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Wieder frühes Playoff-Aus: Müssen sich die Clippers neu ausrichten?

02.05.2017 || 16:37 Uhr von: ,
„In your face“ ist das Diskussionsformat der basketball.de-Lineup. Eine These, zwei Redakteure, mit pro- und contra-Position. Die These diesmal: Die LA Clippers müssen im Sommer ihr Team umbauen

Same procedure as every year: Trotz drei der vielleicht 20 besten NBA-Spielern im Team sind die Los Angeles Clippers in den Playoffs erneut früh gescheitert. Muss nun ein Umbruch her? Oder soll LA mit demselben Kern einen weiteren Anlauf starten?

Pro: Die Clippers müssen einen Star traden

Simon Wisser 

Zunächst einmal sollten wir einmal die bisherige Ära dieses Clippers-Teams Revue passieren lassen. Diese begann im Dezember 2011, als Chris Paul von den New Orleans Hornets nach LA getradet wurde. In den sechs Spielzeiten, die die Big Three – bestehend aus Paul, Blake Griffin und DeAndre Jordan – gemeinsam gespielt hat, konnten die Clippers jedes Jahr mehr als 60 Prozent ihrer regulären Saisonspiele gewinnen. Dennoch ist es der Franchise in dieser Zeit nie gelungen, die Conference Finals zu erreichen: Dreimal war im Conference-Halbfinale Schluss, dreimal sogar als höher gesetztes Team in Runde eins.

Nun hätte in dieser Saison die Serie gegen die Utah Jazz auch durchaus anders ausgehen können. Nehmen wir also mal an, LA hätte sich durchgesetzt. Dann wären die Clippers halt in Runde zwei sang- und klanglos ausgeschieden. Gegen die Golden State Warriors wäre diese Truppe selbst mit Blake Griffin chancenlos gewesen. Elf der letzten zwölf Duelle seit der Saison 2014/15 gingen an die Dubs. In allen Bereichen sind die Warriors den Clippers überlegen.

Stand jetzt haben die Clippers einen – vor allem nach den bevorstehenden Verlängerungen mit den Free Agents Paul, Griffin, J.J. Redick etc. – extrem teuren, erfolglosen und verletzungsanfälligen Kader. Die unweigerliche Schlussfolgerung lautet daher, dass eine Veränderung im Kader her muss. Dem Kader fehlt einfach die Tiefe, auf der Small-Forward-Position ist ein riesiges Loch. Dies haben die Jazz mit ihren vielen starken Flügelspielern in der Playoff-Serie vor kurzem schonungslos offengelegt. Nicht einmal ein überragender Rudy Gobert war nötig, um das Team von Head Coach Doc Rivers in die Schranken zu weisen.

Verstärkungen in der Free Agency sind aufgrund fehlendem Cap Space nicht möglich, von daher kommt nur ein Trade in Frage. Von einer Vertragsverlängerung der Protagonisten im kommenden Sommer gehe ich einfach mal aus. Auf der einen Seite werden sich weder Paul, noch Griffin den lukrativen Fünf-Jahres-Deal abschlagen, den ihnen nur die Clippers geben können. Auf der anderen Seite wollen jene ihre Stars nicht ziehen lassen, ohne sich verstärken zu können.

Doch welchen Star sollte LA eintauschen? Chris Paul ist der beste Floor General der Liga. Er wird ein Clipper bleiben bis er die Franchise von sich aus verlässt oder seine Karriere beendet. Jordan ist als Rebounder, Ringbeschützer und Pick-and-Roll-Partner von Paul unentbehrlich. J.J. Redick würde nicht den gewünschten Gegenwert einbringen. Somit bleibt nur Blake Griffin. Der Power Forward ist häufig verletzt, oft haben die Clippers ohne ihn genauso gut oder gar besser gespielt. Dennoch hat Griffin die Reputation eines Stars und könnte dementsprechend hochkarätigen Gegenwert einbringen.

Wie das Beuteschema der Clippers aussieht, ist weiter oben ja schon angeklungen. Rob Hennigan würde sie auf seinem Whiteboard als „Hybrids“ bezeichnen – also Spieler, die mehrere Positionen ausfüllen können. In diesem Fall also beide Forward-Positionen. Kandidaten wären unter anderem Danilo Gallinari und Wilson Chandler. Zufälligerweise spielen beide beim selben Team, den Denver Nuggets. Warum also keinen Sign-and-Trade mit Denver forcieren? Das Ergebnis wäre ein zweifellos breiterer Kader. Die Clippers könnten Small-Ball spielen, der ihnen meiner Meinung nach ohnehin besser steht. Drei vielseitige Flügelspieler, die Platz schaffen für das Paul-Jordan-Pick-and-Roll klingt auf den ersten Blick sehr vielversprechend.

Foto: Doc Rivers

Dies sollen aber nur Beispiele sein. Fest steht: Die Clippers müssen Blake Griffin traden. Seine Verletzungsanfälligkeit ist viel zu groß. Zudem ist er nur ein durchschnittlicher Rebounder und kein Shotblocker, weshalb er nicht auf der Fünf eingesetzt werden kann. Gleichzeitig fällt sein Dreier zu unregelmäßig, um ihn als Stretch-Vierer bezeichnen zu können. Dadurch ist er auch der am ehesten ersetzbare Star im System von Doc Rivers. Griffin und Jordan ist kein Duo, mit dem der große Wurf in den Playoffs gelingen wird. Ein Trade spätestens bis zur Trade-Deadline im Februar 2018 ist daher der einzig richtige Schritt.

