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San Antonio Spurs: Die Zeit nach Kawhi

14.09.2018 || 08:23 Uhr von:
Manu Ginobili und Tony Parker aus der erfolgreichen Duncan-Ära sind weg, ebenso der designierte Franchise-Spieler Kawhi Leonard. Bleibt den San Antonio Spurs Trainerfuchs Gregg Popovich – welcher dennoch Hoffnungsträger vorfindet.

Die Transaktionen

Den größten Trade des diesjährigen Sommers fädelten die San Antonio Spurs ein. Nachdem das zerrüttete Verhältnis zwischen Kawhi Leonard und den Spurs nicht mehr zu reparieren war, entschieden sich die Texaner für einen Trade ihres Superstars. Schließlich kam es mit den Toronto Raptors zu einer zufriedenstellenden Einigung. Leonard wurde zusammen mit Shooting Guard Danny Green nach Kanada geschickt. Im Gegenzug kamen DeMar DeRozan, Jakob Poeltl und ein geschützter 2019er Erstrunden-Pick.

Des Weiteren bleiben den Spurs Rudy Gay (1 Jahr/10 Mio.), Davis Bertans (2 Jahre/14,5 Mio.) und Bryn Forbes (2 Jahre/6 Mio.) erhalten. Als Free Agents kamen noch die Veteranen Dante Cunningham (1 Jahr/2,5 Mio.), der ehemalige Spur Marco Belinelli (2 Jahre/12 Mio.) und Quincy Pondexter (1 Jahr/2 Mio.) hinzu. Beim NBA Draft entschieden sich die Spurs mit dem 18. Pick für Guard Lonnie Walker IV und mit dem 49. Pick für Forward Chimezie Metu.

Nicht mehr für San Antonio spielen wird hingegen Kyle Anderson. Der Restricted Free Agent unterschrieb einen Vertrag in Memphis (4 Jahre/37 Mio.). Die Spurs hätten ihn zwar sehr gerne gehalten, das Angebot der Grizzlies konnte und wollte man aber nicht mitgehen.

Nachdem Tim Duncan vor zwei Jahren seine Karriere beendet hatte, verlassen nun auch die beiden anderen der ehemaligen „Big Three“ das Team: Tony Parker und Manu Ginobili. Zusammen feierte das Trio vier Meisterschaften (2003, 2005, 2007 und 2014). Während Ginobili es Duncan gleichtut und die Sneaker an den Nagel hängt, hat Tony Parker noch nicht genug. Der Guard verabschiedet sich nach 17 Jahren in Richtung Charlotte (2 Jahre/10 Mio.). Mit ihm geht auch James Borrego, zuletzt Assistant Coach der Spurs. Er übernimmt die Hornets als neuer Head Coach. Zudem verließen Joffrey Lauvergne (Fenerbahce Istanbul) und Brandon Paul das Team.

Die Strategie

Im Falle Kawhi Leonard mussten die Spurs eine Lösung finden, denn Spekulationen über Abwanderungsgedanken des zweifachen All-Stars hatten zuvor große Teile der vergangenen NBA-Saison sowie die gesamte Offseason beherrscht. Zunächst hatte sich sein Comeback wegen einer Quadrizeps-Verletzung verzögert, aufgrund der es bereits zu Unstimmigkeiten zwischen Spieler und Franchise gekommen war. Im Dezember 2017 folgte dann eine kurze Rückkehr für neun Spiele. Anschließend musste der Finals-MVP von 2014 aber wieder aussetzten. Mitte Juni teilte Leonard den Spurs dann mit, dass er getradet werden möchte. In der Folge hatte es Angebote der Los Angeles Lakers, der Boston Celtics und der Philadelphia 76ers gegeben. Eine Einigung kam aber nicht zustande. Stattdessen nahmen die Toronto Raptors die Favoritenrolle im Werben um Leonard ein und einigten sich mit San Antonio auf einen Deal.

Zusätzlich zu Leonard gaben die Spurs den auslaufenden Vertrag von Danny Green (1 Jahr/10 Mio.) ab, um mit dem neuen Team rund um DeMar DeRozan (3 Jahre/83 Mio.) neu anzugreifen. Ein wertvoller 2019er Erstrunden-Pick und das österreichische Center-Talent Jakob Pöltl wechseln ebenfalls nach Texas. Pöltl wird zunächst die Backup-Rolle hinter Pau Gasol einnehmen und sicherlich viel vom Spanier und Coach Gregg Popovich lernen können.

