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„Ich habe mit Magic Johnson gesprochen – wie cool ist das?!“

24.05.2018 || 08:14 Uhr von:
Moritz Wagner Michigan NCAA
Moritz Wagner, die deutsche Hoffnung für den NBA-Draft, hat in den letzten Tagen am NBA Combine teilgenommen. Dort erzählt der potentielle Erstrunden-Pick von seiner College-Zeit, dem Combine und seinen NBA-Plänen.

Am 21. Juni steht der NBA Draft an. Mit Moritz Wagner dürfte sehr wahrscheinlich ein deutscher Spieler gezogen werden. Seit dem NCAA-Finale Anfang April ist es etwas ruhiger um einen der Helden der Michigan Wolverines geworden. Im Rahmen des Draft Combines meldete sich der Big Man zu Wort.

„Ich versuche, niemals irgendetwas zu verkaufen – auch nicht mich selbst“

Frage: Wie war der Combine für dich bisher?

Moritz Wagner: Es ist von Tag zu Tag unterschiedlich. Normalerweise haben wir am Morgen sowie am Abend Interviews. Zwischendurch versuche ich so viele Workouts zu machen, wie ich kann, damit ich für die nächsten Wochen vorbereitet bin. Es sind sehr lange Tage.

Hattest du eine Chance zu sehen, welche NBA-Legenden beim Combine vor Ort sind?

Ja, es ist fantastisch. Du gehst in die Interviews, sprichst mit den Trainern und den Legenden. Ich habe gestern mit Magic Johnson gesprochen – wie cool ist das?! Es ist Business, aber das kann ich schon genießen.

Welches Feedback haben dir die Teams gegeben?

Feedback ist schwer. Wir haben vor allem über die letzte Saison gesprochen.: über die Stärken, die ich entwickelt habe, und die Schwächen, die ich noch habe. Ich liebe diese Interviews, sie machen echt Spaß.

Über welche Schwächen und Verbesserungspotentiale habt ihr gesprochen?

Vor allem defensiv muss ich konstanter spielen. Es gibt Spiele, in denen ich zeige, dass ich ein überdurchschnittlicher Verteidiger bin, aber eben nicht konstant. Ein anderes Thema ist es, emotional stabil zu bleiben.

Wie bleibt man bei so vielen Interviews mental frisch und wird nicht zum Antworten-Roboter?

Ich bleibe immer authentisch. Ich versuche, niemals irgendetwas zu verkaufen – auch nicht mich selbst. Das habe ich letztes Jahr getan, das mache ich dieses Jahr. Das macht es auch für mich einfacher, einen klaren Kopf zu bewahren, und für die Teams macht es es einfacher, mich zu verstehen.

Was sagen dir die Teams: In welchem Bereich kannst du erwarten, im Draft gezogen zu werden?

In einem großen Bereich. Das ist alles, was ich sagen kann, ich wünschte ich wüsste mehr. Ich bin hier, versuche ich selbst zu sein und mache mir keine Gedanken darüber, denn ich kann es nicht kontrollieren. Ich gebe mein Bestes und versuche Kontakte zu knüpfen. Was dann am 21. Juni passiert, steht in den Sternen.

Hilft es dir, dass du in Deutschland bereits professionell gespielt hast?

Vielleicht, weil ich in der Nähe des Profiteams war. Aber der größte Vorteil dürfte sein, dass ich zum zweiten Mal beim Combine bin.

„Meine Mutter war auf Wolke sieben“

Welche Hinweise konnten dir deine ehemaligen Teamkollegen aus Michigan geben? 

Sei einfach du selbst und genieße den Prozess. Ich glaube, es gibt keine Unsicherheiten mehr für mich, so muss ich keine Fragen mehr stellen.

Sprichst du noch mit deinem alten Coach John Beilein, und welche Ratschläge gibt er dir? 

Wir haben eine gute Beziehung. Natürlich sprechen wir oft, aber nicht jeden Tag. Wir sind beide sehr beschäftigt. Er sagt die gleichen Dinge, wie die anderen. Ehrlich gesagt, geht es mehr darum, dass ich Michigan vermisse, und er mich. So ist es gut, noch ein bisschen mitzubekommen, wie es dem anderen geht.

Was ist am härtesten an der Entscheidung, in die NBA zu gehen und das College zu verlassen?

Wie ich gerade gesagt habe, Michigan zu verlassen. Ich habe es dort echt gemocht. Die Entscheidung war nicht einfach, da ich noch ein Jahr hätte bleiben können. Es ist wie ein Zuhause für mich, und ich kann immer wieder zurückkommen. Ich bin wirklich froh, dass es so ist.

Veränderte das Final Four dein Leben?? Und wie fand deine Mutter es, so oft im Fernsehen zu sein?

Ja, es war speziell, mit meinen Teammates durch so etwas zu gehen. Das bleibt für immer eine gemeinsame Erinnerung. Meine Mutter war auf Wolke sieben. Es war schön, sie bei mir zu haben und die Momente mit meiner Familie teilen zu können.

Du hättest letztes Jahr ja bereits Profi werden und Geld verdienen können.

Ich wollte es aber nicht. Ich liebe Michigan, ich liebte es, ein College-Kid zu sein. Ich musste mir keine Gedanken über Steuern und andere Erwachsenendinge machen. Es klingt einfach, aber das ist es, was es war. Ich hatte keine Garantie. Ich fühlte mich noch wie ein Kind und nicht bereit für das Erwachsensein.

Wir sprechen über Geld: Wie stehst du zu der Frage, ob College-Athleten Geld bekommen sollten?

Es ist schwer, da eine einzelne Aussage zu treffen, da sie leicht aus dem Kontext gerissen werden kann. Aber ich sehe beide Seiten, und ich kann beide Seiten verstehen, aber auch kritisieren. Allerdings kann ich mir kaum erlauben, da etwas zu zu sagen. Ich hatte in den letzten drei Jahren die Zeit meines Lebens. Alles was ich sagen kann, ist, dass es dieses Modell nirgendwo anders gibt: weder in der Wirtschaft, Gesellschaft, noch irgendwo in der Welt. Aber ich will da nicht zu viel zu sagen, ich durfte vor 70.000 Zuschauern spielen und hatte die beste Zeit meines Lebens.

„Es wird nicht einfach, aber das soll es auch nicht“

Was wird die größte Herausforderung in der NBA?

Die Vielzahl an Spielen. Du spielst jeden zweiten Tag, letztes Jahr waren es für uns 42 Spiele. Das unterschätzen viele Rookies, glaube ich. Du musst dich anpassen, aber ich bin da selbstbewusst.

Wie sehr hat dich das Spielen im NCAA-Finale auf die NBA vorbereitet?

Es ist eine ganz andere Sache. Du kannst NBA- und College-Basketball nicht vergleichen. Aber vor den Medien für vier Tage zu stehen, war sicher keine schlechte Erfahrung.

Merkst du den Unterschied zwischen der NCAA- und NBA-Dreierlinie?

Auf jeden Fall! Sie ist fast 30 Zentimeter weiter weg. Das wird eine Umstellung, aber ich fühle mich viel wohler mit meinem Dreier. Es wird nicht einfach, aber das soll es auch nicht.

Welche Rolle kannst du in der NBA spielen, und auf welcher Position?

Ich glaube, ich kann das Feld gut breit machen. Das sehen wir immer mehr in der NBA, dass es weniger Spieler gibt, die sich auf das Postup-Spiel limitieren. Es gibt ja kaum noch richtige Positionen auf dem Feld. Power Forwards und Center sind alle das gleiche. Ich bin ein Big Guy, der werfen kann.

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