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Paul Gudde – Vom Spieler zum Coach

29.10.2018 || 08:30 Uhr von: ,
Paul Gudde
Von dem ersten Kontakt an war Paul Gudde begeistert vom Basketball. Im ersten Teil des großen basketball.de-Interviews verrät die Streetball-Ikone, wie ihn sein Weg vom Spieler in aller Welt zum Trainer von NBA-Spielern führte.

basketball.de: Beginnen wir einfach am Anfang: Wie bist du zum Basketball gekommen?

Paul Gudde: Die Eltern eines guten Freundes von mir hatten ein kleines Ferienhäuschen. Da war ich oft zu Gast und habe so meine ersten Körbe geworfen. Da mein Freund den Korb bei sich hatte und üben konnte, war er wesentlich besser als ich. Seitdem ich laufen konnte, habe ich Tennis gespielt und war wohl damals schon relativ ehrgeizig. Neben dem unglaublichen Spaß, den es mir gemacht hat, spielte der Wettbewerb auch eine Rolle: gewisse Dinge zu üben und besser zu sein als meine Jungs. Die simple Bewegung, den Ball aus verschiedenen Positionen in den Korb zu werfen, mit und ohne Brett, Spins auszuprobieren und einfach zu experimentieren: Das hat mich von Anfang an begeistert.

Die Anfänge in Siegen des ungefähr 15-jährigen Paul Guddes.

Dann kam alles auf einmal. Damals gab es noch die NBA im Free-TV, Jump Run am Sonntagmorgen und die anderen Sendungen bei SAT.1 und DSF. Da war ich dann schnell Feuer und Flamme für das Spiel und habe den Tennisschläger schnell gegen den Basketball eingetauscht. Seitdem ist es nur noch Basketball.

So ein bisschen wie bei Dirk Nowitzki, der ja auch gut Tennis gespielt hat.

Ja, die beiden Sportarten ergänzen sich in der Tat sehr gut. Es ist kein Geheimnis, dass auch Boris Becker und andere ehemalige sowie aktuelle Tennisprofis Basketball als Ausgleichssport nutzen. Andersrum genauso. Wenn man die Spiele anschaut, macht es einfach nur Sinn. Beim Tennis brauchst du gute Fußarbeit, die kommt einem beim Basketball auch zu Gute. In der einen Sportart lernt man, im Team zu agieren, beim Tennis weißt du, bei wem du die Fehler suchen musst, wenn du eine Niederlage einstecken musst.

Du bist dann ja über den Streetball in den Sport gerutscht.

Wenn man das so bezeichnen möchte, tatsächlich. Playground-Basketball, wie es in Amerika heißt, also einfach auf dem Freiplatz zu spielen, war mein Einstieg. Egal ob es alleine, zu zweit im Eins-gegen-eins oder mit mehreren zugleich ist. Ich bin dann auch schnell in einen Verein gegangen und habe dort die Grundlagen gelernt, aber das freie Spiel draußen hat mich als Konstante immer begleitet. Auch wenn ich drei- bis viermal die Woche Training im Verein hatte, habe ich immer viel mehr Zeit draußen auf dem Freiplatz verbracht. Das Training war somit eher nur eine Ergänzung zu dem, was ich für mich gemacht habe. In dieser Zeit hat man mich nicht ohne Basketball angetroffen (lacht). Auf dem Weg zur Schule, in den Pausen sowieso und nachmittags dann auf dem Platz.

Beim Basketballcamp am Schloss Hagerhof ungefähr 1996.

Aus dem Siegerland in die Weltmetropole

Wie war dann dein basketballerischer Werdegang?

Ich bin in Siegen, wo ich groß geworden bin, sehr schnell in den Verein gegangen. Mit ungefähr 17 Jahren habe ich dann bei den ersten Herren in der 2. Regionalliga mittrainieren und später auch mitspielen dürfen. Aber das war als einer der jungen Kerle in einer eher älteren Mannschaft nicht so meins. Nach jedem Training und Spiel Bier trinken, das war eine ganz andere Welt für mich als junger Spieler und hatte wenig mit dem Basketball zu tun, den ich machen wollte. Damit konnte ich mich nicht so richtig identifizieren.

