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Raketenwissenschaft oder „Hamptons Five“?

14.05.2018 || 14:03 Uhr von:
In den Western Conference Finals steht die mit Spannung erwartete Serie zwischen den Houston Rockets und Golden State Warriors an. Wer erreicht die NBA Finals? In unserer Vorschau geben wir eine Prognose ab.

Die Fans wollten es, die Fans bekommen es: In den Western Conference Finals treffen mit den Houston Rockets und den Golden State Warriors die beiden Schwergewichte dieser NBA-Saison aufeinander. Das beste Team der Regular Season (Houston mit 65 Siegen) fordert den Titelverteidiger heraus. Auch in den Playoffs haben beide Mannschaften bislang ihre Ausnahmestellung bestätigt. Sowohl die Rockets als auch die Warriors lösten ihre bisherigen Aufgaben souverän und setzten sich in ihren beiden Serien jeweils in fünf Spielen durch. Houston und Golden State gehören statistisch in der laufenden Postseason zu den vier besten Offensiv-Teams, stellen die beiden besten Defensiven aller Playoff-Teams und haben das beste und zweitbeste Net-Rating (Golden State: +9,5; Houston: +9). Doch nur ein Team schafft den Sprung in die NBA Finals. In dieser Vorschau erklären wir, wer die besseren Karten auf das Weiterkommen hat.

Houstons Angriff: simpel, aber effizient

Im Angriff kommen die beiden Schwergewichte auf sehr unterschiedliche Art und Weise zum Erfolg. In Houston hat Head Coach Mike D’Antoni seinen Superstars James Harden und Chris Paul ein recht simples, aber dennoch effektives System auf den Leib geschneidert. Es basiert darauf, das Spielfeld möglichst weit zu machen und damit seinen Individualisten viel Platz für Drives zu schaffen. Bei den Rockets stehen stets vier (mit Clint Capela als Center) oder sogar fünf Schützen (mit PJ Tucker auf der Fünf) auf dem Parkett. Harden und Paul suchen entweder im Eins-gegen-Eins oder durch das hohe Pick-and-Roll den Weg zum Erfolg. Ob per Dreier aus dem Dribbling oder Drive, Durchstecker zum freistehenden Big Man oder Kick-out-Pass zu den wartenden Schützen – die beiden Ausnahmekönner finden fast immer eine Lösung.

Vor allem nach Isolationen zeigen sich die beiden Guards unglaublich effizient. Houston war in der regulären Saison nicht nur das Team mit den meisten Abschlüssen nach Isolations, sondern auch das effizienteste mit 1,12 Punkten pro Angriff – ein extrem hoher Wert für eine Aktion, die allgemein als ineffizient verschrien ist. Dies liegt insbesondere an James Harden (1,22 PPP) und Chris Paul (1,10 PPP), die die Liga damit in der Regular Season bei der Effizienz nach Isolations anführen. Auch in den Playoffs setzen die Rockets neben dem Pick-and-Roll vor allem auf das Eins-gegen-Eins.

Es bleibt allerdings abzuwarten, ob die Texaner auch gegen die elitäre Defensive der Warriors mit dieser Spielweise Erfolg haben werden. Klay Thompson und Andre Iguodala sind exzellente Individualverteidiger, die sich wohl auch Houstons Backcourt-Duo annehmen werden. Kevin Durant und Draymond Green können – und werden vermutlich auch – dank ihrer Mobilität die meisten Pick-and-Rolls switchen und mit ihrer Länge den Rockets-Stars das Leben schwer machen. Stephen Curry, das vermeintlich schwächste Glied der Warriors-Defense, wird eventuell zunächst Chris Paul oder aber Rockets-Flügelspieler Trevor Ariza zugeteilt werden.

Um gegen die Warriors zu bestehen, sind die Rockets daher auch auf die Hilfe von Clint Capela angewiesen. Der Big Man ist äußerst beweglich und der ideale Pick-and-Roll-Partner für Harden und Paul. Sollte Golden State Smallball bzw. Skillball spielen (also ohne klassischen Center, sondern mit Green auf der Fünf), wird es Capelas Aufgabe sein, seine Länge und Athletik in die Waagschale zu werfen, um Offensiv-Rebounds zu fangen und somit seinem Team zusätzliche Wurfgelegenheiten zu erarbeiten. Generell muss Houston vermutlich am offensiven Brett dominieren, um eine Chance gegen Golden State zu haben. Aber auch aus der Distanz müssen sich die Texaner im Vergleich zu den bisherigen Playoff-Partien deutlich steigern. In den zehn Partien nahm die Truppe von Mike D’Antoni erwartungsgemäß wieder die mit Abstand meisten Dreipunktwürfe pro Spiel (39,9 3FG), zeigte sich aber nur in drei dieser Begegnungen sehr zielsicher. Doch auch die Warriors konnten in der Postseason (32,9% 3FG) bislang noch nicht an ihre Trefferquote in der Regular Season (39,1% 3FG) anknüpfen.

Vielseitige Warriors-Offense

Im Gegensatz zu Mike D’Antoni setzt Warriors-Head Coach Steve Kerr auf permanente Spieler- und Ballbewegung. Während Houston gemeinsam mit den Oklahoma City Thunder die wenigsten Pässe spielt, ist Golden State hier in den bisherigen Playoffs spitze. Kerr weiß um die Vielzahl an Playmakern im Team und möchte, dass nicht nur die Stars, sondern auch die spielintelligenten Rollenspieler wie Iguodala, Shaun Livingston und David West den Ball bekommen und Plays machen. Der Cheftrainer ist der festen Überzeugung, dass die Involvierung eines jeden Spielers in den Angriff dem ganzen Team mehr Energie gibt und die Akteure dadurch noch härter verteidigen. Für die Rockets gilt es daher umso mehr, am defensiven Ende hochkonzentriert zu agieren. Schließlich ist Golden State in der Lage, jeden Fehler in Sekundenbruchteilen zu erkennen und zu bestrafen.

