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„Ich habe mich intensiv mit dem Spiel von Bamberg auseinandergesetzt“

26.11.2016 || 09:09 Uhr von:
Was macht eigentlich Pete Miller? basketball.de traf den ehemaligen NINERS-Sportdirektor zum Interview, um über seine Zeit in Chemnitz, seine Zukunft und Trinchieris Spielstil zu sprechen.

Ein trister, grauer Montagmorgen in Chemnitz. Fleißig werkeln die Handwerker am Rathaus und auf dem Rathausplatz, um die letzten Arbeiten für den Chemnitzer Weihnachtsmarkt abzuschließen. Ein großer, unauffälliger Mann mit Rucksack schlendert über den Rathausplatz und guckt kurz dem fleißigen Treiben zu. Dieser unauffällig wirkende Passant unterscheidet sich kaum von den anderen. Einzig, dass er vielleicht etwas größer ist. Jedoch ist dieser Mann in Basketballdeutschland und vor allem in der Chemnitzer Basketballszene kein Unbekannter. Die Rede ist vom ehemaligen Sportdirektor der NINERS, Pete Miller.

basketball.de nutzte die Gelegenheit und stellte Pete Miller unweit seiner alten Wirkungsstätte, der Richard-Hartmann-Hölle, ein paar Fragen. Eins lässt sich jetzt schon vorwegnehmen: Seine neu gewonnene Freizeit nutzt Pete Miller nicht nur zur Verbesserung seines Handicaps. Vielmehr merkten wir sofort: Dieser Weg ist noch nicht zu Ende – Pete Miller brennt auf eine neue, weitere Aufgabe.

„Auch ein alter Hase bildet sich weiter“ – Coach Pastore gab interessante Einblicke

basketball.de: Hi Pete, schön dich wiederzusehen. Wie kommt’s, dass wir dich in Chemnitz wieder antreffen?

Peter Miller: Ich bin gerade hier und besuche ein paar Freunde.

Wie ist es dir in der vergangenen Zeit ergangen?

Als erstes habe ich mein Golf-Handicap verbessert (lacht). Nein, ich habe die Zeit genutzt, um mich weiterzubilden und um natürlich auch intensiv den Markt zu beobachten und zu analysieren!

„Ich habe uns auf einem guten Weg gesehen und wollte noch viel mit den NINERS erreichen“

Im Mai wurde für viele überraschend dein Vertrag nicht verlängert. Willst du nochmal kurz drauf eingehen?

Um ehrlich zu sein, war ich sehr überrascht. Ich habe uns auf einem guten Weg gesehen, und ich wollte noch viel mit den NINERS erreichen. Nicht nur die Stadt und der Verein sind mir ans Herz gewachsen, sondern vor allem die Fans. Es sind die besten Fans der Liga. Die Fans haben mir auch immer einen extra Motivationsschub gegeben. Natürlich wünsche ich Rodrigo [Pastore, Headcoach der NINERS, Anm. d. Red.] und den NINERS nur das Beste für die Zukunft.

Was schätzt du, können die NINERS diese Saison erreichen?

Es freut mich zu sehen, dass die NINERS Rodrigo halten konnten. Ebenfalls positiv zu sehen ist, dass die Qualität der deutschen Spieler gesteigert wurde. Zusätzlich haben Jonas Richter und Daniel Mixich ein Jahr ProA-Erfahrung auf den Buckel. Das ist alles wichtig, um in der ProA eine gute Rollte zu spielen. Jedoch wurde deswegen ein ausländischer Spieler weniger verpflichtet. Es ist zwar riskant, aber bisher geht es auf.

Abschließend noch zur eigentlichen Fragestellung: Ich teile die Meinung von basketball.de in ihrer Saisonvorschau. Das Heimrecht in den Playoffs ist drin. Jedoch muss ich auch dazu sagen, dass es sicherlich noch Veränderungen in den Mannschaftskadern der ProA geben wird. Von daher werden sich die letzten Favoriten noch herauskristallisieren. Einzig der MBC ist bei mir gesetzt.

Wie schätzt du den sächsischen Nachbarn, die Dresden Titans ein?

