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Portland Trail Blazers: Raus aus der Komfortzone!

02.05.2018 || 11:56 Uhr von:
Nach Portlands Erstrundenaus per Sweep werden drastische Veränderungen gefordert. Doch welche Möglichkeiten besitzen die Blazers überhaupt? Und ist die Franchise bereit, ihre Komfortzone zu verlassen?

Eigentlich verlief die NBA-Saison 2017/18 für die Portland Trail Blazers äußerst erfolgreich. Mit 49 Siegen, dem Divisions-Titel und dem dritten Platz in der Western Conference übertraf die Franchise die Erwartungen deutlich. Und auch der mehrfache All-Star-Snub Damian Lillard überzeugte mit der Nominierung zum diesjährigen Showspiel in Los Angeles und als Anwärter auf einen Top-fünf-Platz bei der MVP-Wahl. Dennoch überwiegt nach der desaströsen 0-4-Erstrundenniederlage gegen die New Orleans Pelicans der Frust in Oregon. Denn wie bei einem guten Buch mit enttäuschendem Ende überwiegt der bittere Beigeschmack der letzten Seiten. Können die Pioniere sich neu erfinden? Welche Entscheidungen bestimmen die Offseason? Und wie werden die Trail Blazers doch noch zum Bestseller?

Eigene Free Agents

Mit einem garantierten Gehaltsvolumen von 110 Millionen Dollar liegt Portland bereits vor Beginn der neuen Saison über dem prognostizieten Salary Cap von 101 Millionen Dollar. Abgesehen von der Mid-level Exception sowie Minimalverträgen ist ein Upgrade durch vertragsfreie Spieler daher nicht möglich. Dank der Bird-Rechte können lediglich die eigenen Free Agents gehalten werden. Mit Pat Connaughton, Shabazz Napier, Ed Davis und Jusuf Nurkic betrifft dies vier Rotationsspieler. Der einzige Starter und der wichtigste Akteur ist der bosnische Center. Doch kann General Manager Neil Olshey sich diesen leisten?

Mit den Trades von Noah Vonleh und Allen Crabbe gab Olshey bereits im vergangenen Jahr zwei Spieler ohne bzw. sogar für negativen Gegenwert ab, um keine Luxussteuer zu bezahlen. Vor der gleichen Problematik steht die Franchise auch in der kommenden Spielzeit. Besitzer Paul Allen ist zwar grundsätzlich bereit, viel Geld zu investieren, doch nicht ohne eine vielversprechende Perspektive. Nurkic hat in der regulären Saison zwar seinen sportlichen Wert bewiesen, in der Postseason wurde er von Anthony Davis und Nikola Mirotic jedoch vom Platz gespielt. Ein ähnliches Schicksal droht zukünftig auch gegen andere Teams, die Stretch-Bigs aufbieten können.

Außerdem steht mit dem zehnten Draft-Pick des vergangenen Jahres, Zach Collins, die Zukunft auf der Fünf bereits im Kader. Deshalb werden die Verantwortlichen nicht alles daran setzten, den Bosnier zu halten. Dennoch befindet sich Olshey in einer komfortablen Situation. Der Markt für Old-School-Center ist derzeit auf dem Tiefpunkt. Dazu fehlt vielen Teams der notwendige Gehaltsspielraum, um einem Restricted Free Agent ein lukratives Angebot zu unterbreiten. Der Verbleib in Portland zu einem teamfreundlichen Gehalt ist daher realistisch.

Die Zukunft von Ed Davis wird vorraussichtlich an die Personalentscheidung des Starting-Centers verknüpft sein. Nur wenn Nurkic geht, wird Portland sich die Nummer 17 leisten wollen.

Bei den Guards wird es hingegen eine reine Preisfrage sein. Beide sind Restrected Free Agents. Bekommt einer ein lukratives Angebot, ist er weg. Ansonsten stehen die Chancen für eine Vertragsverlängerung gut.

Die Free Agency wird daher eher zur Schwächung des Kaders führen. Dementsprechend wichtig ist die interne Entwicklung der Spieler.