Die Dubs sind traditionell eines der Teams mit den wenigsten Abschlüssen nach Pick-and-Rolls und Isolations. Stattdessen setzt der Meister aus Oakland häufig auf Cuts. So wird der Ball oft zuerst nach innen gebracht. Aus dem High- oder Low Post heraus werden die zum Korb cuttenden Mitspieler dann bedient. Zudem stellen die Warriors viele indirekte Blöcke, um ihre Scharfschützen in Szene zu setzen. Das Team aus der Bay Area führt die Liga einmal mehr an, wenn es um die Zahl der Abschlüsse nach Off-Screens geht. Insbesondere Thompson tut sich hier hervor. Kein Spieler erzielt mehr Punkte nach indirekten Blöcken als der Splash Brother. In den bisherigen Playoffs erzielt Thompson durchschnittlich 8,8 Punkte pro Spiel nach einer solchen Aktion. Das Kurven um Blöcke ist die Spezialdisziplin des Shooting Guards, der fast jeden zweiten Abschluss nach einem Block abseits des Balls nimmt.

Zudem zeichnet sich die Warriors-Offense durch schnelles Umschaltspiel aus. Ob nach Defensiv-Rebound oder Ballgewinn – die Dubs nutzen jede mögliche Gelegenheit, um den Ball zügig nach vorne zu tragen. Ist aus dem Fastbreak heraus ein freier Wurf da, wird er genommen. Gerade in Anbetracht von Houstons deutlich verbesserter Halbfeldverteidigung könnte das Kreieren einfacher Fastbreak-Punkte zum Schlüsselfaktor für Golden State werden. Für die Rockets heißt es dagegen, diese Gelegenheiten zu verhindern und das Spieltempo zu drosseln. Leichtfertige Turnover sind für das D’Antoni-Team absolut tabu – was allerdings auch für die Warriors gilt.

„Hamptons Five“ als Trumpf

In der Serie gegen New Orleans schickte Kerr erstmals seine beste Aufstellung, bestehend aus Curry, Thompson, Iguodala, Durant und Green (neuerdings bekannt als „Hamptons Five“), als Starting Five aufs Parkett. Der Spitzname dieser Fünf rührt daher, dass Warriors-Vertreter sowie vier Spieler (nämlich Curry, Thompson, Iguodala und Green) im Juli 2016 in die Hamptons, einem Teil von Long Island im US-Bundesstaat New York, gereist sind, um Kevin Durant, der dort zu diesem Zeitpunkt seinen Urlaub verbracht, von einem Wechsel nach Oakland zu überzeugen.

Die Aufstellung ist nach wie vor die beste, weil vielseitigste ligaweit. Sie liefert offensiv elitäres Playmaking und Shooting sowie defensiv Mobilität und Shotblocking – und das alles von gleich mehreren Akteuren. Zudem verfügen alle fünf Spieler über einen extrem hohen Basketball-IQ. Da die meisten Akteure schon seit mehreren Jahren zusammenspielen, sind die Abläufe und Rotationen auf beiden Seiten des Feldes tief verinnerlicht. Die Aufstellung kam in der Serie gegen die New Orleans Pelicans 54 Minuten lang zum Einsatz. Ebenso viele Punkte haben die Dubs in dieser Zeit mehr erzielt als ihr Gegner. Das „Lineup of Megadeath“ ist tödlicher als je zuvor.

Vorteil Golden State

Alles in allem bleibt der Meister aus der Bay Arena die Benchmark, das Team, das es zu schlagen gilt. Daran ändert auch die überragende Regular Season und der Heimvorteil für die Rockets nichts. Der Hauptrundensieger ist extrem von seinen beiden Stars Paul und Harden abhängig, während die Warriors mehr Waffen haben und zudem über das vielseitigere und unberechenbarere Offensiv-System verfügen. Wie sieht Houstons Plan B aus, wenn CP3 und „The Beard“ in ihrem Scoring eingeschränkt werden? Sollten die Texaner dagegen den Warriors-Backcourt ausschalten, haben die Dubs immer noch Kevin Durant, der Houstons Flügelverteidiger mit seiner seltenen Kombination aus Größe, Schnelligkeit und Wurf vor eine kaum lösbare Aufgabe stellt. Auch Rockets-Big Capela könnte defensiv Probleme bekommen, wenn das D’Antoni-Team switchen und der Center einen kleineren und damit schnelleren Gegenspieler vor sich halten muss.

Dies sind eine Menge Fragen, die Houston zu beantworten hat. Aus diesem Grund gehen die Warriors als Favorit in die Serie. Nur wenn Curry nach seiner Innenband-Stauchung noch nicht in Topform sein sollte, könnte Golden State in enorme Schwierigkeiten geraten. Der Point Guard zeigte sich nach seiner Rückkehr allerdings wieder in sehr guter Verfassung. Insgesamt sind die Warriors die bessere Mannschaft und dürften zum vierten Mal in Folge in die NBA-Finals einziehen. Tipp: 4-1 für Golden State.

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