Entscheidend sind auch die Weiterverpflichtungen von Rudy Gay, Davis Bertans und Bryn Forbes. Denn mit ihnen hielten die Spurs wichtige Spieler für die zweite Fünf. Forward Gay war gemeinsam mit Patty Mills der beste Scorer der Second Unit. Auf dem Feld weiß der Weltmeister von 2010 und 2014 vor allem mit seiner Vielseitigkeit zu überzeugen. Der Lette Bertans hat seine Stärken genau wie Guard Forbes (39,0% 3FG ) vor allem im Wurf. Dadurch kann er Räume für seine Mitspieler unter dem Korb schaffen. Mit den Verpflichtungen von Dante Cunningham und Marco Belinelli ergänzen zwei Routiniers das Team, die ihre Stärken ebenfalls im Distanzwurf haben. Damit dürften sich nächste Saison für Topscorer LaMarcus Aldridge deutlich mehr Freiräume für sein Post-up-Spiel ergeben.

Für die Defensive auf den Forward-Positionen verpflichteten die Spurs zudem Quincy Pondexter. Gespannt sein darf man auf Rookie Lonnie Walker IV: ein Spieler mit einer unfassbaren Athletik, der offensiv sowohl zum Korb ziehen als auch den Dreier treffen kann. Durch seine körperlichen Voraussetzungen kann er darüber hinaus zu einem hervorragenden Verteidiger heranreifen. In der NBA Summer League deutete er teilweise schon sein Potenzial an und gilt nicht umsonst als absoluter Draft-Steal.

Nach den Abgängen von Leonard, Ginobili und Parker bricht in San Antonio eine neue Zeitrechnung an. Mit Dejounte Murray, Walker IV und Pöltl stehen bereits talentierte Spieler im Kader, die zu Eckpfeilern der Zukunft avancieren können. Vor allem die beiden Letztgenannten können von den zahlreichen erfahrenen Spielern im Team lernen.

Währenddessen wollen die Spurs aber weiterhin ein erfolgreiches Team sein. Um das Problem mit den Distanzwürfen zu lösen, verpflichtete die Franchise in der Offseason vor allem Spieler, die einen starken Wurf besitzen. Trainer-Genie Popovich wird auch in der kommenden Saison wieder viel Wert auf sein berühmtes Teamplay und die Ballbewegung legen. Vor allem DeRozan wird sein Spiel diesbezüglich noch etwas an das System seines neuen Trainers anpassen müssen.

Der Kader

 StarterBankBankBank
PGDejounte MurrayPatty MillsDerrick White
SGDeMar DeRozanBryn ForbesLonnie Walker IV
SFDante CunninghamMarco BelinelliQuincy Pondexter
PFLaMarcus AldridgeRudy GayDavis BertansChimezie Metu
CPau GasolJakob Pöltl

Die Schwachstellen

Das große Problem der letzten Saison war die Offensive. Mit 107,9 Punkten pro 100 Ballbesitze rangierten die Spurs nur auf dem 17. Platz Dabei ist der Drei-Punkte-Wurf das Hauptproblem (35,2% 3FG, Rang 26). Neuzugang DeRozan, dessen Spiel sich hauptsächlich in der Mitteldistanz abspielt, wird diese Problematik noch weiter verschärfen. Es scheint doch sehr fraglich, wie ein Backcourt aus Murray (26,5% 3FG) und DeRozan (31,0% 3FG) überhaupt Gefahr von jenseits der Dreierlinie ausstrahlen soll. Bei den Raptors hatte DeRozan mit Kyle Lowry immerhin einen starken Dreierschützen an seiner Seite. Abhilfe könnten diesbezüglich die erfahrenen Neuzugänge Cunningham und Belinelli schaffen.

