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„Es ist eine sehr gute Zeit, Bundestrainer zu sein“

28.06.2018 || 07:45 Uhr von:
Ungeschlagen in der WM-Quali, mit Dennis Schröder und Maxi Kleber zwei NBA-Spieler zur Verfügung. Henrik Rödl blickt optimistisch auf die beiden WM-Qualifikationsspiele voraus.

Johannes Voigtmann sah sich das Ende des Trainings am Dienstagmittag von der Seite an. Während seine Teamkollegen von der Deutschen Nationalmannschaft Fünf-gegen-Fünf spielten und anschließend noch Würfe nahmen, saß der Center mit hoch gelegtem rechten Bein an der Seite, den Knöchel in Eis gepackt.

Noch sieben Tage zuvor hatte Voigtmann auf dem Parkett der spanischen ACB gestanden, mit Baskonia Vitoria Gasteiz unterlag Voigtmann in den spanischen Finals Real Madrid nach vier Partien. Im zweiten Spiel war der Center umgeknickt. Trotz dieser Blessur und einer NBA-ähnlichen Saison samt 78 Pflichtspielen will Voigtmann von einer Pause nichts wissen.

„Es war gar keine Frage, ob ich hierher komme. Erstmal bin ich noch topfit“, sieht sich Voigtmann weniger angeschlagen, als vielmehr noch voll im Spielbetrieb. Dem 25-Jährigen ist zudem auch die Freude anzumerken, wieder den Adler auf der Brust zu tragen: „Auf Grund der EuroLeague konnte ich in den ersten beiden Fenstern nicht spielen. Deshalb war es gar keine Frage, ob ich hierher komme. Gar keine Frage“, bekräftigt Voigtmann.

Henrik Rödl werden diese Worte freuen. In der Vergangenheit, noch vor Rödls Zeit als Bundestrainer, war nicht selten zu beobachten, dass Spieler lieber regenerierten als im Sommer für die Nationalmannschaft aufzulaufen. Immerhin neun Spieler aus dem vergangenen Nationalmannschaftsfenster im Februar stehen nun für die beiden WM-Qualifikationsspiele gegen Österreich und Serbien im DBB-Kader, was „eine gute Grundlage“ sei.

Darunter sind mit Münchens Danilo Barthel und Maik Zirbes sowie Berlins Niels Giffey und Joshiko Saibou auch vier Akteure, die sich vor knapp zwei Wochen noch in den BBL-Finals gegenüberstanden. Eine Herausforderung, sie mental und physisch einzustellen?

„Die sind noch fit“, antwortet Rödl mit einem Lachen. „Die Frage ist eher, was mit den anderen ist, die schon seit fünf Wochen raus sind.“ Der Bundestrainer verweist auch auf das vergangene Fenster, als vor den zwei Länderspielen das Pokalwochenende stattfand und manche Teams inklusive der BBL-Hauptrunde teils drei Partien an fünf Tagen absolviert hatten. „Es ist keine ganz neue Situation, dass Spieler so unter Druck sind.“

Daniel Theis sah sich das Training von der Seite an. Nach seiner Verletzung darf der Celtics-Center nicht spielen, weilt aber dennoch beim DBB-Team.

„Intensiver und härter“

Rödl sieht aktuell sogar einen Vorteil – gilt es doch nicht, Spieler mit Blick auf ihre Vereinsteams zu schonen. „Deswegen werden wir auch versuchen, intensiver, härter und mit mehr Kontakt zu spielen als wir das beim Fenster [während der Vereinssaison] machen. Damit die Spieler auch in einen Rhythmus kommen.“

Voigtmann ist dabei nicht der einzige, den es in gewisser Hinsicht zu integrieren gilt. Mit Maodo Lo ist ein weiterer EuroLeague-Spieler dabei sowie mit Dennis Schröder und Maxi Kleber zwei NBA-Akteure und Johannes Thiemann ein damals noch verletzter Big Man.

Auf Schröder ist natürlich der Fokus gerichtet. Der 24-Jährige wird in seiner Heimatstadt auflaufen und kann in seiner einstigen Spielstätte auf die Unterstützung aus einem ganzen Block von Familienmitgliedern und Freunden setzen. Für den Point Guard sollte das Länderspiel in der Heimat auch eine willkommene Abwechslung sein, gibt es doch seit Wochen Gerüchte um seine Zukunft bei den Atlanta Hawks, welche sich im Neuaufbau befinden.

„Wir erwarten, dass Österreich mit Wut hierher kommt“

„Wir werden natürlich versuchen, das Talent von den Spielern, die wir jetzt [hinzubekommen] haben, einzusetzen und [unser Spiel] dementsprechend leicht zu verändern“, weiß Rödl um die Aufgabe, das System auf seine beiden Ballhandler Schröder und Lo sowie die wurfstarken Big Men Voigtmann und Kleber zuzuschneiden. „Von der Mentalität her bleibt es aber das gleiche.“

Trotz Nationalmannschaftsfenster ohne EuroLeague- und NBA-Spieler ist dennoch Konstanz zu beobachten – sind doch acht Spieler des letztjährigen EM-Kaders dabei. Eine Konstanz, die beim ersten Gegner Österreich weniger gegeben ist. „Sie haben wieder einen neuen Trainer, weswegen man sich nicht so darauf vorbereiten kann wie auf Serbien“, schätzt Rödl den Gegner ein und fügt an: „Wir erwarten, dass Österreich mit ein wenig Wut aus dem ersten Spiel hierher kommt.“

Damals gingen die Österreicher zuhause mit 49:90 unter – hatten aber noch nicht Raptors-Center Jakob Pöltl in ihren Reihen. Der 22-jährige, 2,13-Meter-Hüne hat sich in seinem zweiten NBA-Jahr gesteigert und wird nach der WM-Vorqualifikation im vergangenen Sommer erstmals wieder die rot-weißen Farben tragen. So verorten die Österreicher das größte Talent in der Zone.

Talent ist auch ein gutes Stichwort für die deutsche Nationalmannschaft. Das hat Rödl nicht nur in Braunschweig zur Verfügung, sondern auch in der Hinterhand: unter anderem mit Paul Zipser und Daniel Theis, welcher nach seiner Knieverletzung zumindest individuell Wurfübungen absolvierte, sowie mit den jüngst gedrafteten Moritz Wagner und Isaac Bonga. Vor allem ein talentierter Kern aus 23- bis 26-Jährigen zeichnet sich ab. Auf die Frage, wie er die Zukunft der Deutschen Nationalmannschaft sieht, antwortet Rödl auch dementsprechend deutlich: „Wir haben unglaublich viel Talent. Es ist eine sehr gute Zeit, Bundestrainer zu sein.“

Die Länderspiele gegen Österreich am Freitag (Tip-Off: 19:30 Uhr) und gegen Serbien am Montag (Tip-Off: 20 Uhr) sind live und kostenfrei auf Telekom Sport zu sehen.

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