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Playoffs zwischen Lefty Linhart, Sik Sikma und Wright Way

04.05.2018 || 12:10 Uhr von:
Die große BBL-Playoff-Vorschau zeigt den Stil aller Teams auf, fragt nach deren Momentum und erklärt anhand zehn Videos, worauf in den Playoffs zu achten ist.

1. Bayern München

STIL

Mia san Hurra. Seitdem Dejan Radonjic in München an der Seitenlinie steht, steht bei den Bayern niemand mehr (und der Coach in bester Pesic-Manier auch mal vor der Seitenauslinie). Laufen ist angesagt. Mit dem neuen Coach weisen die Bayern nach Gießen die höchste Pace der Liga auf! Dieser „Run and Gun“-Stil bescherte den Münchenern vier 100-Punkte-Spiele in acht Partien – jedoch anscheinend auch eine Vernachlässigung in der Verteidigung. Das Defensiv-Rating von 108,7 unter Radonjic würde über den gesamten Saisonverlauf nur den siebten Platz bedeuten (unter Djordjevic: Ligabestwert von 99,1).

Das Spiel der Bayern scheint in der Offensive weniger strukturiert; selten überraschen die Bayern ihre Gegner via (Backdoor-) Cuts oder bei den unter Djordjevic so beliebten Alley-Oop-Anspielen nach Back-Screens. Zu Gute halten muss man dem Team, dass es seitdem eine Schwachstellte ausgemerzt zu haben scheint: den Dreier. Unter Djordjevic trafen die Bayern nur 34,9 Prozent ihrer Distanzwürfe, unter Radonjic sind es 44,2 Prozent. Inwieweit diese Diskrepanz angesichts der jüngsten Gegner und der geringen Stichprobe aussagekräftig ist, bleibt abzuwarten.

MOMENTUM

Denn unter Radonjic duellierten sich die Bayern nur mit zwei Playoff-Teams: am 34. Spieltag gegen Bonn, zwei Wochen zuvor gegen Frankfurt – dem jetzigen Viertelfinalgegner, gegen den sie achteinhalb Minuten vor Schluss mit 18 Punkten zurücklagen. Ohne Zweifel muss man das Comeback anerkennen (was auch an Fehlern Frankfurts und dem individuellen Shotmaking Münchens lag), doch über den restlichen Spielverlauf konnte man erkennen, dass sich die Bayern gegen eine defensivgeprägte Halbfeldmannschaft nicht einfach tun.

Die Bayern mögen unter Radonjic noch ungeschlagen sein – haben aber gegen Teams auf Playoff-Niveau noch keine konstant überzeugenden Leistungen abgerufen. Und genau deshalb darf man auch den Favoritenstatus eines Hauptrundenkrösus mit nur drei Saisonniederlagen zumindest ein wenig hinterfragen.

FOKUS

Trainerwechsel bergen immer Risiken und Unsicherheiten: eine neue Spielphilosophie am Taktikbrett, andere Rotationen auf dem Parkett, ein anderes Beziehungsgeflecht zu den Spielern. So scheint die Backcourt-Rotation Bayerns (noch) fluide: Braydon Hobbs’ Anteile sanken, Jared Cunningham wirkte ab und an fremd im System, doch Stefan Jovic blüht auf wie ein Roter Stern. Der Aufbauspieler mimt ein pars pro toto des bayerischen Kollektivs: ausbaufähige Verteidigung, aussagekräftige Fastbreaks.

Folgendes Video zeigt Jovic als Initiator und Vorlagengeber in Schnellangriffen.

8. FRAPORT SKYLINERS

FOKUS

„Ugly, slow, no jump“. Als sich München und Frankfurt das letzte Mal in den Playoffs gegenüberstanden, 2015, war dies die Selbstbeschreibung eines Spielers: Dusko Savanovic. „Ugly“ sei Phil Scrubb nicht attestiert – höchstens den MRT-Bildern seines Knies vor zwei Jahren –, doch auch Schnelligkeit und Sprungkraft assoziiert man beileibe nicht mit dem Guard. Was Scrubb auch selbst bewusst ist:

„Ich habe ziemlich früh in meiner College-Zeit erkannt, dass es einige Spieler gibt, die einfach schneller sind als ich. Ich habe gelernt, meinen Körper und meine Größe zu nutzen, um meinen Wurf los zu werden“, erklärte Scrubb im basketball.de-Interview Mitte November. Sein Wurf wird Scrubb dabei gerne aus der oft als ineffizient verpönten Mitteldistanz los.