Die überragende Defensive (Rang vier) der letzten Saison wird unter dem Abgang von Anderson sicher etwas an Qualität einbüßen. Der Forward hielt seine Gegenspieler in der letzten Saison bei einer schwachen Dreierquote von nur 33,7 Prozent. Durch seine langen Arme steht er hervorragend in den Passwegen (Rang 13 bei den Steals) und erschwert den Gegnern das Ziehen zum Korb. Anderson war zudem einer der wenigen Spieler, die beim Verteidigen des Pick-and-Roll das Switchen der Gegenspieler erlaubten. Hinzu kommt noch, dass DeRozan und Belinelli sicherlich keinen positiven Einfluss auf die Verteidigung nehmen werden.

Des Weiteren steht hinter der Position des Small Forwards ein großes Fragezeichen. Sollte Gay wie in der letzten Saison größtenteils als Power Forward eingesetzt werden, wäre die Position mit Cunningham, Belinelli und Pondexter eher schwach besetzt. Spielt Gay auf der Drei, dann wären Bertans und Pöltl die beiden Backups für Aldridge und Gasol. Auch hier wäre fraglich, ob die Qualität der beiden ausreichend ist.

Die Hoffnungsträger

Der neue Hoffnungsträger der Spurs ist natürlich DeMar DeRozan. Der Guard hat noch einen Vertrag über die kommenden drei Spielzeiten und wird die Scoring-Option Nummer eins darstellen. Zusammen mit Aldridge wird er für einen Großteil der Punkte verantwortlich sein.

Große Hoffnungen stecken die Spurs in Point Guard Dejounte Murray. Der 29. Pick des NBA-Drafts 2016 kam in der letzten Saison auf 8,1 Punkte, 2,9 Assists und 5,7 Rebounds pro Spiel. Im Verlauf der Saison übernahm er die Starter-Rolle von Parker und stand in 48 Spielen in der Starting Five. Mit einer Größe von 1,96 Metern und einer Spannweite von 2,08 Metern bringt der erst 21-Jährige optimale körperliche Voraussetzungen für einen modernen Point Guard mit. Während seines einzigen Jahres am College wusste Murray vor allem offensiv mit 16,1 Punkten pro Partie zu überzeugen. Noch ist sein Spiel allerdings zu eindimensional. Um ein kompletter Spieler im Angriff zu werden, muss Murray dringend an seinem Drei-Punkte-Wurf arbeiten. Ansonsten sind vor allem seine Fähigkeiten beim Rebounding für einen Guard bereits jetzt sehr beeindruckend.

Ähnlich wie bei Murray verhält es sich auch mit dem erst 22-jährigen Jakob Pöltl. Der Österreicher wird bei den Spurs viel Spielzeit bekommen und sich weiterentwickeln.

Und dann ist da ja noch Lonnie Walker IV. Der Guard hat eine tolle Zukunft vor sich und wird bei den Spurs in absehbarer Zeit ein Leistungsträger werden. In der kommenden Saison wird seine Spielzeit aber vermutlich nicht allzu hoch ausfallen, da er auf der Shooting-Guard-Position DeRozan vor der Nase hat. Vielleicht wird er teilweise auch auf der Position des Small Forwards eingesetzt werden.

Das Fazit

Das Kapitel Kawhi Leonard ist – nach den zähen Unstimmigkeiten muss man das fast sagen – endlich beendet. Die Spurs haben einen guten Job gemacht und annähernd das Maximum aus dem Deal herausgeholt. Durch den Trade dürfte wieder etwas mehr Ruhe innerhalb der Franchise einkehren.

Die zahlreichen Weiterverpflichtungen und die Zugänge von erfahrenen Spielern ergeben Sinn. Auch beim Draft haben die Spurs mit Walker IV eine super Wahl getroffen. Coach Popovich hat damit einen guten Kader aus erfahrenen und jungen Spielern zur Verfügung. Die Integration von DeRozan wird zwar Zeit brauchen, doch die Erfahrung des Trainers und einzelner Leistungsträger sollte dabei helfen. Es wird spannend sein zu sehen, wie der Backcourt aus Murray und DeRozan funktioniert, wie die neuen Schützen ihren Platz in der Rotation finden und was mit Walker IV in seiner ersten Saison passiert.

Bleiben die erfahrenen Spieler Aldridge, Gasol und Gay allesamt gesund, dürfte das Team um die hinteren Playoff-Plätze kämpfen. Ein tiefer Run in der Postseason ist dem neuen Team im sehr starken Westen aber eher nicht zuzutrauen.

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