Anmelden oder registrieren

Oklahoma City Thunder: We had a Dream

12.05.2018 || 12:23 Uhr von:
Ein Wechsel von Co-Star Paul George würde auch die letzten Titelträume der Thunder platzen lassen. Wie stehen die Chancen für seinen Verbleib? Welche Optionen blieben Sam Presti nach dessen Abgang?

Nachdem Kevin Durant die Oklahoma City Thunder 2016 als Free Agent verlassen hatte, schienen alle Titelhoffnungen des langjährigen Contenders ausgeträumt. Ein Jahr später schlug General Manager Sam Presti zurück. Mit den Verpflichtungen von Paul George, Patrick Patterson und Carmelo Anthony war mit der Franchise wieder zu rechnen. Auf dem Papier gehörten die Thunder zu den fünf stärksten Teams der Liga.

Die Praxis sah hingegen ernüchternd aus. Das Team von Billy Donovan konnte im Saisonverlauf nur in den Wochen vor Andre Robersons schwerer Verletzung andeuten, welches Potential sie besitzt. Trotz des vierten Platzes in der Western Conference musste das Team bis zum zweitletzten Spieltag um die Playoff-Teilnahme fürchten. Die 2-4-Playoff-Niederlage gegen die Utah Jazz spiegelte den Saisonverlauf perfekt wieder: Während die Franchise aus Salt Lake City sich als harmonische Einheit präsentierte, verließ sich Oklahoma City auf ihre individuelle Klasse.

Nun steht das Team erneut vor dem Umbruch. Waren die Offseason-Trades 2017 doch ein Fehler? Was passiert mit Paul George. Und welche Auswirkungen hätte sein Abgang auf die Perspektive der Thunder?

Rückblick

Vor dem Saisonstart galt Sam Presti als heißer Anwärter auf den „Executive of the Year“-Award. Ein halbes Jahr später werden seine Deals deutlich kritischer gesehen. Grund hierfür ist in erster Linie die Leistungsexplosion von Victor Oladipo, der 2018 erstmals All-Star wurde. Doch lassen sich so Trades beurteilen?

Nein! Die Annahme, dass der Guard der Indiana Pacers auch bei seinem alten Arbeitgeber ähnlich aufgetrumpft wäre, entbehrt jeder Grundlage. In einem Podcast von Adrian Wojnarowski analysiert Oladipo selbst die Situation. Er wäre weder in Orlando, noch ohne den Wechsel zu den Thunder, jedoch auch nicht neben Russell Westbrook zu dem Spieler geworden, der er derzeit ist. Der zweite Pick des Jahres 2013 habe zwar viel von seinem ehemaligen Teamkollegen gelernt, beide können ihre Stärken nebeneinander aber nicht voll ausspielen. Dazu sind beide zu balldominat. Victor Oladipo steigerte seine Usage-Percentage um nahezu 50 Prozent und erinnert in vielen Aktionen an den Guard aus Oklahoma City.

Dies deckt sich auch mit dem, was letzte Saison auf dem Court zu sehen war. Dementsprechend gab es nach dem Trade mit Indiana Gerüchte, dass der Presti Oladipi das im Herbst 2016 vereinbarte Jahresgehalt in der vergangenen Offseason nicht nochmal angeboten hätte. Für die Pacers ist Oladipo derzeit jeden Dollar wert, neben Russell Westbrook wären die 21 Millionen jedoch zu hoch. Der Trade war daher auch rückblickend die richtige Entscheidung. Selbst, wenn der Erlös die Franchise in zwei Monaten verlassen sollte.

Paul George

Der Abgang des Forwards war für viele Beobachter bereits im letzten Sommer wahrscheinlich. Denn der Trade war zu dem Preis nur möglich, da das Umfeld Paul Georges einen Wechsel zu den Los Angeles Lakers als Free Agents bereits andeutete. Doch aussichtlos war die Situation der Thunder nicht. Sowohl vor als auch nach dem Wechsel sprach Paul George mehrfach darüber, wie wichtig ihm die sportliche Perspektive sei. Diese ist ohne weitere Verstärung beim 16-maligen Champion zumindest kurzfristig nicht verlockend. Bei entsprechendem Erfolg hätte Sam Presti durchaus einige Trümpfe in der Hand gehabt.

