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Hamed Attarbashi im Interview: „Man muss sich selber auch treu bleiben“

02.04.2015 || 10:00 Uhr von:
Das große Exklusivinterview mit Towers Erfolgscoach Hamed Attarbashi. Ein emotionaler junger mitreißender Trainer, der von seiner Art her Jürgen Klopp ein bisschen ähnelt. Wie er tickt, was er von der Saison hält un...

Das große Exklusivinterview mit Towers Erfolgscoach Hamed Attarbashi. Ein emotionaler junger mitreißender Trainer, der von seiner Art her Jürgen Klopp ein bisschen ähnelt. Wie er tickt, was er von der Saison hält und welche Chancen er sich in den Playoffs ausrechnet, lesen Sie hier.

+++ Ein Gastbeitrag von Philipp Alexander Wünschel +++


+++ Zurück zu Teil 1 des Interviews: Attarbashi über die anstehenden Playoffs in der ProA und die bisherige Saison der Hamburg Towers. +++

Court Review: Wie würden Sie sich selbst als Coach beschreiben? Sind Sie mehr der emotionale Typ, der akribische Arbeiter oder können Sie auch mal der Kumpel von nebenan sein?

Hamed Attarbashi: Abseits des Feldes bin ich „ganz normal“. Trainer ist halt Trainer. Wenn es um die Arbeit geht, dann musst du natürlich eine gewisse Distanz haben und das ganze objektiv sehen. Aber ich glaube die Spieler wissen auch zu schätzen, dass man mit mir auch abseits des Feldes über fast alles reden kann. Ich denke, das ist auch gerade auf dem Niveau auf dem wir uns hier befinden ganz wichtig. Die Beziehung darf nicht zu professionell sein. Wir sind hier noch  nicht in der Euroleague oder der BBL. Emotionen sind ein großes Thema im Sport.

Man hat Sie ja das ein oder andere Mal in ihrer Coaching Zone hin und her wandern sehen und Sie sind bestimmt auch mal etwas lauter.

Nein, also wie gesagt als Trainer ist man Trainer. Man darf sich auch nicht verstecken, man muss sich selber auch treu bleiben. Wichtig ist, dass man die Spieler immer respektiert und das tue ich. Ansonsten aber gehören Emotionen aber auch mal dazu. Spieler wollen aber auch Trainer haben, der gewinnen will. Man kann sich auch mal freuen, aber es darf nie zu hoch oder zu tief sein. Man muss da immer die Mitte finden.

Was macht der Trainer Attarbashi, wenn er sich entspannen will?

Viel Zeit mit meiner Frau verbringen. Ich bin jetzt 15 Jahre mit meiner Frau zusammen. Ich habe leider wenig ZEIT, weil ich viel unterwegs bin und die letzten Jahre mehrere Mannschaften schon betreut habe, aber die wenige Zeit die einem bleibt, verbringe ich dann gern mit meiner Frau. Sonst bin ich aber auch viel am Rechner und bin mit Scouting beschäftigt.

Scouten Sie selbst?

Wir haben keinen hauptamtlichen Mann, der sich darum kümmert, aber wir haben Leute die mich da unterstützen und sehr gute Arbeit leisten. Aber Scouting und Arbeit wie Spielvorbereitung und Spielnachbereitung und alles was mit der Mannschaft zu tun hat, liegt in erster Linie in meiner Hand. Deswegen ist man schon arg eingespannt aber das macht auch Spaß. Meine Frau kennt das und von daher die wenige Zeit die uns bleibt die gehört dann uns.

Hamburg Towers Hamed AttarbashiEin kurzer Rückblick auf Ihre Karriere. Sie sind über Paderborn und Bremerhaven nach Hamburg zurückgekommen. Wie sind Sie eigentlich überhaupt zum Basketball gekommen?

