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The Wright Way

27.04.2018 || 11:23 Uhr von:
Dorell Wright kam als Nachverpflichtung nach Bamberg, zeigte unter Trinchieri schwankende Leistungen, ist spätestens unter Banchi aber nicht mehr aus der Offensive wegzudenken.

Basketball ist ein Sport der Entwicklung. Nicht nur der Basketball an sich macht zwischen Spielweisen und Regeln Veränderungen durch, auch Spieler entwickeln sich im Lauf ihrer Karriere, fügen ihrem Paket weitere Facetten hinzu und durchlaufen dabei unterschiedliche Rollen. Mitunter ist dieses Profil aber von Karrierebeginn an festgelegt – so wie es bei Dorell Wright den Anschein hat.

Im Mai 2008 hatten die Scouting-Experten von DraftExpress ein Profil über Dorell Wright angelegt; vier Spielzeiten hatte der Forward zu diesem Zeitpunkt in der NBA verbracht. Ein Jahrzehnt später gelten einige Punkte des Scouting-Profils immer noch – nicht mehr in der NBA bei den Miami Heat, sondern in der BBL bei Brose Bamberg.

Folgende Analyse seziert Wrights Offensivspiel in unterschiedliche Aspekte sowie Play-Types und konzentriert sich dabei auf die Zeit unter dem neuen Bamberger Head Coach Luca Banchi. Unter Andrea Trinchieri hatte Wright noch schwankende Leistungen gezeigt. Das mag sowohl am Kollektiv als auch am Positionswechsel Wrights zwischen Drei und Vier sowie seiner Eingewöhnung gelegen haben. Doch unter Banchi scheint Wright endgültig zum Go-to-Guy gereift. 16,7 Punkte, 5,9 Rebounds und 1,6 Assists bei Quoten von 50 Prozent aus dem Feld und 50 Prozent von Downtown legt Wright im Schnitt auf.

Wright „erhält fast die Hälfte seiner Touches in Spot-up-Situationen, aber auch die Möglichkeit, seine Athletik zu nutzen und in den Schnellangriff überzugehen“, hatte DraftExpress anno 2008 geschrieben. Mit nunmehr 32 Jahren ist Wrights Athletik sicherlich geschwunden, doch Spot-up-Aktionen nehmen weiterhin den Großteil seiner Aktionen ein. Wie auch Abschlüsse in der Transition.

Die Bamberger benötig(t)en Shooting. Auf den großen Positionen fehlt dem Team ein Stretch-Big-Man, der Backcourt zeigte sich nicht immer konstant von außen. 45,3 Prozent seiner Dreier bei 5,1 Versuchen pro Partie netzt Wright aktuell ein. Nur ein Spieler in der BBL (Bonns Tomislav Zubcic) trifft bei einem solchen Volumen hochprozentiger.

Shooting statt Drives

Womit Wright doch eine Entwicklung genommen hat, präsentierte er sich nach seinem Wechsel von der High-School in die NBA in seinen Anfangsjahren doch noch nicht als sicherer Schütze. Er „hat sich zum soliden Catch-and-Shoot-Spieler entwickelt“, fasste DraftExpress damals zusammen. In Bamberg stellt Wright vielmehr eine hervorragende Option aus dem Spot-up-Bereich dar: 1,59 Punkte pro Possession bei 60-prozentiger Wurfquote sind exzellent. Wright gelingt es dabei, selbst mangelhafte Pässe in hochprozentige Abschlüsse samt schnellem Release umzumünzen. Vor allem in den Ecken fühlt sich Wright wohl.

Wright vertraut bei seinen Spot-up-Aktionen auf den Sprungwurf. Nur sieben seiner 50 Wurfversuche aus jenen Abschlüssen entfielen auf das Catch-and-Drive. Trotz seiner Treffsicherheit darf man diesen Aspekt in Wrights Spiel bemängeln: Er sucht zu selten den Weg zum Korb, attackiert nicht oft genug die gegnerische Zone – obwohl er auf der Drei Größenvorteile besitzt.

