall wieder stattfinden. In welchem Ausmaß bleibt noch abzuwarten. Ich habe ja auch parallel viele Aktionen, die über das Jahr hinweg laufen. Daher kann ich nicht die ganze Zeit auf dem Schiff umherschippern.

Aber generell kann ich mir vorstellen, das öfter zu machen als eine Kreuzfahrt im Jahr. Ich hätte nichts dagegen, mal nach Amerika zu fahren; es gibt auch sehr schöne Kreuzfahrten in der Karibik. Wir werden in nächster Zeit sehen, was umzusetzen ist. Eventuell sehe ich ja auch mal einen von den Lesern hier auf einer Kreuzfahrt, das würde mich auf jeden Fall freuen. c

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