Zu meiner Schulzeit in Hamburg bin ich in einer Basketball AG gewesen. Früher war Basketball ja ein Schulsport. Ich bin in der Schulmannschaft groß geworden, also ganz klassisch. Viele in meiner Stufe haben Basketball gespielt und ich bin dann da auch hingegangen. Ich fand das ganz cool und habe dann später mit 16, 17 Jahren in der ersten Mannschaft trainiert und habe gemerkt, dass es mir Spaß macht, habe dann Sport studiert und so kam eins zum anderen. Später ging es dann von Hamburg nach Paderborn. Dort war ich der erste hauptamtliche Trainer, den Paderborn überhaupt hatte. Ich war dort zweieinhalb Jahre, dann ging es weiter in den Norden nach Bremerhaven, wo ich acht Jahre gewesen bin und dann kam ich wieder hierher zurück.

Zurück zum aktuellen Team. Wie sehen Sie die Entwicklung von Bazoumana Kone und warum haben Sie ausgerechnet ihn von den Eisbären mitgenommen?

Erstmal war er frei. Er hatte keinen Vertrag. Bazou kenne ich schon lange. Er kommt auch aus Hamburg. Ich kenne ihn seit er ein kleiner Junge ist. Ich habe ihn schon U10, U12 Turniere spielen sehen. Er hat meiner Meinung nach in Bremerhaven eine riesen Entwicklung genommen. Er ist auch für die deutsche U20 Nationalmannschaft nominiert gewesen, hat sich dann leider den Fuß gebrochen und hatte deswegen mit Folgeverletzungen zu kämpfen. Ich glaube, er hat noch viel Potenzial nach oben er hat auch dieses Jahr herausragende Ansätze gezeigt, leider ist er aufgrund der Verletzung dann gestoppt worden, aber er ist jetzt kerngesund und ich hoffe er wird uns in der Würzburgserie und in der Zukunft noch viel Freunde machen.

Was funktioniert in der Jungendarbeit gut, was weniger gut im deutschen Basketball?

Grundsätzlich geht die Entwicklung in die richtige Richtung. Das Niveau in der Jugend ist heute deutlich höher als vor zehn oder zwölf Jahren. Wobei ich der Meinung bin, dass Schule und Sport mehr miteinander oder stärker verknüpft werden müssen. Da hapert es noch an vielen Stellen und Programmen. Für den jungen Menschen muss das einfacher sein Schule und Sport zu verbinden. Ich denke, wenn wir das alle besser hinkriegen dann werden noch mehr junge Menschen mehr Zeit z.B. in Basketball investieren. Solange man sich entscheiden muss, ob man den einen oder anderen Weg geht und das muss jetzt nicht zwingend in der Schule so sein, ist das schwierig. Ich denke da muss noch weiter gepusht werden. Auch die Trainerausbildung muss weiter vorangetrieben werden. Spieler brauchen gute Trainer, gerade im Jugendbereich. Ich denke die BBL macht das schon ganz richtig. Gerade die Jugendtrainerstellen werden viel besser bezahlt als das früher der Fall war. Denn es muss sich heute auch lohnen Jungendtrainer zu sein. Finanziell. Es darf kein Job sein, dass man nur über die Runden kommen kann wenn man 10 Mannschaften trainiert. Denn nur so können sie in Ruhe und vor allem zielgerichtet arbeiten. Diese beiden Aspekte Schule und Sport & Stärkung des Jungendtrainerbereichs halte ich für wichtig. Man muss den jungen Menschen eine Perspektive bieten.

Sie kommen gerade vom Spiel der Piraten. Wen sehen Sie aus dem Unterbau als potenzielle Bereicherung für Ihr Team?

Wir haben da Lennard Larysz oder Louis Olinde um nur zwei zu nennen, die wirklich gut sind. Auch in der JBBL sind einige Talente da. Man muss auch sagen, das Programm der Piraten ist sehr jung und dafür haben sie schon viel erreicht. Ich freue mich auf jeden einzelnen jungen Spieler, der hochkommt. Einige von ihnen haben schon bei uns regelmäßig trainiert und haben gut ausgesehen. Wenn es geht, besuche ich die Spiele der Piraten auch, sofern sie nicht gerade vor uns spielen. Natürlich besuche ich als Head-Coach der ProA-Mannschaft die jungen Spieler, um sie auch im Blick zu haben. Für die jungen Spieler ist das denke ich auch ganz wichtig und toll, wenn der Coach des ProA-Teams vorbeikommt und sie beobachtet.

Herr Attarbashi, vielen Dank für das ausführliche Gespräch und viel Erfolg weiterhin.

Danke.


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