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Franchise Fives: Sacramento Kings

07.11.2018 || 09:18 Uhr von:
Wer sind die wahren Könige der 70-jährigen Franchise-Geschichte der Sacramento Kings? Im „All-Time Team“ stehen u.a. „Mr. Triple-Double“, ein Skillballer und „The Rock“.

In einem lose fortlaufenden History-Format stellen wir auf basketball.de die herausragenden Starting Fives aller 30 NBA-Franchises zusammen und zur Diskussion.

Neben den Startern werden im Hinblick auf 70 Jahre NBA (inklusive ABA) zudem ihre Backups sowie insgesamt 30 Head Coaches benannt.

Die „Auserwählten“ müssen mindestens vier Jahre für das jeweilige Team erfolgreich gespielt/gearbeitet haben. Dabei stehen ihre Leistungen für die betreffende Mannschaft und nicht die Gesamtkarrieren im Fokus. Auch müssen die Profis auf der Position zum Einsatz kommen, auf der sie für das jeweilige Team aufgelaufen sind.

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Die Sacramento Kings weisen eine wechselvolle Franchise-Historie auf. Binnen von vier Dekaden sind sie sukzessive von Ost nach West gezogen.

Von 1949 bis 1957 ging die im Bundestaat New York begründete Franchise zunächst als Rochester Royals in der NBA an den Start. Nach einem ersten Umzug nach Cincinnati, Ohio, erfolgte 15 Jahre später ein weiterer Neustart in Kansas City. In Missouri verblieb das seinerzeit in Kings umbenannte Team bis 1985. Seither ist die Franchise in Sacramento, der Hauptstadt von Kalifornien beheimatet.

In bislang 69 absolvierten NBA-Saisons haben die Royals/Kings 29 Mal die Playoffs erreicht (zuletzt 2006). Dabei verbuchte die Franchise drei Division- und einen Conference-Titel. 1951 gewannen sie als Royals in Rochester ihre erste und einzige Meisterschaft.

 

Point Guard: Oscar Robertson

Teamzugehörigkeit: 1960-1970 | Kernstats: 29,3 PpG, 10,3 ApG, 8,5 RpG, 44,0 MpG, 48,9% FG

„Mr. Triple-Double“. Oscar Robertson war 1962 der erste und bis 2017 der einzige NBA-Spieler, der über eine Saison hinweg im Schnitt ein Triple-Double erzielte: 30,8 Punkte, 12,5 Rebounds und 11,4 Assists. Eine statistische Glanzleistung, die er durch 41 Triple-Doubles in 79 Partien vollbracht hatte. Zumal Robertson auf die Jahre 1960 bis 1966 projiziert, im Mittel ein nicht minder imposantes, saisonübergreifendes Triple-Double auflegte (30,4 PpG, 10,0 RpG, 10,7 ApG). Und wohlgemerkt gelang ihm dies, lange bevor der Allroundwert in den Achtzigerjahren im Zuge von Magic Johnsons „Showtime“ überhaupt einen Namen erhielt.

„The Big O“, der über eine Dekade im Dienste der Cincinnati Royals stand, war gleichwohl mehr als der Triple-Double-König. Nämlich der herausragende Aufbauspieler der Sechzigerjahre sowie einer der besten Allrounder der bisherigen NBA-Historie.

Als Royal wurde Robertson in jedem Jahr in die All-Star-Auswahl berufen. Dabei avancierte er dreimal zum MVP des jährlichen Bestentreffens (siehe Video unten). Neunmal in Folge war der „Rookie des Jahres“ (1961) und einmalige Liga-MVP (1964) ein All-NBA First Teamer. Siebenmal führte der Hall of Famer die Association als bester Passgeber an.

Dass Robertson als Top-Spieler der Franchise-Geschichte vielfach als All-Time-Leader der Königlichen amtiert, ist naheliegend. So hat er etwa die meisten Minuten gespielt, die meisten Punkte erzielt und die meisten Pässe an den Mann gebracht sowie die mit Abstand meisten Win Shares verbucht.

Auf dem Parkett überzeugte „The Big O“ als balldominanter Spielgestalter, der die Offensive kontrollierte und orchestrierte. Wie kein zweiter Einser seiner Zeit, verstand es der Ausnahmeaufbau, als smarter Ballverteiler seine Mitspieler einzubinden und sie in aussichtsreichen Positionen sicher zu bedienen (ohne allzu oft risikoreiche Pässe zu wagen).