Scrubb hat ein Gefühl dafür, Kontakt mit dem Gegenspieler aufzunehmen, gerne nach Verzögerungen, abzustoppen und sich Platz zu verschaffen. „[Der Mitteldistanzwurf] ist definitiv der Wurf, den ich suche, wenn ich für mich selbst kreieren und einen Abschluss forcieren muss. Wenn dein Verteidiger deinen Drive aufhält, ist er auch außer Balance – so hat er es schwer, dich zu stoppen und gleichzeitig den Closeout zu machen. Ja, das ist derzeit mein Go-to-Move.“

Wie unter anderem Scrubbs Gamewinner im Heimspiel gegen medi bayreuth zeigte. Auch in den Partien gegen Bayern glänzte Scrubb mit diesem Wurf – sogar in Nowitzki-Manier per Flamingo-Fadeaway.

MOMENTUM

In jenem Spiel gegen Bayern brachen die Frankfurter in den letzten achteinhalb Minuten zwar ein, zwangen den Münchenern zuvor aber ihr Spiel auf. Es folgten Siege gegen Bamberg und vor allem natürlich in Oldenburg, um die Playoff-Qualifikation zu sichern – dieser Fokus spricht für Frankfurt. Und Coach Gordon Herbert. Ein Trainer mit sportpsychologischem Hintergrund, der nahezu das Optimum aus seiner Truppe herausholt.

Was aber auch mit kurzen Rotationen einhergeht. Von den deutschen Akteuren sehen aktuell nur WoBo und Isaac Bonga konstant Minuten. Die US-Nachverpflichtung Jordan Siebert ist nicht wirklich eingeschlagen. So sollten Sechs/Sieben-Mann-Rotationen nicht verwundern – aus der Quantez Robertson übrigens auch mit einem persönlichen Momentum in die Playoffs geht: In den vergangenen zwölf Partien hat „Tez“ 50 Prozent seiner Dreier versenkt (28/56 3FG) – in den 22 Begegnungen davor waren es nur 23 Prozent (26/113 3FG).

STIL

Offensive hin oder her, Herberts Teams werden in erster Linie immer defensivgeprägte Mannschaften sein. Frankfurt switcht nicht nur in Pick-and-Roll-Situationen gerne, sondern auch ballabseits. Zudem verstehen die Hessen es ungemein gut, im Low-Post den Offensivspieler zur Baseline zu bewegen, wo sie per Doppeln zuschlagen.

Offensiv lautet die Philosophie: Wiederholung für Perfektion. Herberts Playbook für die Offensive mag nicht dick sein, vielmehr geht es Herbert um die Verinnerlichung der Prinzipien. Nichtsdestotrotz wissen die Frankfurter dank Scrubb und Tai Webster (zuletzt 32 Punkte gegen Bayern) den vielleicht offensivstärksten Backcourt der Liga in ihren Reihen. Gerade diese Prinzipienlehre mit Fokus auf Spacing führt aber durchaus zu feiner Ballbewegung.

Allen Basketballliebhabern wird eine Passstafette der San Antonio Spurs um Manu Ginobili, Patty Mills, Tim Duncan und Boris Diaw aus den Playoffs 2014 im Gedächtnis geblieben sein. Die Frankfurter passten sich gegen Oldenburg auf die genau gleiche Weise in Extase – krönten diese Ballbewegung durch Websters Fehlwurf nur nicht. Im Video ist Frankfurts Coach Gordon Herbert aus einem Interview vom Februar 2016 zu hören.

MANU MEINT

Offensivgeprägter Fastbreak-Stil gegen defensivgeprägtes Halbfeldspiel – welche Mannschaft kann dem Kontrahenten ihre Vorlieben aufzwingen? Trotz Systemveränderung und Rückspiel sind die Bayern der deutliche Favorit in der Serie, allein schon wegen der individuellen Qualität. Allen voran Reggie Redding, Vladimir Lucic und Devin Booker agier(t)en auf MVP-Niveau. Die Frankfurter müssen einen perfekten Abend erwischen, um die Bayern zu ärgern. Tipp: München 3-1.

Playoffs zwischen Lefty Linhart, Sik Sikma und Wright Way
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