Dann bin ich eine Zeit lang nach Gießen zum Training gefahren, was damals als Basketball-Hochburg für seine gute Jugendarbeit bekannt war. Während der Zeit habe ich aber auch noch in Siegen gespielt. Als ich dann den Führerschein hatte, bin ich von Siegen nach Hagen gegangen. Dirk Bauermann war damals Trainer von Brandt Hagen und hat viel Wert auf Jugendarbeit gelegt. Dafür hat er Yannis Christopoulos nach Deutschland geholt, der später auch mal zwischenzeitlich beim FC Bayern gearbeitet hat. Unter Christopoulos habe ich in Hagen dann für drei bis vier Monate trainiert und gespielt. Yannis war für seine harten Trainingsmethoden bekannt. Eltern und Spieler haben sich nach einiger Zeit über seine Härte beim Verein beschwert, woraufhin er seine Koffer packte und Hagen verließ.

Das war für mich als Spieler zwar eine sehr kurze, aber auch eine sehr coole und interessante Zeit, da ich noch nicht mit einem solchen Trainer gearbeitet und gespielt hatte. Neben der A-Jugend haben wir gleichzeitig die 2. Mannschaft gestellt und da regelmäßig auf die Mütze bekommen. Trotzdem war die Zeit sehr intensiv und interessant für mich, weil ich persönlich mit Yannis als Trainer sehr gut zurechtkam und er mich als Spieler schätzte.

Nach diesem Kapitel bin ich für kurze Zeit zurück nach Siegen gegangen. Zurück im alten Verein, merkte ich schnell, dass der organisierte Sport eher Mittel zum Zweck war, um im Winter spielen zu können als Inhalt meiner Basketballkarriere. Nach meinem Zivildienst in Bonn führte es mich nach Paris. Ich hatte dort damals meine Freundin und schon immer Interesse und Neugier, was Frankreich angeht. Daher habe ich die Chance genutzt und bin nach Paris gezogen. Dort habe ich dann zwar auch im Verein gespielt, bin aber vor allem in Kontakt mit einer ganz anderen Streetball-Kultur auf der Straße gekommen.

Was macht denn Paris als Basketball-Stadt beziehungsweise Streetball-Stadt aus deiner Sicht aus?

Betrachtet man die urbane Kultur, ist das kein Vergleich zu dem, was man in Deutschland an Qualität und auch an Basketball-Kultur erlebt. Das heißt, man hat so gut wie jeden Tag im Sommer die Möglichkeit, qualitativ hochwertigen Basketball auf der Straße zu spielen. Und auch im Winter gibt es die Möglichkeit, in diversen Hallen auch ohne Vereinszugehörigkeit gute Runs zu besuchen, wo einfach nochmal eine ganz andere Qualität und ein anderer Spielstil vorherrscht. Das habe ich anderthalb Jahre lang sehr genossen. Ich habe da auch im Verein gespielt, aber das Spiel auf der Straße stand schon während dieser Zeit im Vordergrund. Egal ob Fünf-gegen-Fünf, Drei-gegen-Drei, Eins-gegen-Eins oder einfach allein draußen an seinem Spiel arbeiten, war für mich die Erfüllung.

Paul Gudde 2004 in Paris auf dem Court Glacière.

Anderthalb Jahre lang warst du in Paris. Wie ging es dann weiter?

Während meiner Station in Paris stand für mich irgendwann die Entscheidung an, was ich mit meinem Leben anstellen möchte. Für mich war klar, dass Basketball dazu gehört. Aber auch die Frage, ob ich meine akademische Universitätslaufbahn in Paris oder in Deutschland starte. Ich habe mich letztendlich entschlossen, nach Köln an die Sporthochschule zu gehen und dort Sportwissenschaft zu studieren.