In erster Linie war Robertson aber ein großartiger Isolations-Scorer, der sich vor allem in der Mitteldistanz wohlfühlte und dort sein methodisches Spiel aufzog. Hier vermochte der originäre NBA-Quarterback seinen großen, kräftigen Körper (1,96 Meter, 99 Kilogramm) gekonnt einzusetzen und jederzeit den Sprungwurf aus dem Dribbling anzubringen. Alldieweil er genauso wie beim Drive zum Korb (wobei er zugleich viele Freiwürfe zog), aus dem Postup, dem Pick-and-Roll und der Transition heraus mit seiner Effizienz, Übersicht und seinem Spielverständnis glänzte.

Spielerisch und physisch der herausragende Guard seiner Ära, war Robertson in der Defensive Durchschnitt; derweil er seine Größe und schnellen Hände nutzte und nicht groß (negativ) auffiel.

Apropos Verteidigung. Da sich der Alleskönner in Cincinnati trotz guter Mitspieler dauerhaft in defensivschwachen und körperlich zu kleinen Mannschaften wiederfand, blieb ihm der größere Teamerfolg als Royal versagt (sechs Playoffteilnahmen und zwei Ostfinaleinzüge).

Nach zehn Spielzeiten erfolgte 1970 der für Robertson erlösende Trade nach Milwaukee, wo er ein Jahr später seine verdiente Meisterschaft feierte.

Backup: Tiny Archibald (1970-1976, 25,2 PpG, 8,1 ApG, 2,8 RpG, 1,5 SpG, 40,5 MpG, 4x All-NBA, 3x All-Star)

 

Shooting Guard: Mitch Richmond

Teamzugehörigkeit: 1991-1998 | Kernstats: 23,3 PpG, 4,1 ApG, 3,7 RpG, 37,8 MpG, 40,4% 3FG

Als bislang einziger Hall of Famer erspielte sich Mitch Richmond diese Ehre in Sacramento. Über sieben Saisons hinweg, in denen der dritterfolgreichste Korbjäger der Franchise-Historie immer mehr als 21 Zähler generierte, war er der Topscorer und Anführer der strauchelnden Könige (mehr als zweimal 39 Siege gab es in den 90ern nicht zu feiern).

Nahezu im Alleingang hielt „The Rock“ den Profibasketball im NBA-Niemandsland mit seiner beeindruckenden Konstanz am Leben. Dabei wollte Richmond – der seine Profikarriere 1988 als Teil von „Run TMC“ in Oakland begann und diese 2002 als kaum eingesetzter Backup der Meister-Lakers beendete – nie in der Hauptstadt Kaliforniens spielen. Indes musste er sich nach seinem Trade (1991) mit der ungeliebten Situation anfreunden.

Sechsmal in Serie vertrat Richmond Sacramento beim All-Star-Game, wobei er 1995 daraus als MVP hervorging (23 Punkte, 10/13 FG). Weitere fünf Male gehörte einer der verlässlichsten und versiertesten Scorer seiner Ära zur All-NBA-Auswahl.

In „Sacto“ stellte der einstige Kansas State Wildcat sein komplettes Offensivspiel zur Schau: seinen exzellenten Sprungwurf, sein effektives Postup-Game, den druckvollen Drive zum Korb sowie generell seine Athletik und Physis. Zumal er seine weniger talentreichen Mitspieler als fähiger Passgeber in Szene setze.

Immerhin einmal gelang Richmond mit den Kings der Playoff-Einzug, wenngleich gegen die späteren Finalisten der Seattle SuperSonics 1996 nach vier Erstrunden-Partien Endstation war.

Aber auch wenn der 1,96 große Floridianer abseits des Rampenlichts in einem kleinen Markt für sportlich schlechte Teams spielte, verdient der vormalige Rookie des Jahres (1989) etwas Anerkennung. Schließlich ist und bleibt Richmond unangefochten der beste Shooting Guard der langen Franchise-Geschichte der Königlichen.

Backup: Bobby Wanzer (1949-1957, 12,4 PpG, 4,5 RpG, 3,2 ApG, 5x All-Star, 3x All-NBA)

 

Small Forward: Jack Twyman

Teamzugehörigkeit: 1955-1966 | Kernstats: 19,2 PpG, 6,6 RpG, 2,3 ApG, 45,0% FG

Heute von vielen vergessen, verbrachte der Hall of Famer seine gesamte Profikarriere bei den Royals. Sechsmal war der langjährigste und vielleicht beste Flügelspieler der Franchise-Geschichte ein All-Star, zweimal war er Teil der All-NBA-Auswahl (1960, 1962).