Nach der schwachen Saison kann der General Manager ihm jedoch weder den lukrativen Heimatmarkt, noch die beste sportliche Situation bieten – diese ist Philadelphia. Einzig in finanzieller Hinsicht kann kein Konkurrent mithalten. Doch kann und will sich die Franchise den Maximalvertrag des Forwards überhaupt leisten? Wenn Carmelo Anthony wie erwartet seine Spieleroption für die kommende Saison zieht, läge das Gehaltsvolumen 2018/19 mindestens bei rund 150 Millionen Dollar – zuzüglich Luxussteuer jenseits von 100 Millionen. Adrian Wojnarowski hält es deshalb für unwahrscheinlich, dass Besitzer Clay Bennett solch ein Gehaltsvolumen stemmen wird. Vor allem nach der zuletzt gezeigten sportlichen Leistung sind diese Zweifel angebracht.

Trotz hoffnungsvoller Äußerungen des Free Agents ist ein Wechsel Georges daher das naheliegendste Szenario. Doch was bedeutet dies für die zukünftigen Titelambitionen der Thunder?

Perfekt Fit

Um einen Superstar ein titelfähiges Team zu bauen, ist eine komplexe Angelegenheit. Die Miami Heat haben 2010 das größtmögliche Talent angehäuft und anschließend an der Kompatibilität gearbeitet. Die vergangenen Jahre haben Sam Presti gezeigt, dass diese Strategie mit Russell Westbrook schwer umzusetzen ist. Zu Saisonbeginn hat der Point Guard nichts unversucht gelassen, um seine neuen Teamkollegen möglichst schnell zu integrieren. Sein eigenes Spiel litt dadurch jedoch sehr, da Westbrook ballabseits keine Gefahr ausstrahlt. Erst als die Nummer 0 wieder egoistischer agierte, spielten Westbrook und das Team erfolgreicher.

Der amtierende MVP benötigt daher neben dem notwendigen Talent auch noch passende Mitspieler an seiner Seite. Diese sollten ihm defensiv den Rücken freihalten können sowie Spacing bringen, ohne den Ball selbst dominieren zu müssen. Spieler à la Klay Thompson, Al Horford, Robert Covington, Joe Ingles oder Josh Richardson wären ideale Neuverpflichtungen, um auf Titelkurs zu bleiben. Talent und Fit gleichzeitig zu holen ist mit den Assets der Thunder jedoch nahezu unmöglich. Wenn Paul George Oklahoma City verlässt, ist das Titelfenster vorerst geschlossen. Die Franchise wird ihre Erwartungshaltung reduzieren müssen oder einen radikalen Umbruch in Betracht ziehen.

Rebuild

Heutzutage steigt die Anzahl derjenigen, die ein Team entweder als Contender oder im Neuaufbau sehen wollen. Mittelmaß ist für viele nicht erstrebenswert. Nach diesem Maßstab müsste Sam Presti Russell Westbrook, Steven Adams und alle übrigen „Win-now“-Spieler für die best möglichen Assets traden und via Draft neu aufbauen.

Oklahoma City Thunder superstar Russell Westbrook should consider a move to his hometown team, Los Angeles Lakers, in the upcoming offseason, according to Max Kellerman of ESPN.

Da Oklahoma City letztes Jahr als einzige Franchise gegen die neue Lottery-Reform stimmte, zogen die Verantwortlichen einen baldigen Rebuild zumindest in Erwägung. Dies war aber vor der langfristigen Vertragsverlängerung ihres MVPs. Das Duo Westbrook/Adams ist nun langfristig an das Team gebunden. Beide sind nach dem Abgang von Kevin Durant die Aushängeschilder der Thunder. Ein solch radikaler Schnitt wäre in der NBA-Historie einmalig und könnte bürgerkriegsähnliche Zustände in Oklahoma auslösen. Deshalb ist eine mittelfristige Umstrukturierung um die beiden Eigengewächse die wahrscheinlichste Variante.

Retool

Im vergangenen Jahr hat die Franchise bewiesen, dass sie mit Russell Westbrook und Steven Adams ein Playoff-Team stellen können. Dabei passte der Kader nicht gut zu dem Duo. Es fehlte das notwendige Spacing, um die Stärken der beiden zu maximieren. Da muss Sam Presti ansetzen.

Die Möglichkeiten, den vorhandenen Kader zu verstärken, sind jedoch begrenzt. Selbst wenn Carmelo Anthony gegen alle Logik aus seinem Vertrag aussteigen sollte, hat der General Manager nur rund 12 Millionen Dollar für mindestens vier offene Kaderplätze zu Verfügung. Viel besser sieht die Situation auch 2019 nicht aus. Alleine der Point Guard, der Center und Andre Roberson verdienen dann 75 Millionen Dollar.

Um überhaupt den notwendigen Spielraum jenseits eines durchschnittlichen Startergehalts zu besitzen, müssten die Thunder sich von nahezu allen teureren Rollenspielern trennen und Jerami Grant nicht langfristig verlängern. Das wäre auch nicht wirklich vielversprechend. Daher könnte das Ziehen der Spieleroption der Persona non grata die größte Chance auf Verstärkung sein.

