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Keltischer Dreier-Regen: 1-0 Boston

01.05.2017 || 11:52 Uhr von: ,
Isaiah Thomas
Zum Auftakt der zweiten Playoff-Runde zeigten die Boston Celtics gegen die Washington Wizards einen schwachen Start – und ein umso besseres Comeback. basketball.de war in Boston vor Ort.

0:16 – die Zuschauer im nur mäßig gefüllten Bostoner TD Garden hatten gerade erst zu ihren Sitzen gefunden, da schien dieser Sonntagmittag aus Sicht der Hausherren bereits gelaufen. Wenig später, nicht einmal sechs Minuten nach Beginn dieser ersten Zweitrunden-Begegnung zwischen den Boston Celtics und den Washington Wizards, zeigte der Videowürfel gar einen Spielstand von 22:5 zugunsten der Hauptstädter an – ein Zwischenstand, der vom kritischen Publikum, nach anfänglicher Unterstützung, mit zunehmenden Pfiffen quittiert wurde.

So schien nicht nur der Wizards-Korb wie vernagelt; vor allem in der Verteidigung und an den Brettern offenbarten die Celtics eklatante Schwächen. John Wall und Bradley Beal punkten nach Belieben und erzielten zwölf der ersten 22 Zähler, während der Frontcourt um Otto Porter Jr., Markieff Morris und Marcin Gortat bis zur siebten (!) Minute keinen einzigen Bostoner Rebound zuließ (Washington pflückte in dieser Spanne neun „Boards“). Auch die Tatsache, dass Head Coach Brad Stevens bereits nach 135 Sekunden Amir Johnson für Gerald Green einwechselte und damit von der Erfolgsformation der Bulls-Serie zur „Big Ball“-Aufstellung der Hauptrunde zurückkehrte, konnte die Wizards im ersten Viertel nur bedingt eindämmen.

Thomas beißt sich durch

Dass die Celtics-Fans am Ende einen 123:111-Sieg feiern konnten – das größte Playoff-Comeback der Franchise seit 2008 und das drittgrößte in den letzten zwei Dekaden  kann vor allem auf die Trefferquote von jenseits der Dreierlinie zurückgeführt werden: 19 von 39 verwandelte Boston von „Downtown“. Die wichtigsten und spektakulärsten Dreier gingen dabei – nicht überraschend – auf das Konto von All-Star Isaiah Thomas, der auf den besagten 5:23-Rückstand prompt mit zwei Dreiern antwortete und das Spiel mit 33 Punkten, neun Assists und 5/11 Dreiern beendete.

Dabei ließ sich Thomas, der vor dem Spiel vom Publikum mit ohrenbetäubendem Jubel empfangen worden war, weder von einem verlorenen Zahn im ersten Viertel beeindrucken, noch von der kaum vorstellbaren physischen und vor allem psychischen Belastung durch die Beerdigung seiner Schwester, von der Thomas erst um 4 Uhr morgens zurückgekehrt war. „Ich kann einfach nur staunen, wie er in den letzten Wochen auf dem Basketball-Court funktionieren konnte. Und heute war ein weiteres Kapitel davon. Einfach unfassbar“, zollte Head Coach Brad Stevens seinem Star nach der Partie Tribut.

Vor allem aber erhielt Thomas Unterstützung von mehreren Teamkollegen, angefangen mit zehn Punkten und zwei Dreiern im ersten Viertel von Backup-Big Kelly Olynyk, die Boston – neben Thomas‘ drei „Triples“ – im katastrophalen ersten Viertel (24:38) am Leben hielten. Forward Jae Crowder (24 Pkt, 6 Reb) leistete mit sechs Dreiern bei acht Versuchen ebenfalls einen beeindruckenden Beitrag zum keltischen Dreier-Regen, während die Guards Avery Bradley, Marcus Smart und Terry Rozier ab dem zweiten Viertel für eine höhere defensive Intensität sorgten und Wizards-Star John Wall zu insgesamt acht Ballverlusten zwangen. Der Mann des vierten Viertels war indes Veteran Al Horford, der im Schlussabschnitt mit 21 Punkten, zehn Assists und neun Rebounds nur knapp an einem „Triple Double“ vorbei schrammte.