Der Hoffnungsträger

Da der Kader nach dem Abgang von LaMarcus Aldridge und den anderen Startern im Sommer 2015 auf die Prime von Damian Lillard zugeschnitten wurde, befinden sich die meisten der wichtigen Rotationsspieler bereits im besten Basketballalter. Große Sprünge sind bei diesen Akteuren nicht zu erwarten. Im Vorjahres-Draft opferte die Franchise jedoch zwei Erstrunden-Picks – Nummer 15 und 20 -, um den Wunschspieler Zach Collins an der zehnten Stelle zu ziehen. Mit 4,4 Punkten, 3,3 Rebounds und einem Offensiv-Rating von 93 in knapp 16 Minuten pro Spiel überzeugte der Big Man in seiner Rookie-Saison statistisch zwar nicht, zeigte aber vielversprechende Ansätze.

Körperlich ist er noch nicht NBA-ready, doch Skillset und Einsatz sind vielversprechend. Die Optimisten im Umfeld der Franchise sehen in ihn einen Spieltyp à la Steven Adams zuzüglich Distanzwurf. Solch ein Center wäre in der heutigen NBA ein potenzieller All-Star. Fraglich ist jedoch, ob und wann Collins sein Talent wird ausschöpfen können. Im kommenden Jahr wird er jedenfalls noch nicht der Spieler sein, der die Trail Blazers auf ein höheres Niveau heben wird. Wenn Neil Olshey aus seinem Team kurzfristig einen Contender formen möchte, muss er anderswo ansetzen.

Trade-Optionen

Da weder die Draft-Position eines Playoff-Teams, noch die Ausgangssituation in der Free Agency vielversprechend ist, bleibt dem Front Office nur eine weitere Alternative: ein Tauschgeschäft. Doch auch hier sind die Möglichkeiten limititiert. Portland gehört zu den Teams, die 2016 viele Verträge vergeben haben. Laut Zach Lowe rechnete die Mehrzahl der General Manager vor der Offseason damit, dass der inflationäre Anstieg des Salary Caps weitergehen würde. Dies erwies sich jedoch als Fehleinschätzung. Bereits wenige Wochen nach der Free Agency wurde die Prognose für 2017 um sechs Millionen Dollar gesenkt. Am Ende wurden aus den einst geschätzten 108 Millionen lediglich 99 Millionen Dollar Gehaltsspielraum. Demnach besitzen nur wenige Verträge aus diesem Jahrgang keinen negativen Tradewert.

Den Blazers stehen daher kaum lukrative Tauschoptionen zur Verfügung. Einzig der auslaufende Vertrag von Al-Farouq Aminu hat einen geringen Wert. Bis zum 25.7. könnte Olshey mit der Trade-Exception über knapp 13 Millionen Dollar aus dem Allen-Crabbe-Deal noch einen Spieler ohne Gegenwert aufnehmen. Aufgrund der finanziellen Situation ist dieses Szenario jedoch eher unwahrscheinlich.

Um tiefgreifende Veränderungen vorzunehmen, bleiben nur die beiden Stars. Doch Lillard ist der Leader des Teams, und der Kader ist auf ihn ausgerichtet. Daher ist C.J. McCollum der beste Trade-Chip der Franchise.

C.J. McCollum

Wechselspekulationen um den Shooting Guard gibt es schon seit Monaten. Bisher sprach Neil Oshley jedoch immer klare Worte: Die Franchise glaube daran, dass dieses Backcourt-Duo erfolgreich sein kann.  Daher schloss der General Manager einen Trade bisher aus. Dies ist auch richtig. Die Combo Lillard/McCollum ist nicht das Problem der Trail Blazers, doch auch kein perfekter Fit.

Zum einen haben beide Guards ähnliche Stärken und Schwächen, zum anderen erschwert das Duo es dem Trainer, in den Playoffs größere Adjustments vorzunehmen. Denn beide können alternativ nur auf der Position des jeweils anderen spielen. Wirkliche Überraschungsmomente kann Portland durch Positionsverschiebungen ihrer Stars nicht erzeugen. Beide zusammen mögen zwar durchaus funktionieren, ein flexibel einsetzbarer „Two-Way Player“ könnte das Team jedoch auf ein höheres Level hieven. Vor allem, wenn dieser zusätzlich noch ein sportliches Upgrade zu McCollum wäre. Doch wie oft ist solch ein Spieler verfügbar? In den letzten zwölf Monaten immerhin zweimal: Jimmy Butler und Paul George. Und auch im kommenden Sommer könnte ein MVP-Kandidat den Arbeitsplatz wechseln. Doch solch ein Deal wäre mit hohem Risiko verbunden.