Chemnitz: Basketball-Bundesliga ProA. BV Chemnitz 99 (Niners) vs. Cuxhaven BasCats Neuer Coche Pete Miller. Foto: Peter Zschage

Foto: Peter Zschage

Was die Titans in Dresden aufgebaut haben, ist sehr eindrucksvoll. Bisher habe ich ein Spiel in der Halle verfolgt und ein paar weitere über den Stream. Die Mannschaft verfügt über eine unheimliche Offensiv-Power. Sie sind sehr explosiv in der Offensive. Einzig allein die Defensive bereitet mir Sorgen. Sie kassieren einfach zu viele Punkte. Das muss sich bald ändern, ansonsten wird es sehr eng für Dresden!

„Rodrigo Pastore hat von Trinchieri gelernt“

Aber kommen wir darauf zu sprechen, was du in deiner freien Zeit getan hast.

Ich habe mich mit der „neuen Art“ des Basketballs beschäftigt. Ich habe mich sehr intensiv mit dem Spielstil von Bamberg und einigen anderen Mannschaften auseinandergesetzt. Dieser Spielstil oder einzelne Spielzüge werden immer mehr von verschiedensten Vereinen adaptiert. Nicht nur in Deutschland, sondern in Europa. Ich muss aber gestehen, dass ich am Anfang nicht wirklich davon überzeugt war. Aber Rodrigo hat mir interessante Einblicke geliefert. Als wir das Team zusammenstellten, habe ich viel darüber gelernt. Da Rodrigo einen ähnlichen Spielstil verfolgt – und wir waren damit erfolgreich und haben unsere Ziele erreicht. Er hat dabei unter anderem auch von Trinchieri gelernt, da beide sehr gut befreundet sind.

Aktuell herrschen in der BBL zwei Spielstile vor: einmal der Stil von Trinchieri, und dann mit einem klassischen Brettcenter. Wie denkst du darüber?

Beide Systeme haben ihre Vor- und Nachteile. Es ist wünschenswert und sehr effektiv, den Ball ans Brett zubringen und zu scoren. Bamberg z.B. setzt sehr oft darauf, einen kleineren athletischen Spieler dagegenzusetzen, der den Brettcenter vor einige Probleme stellt, damit dieser nicht mehr seine Stärken ausspielen kann. Ich denke, das Paradebespiel war die letzte Playoffs-Serie Bamberg gegen Bayern. Die Mannschaftszusammenstellung ist hierbei sehr, sehr wichtig. Es ist keine Wissenschaft, aber es muss unbedingt gründlich durchdacht werden. Was nicht überall passiert.

„Es reizt mich, wieder als Trainer an die Seitenlinie zurückzukehren“

Wie wir erfahren haben, hast du Seth Heinrich erst nach Ludwigsburg und dann nach Kirchheim vermittelt.

Eigentlich wollte ich Seth Heinrich schon letzte Saison nach Chemnitz holen, das hat aber leider nicht geklappt. So ist Seth dann irgendwo anders gelandet. Der Kontakt ist aber weiterhin geblieben. Und nachdem sich im Sommertraining ein Spieler von Ludwigsburg verletzt hat, habe ich die beiden Spieler analysiert und einige Ähnlichkeiten gesehen und dann John Patrick kontaktiert. Er hat sich ein paar Videos von Seth angeguckt und dann zum Tryout geladen. Leider hat es nicht geklappt. Schlussendlich ist Seth dann in Kirchheim bei Michael Mai gelandet. Ich war dabei, noch einen weiteren Spieler in die BBL zu vermitteln, das hat aber leider zu lange gedauert, so dass er sich für einen Wechsel nach Spanien entschieden hat. So habe ich natürlich den deutschen Markt gut im Auge gehabt und auch analysiert.

Wie sehen deine Zukunftspläne aus?

Ich glaube, Agent könne ich auf Dauer nicht sein. (lacht) Um ehrlich zu sein, Sportdirektor war für mich schon was Neues und auch eine Herausforderung, die aber Spaß gemacht hat. Jedoch reizt es mich aber auch, mal wieder als Trainer an die Seitenlinie zurückzukehren. Ich will auf jeden Fall noch vieles erreichen im Basketball.

Sehen wir dich bald wieder?

Es gibt ein paar Gespräche, aber nix Spruchreifes. Aber ich hoffe, dass ich bald wieder zurückkehren werde.

Danke Pete, dass du dir für das Interview Zeit genommen hast!

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