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Maxi Kleber: So lief mein Jahr mit Dirk Nowitzki

30.05.2018 || 10:39 Uhr von:
Maxi Kleber reflektiert im exklusiven Interview seine NBA-Premierensaison an der Seite von Dirk Nowitzki und verrät, was er dem Superstar der Dallas Mavericks für die Zukunft rät.

basketball.de: Maxi, du hast nun eine Saison an der Seite von Dirk Nowitzki bei den Mavericks gespielt. Wie kannst du seinen Status in Dallas beschreiben?

Maxi Kleber: Er ist hier eine Legende, ein absoluter Hero. Manchmal gehe ich in den Supermarkt, die Leute erkennen mich nicht, fragen mich aber wegen meiner Größe, ob ich Basketballer sei. Und wenn ich dann noch erzähle, dass ich aus Deutschland komme, dann ist jedes Mal die erste Reaktion: „Du kommst aus Deutschland, also genau wie unser Hero Dirk!“ Er ist einer der besten Basketballer, die jemals in der Liga gespielt haben. Und er ist immer noch so produktiv in der Offense. Daher ist er in Dallas die Basketball-Figur schlechthin.

Doch gleichzeitig kommt er so bodenständig daher …

Das stimmt. Wer mit ihm mal persönlich gesprochen hat, weiß genau, wie bodenständig, sympathisch und witzig er ist. Jeder, der ihn fragt, bekommt ein Bild oder ein Autogramm. Als ich im vergangenen Sommer frühzeitig in Dallas angekommen war, um zu trainieren, wusste er, dass ich erst mal alleine hier bin. Meine Freundin kam erst später nach. Dann hat er mich gefragt, ob ich nicht mal zum Essen bei ihm daheim vorbeikommen mag. Wir haben über alles Mögliche gequatscht, das war richtig klasse.

Ist er mit seiner Einstellung auch ein besonderes Vorbild für die jungen Mavericks-Spieler?

Am meisten hilft er den jungen Spielern, indem er den Sport so vorlebt, wie er es eindrucksvoll tut. Er ist morgens der erste in der Halle und geht abends als Letzter. Er macht immer Extra-Workouts, selbst beim Shootaround bleibt er länger da. Anders wäre es auch gar nicht möglich, dass er immer noch spielen kann. Er ist schon so lange aktiv, das ist eine Riesenbelastung für den Körper. Wenn du als junger Spieler siehst, wie viel Arbeit und Zeit er investiert, da kommst du sofort ins Staunen.

„Dirk ist morgens der erste in der Halle und geht abends als Letzter“

Wie aktiv bringt er sich ins Trainingsgeschehen ein?

Er weiß natürlich, wie der Hase läuft und wie die NBA funktioniert. Wenn wir gewisse Systeme spielen oder im Training etwas durchgehen, dann sagt er dazu auch seine Meinung, zum Beispiel, was die beste Option in der Verteidigung wäre. Natürlich ist der Headcoach der Chef. Aber besonders während eines Spiels passieren die Dinge so schnell, dass er selbst oft mit den Teamkollegen spricht und ihnen Ratschläge gibt.

Er agiert also schon wie ein Co-Trainer?

Es passiert zwangsläufig, wenn du so viel Erfahrung mitbringst, dass du dich viel mit deinen Kollegen unterhältst. Dafür gäbe es keinen Besseren als ihn, der schon seit 20 Jahren in der Liga ist.

Glaubst du, dass er tatsächlich ins Trainergeschäft einsteigen wird?

Das kann ich schwer einschätzen, weil wir über dieses Thema nie so intensiv gesprochen haben. Aber ich weiß, dass es bei mir so wäre, dass ich erst mal ein bisschen Abstand vom Basketball bräuchte. Eigentlich willst du als Sportler immer weiterspielen. Aber irgendwann musst du aufhören, es geht nicht anders. Dann willst du ungern zugucken, weil es dir selbst so wehtut, nicht mehr auf dem Parkett dabei zu sein.

Deshalb kann ich mir vorstellen, dass er zunächst etwas Abstand haben will und dann vielleicht etwas als Trainer macht. Ich weiß es aber nicht, das ist schwer einzuschätzen. Aber die Voraussetzungen wären in jedem Fall da, er hat das nötige Know-How. Denn er hat so viele Erfahrungen gesammelt, wie er mit Spielern umgehen muss.

Kümmert er sich um dich ganz speziell?

Nein, aber das will ich auch gar nicht. Jeder Spieler hat hier die die gleichen Voraussetzungen, jeder muss hart dafür arbeiten und kämpfen, dass er seine Spielzeiten bekommt. Da gibt es keine Sonderbehandlungen, auch nicht vom Trainer.

Zumal es für dich einerseits doch ein Segen ist, ebenso wie Dirk aus Würzburg zu kommen und ihn bereits zu kennen, andererseits aber auch ein Fluch, weil einige denke, du legst jetzt genauso eine Karriere aufs Parkett wie er?

Das kann ich inzwischen ganz gut ausblenden. Ich habe diesen Vergleich in Würzburg schon immer wieder gehört. Aber was Dirk geleistet hat, das ist eine Karriere, die legt so schnell keiner mehr hin. Da mache ich mir überhaupt keinen Druck, denn das steht überhaupt nicht in Frage. Dirks Karriere ist einmalig. Das blende ich komplett aus. Diese Aussagen hört man, aber sie interessieren mich nicht.

Trefft ihr euch auch mal abseits des Feldes, wenn die Saison läuft?

Während der Saison ist es so, dass wir auf Auswärtsreisen viel zusammen machen. Wir gehen gerne essen und laden auch die anderen Jungs dazu ein. Ansonsten hängen wir so oft aufeinander, wie haben jeden Tag Training oder ein Spiel. Daher versuchen wir, wenn wir mal daheim sind, ein bisschen Abstand zu gewinnen. Und er versucht natürlich, viel Zeit mit seiner Familie zu verbringen. Zum Teil sind wir elf Tage am Stück auf Auswärtsreise. Das ist schon heftig, wenn man seine Familie währenddessen gar nicht sehen kann.

„Dirk hatte sich gefreut, dass einer kommt, mit dem er über Fußball fachsimpeln kann“

Über was quatschst du mit Dirk? Über die aktuellen BBL-Ergebnisse? Oder deutschen Fußball?

Ich bin ja nicht ganz so tief im Fußballgeschehen drin wie er. Er ist dagegen sehr fußballvertieft. Da hatte er sich anfangs gefreut, dass endlich einer aus Deutschland kommt, mit dem er über Fußball fachsimpeln kann – aber dann war ich doch der Falsche. (lacht) Wir quatschen über alles, was uns in den Sinn kommt. Es muss nicht unbedingt über Basketball sein, es können auch andere Themen sein.

Kannst du dir die Mavs ohne Dirk vorstellen?

Nur schwer. 20 Jahre bei einem Verein zu spielen, so etwas prägt. Doch irgendwann wird der Zeitpunkt kommen, wenn es soweit ist. Nicht nur für ihn, sondern für den ganzen Verein und die Fans ist das kaum vorstellbar. Er hat hier so viel geleistet und den Verein geprägt. Es wird ein großer Verlust sein.

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