High risk, high reward

Wenn Top-Spieler wechseln, hat dies fast immer folgende Gründe: ein auslaufender Vertrag des Spielers, die Neupositionierung des Teams und/oder größere Differenzen zwischen beiden Parteien. Auf Kawhi Leonard trifft zumindest Ersteres zu. Über die Beziehung zu den San Antonio Spurs wird seit Wochen heiß diskutiert. Deshalb besteht eine realistische Möglichkeit, dass der Finals-MVP 2014 im Sommer auf dem Trademarkt landen wird. Sportlich wäre er für Portland ein großer Gewinn. Doch im Vergleich zu McCollum, dessen Vertrag noch bis 2021 läuft, kann die Nummer 2 der Spurs 2019 Free Agent werden. Dies ist jedoch auch die einzige Chance, einen der besten Spieler der Welt für McCollum zu bekommen. Spieler mit vergleichbarer Laufzeit – beispielsweise Giannis Antetokounmpo – sind deutlich teuerer oder gar nahezu untradebar.

Das Front Ofice muss sich daher genau überlegen, ob und für wen sie ihren besten Trade-Chip opfern würde. Denn Portland ist kein attraktiver Markt. Ein „Rental“ ist daher nicht unwahrscheinlich. Wenn die Blazers All-In gehen, dann sollten sie zumindest sicherstellen, dass eine Vertragsverlängerung bei entsprechend sportlicher Perspektive möglich ist. Ansonsten wartet Olshey besser auf die nächste Chance. Doch wer wird diesen Kader zukünftig überhaupt aufstellen und trainieren?

Führungswechsel?

Abgesehen vom Kader stehen auch die Verantwortlichen auf dem Prüfstand. Nach dem Sweep berichteten die US-Medien, dass Coach Terry Stotts Stuhl wackelt. Dies wäre jedoch eine höchst fragwürdige Entscheidung. Der ehemalige Assistent von Rick Carlisle gilt seit Jahren als einer der besten Offensivtrainer der Liga. Der Angriff stockte in diesem Jahr zwar etwas, dafür etablierte der Trainerstab trotz mittelmäßigem Defensivtalent eine Top-Ten-Verteidigung. Die individuellen Schwächen wurden durch das System hervorragend kompensiert. Neil Olshey kommentierte die Meldung über Stotts‘ mögliche Entlassung, indem er für diesen Fall mit seinem eigenen Abgang drohte. Doch womöglich ist er ja das größere Problem?

Ob Olshey noch der richtige Mann für diesen Job ist, lässt sich schwer beantworten. Der Sommer 2016 erwies sich als schwere Fehleinschätzung. Dabei befindet er sich im Kollegenkreis jedoch in guter Gesellschaft. Im Umfeld der Trail Blazers kursieren außerdem die Gerüchte, dass Besitzer Paul Allen selbst den Verbleib aller Restricted Free Agents angeordnet hatte.

Abgesehen von dieser Offseason ist die Arbeit positiv zu bewerten. Der Umbruch nach dem Abgang von LaMarcus Aldridge lief erfolgreich, mit C.J. McCollum gelang ihm im Draft ein Glücksgriff, und aus dem Nurkic-Plumlee-Trade holte er zusätzlich einen Erstrundendraft-Pick heraus. Trainer und General Manager sind daher nicht das Problem der Franchise.

Fazit

Die Portland Trail Blazers sind die junge Version der Memphis Grizzlies aus den letzten Jahren. Zumindest 45 bis 50 Siege und eine regelmäßige Playoff-Teilnahme sind bis zum Vertragsende des Backcourts machbar, das Sealing ist jedoch begrenzt. Je nach Matchup ist die zweite Playoff-Runde realistisch. Für mehr bedarf es jedoch größere Ausfälle beim Gegner. Für den kleinen Markt im Nordwesten des Landes ist dies keine schlechte Situation. Playoffs bringen Geld und halten die Fans bei Laune. Ein großer Umbruch ist daher nicht zwingend notwendig. Ein Trade von C.J. McCollum würde diese gute Ausgangssituation aufs Spiel setzen.

Doch wenn der Milliadär Paul Allen größere Ziele verfolgt, darf Neil Olshey dieses Risiko nicht scheuen. Ansonsten lässt sich in der Western Conference nichts gewinnen. Die Offseason Portlands gehört jedenfalls zu den spannendsten der Liga. Bekommt das Front Office die Gelegenheit eines Blockbuster-Trades? Und werden die Verantwortlichen in diesem Fall wie ein wahrer Trail Blazer die Komfortzone verlassen?

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