Camelo Anthony

Die Verpflichtung des ehemaligen Stars war nicht von Erfolg gekrönt. Wie erhofft nahm Anthony die kleinere Rolle im Saisonverlauf an (Karrieretiefstwerte bei den Wurfversuchen und der Usage-Percentage waren die Folge), dies hatte jedoch nicht die positiven Auswirkungen auf die Wurfquote und Effizienz. Vor allem in den Playoffs waren diese Werte unterirdisch. Deshalb hoffen die Fans auf einen baldigen Abschied. Auf seine knapp 28 Millionen Dollar wird Anthony aber vorraussichtlich nicht verzichten. Wieso dann nicht aus der Not eine Tugend machen?

Der Trade-Wert des Spielers Camelo Anthony ist nach dieser Saison zwar tief gesunken, sein auslaufender Vertrag hingegen ist wertvoll. Viele Teams haben sich in den letzten Jahren verkalkuliert und wollen überteuerte und längere Verträge loswerden. Da Oklahoma City bezüglich des eigenen Caps und der eigenen Trade-Bausteine limitiere ist, wäre dies eine Chance, den Kader zu verstärken – sofern der Fit der Neuen passt.

Pakete um Evan Fournier, Danilo Gallinari, Kent Bazemore, Courtney Lee, Marvin Williams oder zahlreiche Cavs-Akteure könnten nur für einen auslaufenden Vertrag verfügbar sein. Auch die No-Trade-Klausel von Carmelo Anthony wird dabei kein Problem darstellen. Diese Teams interessieren sich nicht für den Spieler per se. Ein anschließender Buyout sollte daher nur Formsache sein. Melo könnte sich dann seinen zukünftigen Arbeitgeber selbst aussuchen. Für viele Thunder-Fans ist die Nummer 7 jedoch nicht der Einzige, der sich schnellst möglich eine neue Anstellung suchen sollte.

Billy Donovan

Mit Anthony ist der Coach für zahlreiche Anhänger der Sündenbock in Oklahoma City. Vor allem seine Rotationen sowie ein fehlendes Offensivsystem wird ihm angelastet. Der Angriff ist viel zu abhängig von der individuellen Klasse seiner zwei Stars. Eine moderner Offense konnte Donovan nicht etablieren. Doch ist dies überhaupt sein Verschulden?

Bereits der Vorgänger Scott Brooks musste sich vergleichbarer Kritik stellen. Dieses Manko konnte der jetzige Coach der Wizards auch in Washington nicht ablegen. Das Team aus der Hauptstadt besitzt mit John Wall jedoch einen vergleichbaren Spielertyp zu Russell Westbrook. Als der Point Guard verletzungsbedingt länger ausfiel, änderte sich das Angriffssystem der Wizards abrupt.

Daher ist die Leistung eines Billy Donovan für Außenstehende kaum zu bewerten. Kann er seine Motion-Offense, für die er am College bekannt war, einfach nicht auf die NBA übertragen, oder ist diese mit seinem besten Spieler nicht kompatibel? Wenn Russell Westbrook seine Stärken am besten in einem einfachen Drive&Kick-System ausspielen kann, löst ein erneuter Trainerwechsel dieses Problem nicht. Dieser Meinung ist zumindest Sam Presti, denn Donovan wird auch zum Saisonstart 2018/19 auf der Bank sitzen.

Fazit

Noch hat Paul George die Thunder nicht verlassen. Erst in zwei Monaten lässt sich beurteilen, ob der Titeltraum in Oklahoma City vorerst gestorben ist. Denn zwei Hochkaräter innerhalb von zwei Jahren ohne Gegenwert zu verlieren, kann keine Franchise verkraften. Das Center/Point-Guard-Duo garantiert jedoch, dass die Thunder nicht in die Bedeutungslosigkeit verschwinden. Wie für alle anderen Small-Market-Teams ist dies keine schlechte Situation. Auch wenn ein titelloses Jahrzehnt zu Beginn der Dekade noch undenkbar erschien.

Oklahoma City Thunder: We had a Dream
3.5 (70%) 2 votes
Jetzt mitdiskutieren Anmelden oder Registrieren
Berlino
Berlino 13. Mai 2018 um 9:51 Uhr

Inhaltlich sehr interessant, aber sprachlich schwer verdaulich. Der Artikel liest sich sehr holperig und man kommt immer wieder ins Stocken bei einigen Formulierungen.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklärst Du Dich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.