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Rudy Gobert: I’m an Albatraoz

04.05.2017 || 14:32 Uhr von:
Analyse
Rudy Gobert ist in dieser Saison neben Gordon Hayward der Schlüssel zum Erfolg der Utah Jazz. Doch wie weit tragen ihn seine Albatrosschwingen noch?

Rudy Gobert ist hochmotiviert: Der junge Franzose steht nach seiner erfolgreichsten Saison mit den Utah Jazz zum ersten Mal in den Playoffs, beim Shootaround vor dem ersten Spiel gegen die Los Angeles Clippers zeigt der Center einige krachende Dunks. Alles ist angerichtet, „The Stifle Tower“ gilt als Schlüsselspieler in der Serie gegen die Clips. Elf Sekunden ist die Postseason von Gobert alt, als der Riese zu Boden geht. Knochenprellung und Überdehnung des linken Knies – die Playoff-Hoffnungen der Utah Jazz haben soeben einen starken Knick erhalten. Genau wie die Saison von Gobert.

Denn der Franzose spielt bis zu diesem Zeitpunkt die beste Saison seiner Karriere. 14,0 Punkte, 12,8 Rebounds und 2,6 Blocks im Schnitt – alles Bestwerte für „Gobzilla“, der sich diesen Spitznamen übrigens auch auf sein Autokennzeichen hat pressen lassen. Gobert führt die Liga nicht nur bei den Blocks an, mit einer True-Shooting-Quote von 68,3 Prozent und 6,0 Defensive Win Shares, die den Anteil eines Spielers an den Siegen eines Teams messen, ist der 2,16 Meter große Hüne dort ebenfalls Spitzenreiter.

Defensivanker am Salzsee

Kein Wunder also, dass Gobert als heißer Anwärter auf den „Defensive Player of the Year“-Award angesehen wird; viele halten ihn sogar jetzt schon für den besten Center der Liga. Eine NBA-All-First-Team-Nominierung ist durchaus im Bereich des Möglichen – Anthony Davis und auch DeMarcus Cousins heißen die Konkurrenten des jungen Franzosen. Was sie von Gobert unterscheidet: „The Stifle Tower“ ist kein moderner Big Man, sondern überzeugt vor allem mit seiner Defense und als qualitativer Ringbeschützer.

Ohne Gobert auf dem Feld legen die Gegner der Jazz in der regulären Saison ein Offensiv-Rating von 110,1 auf; wildert der Franzose dagegen in der Zone, sind es nur 103,9 Punkte. Der Unterschied von 6,5 Punkten ist auch so schon gewaltig. Hinzu kommt noch, dass die gegnerischen Starting-Center aber meist ebenfalls auf der Bank sitzen, wenn Gobert Pause hat. Heißt: Der Franzose muss den Korb also gegen deutlich bessere Offensivspieler verteidigen, als die Reserve. Nicht umsonst haben die Jazz mit einem Defensiv-Rating von 106,19 den drittbesten Wert der Liga – nur die Warriors und die Spurs sind in diesen Bereichen noch besser, verfügen aber auch über deutlich mehr Star-Power.

Dennoch zeigt sich: Auch die beiden Top-Teams haben elitäre Verteidiger in ihren Reihen, nicht umsonst sind Kawhi Leonard und Draymond Green ebenfalls Kandidaten für den DPOY-Award. Beide überzeugen aber eher durch ihre Flexibilität beim Switchen der Gegenspieler und ihre Vielseitigkeit. Während Green und Leonard von Eins bis Vier, Green sogar auch Center, verteidigen können, räumt Gobert in der Zone auf. Sei es mit einem krachenden Block gegen Guards oder als Fels in der Brandung im Post gegen die großen Jungs.

Dabei zählt Gobert, der im Stand fast den Ring berühren kann, zeitgleich zu den beweglichsten Fünfern der Liga. Immer wieder antizipiert er die Bewegung seines Gegenspielers richtig und überrascht ihn mit schnellen Bewegungen, die ein Spieler mit einer Körpergröße von 2,16 Metern eigentlich nicht haben sollte. Im Pick-and-Roll verteidigt er daher auch ebenso ordentlich wie im Eins-gegen-Eins im Post. Daher braucht sich Coach Quin Snyder gegen die Warriors auch nicht ganz so stark den Kopf zerbrechen, wie etwa Raptors-Kollege Dwane Casey im Fall Jonas Valanciunas gegen die Cleveland Cavaliers. Gobert kann auch im Smallball verteidigen, wobei die Jazz in diesem Fall auch auf ein Lineup mit Derrick Favors zurückgreifen können, sodass nahezu alle fünf Feldspieler ihren Gegenspieler beliebig switchen können.

Ohne Jumper, ohne Chance?

Wer Gobert jetzt aber nur auf seine defensiven Qualitäten reduziert, der hat Unrecht. Mit 8,3 Offensive Win Shares knackt der Franzose immerhin die Top-Ten der Liga, seine bereits angesprochene True-Shooting-Quote spricht Bände über seine Effizienz in der Offensive. Gobert nimmt allerdings nur in seltenen Fällen mal einen Wurf außerhalb der Zone, 84,8 Prozent seiner Abschlüsse sind in unmittelbarer Korbnähe zu verorten. Gobert selbst arbeitet zwar an seinem Jumper; eine Waffe wie bei Davis oder Cousins ist dieser aber keineswegs, sobald Gobert den bemalten Bereich unter dem Korb verlässt.

Die Jazz brauchen aber dank Spielern wie Gordon Hayward oder Joe Johnson keinen wirklich vielseitigen Inside-Scorer, Gobert funktioniert im Pick-and-Roll und nimmt eben die Würfe, die für ihn im Post abfallen. Aufgrund seiner Größe und seiner Beweglichkeit ist er dabei aber so effizient, dass ihn die gegnerische Defense auch nicht alleine lassen kann – sonst schlägt es meist krachend über Ringniveau ein.

Gobert wird, wie sämtliche anderen Jazz-Spieler auch, auf Vielseitigkeit getrimmt. Es geht Quin Snyder um Disziplin, vor allem in der Defense. Gobert beeinflusst durch seine bloße Präsenz die gegnerische Offense, die mit dem Franzosen am Korb nicht einfach so in die Zone ziehen kann. Sitzt der Franzose auf der Bank, wird durch Backup Favors viel und erfolgreich geswitcht. Dass gegen die Warriors in diesem Jahr wahrscheinlich kein Playoff-Erfolg herausspringen wird, ist auch dem deutlich besser besetzten Roster des Finals-Teilnehmers aus dem Vorjahr geschuldet.

Der nächste dominante Center

Je nachdem, wie sich Gordon Hayward im Sommer entscheidet, werden die Jazz mit ihm und Gobert aber in den kommenden Jahren zum regelmäßigen Contender werden. Der Franzose verbessert sich offensiv wie defensiv stetig und ist gerade einmal 24 Jahre alt. Ob er seine bisher beste NBA-Spielzeit mit einem Award krönen wird, dürfen andere entscheiden. Verdient hätte „Gobzilla“ ihn aber auf jeden Fall.

Darüberhinaus will Gobert an weiteren Facetten seines Spiels arbeiten: „Ich habe einen ordentlichen Jumper, er muss nur konstanter werden“, erklärte der Franzose unlängst. Sollte sich Gobert auch offensiv zu einer Waffe für die Jazz entwickeln, hat die Franchise aus Salt Lake City einen der besten Big Man der Liga am Haken – und dass, obwohl er eigentlich so gar nicht zur Entwicklung auf den großen Positionen passt.

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