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Washington Wizards: eine frustrierende Seifenoper

20.11.2018 || 16:20 Uhr von:
Die Washington Wizards sabotieren sich trotz talentiertem Team selbst und stehen nach einem Horrorstart schon früh in der Saison am Scheideweg.

Mit einer Bilanz von 5-11 läuft Washington den eigenen Ansprüchen weit hinterher. Es frustriert, dass trotz der basketballerischen Fähigkeiten der Zusammenhalt fehlt. Interne Streitereien und fragwürdige Aussagen werfen die Frage auf, ob die Mannschaft in dieser Konstellation noch eine Zukunft hat.

Doch der Reihe nach: Die Saison 2017/18 endete für die Wizards etwas enttäuschend in sechs Spielen nach der ersten Playoff-Runde gegen die Toronto Raptors. Dwight Howard, Austin Rivers und Jeff Green verstärkten den Kader im Sommer, um im LeBron-losen Osten oben anzugreifen. Der langjährige Center Marcin Gortat wanderte im Tausch für Rivers zu den Los Angeles Clippers, nachdem er während der Saison mit John Wall aneinander geraten war. Dieser bildet zusammen mit Bradley Beal nach wie vor das Prunkstück der Offensive. Mit Otto Porter Jr., der den nächsten Entwicklungsschritt machen sollte, führen sie D.C. tief in die Playoffs, so der Plan. Franchise-Besitzer Ted Leonsis gab die Marschroute vor: “Wir müssen die Playoffs erreichen. Ich möchte, dass wir 50 Spiele gewinnen. Ich möchte, dass wir in die Eastern Conference Finals kommen.”

Verbalattacken nach der Niederlagenserie

Exakt fünf Spiele dauerte es, bis die Wizards auf dem harten Boden der Tatsachen landeten: Mit 112:116 unterlag das Team aus der Hauptstadt den Sacramento Kings.  Besorgniserregend war dabei nicht die negative Bilanz, schließlich hat eine NBA Saison 82 Spiele. Doch dass die vermeintlichen Führungsspieler Wall und Beal nach fünf Spielen die eigenen Mitspieler öffentlich angehen, sollte zu denken geben. Die Vorwürfe lauteten, dass Spieler eigene Agenden verfolgen würden. Gemeint war wohl Forward Otto Porter Jr.

Dass Head Coach Scott Brooks Jr. ebenfalls öffentlich ansprach, machte die Sache nicht besser. Nach dem besagtem Spiel gab dieser zu Protokoll: “Otto muss einfach weiterspielen und darf sich keine Sorgen über seine Würfe und seine Treffer machen.” Nach den Aussagen setzte es eine krachende Niederlage mit 32 Punkten Differenz bei den Clippers sowie weitere erfolglose Spiele gegen die Memphis Grizzlies und die Oklahoma City Thunder. Einem Befreiungsschlag gegen die New York Knicks folgten Niederlagen gegen die Dallas Mavericks und die Orlando Magic – Teams, denen Washington in Sachen Talent zweifelsfrei überlegen ist. Mit 2-9 und Platz 14 im Osten waren die Wizards ganz unten angekommen.

Die größten Probleme offenbarten sich in der Defensive, die auch nach Dwight Howards Debüt – der Center verpasste die ersten sieben Partien wegen einer Verletzung am Gesäß – nicht viel besser wurde (aktuell Platz 29 beim Defensiv-Rating). In der Mannschaft scheint es an Glauben und Zusammenhalt zu fehlen. Hängende Schultern und fragende Blicke auf dem Court sprechen hierbei eine deutliche Sprache. Trainer und Spieler wirken ratlos. Austin Rivers entgegnete auf die Frage, was das Problem der Mannschaft sei: „Ich wünschte, ich wüsste es.” Bei einer kürzlichen Trainingseinheit gerieten mehrere Spieler und Verantwortliche aneinander. Beal soll gegen Präsident Ernie Grunfeld gestikuliert haben. John Wall warf seinem Trainer sogar das F-Wort an den Kopf.

Ist die „Big Three“ zukunkftstauglich?