Dabei bestach Jack Twyman als einer der ersten großartigen Scorer der noch jungen Liga; als ein eminent wurfstarker Spieler, der überall auf dem Court Gefahr ausstrahlte. Besonders abseits des Balles bewegte sich der 1,98-Meter-Mann aus Pittsburgh exzellent. Wieder und wieder brachte er sich in aussichtsreiche Spotup-Situationen, die er mit seinem schnellen (wenn auch unorthodoxen) Abwurf zu nutzen verstand.

Wenn der Sprungwurf nicht zur Verfügung stand, vermochte Twyman mit dem Drive entlang der Grundlinie zu punkten. Zumal er sich trotz überschaubarer Athletik auch am Korb durchzusetzen wusste.

Als Scorer schaute der Royal primär auf den eigenen Abschluss, was sich statistisch eindrucksvoll niederschlug. 1959/60 waren Twyman (31,2 PpG) und Wilt Chamberlain (37,6 PpG) die ersten NBA-Akteure, die über eine Saison hinweg im Schnitt mindestens 30 Punkte auflegten.

1965, zum Ende seiner Karriere, schloss Twyman zu fünf NBA-Legenden auf, die in ihren Profilaufbahnen die Marke von 15.000 Punkten durchbrochen hatten. Und noch immer rangiert der Mann, der für die Franchise die zweitmeisten Partien absolviert hat (823), bei den erzielten Punkten an zweiter Stelle.

In puncto Teamerfolg stand Twyman mit den Royals sechsmal in den Playoffs. 1963 und 1964 erlebte die Mannschaft um den reboundstarken Scorer und Alleskönner Oscar Robertson hierbei ihre erfolgreichste Phase. Zweimal in Folge erreichten die Königlichen seinerzeit das Ostfinale, wo sie gegen die überlegenen Abomeister der Celtics gleichwohl wiederholt das Nachsehen hatten.

Erinnert sei auch daran, dass Twyman abseits des Feldes als wichtiger Assistgeber in Erscheinung trat. So trug er zur Etablierung der Spielergewerkschaft bei und trat als beispielhafter Mitspieler und Mensch für seinen tragisch aus dem Leben gerissenen Teamkollegen Maurice Stokes ein. Nicht umsonst vergibt die NBA seit 2013 den „Twyman-Stokes Teammate of the Year Award“.

Backup: Peja Stojaković (1998-2006, 18,3 PpG, 5,0 RpG, 2,0 ApG, 39,8% 3FG, 3x All-Star)

 

Power Forward: Chris Webber

Teamzugehörigkeit: 1998-2005 | Kernstats: 23,5 PpG, 10,6 RpG, 4,8 ApG, 3,0 S/BpG, 38,8 MpG

Hier könnte auch Hall of Famer Jerry Lucas stehen. Einer der besten Rebounder der NBA-Geschichte, der sechs All-Star-Jahre in Cincinnati verbrachte. Mehrmals markierte Lucas dabei einen Schnitt von 20 Punkten und 20 Rebounds.

Dennoch geht die Starterrolle an Chris Webber, der die Blütezeit seiner Karriere in Kalifornien erlebte und als King erstklassig aufspielte. Für den 2,06 Meter großen Big Man spricht dabei der Teamerfolg sowie die Tatsache, dass er im Vergleich mit Lucas der komplettere Spieler war.

Schließlich darf „C-Webb“ als Alles- und Ausnahmekönner gelten. Denn welcher NBA-Profi kann (trotz einer durch Verletzungen beeinträchtigen Karriere) über mehrere Jahre solch imposante Allround-Werte vorweisen?

So war der zeitweilige MVP-Kandidat ein athletischer und überaus passstarker Power Forward mit ausgereiftem Lowpost- und Highpost-Spiel, der den Schnellangriff lief und verlässlich aus der Mitteldistanz traf. Also ein vielseitig versierter Big Man, der sich als spielstarker „Skillballer“ präsentierte und im Übrigen auch ordentlich reboundete sowie solide verteidigte.

Fünfmal in Folge wurde Webber seinerzeit in die All-NBA-Auswahl berufen. Viermal in Serie vertrat er die Kings beim All-Star-Game.

Individuell herausragend war insbesondere die Saison 2000/01, als der Mann aus Michigan in durchschnittlich 40,9 Minuten 27,1 Punkte, 11,1 Rebounds, 4,2 Assists und 3,0 Stocks auflegte, im All-NBA First Team stand und bei der MVP-Wahl die viertmeisten Stimmen erhielt.