Contra: Remember 2008

Sebastian Hahn

Die Los Angeles Clippers sind keinesfalls Everbody’s Darling. Die Mannschaft um Blake Griffin, DeAndre Jordan und Co. wird vielerorts längst als „L.A. Floppers“ bezeichnet, das ständige Lamentieren, Stöhnen und eben auch Floppen ist für viele Basketball-Fans ein Dorn im Auge – auch ich bin keinesfalls ein Fan davon. Doch was viele vergessen: Die Clippers befinden sich trotz aller Fair-Play-Fragezeichen in der besten Phase ihrer Franchise-Geschichte. Vor der Ankunft von CP3, Griffin und Jordan waren die Clippers als Loser-Team verschrien, niemand wollte zu L.A.’s B-Team wechseln. Es gab Zeiten, da war Chris Kaman ein Leistungsträger in „Lob City“ – ein Begriff, der sich übrigens auch erst seit Griffins ersten Highlight-Dunks etabliert hat.

Retool oder Rebuild – diese Frage wird auch auf Doc Rivers im Sommer zukommen. Fakt ist: Jordan, Paul und Griffin zählen, wenn sie denn alle fit sind, zu einem der talentiertesten Star-Kerne der Liga – zumal alle noch mehr als ein, zwei gute Jahre vor sich haben. Die Frage ist eben, ob Spieler wie J.J. Redick, Luc Mbah a Moute und Austin Rivers als Supporting Cast ausreichen, um auch mal Playoff-Erfolge in die Stadt der Engel zu holen.

Foto: Chris Paul

Apropos Playoffs: In den letzten beiden Jahren sorgten auch Verletzungen von Griffin und Paul für das Aus in der ersten Runde, 2015 war es ein mentaler Meltdown, der den historischen Einzug in die Conference Finals noch vernagelte. Heißt: Theoretisch ist dieses Team, mit welchem Supporting Cast auch immer, immer noch ein Contender. Wenn Paul und Griffin im Sommer in L.A. verlängern, dann brauchen sie aber ein anderes Spielermaterial um sich herum, als bisher.

Das erfolgreichste Experiment der Franchise-Geschichte nach exakt einem Playoff-Run, indem Fitness und sportliches Leistungsniveau übereinstimmten (2014/15) abzubrechen, wäre überhastet. Die Clippers verfügen seit Jahren über einige der besten Vier-Mann-Aufstellungen der NBA. Es fehlt nur ein weiterer guter Spieler, dann ist das Team ein ernstzunehmender Contender. Wer weiß, vielleicht gelingt den Clippers ja ein Coup und sie können für einen weiteren Top-Spieler traden, ohne einen ihrer Stars abzugeben. Ein Kandidat wäre zum Beispiel Carmelo Anthony. Kader einreißen ist also längst noch keine Option. Die Clippers sollten geduldig auf einen guten Deal warten.

Fest steht natürlich, dass der GM Doc Rivers im Sommer an einigen Feinheiten schrauben muss, ansonsten kommen schwere Zeiten auf die Clippers zu. Aber mit Verlieren kennen sie sich bei L.A.’s zweiter Franchise ja aus – zumindest vor der Ankunft der Big Three.

 

Wieder frühes Playoff-Aus: Müssen sich die Clippers neu ausrichten?
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kdurant35
kdurant35 2. Mai 2017 um 17:36 Uhr

@simon

Die sign&trade Variante ist mmn eine ganz schwierige Variante für die Clippers. Abgesehen davon, dass Griffin in deinem Bsp an Denver interessiert sein müsste, führt ein s&t auch dazu, dass alle beteiligten Teams die einen Spieler mit Gehalt aufnehmen beim Apron hard capt sind. Will man CP3 per Max plus JJ halten ist ein solcher Trade für Griffin damit nahezu nicht möglich. Vor allem wenn Spieler mit Impact und damit meist nicht minimalem Gehalt zurückkommen sollen. Dafür müssten zumindest noch andere Spieler mit höheren Gehältern (Crawford/Rivers) getradet werden.

Will man den Kader mit einem Griffin Trade homogener gestalten sehe ich eine Vertragsverlängerung mit anschließendem Trade im Januar als realistischere Variante.

Simon Wisser
Simon Wisser 2. Mai 2017 um 21:07 Uhr

Daher war das auch nur ein Gedankenspiel. Zudem dürfte Gallinari auch aus seinem Vertrag aussteigen. Es ist also unklar, ob er überhaupt in Denver bleibt und falls ja, ob anschließend die Gehälter passen würden für einen solchen Sign-and-Trade. Wenn ein Trade von Griffin zustande käme, würde ich diesen auch erst ab dem 15. Januar nächsten Jahres sehen, wenn er wieder getradet werden darf. Dann haben die Clippers mehr Optionen.

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