Morris-Verletzung bringt Wizards aus dem Takt

Sowohl Horford, als auch seine Teamkollegen profitierten dabei vom frühen Aus von Wizards-Big Markieff Morris, der das Spiel in der 17. Minute mit einer Sprunggelenksverletzung vorzeitig beenden musste. So sah sich Wizards-Coach Scott Brooks gezwungen, auf eine kleinere Lineup mit Porter und Kelly Oubre Jr. auf den Forward-Positionen umzustellen. Während Oubre (12 Pkt, 5-8 FG, 2-4 3FG) offensiv einen annehmbaren Job machte, bröckelte Washingtons Dominanz in der Zone. Nach 14:5 Rebounds und 20:6 Zonenpunkten im ersten Viertel gewannen die Celtics das Reboundduell im zweiten, dritten und vierten Spielabschnitt und erzielten annähernd so viele „Points in the Paint“ wie die Zauberer aus DC. Zudem erlaubte die Umstellung den Celtics, neben Horford mit vier Außenspielern zu agieren, wobei insbesondere Marcus Smart mit 31 Minuten viel Einsatzzeit sah.

Zwar konnten die Wizards – angeführt von Bradley Beal (27 Pkt) und Bojan Bogdanovic (zehn Punkte, alle im vierten Viertel) noch einmal auf 99:103 (25. Minute) verkürzen. Boston ließ sich Spiel eins jedoch nicht mehr nehmen und siegte letztendlich souverän mit 123:111. Einen überraschenden Auftritt feierte dabei Rookie Jaylen Brown, der rund fünf Minuten vor Ende der noch engen Partie erstmals eingewechselt wurde und sogleich einen wichtigen Dreier zum 109:99 verwandelte. Eine von vielen erfolgreichen Ideen und Anpassungen von Celtics-Coach Brad Stevens im Laufe des Spiels.

Mann des Spiels

Trotz der guten Allround-Leistung von Al Horford kann der Mann des Spiels nur Isaiah Thomas heißen. Der All-Star hielt die Celtics nicht nur – trotz dentaler Probleme – mit seinen Aktionen im ersten Viertel am Leben, sondern war auch im dritten Viertel (36:16 für Boston) der Antreiber und Mann für die wichtigen Momente. Dass Thomas diese Leistung trotz seines Verlusts und der anstrengenden Reise an die Westküste vollbrachte, ist umso beindruckender.

Statistik des Spiels

19 Dreier – mit dieser Marke stellten die Celtics den eigenen Franchise-Playoff-Rekord ein. Keine Mannschaft verbucht in den Playoffs bislang so viele Dreierversuche (37,6) und -treffer (13,6) pro Partie wie Boston. Ohne die Treffsicherheit von „Downtown“ würde Boston nun wohl einem Rückstand hinterherlaufen.

Ausblick

19 von 39 Dreiern wird Boston aller Voraussicht nach nicht noch einmal verwandeln – deshalb müssen die Celtics trotz des erfolgreichen Auftakts ihr Offensivspiel breiter aufstellen und zugleich in der Defensive und beim Rebound zulegen, wenn sie Washington viermal bezwingen wollen. Ein Schlüssel zum Ausgang dieser Serie könnte indes die Verletzung von Markieff Morris sein, erlaubt der Zwilling den Wizards doch, mit zwei „Großen“ zugleich zu agieren und damit Bostons Schwächen in der Zone offenzulegen. Morris selbst kündigte bereits an, in Spiel zwei wieder auflaufen zu wollen – ob das klappt, bleibt abzuwarten. In einer überaus knappen Serie, deren Ergebnis in beide Richtungen ausfallen kann, könnte dies das Zünglein an der Waage sein.

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