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Eine satirische Vorschau auf den BBL Allstar Day

08.01.2018 || 12:46 Uhr von:
Beim Allstar Day geht es drunter und drüber: Anton Gavel ist plötzlich dabei, ein Frankfurter Ehepaar muss seinen Flug erwischen und überall ist Joanic Grüttner. Eine augenzwinkernde Prognose für das Event des Jahres.

Es ist kein kalter Tag. Die Sonne scheint, wie sie das immer tut, aber wegen der Wolken sieht man sie nicht. Wir sind in Göttingen. Es ist der 13. Januar 2018. Heute ist Allstar Day.

8:30 Uhr: In der Göttinger Lokhalle laufen die letzten Vorbereitungen. Noch sieben Stunden, dann öffnen sich die Flügeltüren der schönsten aller BBL-Spielhallen. Heute, am Allstar Day, spielen die Besten der Besten gegen die Besten der Deutschen. Weil fast jeder Verein einen Spieler abstellt, werden Fans aus nahezu jedem BBL-Standort anreisen. Darauf hofft man zumindest.

8:50 Uhr: In einer Frankfurter Wohnung klingelt der Wecker von Horst Ewend und seiner Frau Britta Ewend-Fehn. Nach dem Frühstück ziehen sich die beiden ihr blaues Trikot über, anschließend schwingen sie sich ins Auto und fahren direkt zum Frankfurter Flughafen. Von Hannover aus geht es dann mit dem Mietwagen nach Göttingen. Das ist unpraktisch, aber Hauptsponsor ist Hauptsponsor.

9:12 Uhr: Das BBL-Maskottchen ist schon in der Halle und trainiert wie jeden Morgen zwanzig Minuten mit der T-Shirt-Wurfmaschine. Der erste Schuss gerät zu hoch und wirft fast einen Techniker vom Stahlträger. Ab dann wird es besser.

9:20 Uhr: Bei Familie Hackepeter in Jena klingelt kein Wecker, dafür dringt ein Schnarchen aus dem Schlafzimmer im vierten Stock. Von ihrem Verein ist kein Spieler ausgewählt worden, deswegen boykottiert die Familie den Allstar Day. Gestern beim Abendbrot stellte Vater Falko noch die These auf, dass Immanuel McElroy „zu alt für den Scheiß“ sei. Die Nicht-Nominierung findet er aber trotzdem lächerlich, deswegen schaut die Familie heute Abend zum vierten Mal Star Wars V.

11:52 Uhr: Brose Bamberg sagt die Teilnahme von Maodo Lo ab. Der deutsche Nationalspieler spüre „ein Zwicken in der Wade“ und soll daher auf Anraten der Ärzte sicherheitshalber geschont werden. Dafür wird Joanic Grüttner von der BG Göttingen nachnominiert. Der 22-Jährige ist eh in der Stadt und hat außerdem neulich sieben Punkte gegen Frankfurt gemacht.

14:48 Uhr: Die ersten Fans fahren auf dem Parkplatz vor. Neben dem Auto mit Berliner Kennzeichen hält ein Wagen aus Bamberg. Der Beifahrer im Alba-Trikot kurbelt das Fenster mehrmals hoch und runter, nur um zu zeigen, dass das auch ohne Elektronik funktioniert. Die drei Bamberger steigen aus und starren grimmig zurück, dann schmeißen sie ihre leeren Pappbecher am Mülleimer vorbei.

15:23 Uhr: Gleich öffnet die Halle. Auf dem Parkett steht schon Anton Gavel, der sich einfach an den Sicherheitsleuten vorbeigeschlichen hat. Ein bisschen Pause kann doch nicht schaden, haben ihm seine Münchner Trainer gesagt, als klar war, dass er nicht nominiert ist. Gavel ist aber trotzdem gekommen, hat sich das Trikot von Maurice Stuckey geschnappt und wirft jetzt seit 20 Minuten Dreier aus der Ecke. Um am Abend topfit zu sein, wenn es um den Sieg geht.

15:49 Uhr: Thomas Walkup aus Ludwigsburg tritt durch die Hallentore. Sofort wird er von einem Liga-Mitarbeiter begrüßt. Ungläubig starrt der Amerikaner auf die Stahlträger unter der Decke, auf die Haken, auf die Mauer, auf alles. „Awesome, right? Man, I love this building!“, kommentiert der Mitarbeiter Walkups Staunen. „Yeah, it’s… something special“, sagt Walkup und läuft dann kopfschüttelnd Richtung Umkleide. Der Allstar Day, das größte Event des Jahres, in einer alten, kaputten Ruine, in der früher Züge standen. Wenn er das seinen Freunden in den USA erzählt…

Dreier, Dunks und T-Shirt-Kanone

16:03 Uhr: Bis auf Anton Gavel sind nun alle Spieler bei der Autogrammstunde anwesend. Der Aufbauspieler hat für sowas keine Zeit, er muss sich auf den Abend vorbereiten. Die BBL hat seinen ungeplanten Einsatz durchgewinkt, weil er als Aushängeschild der Liga ein wichtiges Vermarktungsgesicht ist.