Die zwischenmenschlichen Probleme bedrohen  konstant den Teamerfolg. Die Kritik an Otto Porter Jr., eigentlich als dritte Säule von Washingtons “Big Three” gedacht, lassen Zweifel aufkommen, ob besagte Kombination in dieser Saison und darüber hinaus siegreich sein kann. Die Vertragssituation der Spieler ist verheerend: Die Franchise bezahlt nächste Saison fast 93 Millionen Dollar für das Trio. Laut neuesten Berichten von ESPN signalisiert Washington, dass auch Wall und Beal bei Trade-Gesprächen verfügbar sind. Jedoch muss erst einmal ein Interessent gefunden werden, der sich Wall und seinen Super-Maximal-Vertrag, der ab nächster Saison einsetzt, leisten kann und möchte. Besagter Vertrag bringt dem 28-jährigen Point Guard über die nächsten 4 Jahre 170 Millionen Dollar ein. Die aufnehmende Franchise müsste in der Saison 2022/23 für einen dann 32-jährigen Wall fast 47 Millionen bezahlen. Dabei ist sein Trade-Kicker von 15 Prozent noch nicht berücksichtigt.

Porter Jr. ist 25 und befindet sich im zweiten Jahr seines 106.5 Millionen Dollar-Vertrages. Es ist fraglich, ob ein anderes Team derart viel Geld in einen Spieler investieren will, der bisher in seiner Karriere durchschnittlich 10,5 Punkte erzielt. Übrig bleibt Beal, dem über drei Saisons etwa gleich viel Geld zusteht wie Porter. Der Shooting Guard führt die Wizards aktuell – wie bereits in der letzten Saison – im Scoring an (21,5 PpG). Sein Trade-Wert ist deshalb und aufgrund des Altersvorteils gegenüber Wall höher anzusehen. Hier stellt sich für Washington die Frage, inwiefern sie von einem Tausch profitieren könnten.

Probleme mit dem Salary Cap

Washington gibt in dieser Spielzeit für den Kader insgesamt mehr als 132 Millionen Dollar aus – inklusive knapp 15 Millionen an Luxussteuer. Die 15 Millionen für Ian Mahinmi machen die Sache nicht besser. Im nächsten Jahr stehen bereits 110,9 Millionen für fünf Spieler in den Büchern (Dwight Howard besitzt eine Spieleroption über 5,6 Millionen). Auch in der Trainerfrage, die sich in einer solchen Krisensituation zwangsläufig stellt, spielt das Geld eine Hauptrolle: Scott Brooks stehen bis 2021 insgesamt noch 21 Millionen Dollar zu. Somit schließen die Verantwortlichen eine Entlassung vorerst aus, obwohl er seine Spieler nicht unter Kontrolle bringen kann.

Schlingerkurs und Streitigkeiten – wie sieht die Zukunft des Teams aus?

In den letzten Jahren wurden in Washington viele Deals mit Aussicht auf kurzfristige Erfolge getätigt. Dazu zählen das wiederholte Abgeben von Draft-Picks sowie überhöhte Verträge. Die Franchise hat sich damit festgefahren, da das Team sich weder über den Draft noch per Free Agency nennenswert verstärken kann. Der Kern um Wall, Beal und Porter ist stark genug, um in jedem Jahr die Playoffs zu erreichen. Doch wenn das Trio miteinander nicht klar kommt und somit die Teamchemie vergiftet ist, müssen die Verantwortlichen handeln. Zumal das Team keine realistische Chance auf die Finals besitzt – dafür möchte kein Besitzer Luxussteuer bezahlen. Die neuesten Trade-Gerüchte lassen vermuten, dass die Verantwortlichen das Vertrauen in das aktuelle Personal verloren haben. Ganz gleich ob die Mannschaft aufgesprengt wird, muss auch der langjährige Entscheidungsträger Ernie Grunfeld in Frage gestellt werden. Carmelo Anthony wird aktuell als Verstärkung in Washington gehandelt. Auch ohne ihn ist das nächste Kapitel der Seifenoper vorprogrammiert.

Die Saison der Wizards in einem Clip:

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