Eine Szene wie folgende gegen Würzburg, als er gegen den kleineren Help-Verteidiger Maurice Stuckey den Kontakt sucht und mit Foul abschließt, ist selten. Sehr athletisch kommt Wright nicht rüber. Die zweite Szene zeigt Wright, wie er gegen Münchens Reggie Redding den Abschluss scheut – und stattdessen nach außen passt.

Er „muss lernen, Kontakt aufzunehmen und abzuschließen“, ist auch heute noch relevant. 2,8 Freiwürfe pro Spiel in knapp 25 Minuten sind für einen Akteur Wrights Kaliber sicherlich ausbaufähig. „Ist kein großartiger Finisher am Ring“, hat DraftExpress ihm attestiert, was auch Wrights Statistiken zeigen. Zwar nicht für die BBL, aber für die EuroLeague sind die Daten dank S. Panagiotis ersichtlich: Wright schließt mit 44,7 Prozent am Ring deutlich unter dem Durchschnitt ab.

Ballführer im Schnellangriff

Wrights zweithäufigsten Abschlüsse unter Banchi kommen aus dem Schnellangriff zustande. Die Bamberger agieren im Vergleich zu Trinchieri mit einer höheren Pace und forcieren schon mal Würfe nach nur einem Pass. Wright pusht den Ball nach eingesammeltem Defensiv-Rebound auch selbst, um in der Early Offense den Abschluss zu suchen. Unter Trinchieri wären folgende Abschlüsse wohl undenkbar gewesen.

Die beiden Aktionen gegen Göttingen schneiden eine Entwicklung Wrights an: das Ballhandling. DraftExpress machte einen „soliden Ballhandler aus, der den Ball aber enger führen“ müsse. Immerhin 7,6 Prozent seiner Offensivaktion entfallen unter Banchi auf das Forcieren des Pick-and-Rolls. Für einen 2,06 Meter großen Forward ein hoher Wert. Zu Beginn der Saison liefen die Bamberger mit Wright auf der Vier sogar Vier-Fünfer-Pick-and-Rolls, was für gegnerische Verteidigungen eine Herausforderung war.

Im folgenden Video bringen die Bamberger Wright nach einem Staggered-Pin-Down in Position, das Pick-and-Roll als Ballführer zu laufen. Hierbei geht Wright gerne auf den Midrange-Jumper – kein so effizienter Wurf, doch schon damals schrieb DraftExpress: „richtet den meisten Schaden aus der Mitteldistanz an“. Wrights Sprungwurf, durch einen schnellen Release gepaart mit Wrights Größe und der Ballführung über dem Kopf, ist kaum zu blocken.

In der zweiten Aktion versucht sich Wright aus dem Pick-and-Roll im Drive. Doch gegen Tübingens Verteidiger Sid-Marlon Theis geht Wright mit seiner rechten Schulter voran in den Kontakt und wird mit einem Offensiv-Foul bestraft. Generell zeugen Wrights Drives nicht von der besten Entscheidungsfindung. „Er präsentiert sich off dribble nicht mit großer Konstanz“ beschreibt dies gut.

Ausbaufähiges Eins-gegen-Eins

Aspekte wie das angesprochene Ballhandling sowie das Forcieren von Abschlüssen nach eigenem Ballvortrag sind auch in folgendem Video bei der ersten Aktion ersichtlich. Dort versucht sich Wright im Eins-gegen-Eins gegen Ludwigsburgs Thomas Walkup. Wrights Crossover-Dribbling kann sich dabei sehen lassen.

Doch zu oft forciert Wright in der Isolation den Pull-up-Jumper. Gegen Frankfurt trifft Wright nach dem Switch von Mike Morrison diesen Wurf noch, doch gegen Bremerhaven und Oldenburg verwirft der Forward. Gegen Oldenburgs Karsten Tadda hätte Wright beispielsweise in das Post-up übergehen können, um seine Größenvorteile auszuspielen. Stattdessen nimmt er einen Baseline-Fadeway-Jumper ohne Balance.