17:03 Uhr: Das NBBL Allstar Game startet furios. Horst und Britta aus Frankfurt stehen derweil am Imbiss. Die Currywurst kostet 5,20 Euro, sie kaufen zwei. Horst klaut Britta eine Pommes.

17:49 Uhr: Jamar Abrams von den GIESSEN 46ers fällt kurzfristig für den Dunking-Contest aus. Er fühle „einen Schmerz an der linken Schulter“, wie sein Verein verlauten lässt. Dafür springt Joanic Grüttner von der BG Göttingen ein, der ist eh in der Stadt und hat außerdem neulich einen beeindrucken Dunk gegen Bayreuth gezeigt.

18:30 Uhr: Der Dunking-Contest beginnt. Die „Kunst-Stopfer“, wie man die Teilnehmer auf der Webseite der easyCredit BBL nennt, zeigen eine überdurchschnittliche Leistung. Am Ende gewinnt Vorjahressieger Brian Butler aus der ProB. Er darf sich über ein Preisgeld von 1000 Euro freuen. Für ihn fast ein Monatsgehalt, für den unterlegenen Julian Gamble fast ein neues Tattoo.

18:47 Uhr: Die Stimmung in der Halle ist ausgelassen, alle freuen sich auf das Duell der Allstars. Auf beiden Seite des Spielfelds haben sich Trommler eingefunden, die gerade besprechen, für wen sie eigentlich trommeln. Das BBL-Maskottchen schießt einem Anzugträger in der zwölften Reihe ein T-Shirt ins Gesicht, als der gerade an seinem Bierbecher nippt. Statt Wut aber Freude: Das T-Shirt ist zwar in Größe S, dafür umsonst!

19:05 Uhr: Mit leichter Verspätung startet der Dreierwettbewerb. Plötzlich ist Joanic Grüttner dabei, keiner weiß so recht warum und wer dafür fehlt. Per Günther gewinnt.

20:06 Uhr: Aus der Kabine der Nationals dringen laute Geräusche. Dirk Bauermann geht mit seinem Team letzte taktische Feinheiten durch. „No easy baskets!“, hallt es mehrfach durch die geschlossene Tür.

20:29 Uhr: Im Wohnzimmer der Familie Hackepeter in Jena will der Vater gerade die Star Wars-DVD einlegen, als der Kirchturm nebenan halb neun schlägt. Plötzlich legt Falko Hackepeter die DVD auf die Seite, lässt sich auf die Couch fallen und schaltet um auf Sport1. „Ach kommt, dann gucken wir uns das Zeug halt an. Die ersten paar Minuten zumindest. Braucht trotzdem kein Mensch, so ein Spiel.“

Das Spiel

20:41 Uhr: In der sechsten Spielminute hebt sich Stefan Kochs Stimme zum ersten Mal, als Devin Booker einen Alley-Oop verwandelt und somit auf 9:6 erhöht. „Das war spektakulär“, sagt er. Dann bemängelt er die fehlende Help-Defense des Teams National. Dirk Bauermann sieht das genauso und ruft wutentbrannt zur Auszeit.

20:56 Uhr: Noch sind fünfzig Sekunden zu spielen im ersten Viertel, es steht 13:12 für das Team International. Robin Benzing hat bisher alle deutschen Punkte erzielt – er hat aber auch alle deutschen Würfe genommen. Gavel stoppt Nate Linhart im Fastbreak und kassiert ein unsportliches Foul. Darüber ist er so böse, dass die Schiedsrichter gleich noch ein Technisches hinterherschieben. Nun müsste er eigentlich disqualifiziert werden, aber Ligaboss Dr. Stefan Holz geht dazwischen. Gavel darf weiterspielen. Bauermann lässt ihn erstmal auf der Bank.

21:24 Uhr: Kurz vor der Halbzeit kann sich das Team National durch einige Freiwürfe von Benzing auf 37:31 absetzen. Luke Sikma beschwert sich über das Flopping des Würzburgers. Bauermanns Team spielt die Angriffsuhr immer gnadenlos herunter und verteidigt beinhart. Die Mannschaften treffen in der ersten Hälfte nur drei ihrer zwölf bzw. elf Dreierversuche.

21:32 Uhr: Die Spieler gehen in die Kabine, in der Halle geht das Licht aus. Fünfzehn Minuten lang dröhnt nun Scooter aus den Boxen, Cheerleader und Maskottchen tanzen wild durcheinander, die Kiss-Cam wird auf dem Videowürfel übertragen, jemand macht einen Heiratsantrag, Athleten aus Ungarn zeigen eine Trampolin-Dunkshow, ein neuer Ligasponsor wird vorgestellt, jemand hat beim Preisausschreiben eine Reise nach Oslo gewonnen und wird im Mittelkreis beklatscht. Dann – zack – ist die Pause auch schon wieder vorbei und es geht weiter.

