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„In meiner Prime kann ich nicht Vorletzter sein“

15.05.2018 || 08:50 Uhr von:
Für Dennis Schröder ist es derzeit eine ereignisreiche Zeit: In Atlanta geht der Umbruch weiter, während das Heimländerspiel in Braunschweig vor der Tür steht.

Dennis Schröder ist ein Familienmensch. Als der Deutsche Basketball-Bund und ihr Aushängeschild am Montagmittag zur Pressekonferenz in Braunschweig laden, ist die letzte Reihe des PK-Raums gefüllt mit Familienmitgliedern und Freunden. Sein Bruder Che und sein Mentor Liviu Calin sitzen wie gewohnt an Schröders Seite. Und nach der Presserunde sieht man Onkel Dennis schon mal am Kinderwagen stehen.

Auch die Basketballmannschaft kann eine Familie sein. Für Schröder ist die Situation bei den Atlanta Hawks jedoch mit Unsicherheiten verbunden: Die Franchise befindet sich im Umbruch; Mike Budenholzer hat das Team verlassen – der Coach, unter dem Schröder in seinen fünf NBA-Jahren bisher ausschließlich gespielt hat.

„Natürlich beunruhigt es mich ein bisschen, wenn die Organisation nicht weiß, wohin sie will“, macht Schröder deutlich, weiß aber auch um die Mechanismen des Profisports: „Als Spieler machst du dir natürlich Gedanken. Aber die NBA ist ein Business. In welche Richtung die Organisation gehen will, ist nicht meine Entscheidung.“

Seit wenigen Tagen haben sich die Hawks in Form von Lloyd Pierce mit einem neuen Head Coach geeinigt. Gespräche wird Schröder in den kommenden Tagen aber mit der Führungsetage suchen, wenn er in knapp einer Woche wieder nach Atlanta reisen wird. „Ich werde mit dem General Manager und Besitzer sprechen. Mein Agent wird auch dabei sein. Er spricht schon am Dienstag und Mittwoch mit ihnen, um zu sehen, in welche Richtung es geht.“

Erst in der Offseason 2016 hatte Schröder seinen Vertrag in Atlanta verlängert; 15,5 Millionen Dollar bringt ihm der aktuelle Vertrag jährlich bis einschließlich der Spielzeit 2020/21 ein. Ob er diesen in Atlanta erfüllen wird, bleibt abzuwarten. Der aktuelle General Manager Travis Schlenk ist erst im vergangenen Sommer zur Franchise gestoßen. In der NBA ist es gang und gäbe, dass neue GMs den Kader ihres Teams umkrempeln – inklusive des Coaches, was man in Atlantas Fall nun auch bestätigt sieht.

„In meiner Prime will ich oben mitspielen. Dann kann ich nicht Vorletzter sein“

Nachdem Schröder in seinen ersten vier Jahren in der NBA stets die Playoffs erreicht hat, stürzten die Hawks in dieser Saison auf den letzten Platz der Eastern Conference ab – für Schröder eine Umstellung, die er auf lange Sicht mit Blick auf seine persönliche Karriere natürlich wieder ändern möchte.

„In meiner Prime, mit 25 bis 29 Jahren, will ich [oben] mitspielen. Dann kann ich nicht Vorletzter in der Eastern Conference sein“, antwortet Schröder auf die Frage, ob er nicht auch mal um die Meisterschaft spielen möchte. „Deswegen werde ich das Gespräch mit den Atlanta Hawks suchen. Ich habe in Atlanta noch drei Jahre Vertrag – und dort will ich natürlich bleiben, wenn es in die richtige Richtung geht. Wenn nicht, müssen wir eben andere Lösungen finden.“

Auf mögliche Wunsch-Teams angesprochen, antwortet Schröder offen: „Indiana und Milwaukee wären nicht verkehrt. Diese Organisationen gehen in die richtige Richtung. Mit Victor Oladipo bin ich schon seit vor der Draft 2013 sehr gut befreundet. Eine Combo mit ihm wäre eine gute Sache.“ Oladipo wurde selbst vor der Saison getradet, für ihn ging es von den Oklahoma City Thunder zu den Indiana Pacers. Dort trumpfte Oladipo groß auf, avancierte zu einem der meistverbesserten Spieler der Liga und führte die Pacers auf den fünften Platz.

Auch die Bucks zogen in die Playoffs ein, wenn das Team die Erwartzungen auch nicht ganz erfüllen konnte. Interessant: Mike Budenholzer, Schröders bisheriger Coach in Atlanta, gilt als heißer Kandidat auf den offenen Coaching-Posten. Von Budenholzer hat Schröder auch einen Ratschlag mitgenommen: „Er hat mir in der vergangenen Saison immer wieder gesagt, dass ich auch individuell auf mich schauen muss, was für mich am besten ist.“

„Mein Ziel ist eine Medaille – warum soll ich sonst spielen?!“

Schröder liegt auch am Herzen, was das Beste für den Braunschweiger Standort ist. In seiner Heimatstadt ist der 24-Jährige als Anteilseigner der Basketball Löwen eingestiegen; wie genau sein Einfluss aussehen wird, da wollte sich Schröder nicht in die Karten schauen lassen. „Ich will die Jugendarbeit nach vorne bringen“, weiß Schröder aber, wo er ansetzen will. Hierbei will er vor allem seine Kontakte spielen lassen. Zudem gehe es darum, große Sponsoren zu gewinnen, um in den nächsten zwei, drei Jahren in die Playoffs zu kommen.

Mit der Deutschen Nationalmannschaft hat Schröder größere Ziele. „Wir wollen die Weltmeisterschaft erreichen. Und in zwei Jahren nach Tokio. Das sollte das Ziel eines jeden sein“, zeigt sich Schröder selbstbewusst. Er könne keinen Zeitplan nennen, aber „mein Ziel ist eine Medaille – warum soll ich sonst spielen? Wenn ich meine Zeit im Sommer opfere, will ich mit dem Team natürlich eine Medaille gewinnen. Das sollte von jedem das Ziel sein – wenn nicht, soll er nicht spielen.“

Ein erster Schritt hierfür ist eine erfolgreiche WM-Qualifikation. Als nächstes steht dafür das Heimspiel gegen Österreich an, am 29. Juni in Schröders Heimat Braunschweig. „Ein wahnsinniges Gefühl“ für Schröder. „Liviu hat mich die letzten fünf Jahre nicht spielen sehen. Für mich ist es eine Ehre, wieder in der Volkswagen Arena spielen zu dürfen vor den Fans in Braunschweig.“ Basketball ist eben eine Familien- und Herzensangelegenheit.

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