Und so trifft Wright nur 25 Prozent seiner Würfe aus dem Eins-gegen-Eins. Geht er am Zonenrand zu Werke, sucht Wright ebenfalls eher den Sprungwurf als den Power-Move am Ring. Gegen Tez Robertson trifft Wright noch den schwierigen Fadeaway, gegen Ulms Katin Reinhardt jedoch nicht.

Mit vier Possessions bei insgesamt 119 Abschlüssen unter Banchi nimmt das Post-up aber auch eine untergeordnete Rolle in Wrights Spiel ein. Im Scouting-Report von DraftExpress war vom Post-up überhaupt nicht die Rede.

Off-Screen-Waffe

Von Off-Screen-Aktionen ebenfalls nicht, doch diese Abschlussart ist durchaus eine Waffe Wrights. Mit seinen 2,06 Metern präsentiert sich der Forward beweglich, um über ballferne Blöcke zu gehen, was die Bamberger nach Auszeiten oder bei Einwürfen auch gerne für Wright forcieren.

In folgendem Video agieren die Bamberger gegen Frankfurt bei herunterlaufender Wurfuhr mit einer spontanen Off-Screen-Aktion für Wright. Leon Radosevic stellt nahe des Ballführers Nikos Zisis einen Flare-Screen für Wright. Die rechte Seite ist ganz offen, von wo Wright Maß nimmt.

Und dann beweist Wright auch seine Go-to-Guy-Fähigkeiten in Off-Screen-Aktionen. Beim Auswärtsspiel gegen Bremerhaben steht es 45 Sekunden vor Schluss 76:76 unentschieden. Die Bamberger haben den Ball an der Grundlinie und nur noch 4,2 Sekunden auf der Wurfuhr zur Verfügung. Wright geht über einen Block Radosevics und beweist nach dem Catch seine Fußarbeit und Spielintelligenz. Einmal dreht sich Wright um die eigene Achse, um den Dreier zur entscheidenden Drei-Punkte-Führung einzunetzen.

„Er besitzt wieder die Erfahrung noch das Köpfchen, um effektiv abseits des Ball zu arbeiten und zu punkten“, hatte DraftExpress 2008 festgestellt. Wie sich Wright hierbei zum Positiven verändert hat. Als Schütze strahlt Wright eine ungemeine Gefahr aus, nach ballfernen Blöcken weiß Banchis Truppe eine verlässliche Option in ihren Reihen – eine Option, die mit 30 Punkten gegen Bremerhaben einen persönlichen BBL-Bestwert aufgestellt hat.

In jenem Spiel gegen die Eisbären bewies Wright sein Mikrowellenpotential: drei Dreier versenkte er im Schlussabschnitt. Das gelang Wright auch im dritten Viertel gegen Göttingen und im Shooting-Duell gegen Brion Rush. Gerade für eine bisher so inkonstante Mannschaft wie Bamberg ist eine solche Option enorm wichtig.

Wright mag dabei (immer noch) ein designierter Schütze sein, dessen Sprungwurf auf Grund der Kombination aus Technik und Größe nur schwer zu stören ist. Nichtsdestotrotz zeigt er auch eine Vielseitigkeit, die in der BBL nicht viele Zwei-Meter-Forwards aufbieten können: als Ballführer im Pick-and-Roll, als Initiator des Angriffs in der Early Offense. Sicherlich sind manche Aspekte in Wrights Offensive zu bemängeln, doch auch dem Neuzugang ist es zu verdanken, dass sich Bamberg zumindest offensiv auf dem richtigen Weg befindet.


Material zur Verfügung gestellt von Telekom Sport: Alle Spiele der easyCredit BBL, der deutschen Teilnehmer des Eurocup und der Euroleague exklusiv. Alle Infos hier.

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