21:47 Uhr: Rickey Paulding holt seine Mannschaft nochmal zusammen. „Leute, ich weiß, ihr seid wahrscheinlich alle nächstes Jahr wieder weg. Cool, dass manche von euch zum zweiten Mal teilnehmen. Aber ich mach das hier jetzt echt seit einigen Jahren mit, und letztes Jahr hat Philipp Schwethelm den MVP-Titel geholt. Philipp Schwethelm! Seit einem Jahr hör ich mir das jetzt an. Ich muss mir diesen Titel holen, nur ein Mal. Helft mir bitte dabei.“ Als Trey Lewis einwendet, dass das nicht so einfach sei, diesen Titel zu gewinnen, entgegnet Paulding nur: „Philipp Schwethelm!!!“

22:04 Uhr: Tatsächlich kommt Team International nun besser ins Spiel. Kurz vor Ende des dritten Viertels liegen sie sogar knapp vorne, dank zweier Dreier von Rickey Paulding. Dann klaut Per Günther den Ball und geht alleine auf den Korb zu, er schließt von der linken Seite mit einem Rechtskorbleger ab. Die Ulmer Fans in der Halle springen auf und klatschen laut. Es sind die ersten Punkte der deutschen Mannschaft, die nicht Robin Benzing erzielt.

22:06 Uhr: Auf der Gegenseite antwortet Michael Stockton mit einem Dreier, was die vielen Göttinger Fans ungemein lautstark bejubeln. Als Dominic Lockhart anschließend ebenfalls einen Dreier einstreut, ist der Jubel der Göttinger genauso laut. Peyton Siva verliert den Ball, was die acht mitgereisten Berliner ärgert, aber Andreas Obst wird von Assem Marei beim Korbleger geblockt, woraufhin die zwölf Bayreuther aufspringen und ihre Hände zu Fäusten ballen, während die sechzehn Rockets-Fans wütend ein Foul fordern.

22:12 Uhr: Vor dem letzten Viertel steht es 48:45 für Team International. Das Ehepaar Horst Ewend und Britta Ewend-Fehn verlässt eilig die Halle und fährt mit dem Mietwagen nach Hannover zum Flughafen, um den Rückflug nach Frankfurt nicht zu verpassen.

22:14 Uhr: Sport1 beendet die Übertragung an dieser Stelle und schaltet rüber zum Tennis.

22:33 Uhr: Aufgrund der vielen Unterbrechungen dauert das Spiel sehr lange. Insgesamt 63 Fouls pfeifen die Schiedsrichter an diesem Abend. Bis kurz vor Ende ist es knapp, ehe sich Anton Gavel den Ball schnappt und drei Angriffe hintereinander erfolgreich abschließt. Damit steht der Sieg der Nationals fest. Am Ende steht es 61:59. Rickey Paulding schaut sehr traurig, wird dann aber zum MVP gewählt. Als Verlierer findet er das unverdient, das hat er im letzten Jahr auch bei Philipp Schwethelm moniert. Daher gibt Paulding den Preis an Joanic Grüttner weiter, weil der gerade in der Nähe ist und außerdem zwei Punkte erzielt hat.

22:34 Uhr: In Jena schaltet Familie Hackepeter den Fernseher aus. Das letzte Viertel haben sie auf Entertain geschaut. Nur der kleine Jona ist eingeschlafen. Falko sagt: „Großartiges Spiel“. Dann macht er sich noch ein alkoholfreies Bier auf.

22:32 Uhr: Völlig dehydriert schleicht der Darsteller des BBL-Maskottchens aus der Halle. Am Straßenrand liegt eines der geschossenen T-Shirts, Größe S, mit Bierflecken drauf. Er bückt sich und nimmt es mit, man kann ja nie wissen.

Eine satirische Vorschau auf den BBL Allstar Day
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apollo
apollo 8. Januar 2018 um 23:39 Uhr

02:35 Schaue mir das Spiel als Aufzeichung an, nachdem ich meine Freunde beim gsnztätigen Friesensport, Boßeln, mir auf keinen Fall gebeten habe, den Sieger des Dreier Contest, des Dunkwettbewerbes und des Spiels zu nennen um die spannung zu halten.

02:40 bin eingeschlafen

11:30 Habe Kopfschmerzen, weil der Fernsehr rauscht.Drehe mich nochmal rum.

30-12-2018 18:45 Zum ersten Mal, seit dem Abstieg der EISBÄREBN zu einem BBLSpiel gegangen. Oldenburg gegen Göttingen. Rickey zeigte begeistert seine MVP Trophäe waehrend Jonaic und Phlipp sauer schauten.

18:46 Nehme mir vor, kein AllStar WEEKEND mehr zu verpassen.

Bonco
Bonco 12. Januar 2018 um 8:41 Uhr

Ich wünsche mir, dass zumindest die Spieler ihren Spass haben.
Habe gestern die eisbären siegen gesehen . . . das war für mich wichtig !! ;-))

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