Im Folgejahr führte der Franchise Player die Königlichen zu 61 Saisonsiegen (Team-Rekord) und bis ins Westfinale (was sonst zuletzt und allein 1981 gelang). Und auch wenn sie dort in kontroverser Weise den „ShaKobe“-Lakers knapp unterlagen, erlebte die Franchise mit Webber ihre erfolgreichste Phase seit fernen Royals-Tagen.

Sechsmal hintereinander nahmen die Kings mit ihm an der Postseason teil, während die veritablen Meisterschaftsanwärter viermal in Folge mindestens 55 Partien für sich entschieden (2000-2004).

Zu Recht darf „C-Webb“ daher als einer besten und erfolgreichsten Spieler der Franchise-Historie gelten.

Backup: Jerry Lucas (1963-1969, 19,1 PpG, 19,6 RpG, 3,0 ApG, 43,1 MpG, 6x All-Star, 5x All-NBA)

 

Center: Sam Lacey

Teamzugehörigkeit: 1970-1981 | Kernstats: 11,1 PpG, 10,5 RpG, 4,0 ApG, 3,2 S/BpG

Auf den ersten Blick mag die Nominierung von Sam Lacey überraschen. War der 2,08-Meter-Mann aus Mississippi doch zu keiner Zeit ein All-NBA-Spieler und nur ein Mal All-Star (1975). Ungeachtet dessen erhält der Unterschätzte hier den Vorzug.

Denn Lacey war nicht nur der Profi, der am längsten im Dienste der Franchise stand und für diese am häufigsten zum Einsatz kam (888 Saisonspiele), sondern zugleich ein hart arbeitender Unterschiedsspieler.

Besonders am defensiven Ende des Feldes ragte der Big Man als starker Rebounder und smarter, vielseitiger Teamverteidiger heraus. So gilt er als Top-Verteidiger der Franchise, was sich unter anderem anhand des besten Defensivratings, der meisten defensiven Win Shares und abgegriffenen Boards manifestiert.

Zudem verbuchte Lacey auch die meisten Ballgewinne und Blocks aller Königlichen. Wobei er im Übrigen in sieben aufeinanderfolgenden Spielzeiten jeweils mindestens 100 Steals und Blocks verzeichnete. Eine imposante Leistung, die bisher nur vier weiteren Akteuren und nur Kevin Garnett, Hakeem Olajuwon und Julius Erving öfter gelang. Wohlgemerkt waren in Laceys ersten drei Saisons „Stocks“ noch nicht erfasst worden.

In der Offensive leistete „Slammin‘ Sam“ solide Wertarbeit. Weniger als Scorer, sondern vielmehr als ausnehmend passstarker Highpost-Center, der sechsmal über eine Saison im Mittel mehr als 4,5 Assists markierte.

Laceys Allround-Fähigkeiten illustrieren die Werte seines einzigen All-Star-Jahres (1974/75) anschaulich: 11,5 Zähler, 14,2 Rebounds, 5,3 Assists und 3,8 Stocks in 41,7 Minuten.

Auch nahm der mobile, spielstarke Big Man immerhin viermal mit den Kings an den Playoffs teil. 1981 glückte (dem 40-Siege-Team) gar der überraschende Vorstoß in die Western Conference Finals.

Sonach darf der langjährige König, der beide Enden des Feldes mit seinen Pass- und Defensivqualitäten kontrollierte, als legitimer „All-Timer“ angesehen werden.

Backup: DeMarcus Cousins (2010-2017, 21,1 PpG, 10,8 RpG, 3,0 ApG, 2,6 S/BpG, 3x All-Star, 2x All-NBA)

 

Head Coach: Rick Adelman

Der langjährigste und siegreichste Cheftrainer der Franchise ist und bleibt Rick Adelman. Der Kalifornier betreute die Kings über acht Jahre (1998-2006), in denen die Franchise stets die Playoffs und viermal in Serie die Semifinals erreichten. Fünfmal in Folge verbuchte seine Mannschaft dabei eine 50-Siege-Saison. Zur Einordnung: In 69 NBA-Jahren haben die Royals/Kings insgesamt sieben solcher Spielzeiten erbracht.

2001/2002 gelangen unter Adelman rekordsetzende 61 Siege sowie die Teilnahme am Westfinale, als sich die Kings nach einer Führung von 3-2 im siebten Spiel gegen die Lakers geschlagen geben mussten.

Nicht zuletzt spricht für den heute 72-Jährigen der sehenswerte und selbstlose Teambasketball, den Sacramento unter ihm erfolgreich zelebrierte.

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