Der kreative Kopf sammelt erste Trainer-Erfahrung

Wie sehr konntest du während dieser Zeit noch Basketball leben?

Ich habe natürlich weiterhin draußen auf den Kölner Freiplätzen, in Uni-Teams und auch mit Freunden im Verein gespielt. Aber das war die Zeit, in der ich endgültig gemerkt habe, dass ich für mich keine Zukunft im Vereinsleistungsbasketball sehe. Die Option, mit Basketball als Profi meinen Lebensunterhalt zu verdienen, habe ich nie wirklich gesehen oder daran gedacht. Ich habe das Spiel immer gespielt, weil ich Spaß daran hatte.

Als ich zu meiner Zeit in Siegen irgendwann keine Lust hatte, ins Training zu gehen, stellte ich mein Tun in Frage und ich wusste, dass ich nie Basketball spielen wollte, weil ich musste. Der Vereinsbasketball hat mich oft eingeschränkt in der Art des Spiels, wie ich es gerne gespielt habe. Holger Geschwindner nennt Spieler, die immer nur ihre vorgegebenen Laufwege haben, Busfahrer. So ein Spieler war ich nie. Das war nie meine Art von Basketball. Meine Stärke lag darin, mir meinen eigenen Wurf zu kreieren, meine Mitspieler in Szene zu setzen und mein Herz auf dem Feld zu lassen.

Was für eine Position hast du gespielt? Point Guard folglich?

Als kleinster und dünnster Spieler war ich immer Aufbauspieler. Keiner konnte mir den Ball wegnehmen. Das war immer so mein Ding: das Spiel zu kontrollieren, zu leiten und zu führen. Da ich immer ganz gut scoren konnte, bin ich auch manchmal auf der Zwei zum Einsatz gekommen.

Du hattest also nicht mehr so viel Lust auf Vereinsbasketball. Wie ging es dann für dich weiter?

Im Sportstudium habe ich auch angefangen, mein Können und Wissen über das Spiel weiterzugeben. Ich habe auch vorher schon in Siegen angefangen, einer U14 die Grundlagen des Spiels zu vermitteln. So wie man es als Jungspund eben macht, der ein bisschen Geld verdienen will und Lust hat, mit Kids zu arbeiten. Zu dieser Zeit begann schon mehr oder weniger unwissend mein Weg vom Spieler zum Coach.

Deine aktive Zeit als Spieler war aber noch nicht so früh vorbei, oder?

Nein, ganz und gar nicht. In der Zeit meines Sportstudiums pushte ich dann zunehmend mein „Germany’s Finest“-Projekt, das von mir kreierte Team mit Spielern aus ganz Deutschland. Den Kern bildeten Fabian Greiser aus München, German Graham aus Bonn bis zu Cedric Quarshie aus Frankfurt. Dann kamen noch Baller aus Berlin dazu, und so hatte ich schnell ein starkes Team aus Basketballern aus der ganzen Republik zusammen. Daher ist auch der Name Germany‘s Finest entstanden, da wir junge Spieler aus ganz Deutschland verteilt waren, die im Sommer den besten oder spektakulärsten Basketball aus Deutschland in die Welt getragen haben. Das waren nach der Jahrtausendwende dann ein paar intensive Jahre, wo man heute auch noch viel auf YouTube findet, das damals langsam aufkam.

Auch England war ein wichtiger Bestandteil in meinem Werdegang als Spieler. Dort bin ich von 2001 bis 2005 jedes Jahr zum sogenannten Street All-Star Game gefahren. In einer alten, großen Backsteinhalle spielten die spektakulärsten Spieler Englands und eben ich, weil ich den Kontakt zu der Szene gesucht hatte, da es in Deutschland keine gab. Das sind dann einfach so diese Sommer und Events, die einen sehr bleibenden Eindruck hinterlassen und auch einen großen Teil von meiner aktiven Streetball-Zeit in Anspruch genommen haben.

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